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Die trügerische Sicherheit der Verkaufsprospekte, und was die BaFin damit zu tun hat

Claudio Kummerfeld

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Verkaufen Banken, Fonds, Vermögensverwalter oder sonstige Vertriebler irgendeine Art von Geldanlage, gibt es dafür meistens auch einen Verkaufsprospekt. Schön auf Hochglanz, viele Grafiken, Zahlen, Erklärungen, Rendite-Erwartungen, Risikohinweise. Hat Ihnen Ihr „Berater“ dabei schon mal gesagt, dass alles in Ordnung sei, weil dieser Verkaufsprospekt bei der BaFin hinterlegt wurde, oder dass er von der BaFin geprüft oder genehmigt wurde?

Schon bei so einer Aussage müssten alle Alarmglocken läuten. Aber wie sollte der Anleger darauf kommen, dass schon an so einer Aussage etwas faul sein kann? Denn der Emittent so eines Geldanlage-Produkts ist gesetzlich dazu verpflichtet einen Prospekt zu erstellen. In Deutschland dürfen Wertpapiere ab einem Gesamtgegenwert von 8 Millionen Euro und Vermögensanlagen grundsätzlich nicht ohne einen Prospekt öffentlich angeboten werden.

Verkaufsprospekte bei der BaFin hinterlegt

Und jetzt wird es ziemlich knifflig. Der Prospekt darf zwar erst veröffentlicht werden, wenn er zuvor von der BaFin gebilligt wurde. Aber „gebilligt“ bedeutet nicht, dass die Finanzaufseher die Angaben im Prospekt auf Echtheit oder Glaubwürdigkeit geprüft haben. Ob ein Betrüger den Prospekt erstellt hat, ob die Angaben frei erfunden sind – das prüft die BaFin nicht. Wir haben gestern nochmal bei der Finanzaufsicht nachgefragt, um uns zu versichern, ob die Handlungspraxis der BaFin sich in den letzten Jahren oder ganz aktuell geändert hat. Aber nein.

Die BaFin prüft nur, ob der Prospekt die gesetzlich geforderten Mindestangaben enthält und verständlich abgefasst worden ist. Zusätzlich wird sichergestellt, dass der Prospekt in sich keine widersprüchlichen Aussagen aufweist. Das heißt also: Die Angaben können frei erfunden sein – Hauptsache sie weisen keine Widersprüche auf! Die BaFin betont offiziell (hier das entsprechende Dokument auf der Webseite der BaFin), dass sie weder die Seriosität des Emittenten noch das Produkt an sich kontrolliert. Hierauf sollen Emittenten von Vermögensanlagen in ihren Verkaufsprospekten sogar ausdrücklich hinweisen. Ferner sagt die Finanzaufsicht, Zitat:

Über den Umfang der Prüfung durch die BaFin darf in Werbung nicht getäuscht werden. Gelegentlich werben Anbieter mit Aussagen wie „Prospekt bei der BaFin hinterlegt“. Die BaFin missbilligt diese Art der Werbung ausdrücklich, denn sie gibt keinerlei Aufschluss über die Qualität des Angebotes bzw. des Anbieters, sondern erweckt den Eindruck, die BaFin habe die Emission mit einem Gütesiegel versehen. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Die BaFin hat unserer Redaktion in einer gestrigen Email auch mitgeteilt, dass über den Prüfungsumfang die BaFin nicht selbst entscheidet – dieser sei gesetzlich geregelt. Also wäre es eigentlich ein Fall für Bundesfinanzminister Olaf Scholz, den Dienstherren der Finanzaufseher. Er müsste eigentlich im Sinne von mehr Verbraucherschutz dafür sorgen, dass Prospekte auch inhaltlich geprüft werden – das wäre echter Verbraucherschutz!

Die BaFin hängt am Tropf von Olaf Scholz

Eigentlich ein echter Knaller. Der unbedarfte Anleger wird doch sicherlich davon ausgehen, dass hier irgendetwas geprüft wird, aber nein. Olaf Scholz ist derzeit auf einem kleinen Feldzug zum Schutz des ungebildeten und unbedarften kleinen Geldanlegers. So will er derzeit dafür sorgen, dass Anleger nur noch ab 50.000 Euro in Nachranganleihen investieren können. Weil der Kleinanleger zu dumm ist das Risiko dahinter zu verstehen? Dann sollte er doch lieber beim Thema Verkaufsprospekte anfangen?

