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Die schwindelerregende Tesla-Story: Großaktionäre fordern unabhängige Aufseher

Bei Tesla, da ist was los. Anfang der Woche stieg der Gesamtwert der Firma (zumindest in den Augen der Börsianer) so hoch, dass man kurzzeitig der wertvollste Autohersteller der USA war mit…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Bei Tesla, da ist was los. Anfang der Woche stieg der Gesamtwert der Firma (zumindest in den Augen der Börsianer) so hoch, dass man kurzzeitig der wertvollste Autohersteller der USA war mit 51 Milliarden Dollar. Der Kurs sprang jüngst rauf bis auf 313 Dollar. Ein Wahnsinn. Ja, ja ist ja schon gut, wir wollen uns nicht schon wieder ausführlich darüber auslassen, wie völlig überzogen so ein Wert ist bei einer Firma, die brutal Geld verbrennt und noch nie Gewinne gemacht hat.

Man lebt eben von der großen Hoffnung. Hoffnungen können manchmal auch wahr werden, aber hier hofft man doch schon sehr lange, und hat unendlich große Träume bereits im aktuellen Kurs eingepreist. Diese schwindelerregende Story scheint so langsam wohl auch Großaktionären von Tesla unheimlich zu werden. Mehrere Großinvestoren, die schon lange in Tesla-Aktien investiert sind, haben in einem Brief an das Unternehmen gefordert unabhängige Aufseher im Aufsichtsrat der Firma zu installieren.

Diese dürften mit dem illustren Chef Elon Musk bitte nichts, aber auch gar nichts privat oder geschäftlich zu tun haben, so formulieren wir es mal im Klartext. Fünf der aktuell sieben aktuellen Aufseher seien in irgendeiner Form mit Musk verbunden, so die Kritik. Ein unabhängiger Aufsichtsrat müsse aber als Gegengewicht zum Firmenchef fungieren. Die Kritiker sind keine Hedgefonds, sondern in diesem Fall Pensionskassen zum Beispiel aus Kalifornien und New York.

Bis zum 24. April solle Tesla antworten. Darauf wartet man aber nicht. Schon gestern Abend sagte Elon Musk man suche ja bereits nach zwei neuen unabhängigen Personen für das Aufsichtsgremium. Man darf gespannt sein. Hört man zukünftig mehr kritische Worte aus dem Aufsichtsrat? Die Aktie jedenfalls legte gestern und vorgestern ein Päuschen ein und fiel vom Hoch 16 Dollar. Nur eine kurze Pause? Wir wissen es auch nicht. Da muss jeder ganz für sich alleine entscheiden, ob er das noch mitmachen will mit einem Neu-Einstieg. Hier nochmal kurz die Sichtweise von Elon Musk zu all den Nörglern an seiner Aktie. Wer auf fallende Kurse setzt, steht momentan verdammt schlecht da, so sinngemäß die Übersetzung dieses Tweets aus der letzten Woche. Die Aktie stand noch im Dezember bei 180 Dollar.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen


Die Tesla-Aktie seit Oktober.

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    gerd

    13. April 2017 14:02 at 14:02

    Aber wenn doch sogar …“Pensionskassen zum Beispiel aus Kalifornien und New York.“ dort investiert sind, muss ich doch annehmen, dass die Aktie noch nicht zu teuer ist.

    Die werden ihre Investments sicherlich sorgfältig auswählen. Und es ist ihnen doch bestimmt nicht verboten dort wieder auszusteigen und Gewinne mitzunehmen.
    Aber sie bleiben und hoffen anscheinend auf mehr.
    Das macht mich als „Leerverkäufer“ etwas unfroh.

    • Avatar

      Sabine

      14. April 2017 13:04 at 13:04

      Es darf gelacht werden.
      http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/dossier/story/18911915
      http://diepresse.com/home/wirtschaft/finanzkrise/415273/LehmanwbrPleite-trifft-Oesterreich-mit-einer-Milliarde-Euro
      „Pensionskassen“

