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Anleihen

Die Zinsfalle wird für die Notenbanken immer problematischer – deutsche Renditen fielen unter die japanischen

Die Notenbanken in der Zwickmühle: Sie können die Zinsen kaum anheben, ohne massive Verwerfungen an den Finanzmärkten auszulösen

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Eigentlich wollte man doch die Bilanzen der Notenbanken reduzieren (Tapering) und die Zinssätze behutsam nach oben bringen – passiert ist in letzter Zeit aber zum Teil das Gegenteil. Die ausstehenden Anleihen, die eine negative Rendite abwerfen, haben weltweit ein Volumen von 10,6 Billionen Dollar erreicht. Das ist der höchste Stand seit 2016. Selbst in Ländern wie Spanien und Portugal muss man bis zu einer Laufzeit von drei Jahren Negativzinsen in Kauf nehmen. Deutschland fiel mit minus 0,12 Prozent für die 10-Jährigen sogar unter das Niveau von Japan.

 

Die durch die Notenbanken erzeugte Zwangslage

Seit Anfang des Jahres sinken die Renditen an den Rentenmärkten und die Fed hat im März bekanntgegeben, den Zinserhöhungszyklus auszusetzen. Damit wird es selbst am langen Ende schwierig nach Inflation überhaupt eine positive Rendite zu bekommen. Folge: Investoren treiben weiter die Preise von Aktien, Immobilien und die Kurse von Hochzinsanleihen. Versicherungen und Pensionskassen, die sehr strikte Anlagerichtlinien haben, dürfen keine Aktien oder Hochzinsanleihen halten und sind daher sogar gezwungen, negativ rentierende Staatsanleihen zu kaufen.

Gleichzeitig steigt die Verschuldung der Unternehmen immer weiter an. Je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto größer wird die Gefahr für die Märkte. In Europa hat die EZB ihr Ankaufprogramm für Staats- und Unternehmensbonds zwar beendet, jedoch hält sie den Anleihebestand in ihrer Bilanz konstant und ersetzt die auslaufenden Papiere durch neue.

 

Damit dürfte die Bundesbank im Jahr 2019 für 50 Milliarden Euro Bundesanleihen kaufen, immerhin ein Viertel des Neuemissionsvolumens.

 

Duration wird zur Bedrohung

Die immer weiter sinkenden Zinsen verändern die Struktur des Anleihemarktes fundamental. Fondsmanager müssen in längere Laufzeiten ausweichen, was zu einer höheren Duration führt. Das Problem: Je größer die Laufzeit und je kleiner der Kupon ist, umso größere Auswirkungen haben Zinsänderungen. Ein Portfolio mit einer Duration von fünf Jahren verliert fünf Prozent an Wert, wenn die Zinsen um einen Prozentpunkt steigen. Die steigende Duration der Anleiheindizes führt daher dazu, dass der Ausverkauf am Bondmarkt im Fall einer Zinswende stärker würde.

Mit ihrer extrem expansiven Geldpolitik haben sich die Notenbanken in eine Zwickmühle manövriert. Sie können die Zinsen kaum anheben, ohne massive Verwerfungen an den Finanzmärkten auszulösen.

Aber: Das ist das Szenario bei einer Zinswende nach oben, bei fallenden Zinsen könnten die Kurse aber sogar steigen, aber dann bekäme man mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rezession. Dazu später mehr.

 

Japanisierung schreitet voran

Die Japanisierung der Bundesanleihe ist komplett: Erstmals seit Jahrzehnten lagen die Renditen für deutsche Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg niedriger als die japanischer Staatsanleihen. Wie hat Japan in jüngster Vergangenheit auf die Erosion der Zinserträge für Pensionskassen reagiert? Der japanische Government Pension Investment Fund (GPIF) ist mit 1,2 Billionen Anlagevolumen einer der größten Pensionsfonds der Welt. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsen in Japan seit 2012 hat der Fonds seine Staatsanleihequote von rund 60 Prozent auf 35 Prozent reduziert und die Aktienquote von 24 auf 50 Prozent erhöht. Eine Strategie nicht ohne Risiko, wie man am Einbruch des Pension Fund um neun Prozent im vierten Quartal 2018 feststellen musste.

Bisher ist man in Europa noch ein Stück von solchen Maßnahmen entfernt. Der Werkzeugkasten der EZB mit seinem OMT-Programm (Outright Monetary Transactions oder geldpolitische Outright-Geschäfte, vielleicht besser, vorbehaltlose geldpolitische Geschäfte) sieht nur den Ankauf von Anleihen vor. Aber halt, Europa ist falsch, in der Schweiz kauft die Notenbank schon Aktien.

