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Europa

Die Panik der EZB – und die Realwirtschaft

Ein Kurzkommentar zur Paranoia von Mario Draghi und der EZB

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Vor wenigen Minuten sind die deutsche Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht worden – und die Daten aus der deutschen Industrie waren zwar nicht wirklich gut, aber eben besser als erwartet. Davor (09.15Uhr) waren schon die Daten aus Frankreich stärker als erwartet ausgefallen (Gewerbe wie auch Dienstleistung jeweils deutlich besser als die Prognose). Warum also die Panik der EZB bzw. die ultradovishen Aussagen von Mario Draghi bei seiner Rede am Dienstag?

 

Die EZB im Elfenbeinturm

Nun, die EZB blickt vorwiegend auf die Inflationserartungen, die in den sogenannten 5y5y forwards gehandelt werden – und die einen Tag vor der Rede Draghis (also am Montag) auf ein neues Allzeittief gefallen waren:


(Blau Euro-Dollar-Kurs, orange die Inflationserwartungen für die Jahre 2024 bis 2029; Stand Montag)

Aber diese Inflationserwartungen geben Stimmungen wider, während wir es bei den Einkaufsmanagerindizes mit konkreten Daten zu tun haben! Das bedeutet faktisch: die EZB gewichtet Stimmungslagen höher als die Realwirtschaft – das ist ein weiterer Beleg, wie stark sich inzwischen die Notenbanker in ihrem Elfenbeinturm verschanzt haben!

 

Das Versagen der Notenbanker

Und selbst wenn es mit der Wirtschaft weiter bergab gehen würde: was ist daran so schlimm? Ist es nicht normal, dass es eine Zeit lang mit der Wirtschaft bergauf geht, bevor es dann wieder bergab geht, bevor es dann wieder bergauf geht? Die EZB aber – und andere Notenbanken auch – wollen das Bergab unter allen Umstämnden vermeiden und greifen damit in die Wirtschaft auf eine verzerrende Weise ein – sie glauben Nachfrage durch kostenloses Geld schaffen zu können, was nachweislich nicht funktioniert.

Statt aber diesen Irrtum zuzugeben, wird man in seiner Ideologie immer radikaler – auf Kosten der nachfolgenden Generationen, die dann eine zombifizierte Wirtschaft vorfinden werden mit Firmen, die nur deshalb noch leben, weil sie genügend Geldgeber finden angesichts nicht vorhandener Zinskosten..

Um im Bild der Wirtschaft als Bergab und Bergauf zu bleiben: die EZB verhält sich wie ein Seilbahnhersteller, der immer neue Kabinen produziert unter gewaltigen Folgekosten, statt die oben angekommenen und nun leeren Kabinen wieder ins Tal fahren zu lassen, damit neue Fahrgäste unten wieder einsteigen können. Irgendwann hat man dan unendlich viele Kabinen – aber viel zu wenige Fahrgäste..

7 Kommentare

7 Comments

  1. Marko

    21. Juni 2019 10:23 at 10:23

    Hier mal was zum Nachdenken:

    https://www.onvista.de/news/die-boerse-benimmt-sich-oft-wie-ein-alkoholiker-245321797

    „Die Überreaktionen stammen daher, dass die meisten Anleger mit der Masse schwimmen“, ergänzt er. „Profianleger dürfen hingegen in den Fonds ihre sogenannten Risikopuffer nicht ausreizen und müssen gegebenenfalls vorher verkaufen.“ Das haben sie scheinbar auch bereits getan. Die von Bank of America Merrill Lynch befragten Investoren haben Aktien in ihren Portfolios untergewichtet. Ihre Aktienquoten sind so niedrig wie zuletzt im März 2009, also mitten in der Finanzkrise.“

    Na das könnte man schon so sehen, deshalb, gerade jetzt, keine größeren Short-Positionen… Aber das habe ich schon vor Monaten gesagt… Kann teuer werden…

