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Die Rettung für den US-Einzelhandel? Ab in die Insolvenz, entschulden, und dann Amazon angreifen?

FMW-Redaktion

Was kann man in der Insolvenz besonders gut machen? Man kann Standorte platt machen, Mitarbeiter los werden, wie auch seine Schulden. Der Spielzeug-Verkäufer Toys R Us hat heute Nacht Insolvenz angemeldet. Rein börsentechnisch ist dieser Vorgang völlig uninteressant. Denn die jetzigen Eigentümer (ein Konglomerat aus Private Equity-Firmen) hatte die Firma im Jahr 2005 gekauft, von der Börse genommen, und der Firma die Schulden für die Firmenübernahme aufgedrückt – wie üblich in dieser nicht besonders netten Branche.

Abgesehen von diesem Schuldenberg hatte Toys R Us genau die selben Probleme wie viele andere ehemalige Größen wie Sears und Co. Viele Ladegeschäfte, und immer größere Konkurrenz durch Amazon. Wie soll man bei den Personalkosten da schon mithalten? Da lautet die Devise „Gesundschrumpfen“ und „weg mit den Schulden“. Vielleicht kann man dann als kleinere Firma mit niedrigeren Kosten und den rentabelsten Standorten erneut durchstarten?

Alleine in 2017 haben 25 Einzelhändlsketten in den USA Insolvenz angemeldet, mit Schulden in Höhe von 6,4 Milliarden Dollar. Wenn sie nach der Insolvenz neu an den Start gehen, zahlt dafür einer die Zeche: Vor allem ist dies der Anleiheinvestor, der seine Ansprüche verliert. Der Aktionär hatte schon vorher einen Großteil seines Geldes verloren, weil die Aktien börsennotierter Insolvenz-Anmelder in der Regel schon vorher den Bach runtergehen.

Wo Toys R Us einerseits Schulden von insgesamt 5 Milliarden Dollar angehäuft hat, machte man im letzten Quartal bei 2,2 Milliarden Dollar Umsatz einen Verlust von 164 Millionen Dollar. Da ist es schon interessant, dass die Firma nun ganz aktuell zur Insolvenz vermeldet, dass man Zusagen über eine neue Finanzierung von 3 Milliarden Dollar erhalten habe.

Es soll also offensichtlich weitergehen mit dem Geschäftsbetrieb, und man möchte sich wohl vor allem von Altlasten befreien. So darf man es wohl verstehen. Toys R Us ist kein kleiner Laden, sondern der größte Spielzeug-Einzelhändler in den USA mit weltweit 1600 Läden. Wahrscheinlich wird man wie gesagt unrentable Läden schließen und Mitarbeiter entlassen. Gleichzeitig dürfte man sein Online-Geschäft ausbauen.

Irgenwie klingen die Aussagen von Toys R Us gar nicht nach Insolvenz-Horror und Niedergang. So sagt der Chef Dave Brandon zur Insolvenz aktuell, dass nun eine neue Äre anbreche. Den Kampf gegen Amazon aufnehmen, mit weniger Schulden, und weniger „lästigen“ Filialen und Mitarbeitern?


Aus einem Toys R Us-Geschäft in den USA. Foto: U.S. Air Force Photo/ Staff Sgt. Joshua Garcia / Gemeinfrei



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5 Kommentare

  1. Umschulden! Also Schulden mit Schulden bezahlen. Tolle Idee. Das hat garantiert Erfolg. Das sich ganz Amerika in einem Dornröschenschlaf befindet und die 20 Billionen-Schuldenmarke geknackt wurde, ist sowieso egal. Da machen die paar Milliarden auch nichts mehr aus. Hauptsache man lügt und betrügt sich gesund. Und da der Durchschnittsamerikaner sowieso alles auf SCHULDEN (Kreditkarte) finanziert, ist diese Insolvenz auch egal. Die bezahlen also Schulden mit Schulden, die wiederum mit Schulden finanziert werden. Genial!

    1. Lach,… die Amerikaner machen ja wenigstens noch für sich Schulden,… der schlaue Michel wird die Schulden von ganz Europa übernehmen, das wird genial, nicht wahr!;-)

  2. Amazon ist dich gar nicht der Bösewicht sondern eher ein Konkurrent ohne lästige PE Eigentümer. Wäre interessant zu wissen wie hoch der Anteil der Firmen am gesamten „Insolvenzmarkt“ Ist, die den Kaufpreis der PEs selber zahlen mussten und so viel weniger Kraft hatten, um sich gegen Konkurrenten wie Amazon zu stemmen. Vielleicht werden aber die Kreditgeber langsam wach und unterstützen derartige Auswüchse nicht mehr. Denn eins ist klar. Gewinner sind die PE.

  3. Überall wo KKR mitmischt gibt es über kurz oder lang Probleme… Klassisches Modell der PE Branche: Kaufpreis dem Unternehmen aufgebürdet, schlechte Geschäfte, Laden bricht zusammen. Mal schauen ob KKR wie bei ATU ausgebootet wird über einen Debt-Equity Swap. Einfach so stellt doch J.P Morgan nicht 3 Mrd. Dollar zur Verfügung, die wollen bestimmt was sehen bzw. haben !

  4. Florian Homm hat Recht. Das Einzelhandelssterben und der damit verbundene Wegfall von Arbeitsplätzen und Kaufkraft werden noch ein Beben ungeahnten Ausmaßes nach sich ziehen. Da können die Notenbanken Geld drucken wie sie wollen, das Problem kriegen sie nicht in den Griff.

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