 

Mein Fazit

Die Notenbanken haben in ihrer Aufarbeitung der Finanzkrise von 2008 ein Experiment gestartet und ein Monster geschaffen. Dies wird aus den oben angeführten Entwicklung der Anleiherenditen und der damit verbundenen möglichen Turbulenzen bei auch nur geringfügigen Anheben der Zinsen deutlich.

Die große aktuelle Blase besteht derzeit nicht am Aktienmarkt, sondern an den Anleihemärkten. Und ein Ende der Manipulation ist noch nicht in Sicht.

Der S&P 500 hat ein KGV von 17 und der Rentenmarkt? Selbst bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen liegt die Zahl deutlich über 40, bei den deutschen Anleihen im Minusbereich ist das KGV gar nicht mehr messbar. Man kann aus den 500 Werten des S&P 500 sicher ein paar Aktien finden, die hohe KGVs aufweisen, für eine nüchterne Betrachtung zählt aber nur der Durchschnitt.

Die niedrigen Zinsen halten die Investoren immer noch in den Aktienmärkten.

Was aber nicht heißt, dass die Aktienkurse einen Fallschirm haben. Wie in der Quartalssaison gerade beobachtet, fallen selbst Dickschiffe um 10 Prozent, wenn sie einen schlechten Ausblick liefern. Derzeit liegen die „Multi- Nationals“ wie Caterpillar oder 3M dick im Minus, weil man die sich verschlechternden Gewinnaussichten durch den Handelskrieg einpreist.

Sollte es zu einer Rezession kommen, können sich die Aktienindizes halbieren, wie in der Vergangenheit stets beobachtet, weil es auch die Unternehmensergebnisse tun.

Ich schreibe hier schon öfters von der Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession 2020, das könnte die Überraschung sein, von der kaum ein Volkswirt heute ausgeht. Die Aktienmärkte sollten es bald anzeigen.

Zusammengefasst: Keine schöne Perspektive. Entweder kracht es bei den Bondinvestoren durch steigende Zinsen (besonders bei den High Yields) oder die Zinsen fallen weiter und dann kommen die Aktienmärkte unter Druck, weil die Konjunktur einbricht.

 

EZB-Zentrale in Frankfurt. Foto: Kiefer CC BY-SA 2.0

3 Kommentare

3 Comments

  1. Hans

    20. Mai 2019 13:53 at 13:53

    Sind ja bald EU Wahlen, die EZB Kreditschleusen dürften weit geöffnet sein. Für mehr Kredite, muss man nur mehr Sicherheiten auf dem Papier schaffen. Als Folge hat man immer mehr Zombie Unternehmen, die nur durch immer stärkeren Einsatz des Staates am Leben gehalten werden können. Mehr Planwirtschaft wagen und die böse Marktwirtschaft zurück drängen.

    • Michael

      20. Mai 2019 14:29 at 14:29

      Zombie-Firmen (und -banken) werden doch nicht durch die Wirtschaftspolitik von Staaten am Leben erhalten, sondern durch die Notenbankpolitik der EZB. Was hat das also mit Plan- oder Marktwirtschaft zu tun?

  2. Marcus

    20. Mai 2019 16:21 at 16:21

    Versierte Profis wissen schon seit Jahren das die grösste Blase am Anleihemarkt existiert welcher durch die Notenbanken weltweit in nie da gewesenem Ausmaß manipuliert wird. Das Problem ist einfach, das sich die Staaten wie auch Unternehmen und Verbraucher an die ultra niedrigen Zinsen gewöhnt haben und somit eine Exit (sofern er denn jemals stattfinden wird) ein unkalkulierbares Risiko ist.

    Ein Abverkauf größer Bestände ist vollkommen unrealistisch, da die Notenbanken dann den Markt verlieren würden.

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Anleihen

Wahnsinn! Deutsche Rendite mit neuem Rekordtief – auch sonst Wahnsinn in Europa!

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Was ist denn bitte schön hier los? Heute Mittag ist die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen auf -0,72% gefallen! Aktuell sind es -0,70%. Mal wieder ein neues Rekordtief! Gestern waren es noch es noch -0,66%, und Ende Juli waren es noch -0,40%. Im Chart sieht man den Verlauf der letzten vier Wochen. So dramatisch sieht der Markt also die Konjunktur, und so sehr glaubt der Markt daran, dass die EZB kräftig lockern wird bei ihrer Sitzung im September.

Aber auch sonst tut sich Dramatisches in Euroland! Portugal hat eine Rendite von aktuell nur noch 0,06% für zehn Jahre Laufzeit. Hallo, wo ist hier nochmal die Risikoprämie für einen möglichen Zahlungsausfall des Schuldners? Ach was soll´s, wen interessiert das noch. Stimmt´s Herr Draghi? Die griechische Rendite sinkt heute mit 1,95% auf ein historisches Tief.

