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Die Teufelsspirale der EZB

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann –

Die EZB glaubt, durch ihre Anleihe-Käufe die Inflaton in der Eurozone anzuheizen. Seitdem klar ist, dass die EZB auch wirklich QE betreiben wird, haben die Märkte viele der daraus entstehenden Effekte bereits eingepreist: der Euro wird deutlich schwächer, der Dollar deutlich stärker, die Renditen für Staatsanleihen fallen, Rohstoffpreise fallen, Aktienmärkte haussieren, die Gewinne der US-Unternehmen brechen aufgrund der Dollar-Stärke ein. So weit, so logisch.

All das war prognostizierbar, hatte etwas Logisches. Nur die Inflation will nicht anziehen in der Eurozone, trotz des zu erwartenden QE der EZB. Das einizge, was steigt, ist die Inflationserwartung der Märkte – aber das bedeutet noch nicht, dass die faktische Inflation dann wirklich anzieht.

Vielmehr sieht es so aus, als würde die EZB in ihrem Bestreben, Inflation zu generieren, das Gegenteil erreichen. Warum? Sie befördert eine Dollar-Stärke, die sich vor allem auf Schwellenländer negativ auswirkt: Brasilien, Türkei, Mexico – wohin man auch immer hinsieht, die Währungen der Schwellenländer sind unter Druck. Gleichzeitig leben diese Schwellenländer häufig von Rohstoffen, deren Preise aufgrund der Dollar-Stärke tendenziell fallen. Das bedeutet, die Menschen in diesen KLändern können weniger konsumieren, die Dollar-Verschuldung wird immer drückender, die Nachfrage nach Gütern sinkt. Das ist deflationär. Es steigt die Nachfrage nach Dollar, weil die Verschuldung auf Dollar lautet – ein sich selbst verstärkender Effekt.

Und damit neutralisiert sich der Effekt, den sich die EZB von einem schwachen Euro erhofft: nämlich dass über teurere Importe die Inflation in der Eurozone anzieht. Die Preise fallen auf breiter Front – und damit verspielt die EZB also die Effekte der Euro-Schwächung durch die eintretenden Nebeneffekte.

Gleichzeitig bremst auch die US-Wirtschaft: 40% der Gewinne der Unternehmen im S&P500 stammen aus dem Ausland – wer mexikanische Peso, brasilianische Real etc. mit seinen Produkten einnimmt, verdient damit weniger Dollar. Das alles wird noch kaschiert durch die massiven Rückkäufe eigener Aktien durch die US-Unternehmen, aber lange lässt sich der Effekt der Dollar-Stärke nicht mehr verbergen. Damit entfällt auch die Möglichkeit, dass die USA der Konjunkturmotor der Welt wird.

Hinzu kommt, dass die Anleihekäufe der EZB nicht in die Realwirtschaft ausstrahlen. Sie sorgen für Umverteilung, weil die Vermögenden über die stetig steigenden Vermögenspreise gewinnen. Wenn aber die ohnehin Begüterten noch mehr Geld haben, die weniger Begüterten aber noch weniger, sinkt insgesamt die Kaufkraft – die vielen Menschen, die weniger ausgeben, können durch die Wenigen, die möglicherweise etwas, aber nicht viel mehr ausgeben, nicht aufgefangen werden.

Und so kommt es, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das QE der EZB deflationär wirkt. Das widerspricht der ökonomischen Mainstream-Theorie. Aber wer solch sich anpassen? Die Realität der Theorie oder die Theorie der Realität? Mal sehen, wann die EZB das zu begreifen beginnt..

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    olli

    10. März 2015 22:09 at 22:09

    Danke Herr Fugmann
    Das Huetchenspiel von Politik und Notenbanken umgangssprachlich und fundiert auf den Punkt gebracht.
    beste Gruesse & gute Trades

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Aktien

SAP meldet Quartalszahlen – Aktie fällt dramatisch! Übertrieben? Kaufchance?

Claudio Kummerfeld

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Frau arbeitet an Schreibtisch in Büro

SAP hat heute seine Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 6,53 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 6,79). Der Gewinn nach Steuern liegt bei 1,65 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 1,26 Milliarden Euro).

Während die Finanzdaten des letzten Quartals halbwegs ok sind, scheint die Börse regelrecht geschockt zu sein von einem anderen Aspekt der Veröffentlichung von SAP. Denn die Aktie verliert heute dramatische 20 Prozent, wegen der Aussichten für das laufende Gesamtjahr 2020. Umsatz- und Gewinnerwartungen werden nur ganz leicht nach unten revidiert, aufgrund der zweiten Corona-Welle und den damit einhergehenden neuen Restriktionen, die sich auch auf Unternehmen und ihre Aufträge auswirken. Und dafür gleich 20 Prozent Bestrafung im Aktienkurs? Ist das nicht zu viel? Hier könnten sich die Anleger mal überlegen, ob das eine Kaufchance für die Aktie ist (das ist keine Kaufempfehlung unsererseits, sondern nur ein Gedankenspiel).

SAP auszugsweise im Zitat zur Gesamtjahresaussicht:

Der bisherige, am 8. April 2020 veröffentlichte Ausblick der SAP für das Gesamtjahr 2020 spiegelte die bestmögliche Schätzung der SAP hinsichtlich des Zeitpunkts und der Geschwindigkeit einer Erholung von der Corona-Krise wider. Dieser Ausblick
ging davon aus, dass die Länder ihre Wirtschaft hochfahren und die Einschränkungen für die Bevölkerung gelockert würden,
sodass sich die Nachfrage im dritten und vierten Quartal allmählich verbessert.