Aber wir haben da so einen Verdacht. Bei der gigantischen Anzahl an Verkaufsprospekten, die ständig bei der Finanzaufsicht hinterlegt werden, wo soll die BaFin bitte das fachkundige Personal hernehmen, um diese Prüfungen durchzuführen? Den einfachen Mitarbeitern der BaFin ist dabei wohl kaum ein Vorwurf zu machen. Wenn der oberste Dienstherr in Berlin diese Vorgabe macht, Inhalte von Verkaufsprospekten gar nicht zu prüfen, dann ist die Lage ja klar.

Aktuelle Berichte zeigen (siehe hier Handelsblatt), dass die Bundesregierung die Aufsicht über 38.000 Finanzanlagevermittler weiterhin auf die BaFin übertragen möchte. Die Vorkommnisse rund um Wirecard würden einen Bedarf hinsichtlich einer Stärkung hoheitlicher Aufsichtskompetenzen im Bereich des Anlegerschutzes und der Finanzmarktaufsicht belegen. Tja, wir meinen dazu: Wozu eine Aufsicht über Vermittler, wenn die Inhalte ihrer Verkaufsprospekte nicht geprüft werden? Und wenn nicht mal die Inhalte von Verkaufsprospekten geprüft werden, wozu werden sie dann überhaupt bei der BaFin hinterlegt? Für den Anleger wird damit nämlich eine Form von Sicherheit suggeriert, die es nicht gibt.

BaFin-Zentrale in Bonn
Haupteingang bei der Finanzaufsicht in Bonn. Foto: © BaFin

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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Daniel Stelter: Die Zeitbombe tickt für Deutschland! Was jetzt passieren muß

Markus Fugmann

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Daniel Stelter zählt fraglos zu den besten Köpfen in Deutschland: Er zeigt immer wieder, dass das scheinbar so reiche Land in Wirklichkeit gar nicht so reich ist – und vor allem ab dem Jahr 2030, wenn die Babybommer in Rente gehen, die demografischen Probleme faktisch zu einer Unfinanzierbarkeit der Rentenversprechen führen.

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe Deutschlands

Was also tun? Als Pionier das Klima retten, wie Bundesregierung und EU propgaieren durch eine „Klimaplanwirtschaft„? Überall mehr Staat angesichts der massiven Einbrüche der Wirtschaft in der Coronakrise? Daniel Stelter plädiert für das Gegenteil: für einen funktionierenden Kapitalismus – denn die weiter ausgreifenden Versuche des Staates, die Wirtschaft zu lenken, wird die Wirtschaftstätigkeit bremsen statt zu beschleunigen.

Kürzlich hat Thorsten Polleit in seinem Buch  „Der Antikapitalist: Ein Weltverbesserer der keiner ist“ genau darauf aufmerksam gemacht: der Kapitalismus ist nicht unser Problem, sondern die Lösung – wenn man ihn denn funktionieren lassen würde. Aber der Ruf nach staatlicher Lenkung wird gerade in der Coronakrise immer lauter, immer tiefer mischt sich die „Obrigkeit“ in die Wirtschaft ein (etwa indem man die Insolvantragspflicht aussetzt und damit Zombie-Firmen weiter durchschleppt). Man kauft Zeit durch staatliche Rettungsmaßnahmen, ohne diese Zeit für Reformen zu nutzen. Alle reden „vom Verteilen und Besteuern“, statt die Wohlstandmehrung im Fokus zu haben – so formuliert es Daniel Stelter.

Fakt ist: „Die Lasten steigen, während unsere Wirtschaftskraft sinkt“, so der Ökonom. Also müsste die Struktur geändert werden – etwa bei der tickende Zeitbombe, der Rente. Hier schlägt Daniel Stelter einen Staatsfonds im Stile Norwegens vor, bei dem der Staat jedem Bürger unter 65 Jahren 25.000 Euro schenkt, die dann in die Finanzmärkte investiert werden. Auch in der EU müsste sich einiges ändern – und hier hat Stelter einen ungewöhnlichen Vorschlag: Deutschland und die andere Euro-Länder sollten sich auf Kosten der EZB entschulden können!

In folgendem Video fasst Stelter das zusammen, was für Deutschland und die Lösung seiner Probleme jetzt zwingend notwendig wäre:

 

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe in Deutschland

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