  2. Zinsangst

    21. Juni 2019 11:12 at 11:12

    Möglicherweise haben die Zentralbanken gar keine andere Wahl mehr. Selbst in Deutschland ist die Zinssensitivität der Konjunktur seit der Finanzkrise extrem angestiegen. Was hält denn die deutsche Wirtschaft aktuell am Laufen? Richtig, die Immobilienblase! Hypothekendarlehen gibt es aktuell schon ab 0,92% effektiver Jahreszins (bonitätsabhängig). Und etliche Leute aus meinem Bekannten- und Freundeskreis haben in den letzten Jahren und Monaten Wohnungen, Häuser oder einfach noch größere Häuser gekauft. Die mntl. Raten passen oft gerade so ins Familienbudget. Man stelle sich nur mal vor, die EZB würde ihren Leitzins von aktuell 0% auf den für Deutschland angeblich angemessenen Satz von 3,5% anheben. Oft werden nur 1-2% p.a. Tilgung bezahlt, der Rest der Hypothekenrate besthet aus Zinszahlungen. Wenn sich dieser Anteil auch nur verdoppeln, geschweige denn verdreieinhalbfachen würde, würde die deutsche Immoblase mit einem großen Kanll platzen. Ganz zu schweigen von dem Rest der Zombiökonomie. Bei aller Kritik an den ZBs, die ich teile, aber man kann von den Nutznießern der Privilegien dieses Systems kaum verlangen, dass sie das System und ihre eigene komfortable Existenz aus moralischen Gründen selbst zerstören. Kann ich mir jedenfalls bei Draghi und Co. nicht vorstellen.

  3. Zinsangst

    21. Juni 2019 11:18 at 11:18

    Ergänzung: selbst wenn die ZBs nur bei einem Abschwung passiv zuschauen würden, wäre das System dem Zusammenbruch geweiht. Mehr und mehr Hypothekenschuldner könnten mangels Arbeitseinkommen ihre Raten nicht zahlen. Kreditausfälle, Zwangsversteigerungen, Hauspreisrückgänge, Kredit-Tightending wären die Folge. Gleiches unerfreuliches Ergebnis für die Systemprotagonisten. Deshalb scheint mir auch STillhalten keine Option mehr zu sein. Prävention im Sinne von konsequenter Rezessionsvermeidung ist ergo Teil der Systemerhaltungsstrategie (Sicherstellung der allgemeinen Schuldentragfähigkeit).

  4. Moritz

    21. Juni 2019 11:26 at 11:26

    Die Metapher am Ende ist Klasse, einfach perfekt 🙂

  5. Miraculix

    21. Juni 2019 13:26 at 13:26

    Ja, diese Metapher allein löst bei mir Glücksgefühle aus. DANKE Fugi!! You are my man. Please, always stay on the bright side… Insgesamt fühle ich hier sehr viel Sachverstand. Also, DANKE auch für die tollen Kommentare! Klar, Ausnahmen gibt’s auch. Diese sind m.E. auch wichtig – danke auch dafür. So, die Schlauen nutzen die Schwächen der Systeme aus. Andere haben sich bereits zu dauenörgenden Bedenkenträgern, Selbstoptimierern und „Zombies“ oder eine Kombi daraus entwickelt. Es fehlen m.E. die Macher auf der bright side. Woran das wohl liegen mag? Fehlt es an Energie, Organisation oder Charakter? Die Kompetenz und Werkzeuge sind doch m.E. vorhanden. M.E. bietet jede Krise auch Chancen.

    • Grautvornix

      22. Juni 2019 00:16 at 00:16

      M.E. nutzen die Schlauen die Schwächen der Systeme seit Jahrzehnten im Übereifer aus. M.E. ist das auch offensichtlich. M.E. nörgelt man zuviel, m.E. sind die Macher schon zulange auf der bright side. M.E. fehlt es Ihnen an Charakter, lieber Anleger, m.E. haben Sie einfach zuwenig Vertrauen und Optimismus in die Potenz und Möglichkeiten der Märkte. M.E.
      Ihr Grautvornix

      • Miraculix

        22. Juni 2019 12:50 at 12:50

        Mit bright side meinte ich das Gegenteil von dark side. Nicht, dass ich da falsch verstanden werde. Sorry, wenn ich zur Vereinfachung neige. Sie hilft mir ein wenig, um bei so vielen Bäumen ein klein wenig vom Wald zu sehen. Diese Herangehensweise ist natürlich nicht ungefährlich und erscheint nicht besonders intelligent oder intellektuell…

        Aber Danke für den treffenden Kommentar. Tatsächlich scheint es bei mir an Vertrauen zu fehlen.