Auch wenn weiterhin ein stabiles Interesse an den Digitalisierungslösungen der SAP besteht, da Kunden widerstandsfähiger
und agiler aus der Krise hervorgehen möchten, wurde kürzlich in manchen Regionen das öffentliche und wirtschaftliche Leben erneut eingeschränkt, und die Belebung der Nachfrage fiel verhaltener aus als erwartet. Des Weiteren geht die SAP aus
denselben Gründen nicht mehr davon aus, dass sich die SAP-Concur-Erlöse aus Geschäftsreisen in den verbleibenden Monaten des Jahres 2020 deutlich erholen werden.

Die SAP aktualisiert deshalb ihren Ausblick für das Gesamtjahr 2020 und erwartet nun, dass:

• die Clouderlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 8,0 Mrd. € und 8,2 Mrd. € liegen werden (zuvor
zwischen 8,3 Mrd. € und 8,7 Mrd. €).
• die Cloud- und Softwareerlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 23,1 Mrd. € und 23,6 Mrd. € liegen werden (zuvor zwischen 23,4 Mrd. € und 24,0 Mrd. €).
• die Umsatzerlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 27,2 Mrd. € und 27,8 Mrd. € liegen werden
(zuvor zwischen 27,8 Mrd. € und 28,5 Mrd. €).
• das Betriebsergebnis (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 8,1 Mrd. € und 8,5 Mrd. € liegen wird (zuvor zwischen 8,1 Mrd. € und 8,7 Mrd. €).

CEO-Kommentar im Wortlaut:

Aufgrund der Corona-Krise befinden sich unsere Kunden an einem Wendepunkt. Für Unternehmen ist der Umstieg in die Cloud, verbunden mit einer echten Neuausrichtung ihres Geschäfts, unerlässlich geworden. Denn nur so können sie widerstandsfähiger werden und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie gestärkt aus der Krise hervorgehen können. Gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern werden wir Innovationen entwickeln und Unternehmen neue Möglichkeiten für die Abwicklung von Geschäftsprozessen in einer digitalen Welt bieten. Die SAP wird ihr Wachstum in der Cloud auf über 22 Mrd. € im Jahr 2025 steigern und den Anteil der besser planbaren Umsätze auf etwa 85 % ausbauen.“

Details der Quartalszahlen von SAP

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Corona und SAP

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Corona-Anstiege in den USA und Europa sind heute ein Thema. Aber auch die aktuelle Revision der Aussichten von SAP sind in New York aktuell Thema.

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Tesla krempelt die Autoindustrie um – Werbung

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Lieber Börsianer,

Tesla hat gerade den fünften Quartalsgewinn in Folge gemeldet. Während die Gewinne in der Vergangenheit vor allem den Erlösen aus dem Zertifikatehandel zu verdanken waren, erwirtschaftet Tesla mittlerweile auch im operativen Geschäft einen Überschuss. Der Elektropionier straft damit die Kritiker Lügen.

Bisher musste sich Tesla die Kritik gefallen lassen, dass der Autobauer zwar die Mobilität revolutioniert, jedoch unprofitabel arbeitet. Tatsächlich fielen in der Aufbauphase des Unternehmens horrende Verluste an, die manchen Beobachter auf einen baldigen Untergang von Tesla wetten ließ. Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewendet. Tesla ist der höchstbewertete Autobauer der Welt.

Tesla treibt eine ganze Branche vor sich her

Die Zeit des klassischen Verbrennungsmotors ist vorbei. Tesla präsentiert sich als Vorreiter einer neuen Zeit. Sicher ist, dass die Automobilbranche vor einer beispiellosen Transformation steht. Tesla hat die technische Entwicklung maßgeblich vorangetrieben und beim Elektromotor und der Batterietechnik mittlerweile einen Vorsprung von mehreren Jahren vor der Konkurrenz. Deshalb pumpen die Anleger viel Geld in Tesla.

Ob sich der Vorsprung verteidigen lässt, ist allerdings noch lange nicht ausgemacht. Klar ist jedoch schon jetzt, dass einige etablierte Konzerne auf der Strecke bleiben werden, wenn sie sich nicht schnell genug anpassen. Gleichzeitig kann aber auch einer der alteingesessenen Autohersteller durch seine enormen Finanzreserven plötzlich zum Marktführer im E-Auto-Segment werden. Entsprechende Strategien gibt es mittlerweile nicht nur bei den Volumenherstellern wie Volkswagen oder Renault, sondern auch im Luxussegment bei Daimler und BMW.

Der Elektromotor ist nicht das einzige Erfolgsgeheimnis von Tesla

Tesla hat nicht nur bei der Entwicklung des Antriebs für seine Fahrzeuge Neuland betreten. Die gesamte Organisation des Unternehmens stellt die Branche auf den Kopf. Es ist verrückt, dass dies die meisten Analysten übersehen.

Üblicherweise ist die Autoindustrie sehr stark von Zulieferbetrieben abhängig. Die Produktion der Einzelteile ist auf der ganzen Welt verteilt. Im Autowerk eines klassischen Konzerns wie BMW, Volkswagen oder Daimler werden die Teile, die aus aller…..

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