      Wir Deutsche mit unserer KFW toppen natürlich noch unsere Nachbarn.
      1.) 15. Sept.2008, 7.11 Uhr: Die Nachrichtenagentur AP meldet: „Die schwer angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers will Konkurs anmelden.“
      2.) 3 Tage vorher 12. Sept: Mehrere KfW-Abteilungsleiter sitzen an diesem Fr. und beraten die Lage. Sie sprechen darüber, wie sich im Zuge der Finanzkrise die Situation für Lehman Brothers verschärft hat. … Der bereits in den Computer eingegebene Währungsrücktausch, das so genannte „offene Settlementrisiko“, scheint nicht kontrovers diskutiert worden zu sein. Die Abteilungsleiter vertagen sich auf Montag, 9.30 Uhr.
      14. Sept: Die Krise von Lehman gerät außer Kontrolle. Die Verhandlungen über eine Rettung scheitern. Die Mitarbeiter der KfW genießen ihr WE. Kein Verantwortlicher scheint die Lage bei Lehman zu verfolgen.
      15. Sept, 8.37 Uhr: Die KfW leistet die Rückzahlung in Höhe von 320 Millionen Euro. Die Bundesbank erledigt die Überweisung. Die Gegenzahlung von Lehman bleibt aus. (Ach?)
      3.) 2 Tage später, am 17.09. offenbart diese Bank, daß sie bereits seit Monaten von der Schieflage von LehmanBrothers wußte. Warum überweist sie dann nach der Insolvenz nochmal 300Millionen? „Die KfW hat ihr Engagement bei Lehman in den vergangenen Monaten systematisch reduziert.“
      http://www.sueddeutsche.de/geld/die-millionen-ueberweisung-der-kfw-protokoll-einer-panne-1.698156

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    PK

    13. April 2017 14:27 at 14:27

    „Aber wenn doch sogar …“Pensionskassen zum Beispiel aus Kalifornien und New York.“ dort investiert sind, muss ich doch annehmen, dass die Aktie noch nicht zu teuer ist.
    Die werden ihre Investments sicherlich sorgfältig auswählen.“

    Hey Gerd,

    das war jetzt aber doch ironisch gemeint oder ?
    Tesla hat mit einem „Investment“ so viel zu tun wie einige Highflyer zu Zeiten des neuen Marktes. Tesla wird in 10 Jahren sicher unter 50 Dollar notieren. Und zwar ohne Aktiensplit. Dennoch gibt es aktuell keinen sinnvollen Grund zu shorten. Die short borrowing costs liegen bei 20% und Puts etc. verbieten sich sowieso. Daher braucht es einfach zu viel Glück beim Zeitpunkt. Nochmal, logisch macht ein short Sinn, praktisch aber nicht.

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      gerd

      13. April 2017 15:55 at 15:55

      Ich hätte eher andersherum vermutet – vom Chronologischen her. Falls sie dieses oder nächstes Jahr nicht Pleite gehen und weg sind vom Fenster, dann werden sie in 10 Jahren tatsächlich noch höher stehen.

      Unten der Kommentar von Dieter G. ist ja auch nicht verkehrt, dass die Teslas nicht gerade wie Nuckelpinnen aussehen.

      Wobei ich mich frage, warum kauft sich freiwillig überhaupt jemand ein Elektroauto statt Benziner.
      E-Bike kann ich gut verstehen, das bringt effektiv Vorteile, egal wie gut oder schlecht ich konditioniert bin.
      Da gibts ja sogar schon derartige Mountainbikes.
      Aber beim Auto habe ich doch das Gegenteil, nämlich Einbuße an Kraft und Kondition.

      Und heute las ich, dass ALLE einen höheren Strompreis bezahlen müssen, weil die Leitungskosten/Netzausbau wegen der zu schaffenden rund 70000 Ladestationen teurer wird.

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        Emm wie Meikel

        13. April 2017 18:25 at 18:25

        Nicht zu vergessen, die mit der Zeit nachlassende Kapazität der Akkus (ist nach derzeitigem Stand der Technik unvermeidbar). Es ist der selbe Scheiss wie beim Handy oder Tablet. Auch sind weit und breit keine Stromtankstellen zu finden, die die für eine halbwegs vertretbare Ladedauer notwendige Stromstärke liefern.

        E-Autos sind vom Prinzip her interessant und vielleicht sogar die Zukunft, doch eine Massentauglichkeit liegt noch in weiter Ferne. Selbst wenn diese Technologie irgendwann mal so weit ausgereift ist, daß sie alltagstauglich wird, können es ganz andere Firmen sein, die sich etablieren (Tesla ist nicht der einzige Autobauer und bis dahin vielleicht sogar insolvent).

        • Avatar

          Walter Schmid

          13. April 2017 23:11 at 23:11

          Genau!

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    Dieter G.

    13. April 2017 14:47 at 14:47

    Ist jetzt aber typisch deutsches Journalistengeschreibe, oder? Tesla isoliert zu betrachten dürfte der größte Fehler sein. Aber ok, wer natürlich sein Geld lieber in betreutes Wohnen bei VW & Konsorten anlegen möchte….

    Keine Ahnung warum permanent auf Tesla rum gehackt wird. Alle kreischen nach Veränderung, Innovation, neuen Ideen. Dann wird geliefert was bestellt wurde, und siehe da, der deutsche Michel kriegt schlechte Laune.

    Einer unserer Geschäftsfreunde hat sich im letzten Monat einen Tesla gekauft. Ehrlich? Ein richtig geiles Auto. Da verblassen die Nuckelpinnen der deutschen Autobauer.

