Folgen Sie uns

Allgemein

Die perverse Sache mit der „Managerhaftpflicht“ – Freifahrtschein für Nichtskönner und Versager

Redaktion

Veröffentlicht

am

Versager zu sein ist nichts Schlimmes. Es ist nur menschlich, wenn man bestimmte Fähigkeiten einfach nicht mitbringt, und bestimmte Tätigkeiten nicht beherrscht. So ist es eben. Nur sollte man dann eben nicht Vorstandschef eines Milliarden-Unternehmens werden. Noch schlimmer wird es, wenn man dem Staat und somit dem Steuerzahler Milliarden-Kosten aufdrücken kann, ohne dafür belangt zu werden. Nein, noch besser. Man wird mit Millionen-Abfindungen belohnt.

So geschehen im Fall von Dirk-Jens Nonnenmacher, während der Finanzkrise „glorreicher“ Vorstandschef der HSH Nordbank. Der Mathematiker konnte offensichtlich keine Bank führen, wollte aber unbedingt auf der tollen Party in London und New York („Investmentbanking“) dabei sein. So riss zu großen Teilen dieser Herr Nonnenmacher die HSH Nordbank in den Abgrund, und somit ist er einer der Hauptverantwortlichen für die Milliardenverluste, die heute dem Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein in Rechnung gestellt werden.

Nur weil ein findiger Anwalt sich die Mühe machte durch die Bilanzen der HSH Nordbank zu gehen, wurden Nonnenmacher und seine Vorstandskollegen überhaupt mal vor Gericht gestellt, und das auch nur wegen einer einzigen Transaktion mit einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe, bei der Veruntreuung und Betrug unterstellt wurden. Er wurde letztlich freigesprochen, was dann aber vom BGH verworfen wurde. Aktuell liegt der Fall offenbar wieder bei Hamburger Gerichten. Aber mal ehrlich… wird Herr Nonnenmacher ins Gefängnis gehen? Wohl kaum. Dahin schicken wir lieber die Schwarzfahrer, die einen Schaden von vielleicht 100 Euro verursachen.

Aber kann die HSH Nordbank ihren ehemaligen Chef nicht zivilrechtlich in Regress nehmen, wenn ein massives Fehlverhalten festgestellt wurde? Anders als in angelsächsischen Ländern geht man hierzulande mit Nichtskönnern in Chefetagen um wie mit rohen Eiern. Warum nur? Ist es immer noch der tief sitzende preussische Obrigkeitsgedanke, der bei gesetzgebenden Institutionen wie auch Gerichten und Staatsanwälten unterbewusst verankert ist? Wer oben ist, muss geschützt werden?

Wie die WiWo herausgefunden hat, wird der zivilrechtliche Anspruch der HSH gegen Herrn Nonnenmacher offenbar von der Managerhaftpflichtversicherung der Bank abgedeckt. Es ist üblich, dass Banken und große Unternehmen für ihre Vorstände solche Versicherungen abschließen. Leisten sie sich Fehlverhalten, die zu Strafzahlungen führen, zahlt diese Versicherung. So kommt der Privatmann Nonnenmacher auch nach seiner Tätigkeit bei der HSH offenbar ohne private Strafzahlung davon.

Ist das nicht schön? Auf 50 Millionen Euro Strafzahlung wegen der vor Gericht behandelten Straftat soll sich die Versicherung mit der HSH geeinigt haben. Das Geld ist aber noch nicht geflossen. Es soll nur gezahlt werden, wenn die HSH zusichert auf eine weitere zivilrechtliche Verfolgung gegen Nonnenmacher zu verzichten. Das bedeutet also: Die vor Gericht noch nicht entschiedene Straftat wird von der Versicherung schon mal als Schaden gewertet, bei dem sie bezahlen muss – und das für Nonnenmachers persönliches Fehlverhalten.

Warum zahlt die Versicherung noch nicht? Die Zusicherung, dass nicht weiter verfolgt wird, fehlt noch seitens der HSH Nordbank. Der Grund scheint klar zu sein. Damit würde sich die HSH ja der Möglichkeit berauben zukünftig noch weiter Geld von der Versicherung einzutreiben, wenn weitere Vergehen von Dr. No (Spitzname von Hr. Nonnenmacher) ans Tageslicht kommen. Laut WiWo hätten die Vertreter der beiden Bundesländer Angst vor der öffentlichen Reaktion, wenn man jetzt einmalig 50 Millionen Euro kassiert, und danach Nonnenmacher sowie seine Versicherung aus dem Schneider sind.

Diese Angst vor so einer negativen öffentlichen Reaktion ist mehr als berechtigt, so meinen wir. Schließlich liegt der Schaden der Steuerzahler irgendwo um die 12 Milliarden Euro. Es ist taktisch schlau von den Ländern die Zustimmung für diesen 50 Mio-Deal hinauszuzögern. Denn in womöglich wenigen Monaten wird der Verkauf der Bank an private Eigntümer rechtskräftig vollzogen sein. Dann liegt die Entscheidung bei ihnen, und die Regierungen der beiden Nordländer sind aus jeglicher Verantwortung für den Fall Nonnenmacher/HSH entlassen.

