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Die Ukraine liefert in die EU Strom als Ersatz für Gas aus Russland

Baustein für die Energie-Sicherheit Europas?

Gas Strom Ukraine

Während der Preis für Gas immer neue Höhen erklimmt, startete offiziell der Strom-Export der Ukraine in die Europäische Union. „Heute hat ein weiterer bedeutender Schritt in unserer Annäherung an die Europäische Union stattgefunden. Die Ukraine hat begonnen in einem besonderen Maß, über Rumänien in das Gebiet der EU Strom zu exportieren“, verkündete der Präsident Wolodomyr Selenskyj in seiner Videoansprache am Abend des 30. Juni. Das sei nur die erste Stufe. „Wir bereiten eine Erhöhung der Lieferungen vor. Ukrainischer Strom kann einen erheblichen Teil von russischem Gas, das die Europäer verbrauchen ersetzen“, sagte der Präsident. Dabei gehe es nicht nur um Exporteinnahmen, sondern „es ist eine Frage der Sicherheit für ganz Europa.“

Ukraine exportiert aktuell 410 MW Strom – Ersatz für russisches Gas?

Nur drei Monate nach dem Anschluss an den europäischen Synchronverbund hat „der lang erwartete Export von ukrainischem Strom nach Europa“ begonnen, teilte der ukrainische Premier Denis Schmigal auf Telegram am 30. Juni mit. Seinen Worten nach gingen die ersten Lieferungen am Donnerstag ab 1 Uhr nach Rumänien. Das anfängliche Volumen betrug 100 MW. Gleichzeitig könnte der potenzielle Export von ukrainischem Strom nach Europa 2,5 GW erreichen, wodurch Kiew mehr als 70 Milliarden Griwna (2,4 Milliarden Dollar) pro Jahr verdienen könnte, betonte der Premier. Die grafische Übersicht auf der Seite von Ukrenergo zeigt, in welche Länder die Ukraine aktuell Strom exportiert.

Beschleunigter Anschluss an den Synchronverbund Europas

Das Stromnetz der Ukraine arbeitet seit dem 16. März 2022 synchron mit dem kontinentaleuropäischen Netzverbund. Die Stromexporte aus der Ukraine nach Polen wurden demnach am 30. März und nach Moldawien im Mai aufgenommen. Am 7. Juni 2022 stimmte der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E zu, die Exporte von ukrainischem Strom nach Europa schrittweise anzuheben, und identifizierte die wichtigsten Voraussetzungen für den Beginn des Prozesses.

Am 24. Februar hatte Ukrenergo die Verbindung zum Synchronnetzverbund der Gemeinschaft der Unabhängigen Staaten GUS und baltischen Länder gekappt und den abgestimmten und angekündigten Test zum isolierten Betriebsmodus gestartet. Da zeitgleich der Angriffskrieg durch russische Truppen begann, erfolgte ein Dringlichkeitsantrag zum Anschluss an den europäischen Synchronverbund – statt in den Netzverbund mit Russland und Belarus zurückzukehren. Eine Studie von ENTSO-E bescheinigt die Möglichkeit, das Übertragungsnetz der Ukraine mit dem europäischen Netzverbund zu synchronisieren. Sollte das nach ursprünglicher Planung bis zum Jahr 2023 geschafft sein, informierte Ukrenergo am 16. März, dass die Stromnetze der Ukraine und Moldawiens vollständig mit dem kontinentaleuropäischen Netz synchronisiert seien, nachdem ENTSO-E auf Grundlage des Dringlichkeitsantrages dafür am 11. März 2022 die Genehmigung erteilt hatte.

Kombinierte Maßnahmen zum Verzicht auf russisches Gas

Der Import von ukrainischem Strom werde der Europäischen Union helfen, bis zu 10 Milliarden Kubikmeter Gas zu ersetzen. Dies stellte Juri Witrenko, Chef des ukrainisches Gasversorgers Naftogaz, Medien zufolge im Juni in Aussicht. Über die Hälfte der Stromproduktion in der Ukraine kommt von Kernkraftwerken, so dass es beim Stromexport anteilig gesehen vorzugsweise um Atomstrom gehen dürfte.