    Ein entspanntes Osterfest wünscht

    Dieter

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      Sabine

      14. April 2017 13:08 at 13:08

      „Dann wird geliefert was bestellt wurde, …“ Da liegt der Haken. Eben nicht.
      Der Gewinner an der Aktion ist der Tesla-Käufer, weil er ein aktionärsgesponsertes Auto bekommt. Er müßte eigentlich mehr als das Doppelte zahlen.

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        gerd

        14. April 2017 17:43 at 17:43

        Mehr als das Doppelte?
        Das spricht dafür, dass Sie die Tesla-Produkte doch eigentlich sehr wertschätzen.
        Ich hoffe, aus reinem Egoismus, sie sind nicht das Doppelte wert und ich hoffe weiter, Sie haben mit Ihrer skeptischen Einschätzung hinsichtlich öffentlicher Pensionskassen Recht.

        • Avatar

          Walter Schmid

          15. April 2017 10:35 at 10:35

          Ich glaube nicht, dass hier Wertschätzung gegenüber Tesla-Produkten gemeint war, sondern eher ein Hinweis auf den Umstand, dass Tesla bei seinen bisherigen Preisen ja noch nie in der Lage war, kostendeckend zu arbeiten, geschweige denn einen Gewinn einzufahren.

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    PK

    13. April 2017 16:31 at 16:31

    Dieter, bin auch schon Tesla gefahren, das letzte Mal vor ein paar Tagen.
    Klar, der „Von Sinnen“ Modus ist lustig, macht sicher mal ein paar Wochen Spass das Ding. Der kurvigen Landstrasse konnte der S nicht mal bis zur 2.Kurve folgen (Nachts). Der Besitzer hat mir dann erklärt, wie toll es ist, wenn man mal in Ruhe am Autohof einen Kaffe trinken kann (denn da waren wir dann 1.5h). Und daß er dann in Ruhe Emails checken kann etc. Vorher hatte er einen Porsche und ist immer 230 auf der Autobahn gefahren, weil ers so eilig hatte.
    Ich glaube einfach, daß das Clientel für so ein Auto begrenzt ist. Und wenn es ein Massenprodukt wird, wird es andere geben. Die Eintrittsbarriere ist gleich Null für die anderen Autobauer. Die verdienen aber halt gerne was an jedem verkauften Auto, darum gibts das auch noch nicht.
    Als Aktienanlage ist Tesla in jedem Fall eine völlige Katastrophe.

    • Avatar

      Walter Schmid

      13. April 2017 23:14 at 23:14

      Genau so ist es!

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    Masud79

    13. April 2017 18:04 at 18:04

    Die kacke jagt heute wieder hoch unglaublich

  6. Avatar

    Habnix

    13. April 2017 18:30 at 18:30

    Was ist an Substanz bei Tesla . Es ist alles aufgebauscht nach meiner Ansicht.

    Sind die Fahrzeuge von Tesla Winter tauglich?

    Bisher haben wir sie immer bei schönem Wetter gesehen.

    Ein Winter wie 1978/79 steht noch aus.

  7. Avatar

    columbo

    13. April 2017 19:03 at 19:03

    Tesla erinnert mich an holländische Tulpen. Was damit gemeint ist, weiß jeder hier.

    • Avatar

      Walter Schmid

      13. April 2017 23:15 at 23:15

      Ein wirklich guter Vergleich!

    • Avatar

      Habnix

      14. April 2017 15:31 at 15:31

      Guter Vergleich!

  8. Avatar

    Walter Schmid

    13. April 2017 23:34 at 23:34

    Tesla ist meine zweitgrößte Shortposition auf eine Aktie und ich werde sie immer weiter shorten, je höher der Kurs steigt, weil sie selbst dann völlig überbewertet ist, wenn Elon Musk mit seinem Unternehmen Erfolg haben sollte. Einen solchen sehe ich aber nicht. Die aktuelle Bewertung ist genauso verrückt, wie die Bewertungen vieler New-Economy-Unternehmen im Jahr 2000. Zugute halten möchte ich Musk’s Idee mit den Solardächern. Die ist echt gut, aber eine gewinnträchtige Entwicklung muss auch hier erst einmal nachgewiesen werden. Tesla ist derzeit eine der besten Aktien, die man shorten kann!

    • Avatar

      Dieter G.

      14. April 2017 13:06 at 13:06

      Hä? Dann bist Du ja jetzt super im Plus, oder? Nur, wo liegt jetzt die Intelligenz Deiner Shortposition? Am Hoch zu shorten ist ja legitim, aber wenn es überhaupt keinen Grund gibt sich zu engagieren, halte ich das für ziemlichen Blödsinn.

      • Avatar

        Walter Schmid

        18. April 2017 02:42 at 02:42

        Wenn es deiner Meinung nach keine guten Gründe gibt, Tesla zu shorten, musst du es ja auch nicht tun.

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

Veröffentlicht

am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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Aktien

JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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