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Die Staatsausgaben wachsen schneller als die Einnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Im ersten Halbjahr 2018 hat die Öffentliche Hand (Bund, Länder, Kommunen, Sozialversicherungen) 26,8 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Nach aktueller Veröffentlichung der Daten für das 1. Halbjahr 2019 ist dieser Überschuss geschrumpft auf 10,9 Milliarden Euro. Denn die Staatsausgaben steigen mit +6,6% schneller als die Einnahmen, die um 4,2% steigen. Noch ist man also mit +10,9 Milliarden Euro im positiven Bereich. Das Statistische Bundesamt im Wortlaut:

Die Ausgaben des Öffentlichen Gesamthaushalts stiegen im 1. Halbjahr 2019 um 6,6 % gegenüber dem 1. Halbjahr 2018 auf 734,3 Milliarden Euro. Die Einnahmen erhöhten sich um 4,2 % auf 745,2 Milliarden Euro. Die Angaben beziehen sich auf vorläufige Ergebnisse der Kern- und Extrahaushalte der vierteljährlichen Kassenstatistik.

Hier aufgeteilt nach den vier zu trennenden Teilbereichen:

Die Ausgaben des Bundes stiegen im 1. Halbjahr 2019 gegenüber dem 1. Halbjahr 2018 um 7,0 % auf insgesamt 197,2 Milliarden Euro. Die Einnahmen des Bundes nahmen um 1,2 % auf 196,9 Milliarden Euro zu. Daraus ergibt sich ein Finanzierungsdefizit für den Bund von 0,2 Milliarden Euro.

Obwohl auch bei den Ländern der Zuwachs bei den Ausgaben (+6,6 % auf 199,6 Milliarden Euro) den Anstieg bei den Einnahmen (+3,6 % auf 211,7 Milliarden Euro) übertraf, wiesen sie im 1. Halbjahr 2019 einen Finanzierungsüberschuss von 12,1 Milliarden Euro aus.

Bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden stiegen die Ausgaben um 5,2 % auf 129,1 Milliarden Euro und die Einnahmen um 4,3 % auf 128,8 Milliarden Euro. Damit errechnet sich für die Gemeinden und Gemeindeverbände im 1. Halbjahr 2019 ein Finanzierungsdefizit von 0,3 Milliarden Euro.

Die Sozialversicherung wies im 1. Halbjahr 2019 ein Finanzierungsdefizit von 0,7 Milliarden Euro aus. Ihre Ausgaben erhöhten sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,3 % auf 335,7 Milliarden Euro, ihre Einnahmen um 4,6 % auf 335,0 Milliarden Euro.

Staatsausgaben und Einnahmen

Staatsausgaben und Einnahmen Chart

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Zimmermann

    1. Oktober 2019 15:19 at 15:19

    Ja logisch, dieser Beamten- und Bürokratenstaat hat es doch gar nicht auf dem Schirm, dass die Einnahmen mal sinken könnten, nachdem man Jahr für Jahr mehr an Steuern und Abgaben eingenommen hat. Sollten die Einnahmen dennoch mal sinken, dann wird man sich schon was überlegen, dem Bürger nochmehr aus der Tasche zu ziehen. Was fällt mir da gerade aktuell ein, ach ja CO2-Stuer heisst die nächste Masche. Aber nachdem der deutsche Michl ohne grosses Murren dabei brav mitmacht. Warum nicht?

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Aktien

Shortsqueeze: Shortselling – so gefährlich wie selten zuvor!

Junge Trader handeln Aktien mit einer hohen Shortquote – und bringen Hedgefunds durch einen Shortsqueeze an den Rand des Abgrunds!

Wolfgang Müller

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am

Es war die Meldung des gestrigen Tages an der Wall Street: Der Hedgefonds Melvin Capital hat sein Engagement bei GameStop beendet, damit seine leerverkauften Aktien zurückgekauft, als Opfer eines Shortsqueeze hat Melvin Capital gewaltige Verluste eingefahren.

Sicherlich das Extrem in einer Entwicklung, die aber schon längere Zeit zu beobachten ist. Wetten auf fallende Kurse – Shortselling – sind derzeit gefährlicher denn je! Ein Überblick über das Coronajahr 2020 offenbart ein Fiasko.

Shortsqueeze: Eine Idee macht Schule

GameStop ist kein Einzelfall. Die jungen Trader der Generation RobinHood haben aus ihren Erfolgen anscheinend den Schluss gezogen, dass man bei Aktien mit einer hohen Shortquote sehr leicht Gewinne einfahren kann – durch einen Shortsqueeze, der Leerverkäufer zu Eindeckungskäufen zwingt. Durch organisierte Käufe von Aktien und Optionen, die die Shortseller unter Druck bringen. Diese müssen ihre Positionen schließen, sprich die Aktien kaufen und die Spirale dreht sich weiter nach oben. So realisiert beim Kinobetreiber AMC Entertainment oder beim Einzelhändler Bed Bath & Beyond. Der Name für das Spiel heißt Shortsqueeze, ein Begriff, der bei Google im Januar mit dem Faktor 15 nachgefragt wurde und dreimal so oft, wie beim bisherigen Hoch.