Wenn es allein mit Flüssigerdgas LNG aus den USA kurzfristig nicht ginge, empfahl Witrenko zudem Europa eine Kombination von Maßnahmen, um auf Gas-Lieferungen aus Russland verzichten zu können. Die EU müsse die Energieeffizienz steigern, auf andere Energieträger umsteigen, vielleicht vorübergehend sogar auf Kohle und Atomkraft – und sich nach alternativen Lieferanten umsehen. Insbesondere die Länder des Nahen Ostens könnten von der Europäischen Union als Exporteure in Betracht gezogen werden, meint der Naftogaz-Chef. „In Kombination könnten diese Alternativen Europa dabei helfen, den Kauf von russischem Gas ganz einzustellen“, so Witrenko.

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15 Kommentare

  1. Das Leben schreibt die spannendsten unglaublichsten Geschichten.In den 80iger Jahren war ich, Atomstrolch ,in diversen KKW’s beschäftigt!Die Regierungsbeteiligung der Grünen in Hessen liess mich um meinen Job bangen.Hätte mir damals,vor allem nach Tschernobyl 1986 jemand gesagt,dass eine deutsche Regierung mit grünen Partnern ukrainischen KKW-Strom importiert,wäre ich freiwillig in die Klapse gegangen.

    1. @Koch, bei vielen deiner Kommentare könnte man ohnehin meinen, du schreibst aus der Klapse. Da hat es in den 80ern wohl mehr Zellen zwischen den Ohren verstrahlt, als zuträglich ist. Oder wie sind deine Fake-News sonst erklärbar, Deutschland würde ukrainischen Strom importieren? Mal wieder den Link im Artikel nicht gelesen?
      https://ua.energy/en/

      1. Sag mal, Küchenhelfer. Geht´s noch? Wenn man die Zusammenhänge nicht kapiert, ist das eine Sache.
        Aber dann so rumzupöbeln, ist etwas ganz anderes.

        Alte Regel: einfach fragen.

        1. @Felix, das klingt gewohnt verwaschen, unverbindlich, oberstabsfeldwebelhaft. Aber du hast recht, ich stelle also Fragen.
          Wer kapiert Zusammenhänge nicht, @Koch, du oder ich?
          Wieviel KKW-Strom importieren grüne Politiker aus der Ukraine?
          Warum intervenierst du nie bei den vielen Pöbeleien von @Koch, aber sofort bei einem meiner seltenen Kommentare?

          In freudiger Erwartung deiner Antworten, viele Grüße aus Schlesien

      2. Ich würde das Maul nicht so weit aufreißen du Hiwi (Küchenhelfer)!
        Wie auch du unter dienem Link sehen kannst, ist der Export nach Polen mit 210 MW/h angegeben und von Polen bezieht D nicht unerhebliche Mengen, wenn das Netz unter 50 Hz fällt. Das Europäische Stromnetz hat viele gemeinsame Schnittstellen, da kann man kaum mehr sagen welcher Strom, wo herkommt.
        Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Ukraine überhaupt momentan nur Strom übrig hat, weil deren Industrie fast brach liegt. Warten wir mal ab, wie das im Winter aussieht! Ich denke mal, dann werden die noch froh sein am Europa-Netz zu hängen. Wetten das der Strom dann in die andere Richtung fließt!
        Gute Nacht Deutschland, du ahnungslose Nation!

        1. @Zabbi, das ist eine ziemlich dünne und schwache Argumentation.
          Das europäische Verbundsystem ist eine tolle Errungenschaft und ein wichtiger Baustein zur Energiewende. Es sei denn, jemand bevorzugt nationalistische Eigenbrötelei und Kleinstaaterei (was ich natürlich keinesfalls Ihnen unterstellen möchte). Das europäische Stromnetz, nicht zuletzt die grünen deutschen Energien, haben z.B. Frankreich mit seinen zuverlässigen AKWs speziell in den Wintern schon mehrfach vor dem fatalen Blackout bewahrt.

          Natürlich kann man zu Zeiten des Imports immer argumentieren, oh weh, Deutschland bezieht Atomstrom aus Frankreich oder schmutzigen Kohlestrom aus Polen. Entscheidend in der Summe ist jedoch der Stromaustauschsaldo, und da exportiert Deutschland seit 20 Jahren mehr, als es importiert. Wichtig ist auch die Betrachtung der Import-Länder. Ein nicht unerheblicher Teil ist grüner Strom aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Österreich.
          Polen hingegen spielt nur eine äußerst untergeordnete Rolle (Importe 0,3 TWh, Exporte 5 TWh).

