Anleihen

Die nächste große Stadt, die pleite geht, liegt in China

Von Markus Fugmann

Detroit in den USA ist pleite, Chicago könnte es bald auch sein, nachdem die Stadt gigantische Verpflichtungen gegenüber seinen städtischen Angestellten hat und daher von Ratingagenturen abgestuft wurde. Aber die nächste Pleite einer Großstadt könnte sich in China abspielen. Das zumindest prognostiziert die japanische Großbank Nomura Holdings Inc.

Nomura hat dazu die Kredit-Risiken von 30 Provinzen und 265 Städten in China untersucht. Um die Tragfähigkeit der Schulden zu prüfen, hat Nomura 13 Indikatoren entwickelt und mit diesen Indikatoren die Immobilienmärkte, Steuereinnahmen, die derzeitige Finanzlage und die ökonomischen Bedingungen der Städte und Provinzen analysiert. Das Ergebnis: der wahrscheinlichste Kandidat für eine Pleite ist die 8-Millionen-Stadt Wenzhou am Ostchinesischen Meer. Insgesamt sieht Nomura die größten Pleite-Risiken konzentriert in den Küstenregionen sowie in den westlichen Provinzen, während Zentral-China besser abschneidet.

Schätzungen gehen davon aus, dass die Gesamtverschuldung der chinesischen Provinzen circa vier Billionen Dollar beträgt – und damit das Gesamtvolumen der deutschen Wirtschaft übersteigt. China ist in Relation zu seinem BIP mit 282% eines der verschuldetsten Länder der Welt. Derzeit versucht Peking, das Pump-System wieder zu beleben, um die Folgen der sich rasch abkühlenden Konjunktur im Reich der Mitte zu kaschieren. Eines der Säulen dieses Pump-Systems sind die haussierenden Aktienmärkte, die sich in kurzer Zeit mehr als verdoppelt haben (Shanghai und Shenzhen) – wobei die Privatinvestoren, die 80% der Volumina bewegen, Aktien mit hohem Hebel kaufen – der margin debt ist daher auf Allzeithoch an den Märkten Chinas.

Derzeit versucht die Regierung eine Art Umschuldung der hoch verschuldeten Provinzen: diese können ihre Schulden in Vehikel wandeln, die eine deutlich geringere Zinsbelastung ausweisen, als Sicherheiten hinterlegen sie dafür Landbesitz. Peking ermuntert die Banken dazu, diese Anlagevehikel zu entwickleln und dann selbst zu kaufen – mit einer indirekten Garantie durch den chinesischen Staat. Somit entsteht ein gigantischer Anleihemarkt, der neben den Aktienmärkten die größte Blase in China darstellt.

Die Frage, welche Provinzen und Städte die größten Risiken aufweisen, ist daher von zentraler Bedeutung. Dazu schreibt Nomura:

„Assessing the geographic distribution of risks is becoming increasingly important, particularly as China’s bond market is on the verge of explosive growth“.



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