        Ok, mein Zaubertrank soll Vertrauen (bright?) erzeugen. Dazu suche ich mir schon mal potentielle Wirkstoffe. Aber Obacht, es könnte toxische Doppelgänger, wie bspw. blindes Vertrauen (dark?), geben. Obwohl, wäre ja eigentlich nicht uninteressant zu sehen, welchen Zauber diese bewirken. Nein ausgeschlossen, mit den Konsequenzen müsste ja dann auch meine 10jährige Tochter womöglich sehr lange leben. Wenn ich so darüber nachdenke, ich darf bei der Erstellung des Rezepts auf keinen Fall die Variablen Freiheit und Gesundheit für Natur und Mensch vergessen. Ach, und für wen mache ich eigentlich den Trunk und für was nochmal. Ach so, für mich, um die Römer zu besiegen. Boah, da muss er aber sehr stark werden. Ah, es gibt ja Potenzmittel. Trotzdem, ich bin schließlich Druide und nicht Soldat. Wenn ich Römern Zugang zum Trunk gewähre und vorher die Rezeptur ein wenig verändere, könnte ich vielleicht eine von den begehrten Golduhren tragen. Aber für was? Womöglich muss ich diesen Trunk dann noch selber trinken. Der würde mir aber nicht schmecken. Und was passiert dann eigentlich mit meinem Kind? Oder sollte ich besser alles lassen? Uns gehts doch schließlich besser als den meisten???

        Wo sind eigentlich Asterix, Obelix und die ganze Rasselbande?

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Europa

Leistungsbilanz Eurozone: Überschuss steigt deutlich

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Die sogenannte „Leistungsbilanz“ beinhaltet nicht nur Außenhandelsüberschüsse und Defizite im Warenhandel, sondern auch aus Dienstleistungen, Kapitalerträge usw. Sie spiegelt also den effektiven Geldfluss wieder und gibt an, ob ein Land oder ein Wirtschaftsraum unterm Strich Mittelzuflüsse oder Mittelabflüsse erlebt. Für die Eurozone hat die EZB heute den aktuellsten Wert für die Leistungsbilanz für den Monat Mai präsentiert. Mit einen Überschuss von 29,7 Milliarden Euro hat man 8,8 Milliarden Euro besser abgeschnitten als noch im April mit +20,9 Milliarden Euro (nachträglich von der EZB korrigiert auf +22,4). Die Eurozone hatte zuvor drei Monate lang einen sinkenden Überschuss in der Leistungsbilanz erlebt. Und jetzt dieser kräftige Anstieg.

Im Januar (fünfter Balken von rechts) gab es ein kurzes Aufflackern nach oben, was im Februar und März nach unten korrigiert wurde. Der Trend bleibt auf mehrere Jahre gesehen konstant. Aber zuletzt war die Tendenz wie gesagt absteigend! Nun die Kehrtwende. Die Grafik zeigt den gesamten Saldo als blaue Linie, wo man jetzt den Aufwärtshaken erkennen kann. Das Sekundäreinkommen (blaue Balken) ist leicht schrumpfend. Dabei geht es um Gelder, die von Ausländern in der Eurozone verdient und dann in ihre Heimat transferiert werden. Dieses Geld wird also den Volkswirtschaften in der Eurozone entzogen, und ist somit der einzige Negativwert bei der Errechnung der Leistungsbilanz.

Dann haben wir den Warenhandel (orange Balken), der traditionell für Europa dank der Exporte immer im positiven Bereich liegt, vor allem dank der immensen deutschen Überschüsse. Man kann im letzten Balken (Mai) einen Anstieg im Warenhandelsüberschuss sehen in Relation zum Vormonat. Der rote Balken steht für die Überschüsse im Außenhandel mit Dienstleistungen. Er bleibt konstant. Das Primäreinkommen (in grün, vor allem Kapitalerträge und Investments aus dem Ausland) kann zulegen! Warenhandel und Primäreinkommen geben dem Überschuss in der Leistungsbilanz den Aufwärtsschub.

In den 12 Monaten bis inklusive Mai 2019 entstand für die Eurozone ein Überschuss in der Leistungsbilanz in Höhe von 323 Milliarden Euro. In den 12 Monaten davor (bis Mai 2018) waren es noch +392 Milliarden Euro. In diesem aussagekräftigeren Vergleich erkennt man noch einen deutlichen Rückgang der Überschüsse.