Generation Z oder doch Y?

Vermutlich Letztere, denn die unter 25-Jährigen haben wohl mehr mit ihren Studentenkrediten zu tun, von denen viele unter Wasser stehen. Das Durchschnittsalter der 13 Millionen RobinHooder ist zuletzt leicht über 31 Jahre gestiegen, entsprechend dem Median der Generation Y. Da die durchschnittliche Depotgröße vor Kurzem noch bei unter 5000 Dollar lag, bedeutet, dass es schon großer konzertierten Aktionen bedarf, um Marktbewegungen auszulösen. Deshalb auch das große Interesse an Pennystocks und Werten mit einer kleinen Marktkapitalisierung. Bei einer über 3000 Dollar schweren Amazon-Aktie wird man mit diesen Depotgrößen nicht so viel ausrichten, ist ein Shortsqueeze viel schwieriger in Gang zu setzen.

Die Verluste der Shortseller

Wie oft hatte der Finanzdienstleister S3 im letzten Jahr über die Höhe der Shortquote bei Tesla berichtet? Ein ständiger Quell für Kursanstiege, weil es dem Marketingtalent Elon Musk immer wieder gelungen war, seine Fangemeinde zu begeistern. Seine Wut auf die Shortseller hatte ihn vor zwei Jahren fast um seinen CEO-Posten gebracht. Hat er vielleicht die Gelegenheit genutzt, um sich mit seinen Twitter-Botschaften (GameStonk u.a.) verspätet zu rächen? Jedenfalls haben Shortseller im Jahr 2020 mit Tesla 40 Milliarden Dollar Verlust eingefahren, der höchste Verlust, der je mit einem US-Unternehmen erzielt wurde. Das war der bisher größte Shortsqueeze aller Zeiten!

Auf den nächsten Plätzen in der Rangliste Apple (-6,7 Mrd.), Amazon (-5,78 Mrd.), Pinduodo (-4,74 Mrd.) und Square (.4,70 Mrd. Dollar).

Insgesamt kommt S3 Partners auf Verluste in Höhe von 240 Milliarden Dollar.

Bescheiden hingegen die Gewinne der Shorties: Exxon Mobile (1,29 Mrd.), AT&T (1,26 Mrd.) und Raytheon (1,20 Mrd. Dollar). Da war in Deutschland bei einer Wirecard vermutlich mehr zu holen.

Für einige Hedgefonds wurde es durch die Aktionen der Bubble-Boomer, wie FMW sie bezeichnet, so richtig gefährlich. Hedgefonds mussten sich gegenseitig helfen, um eine gigantische Pleite zu verhindern. Citadel und Point72 Asset Management sahen sich gezwungen, 2,75 Milliarden Dollar in Melvin Capital Management zu investieren, um das Schlimmste abzuwehren.

Bloomberg berichtet, dass Melvin Capital mit seinen aggressiven Strategien seit 2014 durchschnittlich 30 Prozent Rendite erwirtschaften konnte. Zu Beginn des Jahres war es noch ein verwaltetes Vermögen von 12,5 Milliarden Dollar, der Verlust der letzten Tage wird auf ebenso 30 Prozent geschätzt.

Was man auch nicht vergessen sollte: Von den bis zu 10.000 Hedgefonds, die es weltweit gibt, gehen jährlich Hunderte pleite, die aggressive Strategien fahren, die ihnen immer wieder auf die Füße fallen. Über die redet keiner, wenn es um die Bilanz der Superfonds geht, die bis zu 20 Prozent Gewinnbeteiligung verlangen konnten – die so genannten versunkenen Geheimnisse. Und in diesen Zeiten geht man einfach besonders risikoreich zu Werke. Short-Strategien, mit über 100 Prozent der verfügbaren Aktien (durch naked shortselling – oder ungedeckte Leerverkäufe) – es ist ein Spiel mit dem Feuer, welches mitunter durch einen Shortsqueeze gewaltige Verluste produziert.

Fazit

Das Finanzkonstrukt Leerverkauf ist nicht nur durch die Sondersituation Corona sehr riskant geworden. Die gemeinsamen Aktionen der Jungen Zocker hat eine große Dimension erreicht, die aber bald die Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen wird. Es handelt sich bei organisierten Aktionen, einen Shortsqueeze auszulösen, schlichtweg um Marktmanipulation. Bei aller Verwunderung über die Kursexplosion und den explosiven Anstieg von GameStop im Januar von über 1000 Prozent: es geht bei diesem Nebenwert „nur“ um eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Dollar.

