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Die Minuszinsen und die Blasen

FMW-Redaktion

Überall sind Zinsen und Einlagesätze für Banken im Keller, dazu noch die Anleihekaufprogramme. Die Notenbanken (aktuell in Europa) tun alles, damit die Banken ihre Liquidität in die Wirtschaft pumpen, anstatt sie bei der EZB vergammeln zu lassen oder davon Anleihen zu kaufen.

Dänemark z.B. hat schon seit drei Jahren negative Zinssätze durch seiner Notenbank eingeführt. Das führt z.B. dazu, dass es tatsächlich verbürgte Fälle gab, dass Häuslebauer Geld von ihrer Bank bekommen haben anstatt Zinsen für die Hypothek zu zahlen. Aber abgesehen von diesen Einzelfällen führte dieses Zinsumfeld in Dänemark nicht zum erhofften Wirtschaftsboom. Wie der Ökonom Paul Krugman vor Kurzem schon beschrieb, führte die Koppelung der dänischen Krone an den Euro (durch die Notenbank) zur nicht existierenden Abwertung der Krone, was Dänemark nicht wettbewerbsfähiger werden lies.

So sank das BIP in Dänemark seit der Lehman-Krise statt zu steigen. Jetzt hätten die Null- bzw. Minuszinsen dem Währungseffekt entgegenwirken können, aber stattdessen befeuern sie vor allem die Immobilienblase, die in Skandinavien schon seit mehr als 5 Jahren wütet. Seit Einführung der Minuszinsen sind die Immobilienprise in Kopenhagen um gut 50% gestiegen. Eine normale Folge, denn auch in Deutschland kennen wir den Bank-Slogan „Die Zinsen sind günstig, wenn Sie eine Immobilie kaufen wollen, dann jetzt“. Würde die dänische Wirtschaft kräftig mit wachsen und die Verbraucherpreise ebenfalls, wären die starken Anstiege bei den Immobilienpreisen kein Problem. Aber die Verbraucherpreise in Dänemark wachsen derzeit nur um 0,5%, also fast gar nicht.

Unterdessen überlegt die EZB ihren Einlagensatz von -0,2 auf -0,3% zu senken. Wie wir in unseren letzten Artikeln seit gestern Nachmittag schon angesprochen hatten: Mario Draghi will einen Drogensüchtigen mit noch mehr Drogen therapieren. Wie er gestern sagte, funktioniere das aktuelle Anleihekaufprogramm der EZB super, nur werde die Eurozonen-Inflation halt durch diese nervige Schwellenländer-Krise und die blöden Rohstoffpreise runtergezogen. Die Tendenz geht also weiter Richtung „mehr Anleihekäufe“, „noch weiter sinkende Einlagensätze“, und vielleicht auch zu einem „Negativ-Leitzins“? Bis dorthin sind es nur noch ein zwei kleine Schritte.

Was wäre die Folge? Die Immobilien- und Aktienblasen in der Eurozone würden wie auch in Skandinavien noch mehr zunehmen. Die Realwirtschaft würde durch direkte und indirekte Effekte auch ein wenig positiv beeinflusst, aber eben nicht strukturell oder dauerhaft. Wozu ein tatsächlicher negativer Leitzins der EZB führen würde? Eine deutsche Bank und Sparkasse nach der anderen würde ihn an die Kleinsparer weiterreichen – dann hieße es ganz real „für Termingeld und Sparbücher zahlt der Kunde ab sofort Zinsen“. Und was das heißt, ist klar: Ab an die Geldautomaten, Erspartes abheben und in Cash unters Kopfkissen legen.



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3 Kommentare

  1. Hallo,
    wenn ich mich nicht täusche wird das nicht alles sein.
    Wenn viele Menschen Ihr Geld von den Banken abheben um die Minuszinsen zu umgehen hat die Bank ein Problem -> Die Eigenkapitalquote sinkt. So weit ich weiss werden Spareinlagen der Kunden in den Banken als Eigenkapital verbucht. Bitte um Korrektur wenn ich falsch liegen sollte.
    Sinkt also die Eigenkapitalquote hat die Bank ein Problem… Also müssten noch Strafzahlungen für Bargeld her, oder das Bargeld gleich abgeschafft.
    and so on…

    1. Zitat:
      „So weit ich weiss werden Spareinlagen der Kunden in den Banken als Eigenkapital verbucht.“

      Nein, das stimmt nicht, Eigenkapital ist ein gesonderter Posten.

  2. Der Draghi ist schon ein Fuchs(will Drogenabhängige mit noch mehr Drogen therapieren!)Um diese These umzusetzen braucht es natürlich mehr Dealer!Da kann er auf die EU-Kommission&speziell auf Mutti M.M.setzen!Die Green-Card Dealer sind in ausreichender Menge auf dem Weg nach Germany!

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