Und sonst? Nachdem Deutschland jüngst mit allen Anleihelaufzeiten in die negative Renditezone gerutscht war, hat sich heute Schweden angeschlossen. Dort ist die Rendite für zwanzig Jahre laufende Anleihen jetzt auch im Minus. Tja, Mario Draghi und Christine Lagarde werden es schon richten. Weiter, immer weiter runter. Irgendwann bekommen wir die Konjunktur schon in Schwung?

 

Anmerkung ganz aktuell: Die Rendite für die deutschen Zehnjährigen steigt aktuell auf -0,65%. Den aktuellen Grund finden sie hier. Wie nachhaltig dieser Mini-Anstieg ist… ungewiss!

Rendite 10 Jahre deutsche Anleihen

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Anleihen

US-Staatsanleihen: Japan überholt China als größter Besitzer

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Einmal im Monat veröffentlicht das US-Finanzministerium mit sechs Wochen Verzögerung, welches Land welches Volumen an US-Staatsanleihen hält. Eine lange Zeit war China der größte ausländische Eigentümer von US-Staatsanleihen. Aber ganz aktuell mit Stand Ende Juni hat sich das geändert. Japan ist jetzt der größte Halter von US-Papieren mit einem Volumen von 1,123 Billionen Dollar. Gegenüber Mai ist das Volumen um 22 Milliarden Dollar gestiegen, und gegenüber Dezember 2018 um satte 83 Milliarden Dollar.

US-Staatsanleihen und der Handelskrieg?

Und China? Hat das Land im Zuge des Handelskriegs seine „nukleare“ Option gezogen und in großem Umfang US-Staatsanleihen auf den Markt geworfen? Nein. Von Mai zu Juni ist das Volumen sogar um 2 Milliarden Dollar gestiegen – die Japaner hatten halt noch viel mehr gekauft, und sind deshalb an den Chinesen vorbeigezogen! Im Vergleich zu Dezember 2018 ist das Volumen von China gehaltener US-Papiere um 11 Milliarden auf jetzt 1,112 Billionen Dollar gesunken. Im Vergleich zu Juni 2018 ist es ein Rückgang von 79 Milliarden Dollar.

Das ist schon ein nennenswerter Rückgang binnen 12 Monaten, aber als Ausrufezeichen um Donald Trump nervös zu machen, dafür sind die Rückgänge vor allem in den letzten Monaten doch viel zu gering. Da müssten die Chinesen schon stärker auf die Verkaufstaste drücken, wenn Steve Mnuchin (Finanzminister) in Panik im Weißen Haus anrufen soll! Und sonst? Drittgrößter ausländischer Halter von US-Staatsanleihen ist Großbritannien. Das Volumen ist von Dezember bis Juni deutlich angestiegen von 288 auf jetzt 341 Milliarden Dollar.

 

Ausländische Eigentümer von US-Staatsanleihen Stand Juni
Daten und Grafik: US Treasury

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Aktien

Quiz-Frage: Was sieht man in diesem Chart?

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Konnten Sie es erraten nur beim Betrachten des Vorschaubildes zu diesem Artikel? Gut, wir wollen nicht zu viel Spannung aufbauen. Der Chart zeigt seit September 2018 im steigenden Kurs die zehnjährige deutsche Bundesanleihe. Immer mehr Geld rennt in die Staatsanleihe. Der Kurs steigt, und die Rendite fällt. Heute haben wir mal wieder ein historisches Tief von -0,66% in der Rendite. Was für ein Wahnsinn!

Und die beiden fallenden Kurse zeigen die Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank. Die Korrelation ist klar erkennbar. Je tiefer die Rendite, desto tiefer auch die Aktienkurse. Denn die EZB wird die Zinsen aller Voraussicht nach weiter senken, und die Zinsmargen der Banken werden somit noch schlechter aussehen. Außerdem indizieren die steigenden Anleihekurse auch die zunehmende Rezessionsangst, welche somit auch auf die Bankaktien negativ einschlägt. Rezession bedeutet mehr Kreditausfälle, weniger Börsengänge usw. Die ohnehin kaum vorhandenen Profite der beiden Banken dürften in einem zunehmend schlechteren Konjunkturumfeld schrumpfen oder sogar ganz aufgefressen werden. So nimmt es der Kapitalmarkt wohl an.

Nur noch 8 Cents ist die Aktie der Deutschen Bank von ihrem Allzeittief aus Juni entfernt. Und die Commerzbank-Aktie, die hatte erst gestern ihr Allzeittief erreicht (eigentlich jeden Tag ein neues), und ist aktuell nur 5 Cent davon entfernt. Also, findet sich irgendwann durch Zufall mal irgendeine Bank aus dem Ausland, der im Vorbeigehen die beiden Schnäppchen namens DB und CoBa aufkauft? Die Ertragsaussichten der Banken dürften auf jeden Fall erst einmal kaum besser werden.

Deutsche Bank und CoBa vs Bundesanleihe

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