Der S&P 500 hat eine Marktbewertung von 33.000 Milliarden Dollar und richtig marktbewegend sind natürlich Kursveränderungen von Tesla oder Facebook, wie zum Beispiel um 5 Prozent nach den gestrigen Zahlen nachbörslich. Nur fünf Prozent, aber bereits eine Veränderung um 75 Milliarden Dollar. Wie bereits dargestellt, die große Korrektur dürfte von den Big Seven ausgehen, die allein das Doppelte auf die Waage bringen, als alle Aktien im Russel 2000 zusammen.

Shortseller leben aktuell gefährlicher denn je - es droht der Shortsqueeze!

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Ein Wunder? Gewerbeumsätze deutlich besser als im Frühjahr 2020

Claudio Kummerfeld

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Qualmende Schornsteine

Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie sind im zweiten Lockdown, die Umsätze brechen dramatisch ein. Nur die Industrie glänzt. Millionen von Solo-Selbständigen sind beruflich und finanziell womöglich am Ende, oder kurz davor. Dennoch präsentiert das Statistische Bundesamt heute mehr als glänzende Zahlen für die Gerwerbeumsätze in Deutschland, basierend auf den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzämter. Warum es eine Verzerrung der Realität sein kann? Nun, viele Betriebe melden nur quartalsweise, und gerade kleine Selbständige mit wenigen Einnahmen reichen gar keine Umsatzsteuermeldungen ein, weil sie gar nicht umsatzsteuerpflichtig sind. Die staatlichen Statistiker definieren die „gewerbliche Wirtschaft“ mit den Branchen Industrie, Energie- und Wasserversorgung, Bau, Gastgewerbe sowie Handel und Dienstleistungen.“ Also so ziemlich alles.

Laut aktueller Aussage des Statistischen Bundesamts ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland im Dezember 2020 trotz erneutem Lockdown gegenüber dem Vormonat deutlich gestiegen, nämlich um 5,1 Prozent. Seit dem Tiefpunkt im April 2020 ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft kontinuierlich angestiegen und liegt im Dezember 2020 nun 6,6 Prozent höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Mit reichlich Sarkasmus könnte man nur anhand dieser Zahlen glatt sagen: Sämtliche Hilfs- und Stützungsmaßnahmen für Wirtschaft, Selbständige und Beschäftigte kann der Staat sofort einstellen, denn es läuft ja deutlich besser als Anfang 2020. Aber die Realität ist (abgesehen von der Industrie) eine andere. Man schaue nur welche Ladenketten jetzt schon platt sind, und wer im Bekanntenkreis finanziell und beruflich ruiniert ist, oder kurz davor steht.

Aber zurück zu den offiziellen Zahlen. Die Grafik zeigt die Gewerbeumsätze seit dem Jahr 2015. Für Februar 2020, dem letzten Monat vor Ausbruch der Coronakrise, sehen wir einen Indexwert von 132,5, und im Tief im April einen Wert von 109,3. Jetzt sehen wir für Dezember einen Wert von 141,3. Also, alles bestens? Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, hat aktuell auch noch einen Hinweis, warum es im Dezember so gut aussieht:

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Grafik zeigt Gewerbeumsätze seit 2015

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Aktien

BaFin: Mitarbeiter wegen mutmaßlichen Insiderhandels in Wirecard-Aktien angezeigt

Claudio Kummerfeld

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Die BaFin hat vor 20 Minuten eine Mitteilung veröffentlicht, wonach man einen Mitarbeiter angezeigt habe wegen mutmaßlichem Insider-Handel in Wirecard-Aktien im Juni 2020. Die Meldung können Sie gleich im Wortlaut lesen. Vorab eine Frage meinerseits: So eine Kontrolle oder auch Nachprüfung der Transaktionen der eigenen Mitarbeiter dauert länger als ein halbes Jahr? Was ist da bitte schön los im Hause BaFin? Schließlich war die Wirecard-Pleite und die zahlreichen Trades der eigenen Mitarbeiter ein mehr als besonderes Börsen-Ereignis. Hat man in Super-Zeitlupe geprüft? Hier die Meldung im Wortlaut:

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 27. Januar 2021 einen Mitarbeiter der Wertpapieraufsicht wegen des Verdachts des Insiderhandels bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart angezeigt. Der Beschäftigte hatte am 17. Juni 2020 strukturierte Produkte mit dem Basiswert Wirecard AG verkauft. Die Wirecard AG machte am 18. Juni 2020 öffentlich, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro noch keine ausreichenden Prüfungsnachweise zu erlangen waren. Die Finanzaufsicht hatte den Verdacht im Rahmen ihrer Sonderauswertung entdeckt. Sie hat den Beschäftigten sofort freigestellt und ein Disziplinarverfahren eröffnet.

Die BaFin hat die Compliance-Regeln für die privaten Wertpapiergeschäfte ihrer Mitarbeiter Mitte Oktober 2020 verschärft. Spekulative Finanzgeschäfte, also das kurzfristige Handeln, beispielsweise mit derivativen Finanzinstrumenten oder Aktien, sind seitdem nicht mehr möglich.

Die BaFin-Zentrale in Bonn
Haupteingang bei der BaFin in Bonn. Foto: © BaFin

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