          Die installierte Kraftwerksleitung in Deutschland liegt bei etwa 223.300 MW. Noch nicht einmal 1 Promille davon liefert die Ukraine nach Polen. Die Stromerzeugung in Deutschland liegt bei rund 540 TWh, die Stromimporte aus Polen betragen davon weniger als 0,6 Promille und bestehen sicher nicht aus einer Durchleitung ukrainischen Stroms von der Ostgrenze Polens! Bei solchen Dimensionen darf die etwas verrückte Aussage schon angezweifelt werden, dass die Grünen KKW-Strom aus der Ukraine beziehen.

          Also wie Ihr kongenialer Partner Felix so schön sagt: Wenn man die Zusammenhänge nicht kapiert, einfach fragen.

          In Anlehnung an Ihre halbstarken Kraftsprüche könnte man jetzt schreiben:
          Ich würde das Maul nicht so weit aufreißen du Hiwi.
          Oder auch:
          Guten Morgen Zabbi, du ahnungsloser Nationalist!

          Wie gesagt, könnte man, tut aber niemand… 😉

          1. Dann ist ja alles gut. Ich habe leider trotzdem ein komisches Gefühl.

        2. @Zabbi, du hast wirklich das Dauerabo für den peinlichsten Knaller des Monats 😂
          Mehr Blackouts als bei dir gibt es nirgendwo!
          Mehr Blackout-News vielleicht noch in den Bergen Andalusiens.
          Bisher lagen alle Ursachen von Frequenzabfällen in Rumänien, Kroatien, Frankreich, Spanien, Polen.

          https://www.next-kraftwerke.de/energie-blog/braunkohle-polen-blackout
          https://gridradar.net/de/blog/post/frequenzabfall-im-mai-2021
          https://www.stromausfall.info/24-7-2021-schon-wieder-grossstoerung-im-europaeischen-stromverbundnetz_de_n2822.html
          https://www.stromausfall.info/schwere-stoerung-im-europaeischen-stromnetz-schon-wieder_de_n2815.html

  2. Ganz ehrlich, die Ukraine ist mir sehr suspekt. Wir kommen vom „Regen in die Traufe“.

    Sehr charakterlos finde ich, dass die Grünen, die deutschen AKWs still legen, dafür AKW- Strom aus der Ukraine importieren.

  3. Die Gesamtzahl der offiziell gezählten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland betrug Ende April etwa 610.000.
    Ist doch nett, wenn die Ukraine dann für ihren Landsleute die Energie hinterherschickt, denn spätestens im nächsten Winter wird in Deutschland jedes KW benötigt. Und die Wohnungen werden ja auch beheizt werden müssen.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Ja, man redet und schreibt wie mans braucht,und denkt und glaubt es auch.
    Die Narren regieren die Welt,
    Wie es Ihnen gefällt.
    Die Narren sind wir, die es zulassen, und sich gefallen lassen.
    Schlaft ein, schlaft ein, Morgen wird Sonntag sein.

  5. Vielleicht sollte man N1 u. N2 weiter nach Frankreich legen, dann können sie ja etwas an Deutschland verkaufen/liefern.

    Ausgerechnet Frankreich importiert mehr russisches Flüssiggas als je zuvor – WELT

    https://www.welt.de/politik/ausland/plus239659985/Atomland-Ausgerechnet-Frankreich-importiert-mehr-russisches-Fluessiggas-als-je-zuvor

    1. @Helmut
      Gestern wolltest du N1 und N2 noch an eine indische Firma verkaufen.
      Könntest du dich endlich mal entscheiden, damit das Geschwafel ein Ende findet?!

      1. Ja, es gibt mehrere Möglichkeiten.
        Die Schlechteste ist meiner Meinung nach, die Pipelines einfach da so ugenutzt rumliegen zu lassen. Zumal Frankreich dann das teurere LNG per Tanker aus Russland kaufen muss.
        Und wahrscheinlich, wegen der Solidaritätsbeteuerungen bei Gasknappheit, an Deutschland teilweise zurüchverkaufen wird.
        Ich finde daher auch den verrückstesten Vorschlag (was nun mit den Pipelines passieren soll) besser, als die Realität.
        Nur meckern hilft da nicht.

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  6. Ich wusste gar nicht, das durch meine Heizung Strom fließt. Wie dumm von mir. Werde meinen Kindern verbieten die Heizung anzufassen. Nicht das sie noch einen Schlag bekommen. Mal ehrlich, ohne Kommentar .

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