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Die riskante Wette der Italiener

Was würden Sie machen, wenn Sie Italiener wären, sich Sorgen um die Stabilität der italienischen Banken machen und glauben, die Krise der Banken Italiens könnte sich noch weiter verschärfen?

FMW-Redaktion

Was würden Sie machen, wenn Sie Italiener wären, sich Sorgen um die Stabilität der italienischen Banken machen und glauben, die Krise der Banken Italiens könnte sich noch weiter verschärfen? Sie würden vermutlich versuchen, ihr Geld von den Banken abzuziehen und es auf ein anderes Konto packen, ein Konto von dem Sie glauben, es sei sicher.

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Die italienische Post hortet massiv Kundengelder. Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)

Das geschieht ohnehin schon durch eine massive Kapitalflucht ins Ausland, wie schon die Target2-Salden zeigen. Aber es gibt auch innerhalb Italiens eine Kapitalflucht – nämlich weg von den Banken Italiens. Profiteur dieser Entwicklung ist die italienische Post, also Poste Italiane. Denn Poste Italiane ist staatlich kontrolliert (zu 65%) und hat dazu noch 13.000 Filialen im Land. Das ist praktisch.

Und nun denken sich viele Italiener: Poste Italiane ist staatlich, unsere Banken sind es nicht – also ist das Geld scheinbar sicherer bei Poste Italiane. Daher haben die Italiener Gelder von den italienischen Banken abgezogen – und bei der Post auf Konten gepackt. In den letzten sechs Monaten immerhin drei Milliarden Euro – das entspricht ziemlich genau den Abflüssen bei den Banken Italiens im letzten halben Jahr.

Die Überlegung dahinter scheint logisch: Banken könnten pleite gehen, der Staat Italien eher nicht. Und wenn doch, ist sowieso alles verloren. Also lieber Geld bei einem staatlichen Institut haben als bei einer privaten Bank.

Nur gibt es da ein oder zwei Probleme. Das erste ist, und das wissen viele Italiener nicht: Poste Italiane hat gar keine Bank-Lizenz – die Konten werden gehalten unter dem Namen BancoPosta, und BancoPosta wiederum ist nicht Teil der italienischen Einlagesicherung (die Guthaben bis 100.000 Euro absichert). Macht alles nix, sagt BancoPosta, wir haben Absicherungen im Umfang von einer Milliarden Euro aufgebaut (die in Anleihen investiert sind), dazu ein Agreement mit dem italienischen Finanzministerium über 400 Millionen Euro.

Also alles total safe? Nicht ganz. Denn diese Absicherungen, die in Anleihen investiert sind, sind fast ausschließlich in italienische Staatsanleihen investiert. Und würde Italien wie Griechenland in schwere Fahrwasser kommen, würed das bedeuten: haircut! Und damit wäre ein guter Teil dieser Absicherung faktisch wertlos.

Und das ist schon eine paradoxe Situation – auf der Suche nach Sicherheit setzen viele Italienier also voll auf den italienischen Staat. Das kann gut gehen, muß aber nicht gut gehen. Mithin also setzen die Italiener ihr Geld sogar einem Klumpenrisiko aus.

Aber das ist ja auch bei den Deutschen so: auf der Suche nach Sicherheit investiert man Kredit-finanziert in vermeintliches Betongold in Großstädten und setzt sich dabei ebenfalls Klumpenrisiken aus…



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1 Kommentar

  1. Frage: Warum zeigt sich der italienische Markt die letzten Tage relativ stark?
    Mfg

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