Leistungsbilanz Eurozone
Grafik und Daten: EZB

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Europa

Aktuell: Deutsche Erzeugerpreise schwach

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Das Statistische Bundesamt hat soeben die deutschen Erzeugerpreise für den Monat Juni veröffentlicht. Sie steigen im Jahresvergleich um nur 1,2% bei 1,4% Erwartung. Im Mai waren es noch +1,9%. Im weniger wichtigen Monatsvergleich von Mai auf Juni gehen die Erzeugerpreise sogar um 0,4% zurück (erwartet -0,1%.). Also: Noch weniger Druck auf die Endverbraucherpreise, noch schwächere Inflation in der wichtigsten europäischen Volkswirtschaft? Frau Lagarde, übernehmen Sie? Noch weiter runter mit den Zinsen, noch mehr Anleihekäufe?

Erzeugerpreise

Das Statistische Bundesamt im Wortlaut:

Die Preisentwicklung bei Energie wirkte sich auch im Juni 2019 am stärksten auf die Entwicklung der Erzeugerpreise insgesamt aus. Energieprodukte waren um 2,2 % teurer als ein Jahr zuvor. Gegenüber dem Vormonat Mai 2019 sanken diese Preise um 1,4 %. Ohne Berücksichtigung von Energie waren die Erzeugerpreise um 0,9 % höher als im Juni 2018. Gegenüber Mai 2019 blieben sie unverändert.

Verbrauchsgüter waren im Juni 2019 um 2,1 % teurer als im Juni 2018. Gegenüber dem Vormonat Mai 2019 stiegen diese Preise um 0,5 %. Nahrungsmittel waren um 2,6 % teurer als im Vorjahresmonat. Die höchsten Preisveränderungen gegenüber dem Vorjahresmonat wiesen auch im Juni 2019 Schweinefleisch (+21 %) und verarbeitete Kartoffeln (+16 %) auf. Billiger als im Juni 2018 waren insbesondere Butter (-30,7 %) und Zucker (-15,2 %). Kaffee kostete 5,0 % weniger als ein Jahr zuvor.

Die Preise für Investitionsgüter lagen im Juni 2019 um 1,5 % höher als ein Jahr zuvor. Gebrauchsgüter waren im Juni 2019 um 1,4 % teurer als im Juni 2018.

Vorleistungsgüter waren im Juni 2019 um 0,2 % günstiger als im Juni 2018. Eine negative Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat hatte es letztmalig im Oktober 2016 gegeben (-0,5 %). Gegenüber dem Vormonat Mai 2019 sanken diese Preise ebenfalls um 0,2 %. Billiger als ein Jahr zuvor waren vor allem metallische Sekundärrohstoffe (-11,8 %), Metalle kosteten 3,5 % weniger. Einen überdurchschnittlich hohen Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat wiesen unter anderem Getreidemehl sowie Düngemittel und Stickstoffverbindungen mit einem Plus von jeweils 7,7 % auf.

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Europa

Industrie-Schwäche erreicht Osteuropa

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Es ist logisch nachvollziehbar. Vor allem viele deutsche Hersteller haben Teile-Produktionen oder komplette Produktionen in Osteuropa. So sind Länder wie Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn fest eingebunden in den Erfolg oder auch Misserfolg der deutschen Industrie. Deutschland zeigt wie auch Italien schon seit Monaten gruselig schlechte Daten zur Industrieproduktion.

Aktuell werfen wir mal an dieser Stelle einen Blick nach Polen. Dort wurden heute für den Monat Juni Daten zur Industrieproduktion veröffentlicht. Bei Erwartungen von +2% im Jahresvergleich wurde heute ein Minus von 2,7% vermeldet. Im Monatsvergleich von Mai zu Juni 2019 ist es ein Minus von 2,0%! Das ist heftig! Bislang sah die Lage in der Industrie in Polen eigentlich gut aus. Aber jetzt scheint die schlechte Lage aus Westeuropa auch nach Osteuropa überzuschwappen.

Die folgende Grafik zeigt, dass auch die Produktion von Autoteilen deutlich im negativen Bereich liegt!

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