Tja, so eine Manager-Haftpflichtversicherung, das ist schon eine schöne Sache. Der Herr Nonnenmacher (an welchem sonnigen Plätzchen liegt er derzeit?) kann sich die ganze Sache entspannt angucken mit seiner „Rentenversorgung“ in Millionenhöhe, und so oder so zahlt die Versicherung für den Schaden, den er angerichtet hat! Ja, da ist es schon mal angebracht sich polemisch und laut aufzuregen, dass solche Nichtskönner und Versager einfach so davon kommen, wenn eine Kassiererin im Supermarkt wegen einem Pfandbon in Höhe von 3 Euro ihre Existenz verliert.


Das Hamburger Rathaus. Foto: Daniel Schwen / Wikipedia (CC BY-SA 2.5)

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    K. Baumeier

    21. September 2018 11:04 at 11:04

    Dieser Artikel verfälscht das Bild der Managerhaftpflichtversicherung. Offensichtlich ist ein Schaden über EUR 12 Mrd. entstanden. Die D&O-Versicherung ist bereit, EUR 50 Mio. zu bezahlen, wenn keine weiteren Ansprüche gegen Herrn Nonnenmacher gestellt werden. Die D&O-Deckungssumme liegt also höher, der Versicherer möchte nicht mehr bezahlen. Selbst wenn die Versicherungssumme wie bei VW bei EUR 500 Mio. liegen sollte, deckt die Deckungssumme nicht den entstandenen Schaden. Für die Differenz bleibt Herr Nonnenmacher persönlich haftbar, soweit er für den Schaden die Verantwortung trägt. Seine Abfindung und sein Ruhestandseinkommen haben nichts mit der D&O-Versicherung zu tun.Die D&O übernimmt die gerichtlichen Abwehrkosten und bei Feststellung der Haftung den Schadenausgleich bis maximal zur Höhe der Deckungssumme. Abfindung und Ruhestandseinkommen sind Entscheidungen/Klauseln im Anstellungsvertrag der HSH Nordbank, bzw. unterliegen der Mitverantwortung der Miteigentümern der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein.
    Die D&O-Versicherung schützt Manager vor der Privatinsolvenz, wenn diese durch eine Pflichtverletzung einem Dritten oder dem Unternehmen einen Vermögensschaden zugefügt haben. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Direkter Vorsatz und Schädigungsabsicht sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Nichtskönner und Versager? Diejenigen, die entschieden haben, Herrn Nonnenmacher die Vorstandsposition bei der HSH Bank zu geben, darunter auch die Miteigentümer Land Hamburg und Schleswig-Holstein(!), können evtl. selber dafür haften, dass sie einen „Nichtskönner/Versager“ unter Vertrag genommen haben, wenn sie z.B. nicht ausreichend geprüft haben, ob diese Person für die Position tatsächlich befähigt ist. Soweit diese Personen „versicherte Personen“ sind und die sonstigen Voraussetzungen im Rahmen der Versicherungsbedingungen vorliegen, wird die D&O-Versicherung auch ihnen gerichtliche Abwehrkosten erstatten, vllt auch Schadenausgleich, wenn überhaupt noch Deckungssumme vorhanden ist….
    Vor allem im Mittelstandsberatung hilft die D&O Existenzen zu retten für einen Fehler, den jeder Manager, egal wie alt und wie erfahren, passieren kann.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz – sehr dovish!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

– Corona-Maßnahmen bringt „headwinds“ für wirtschaftlichen Ausblick (FMW: wo ist bloß die viel besungene „V-Erholung“?)

– Inflation dürfte negativ bleiben wegen deutscher Mehrwertsteuersenkung und niedrigem Ölpreis (FMW: Brent Öl fällt gerade erstmals seit Mai unter die Marke von 37 Dollar)

– Banken zeigen bei Kreditvergabe strengere Kriterien aufgrund steigender Risiken

– jetzt kommt der schon rituelle Aufruf Lagardes zu fiskalischen Maßnahmen, diese sollten zielgerichtet sein

– Lagarde jetzt über „Next Generation EU“ – wie Daniel Stelter sagen würde die „Klimaplanwirtschaft“

– Lagarde „hat“ fertig, jetzt kommen Fragen, natürlich alle virtuell..

—-

– Lagarde: für nächste EZB-Sitzung im Dezember werden alle Instrumente untersucht – das wird bereits vorbereitet, damit die EZB bei der Erholung (der Vermögenspreise…?) helfen kann

– FMW: Lagarde bisher sehr dovish, das bringt auch den Ölpreis so unter Druck, der Euro jetzt unter 1,17

– Lagarde: morgen kommen BIP-Zahlen, diese „könnten positiv überraschen“ (Prognose ist +15%), aber für das 4.Quartal sieht es nicht gut aus

– Lagarde zu Inflation: wir die derzeit negative Inflation nicht Deflation, weil es ein Sondereffekt der Pandemie ist

– Lagarde: Dass die Staaten der Eurozone Anleihen mit Gemeinschaftshaftung ausgeben, hat die Wahrnehmung der Eurozone verändert

– Lagarde: haben auf dieser Sitzung nicht über Veränderung der Geldpolitik diskutiert

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

weiterlesen

Allgemein

Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

weiterlesen

Allgemein

Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

ico Capital.com
Capital.com CFD Trading App
Kostenfrei

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen