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Sanktionen und knappe Kapazitäten Diesel-Krise in Europa und in den USA? Warnende Stimmen

Gibt es bald eine Knappheit bei Diesel in Europa und im Nordosten der USA? Blicken wir auf Russland-Sanktionen und zu wenig Raffinerien, dazu noch eine dubiose US-Regularie.

Zapfhähne an einer Tankstelle

Werden Europa und die Nordostküste der USA in den nächsten Monaten in eine Diesel-Krise rutschen? Nicht mehr lange, und die Öl-Sanktionen gegen Russland treten in Kraft, die ab Februar auch das Öl-Destillat Diesel betreffen werden. Bereits am 12. Oktober hatte Bloomberg auf den steigenden Spread zwischen Heizöl (einem dieselähnlichen Kraftstoff) und Rohöl aufmerksam gemacht. Und im folgenden aktuellen Chart sieht man es auch: Heizöl in New York (blau) performte in den letzten Monaten deutlich besser als US-Rohöl (orange). Nimmt der Terminmarkt also eine Verknappung bei Diesel an, und preist dies schon mal ein? Auch für Europa ziehen am Horizont dunklere Wolken auf.

Prozentuale Entwicklung von US-Rohöl und NY-Heizöl in den letzten zwölf Monaten

Europa droht Versorgungsschock bei Diesel

Europa droht ein Schock bei der Versorgung mit Diesel, da die Ölsanktionen gegen Russland näher rücken, so berichtete es letzte Woche Bloomberg. Der Dieselhandel der Europäischen Union mit Russland in Höhe von 200 Millionen Barrel pro Jahr, eine lebenswichtige Versorgungslinie für einen kraftstoffhungrigen Kontinent, droht in den kommenden Monaten zum Erliegen zu kommen. Ab Anfang Februar werden die EU-Sanktionen die Lieferung fast aller auf dem Seeweg raffinierten Erdölerzeugnisse – einschließlich Diesel – aus Russland, dem größten externen Einzellieferanten Europas, verbieten. Da die Zeit knapp wird, müssen die Händler drastische Kürzungen vornehmen, wenn sie die Frist einhalten wollen.

EU-Importmengen von Diesel aus Russland

Die kombinierten Einfuhren von Diesel in die EU und Großbritannien – das ebenfalls ein Verbot für russische Lieferungen verhängt hat – gingen von Juli bis September zurück, wie aus den von Bloomberg zusammengestellten Daten von Vortexa Ltd. hervorgeht. Aber jetzt sind sie wieder auf dem Weg nach oben und betragen im Durchschnitt etwa eine halbe Million Barrel pro Tag. Wenn diese Rate bis gestern angehalten hat, müssten die Anlieferungen von heute bis zum Stichtag im Februar täglich um mehr als 5.000 Barrel sinken. Jede Verlangsamung dieses Zeitplans würde das endgültige Ende der Fördermenge im Jahr 2023 noch deutlicher machen.

Es wird nicht einfach sein, die russischen Lieferungen loszuwerden. Frankreich, einer der größten Importeure Europas, musste vor kurzem seine eigene Dieselproduktion aufgrund von Streiks in seinen Ölraffinerien einschränken, so dass das Land gezwungen war, mehr Diesel zu kaufen. Die inländische Produktion in Deutschland, wo die Nachfrage nach Diesel auf dem Kontinent am größten ist, ist ebenfalls gefährdet, da die Raffinerie in Schwedt den Zugang zu Rohöl über die Druschba-Pipeline verlieren wird.

EU-Importe von Diesel ohne Russland

Es wird erwartet, dass die EU die russischen Lieferausfälle durch höhere Importe aus Förderregionen wie dem Nahen Osten ausgleichen wird. Dies geschieht bereits, denn die Einfuhren aus nicht-russischen Ländern in die EU und Großbritannien werden in diesem Monat mit knapp über einer Million Barrel pro Tag den höchsten Stand seit mindestens Anfang 2016 erreichen.

Mit dem Hochfahren der riesigen kuwaitischen Al-Zour-Raffinerie und der saudi-arabischen Jazan-Anlage könnten weitere folgen. Auch China lässt mehr Kraftstoffexporte zu, was das Gesamtangebot erhöhen könnte. Insgesamt könnten die Lieferungen ausreichen, um alle verlorenen russischen Fässer zu ersetzen. Die Sanktionen werden Russland auch dazu zwingen, neue Abnehmer außerhalb der EU für sein breites Spektrum an Treibstoffexporten zu finden. Das Land verschifft Millionen von Barrel Naphtha – ein Ausgangsstoff für die petrochemische Industrie, der auch zur Herstellung von Benzin verwendet werden kann – sowie Heizöl, das für die Stromerzeugung und die Schifffahrt verwendet werden kann.

Russische Diesel-Verschiffungen mit Bestimmungsort

Es könnte kompliziert werden, all diesen Treibstoff auf den Markt zu bringen. Es könnte sich als schwierig erweisen, eine Versicherung für die Schiffe zu bekommen, und es besteht die Gefahr, dass die in der Ostsee verwendeten Spezialschiffe der Eisklasse knapp werden. Nicht alle in Russland hergestellten Kraftstoffe werden von den eigenen Häfen aus exportiert.

Analyse von Andreas Steno Larsen

Der Kapitalmarktexperte Andreas Steno Larsen schildert die Lage bei Diesel in mehreren Tweets. Er geht auf die Lage an der Nordostküste der USA ein, die geringe Produktionskapazitäten für Diesel hat. Er spricht von bizarren Dieselpreisen im Nordosten der USA. Die Spanne zwischen November und Dezember ist nach oben explodiert, was seiner Aussage nach auf eine erhebliche Angebotsknappheit auf dem Weg in den Winter hindeutet – aber was sind die Gründe dafür? Die „Angebotstage“ für Diesel seien im historischen Vergleich niedrig, da die Lagerbestände im Vergleich zu einer erheblich steigenden Nachfrage nominell relativ stabil geblieben sind.

Die Raffineriekapazitäten im Nordosten der USA sind laut Andreas Steno Larsen niedrig, was auf eine klare politische Entscheidung zurückzuführen sei. Aber warum können die Raffineriekapazitäten am Golf von Mexiko dies nicht ausgleichen? Nun, der „Jones Act“ verbietet es Nicht-US-Schiffen Raffinerieprodukte wie Diesel von einem US-Hafen zu einem anderen zu transportieren, was zu einer Verknappung der Transportkapazitäten z.B. für Diesel führt. Es klingt bizarr, aber dies sei die traurige Wahrheit. Noch einmal: Logistik ist wichtig, so sein Ausspruch auf Twitter.

Die Spanne zwischen Heizöl (de facto dasselbe wie Diesel) und Erdgas habe sich in letzter Zeit erheblich vergrößert. Die Logistik habe sich im Bereich Erdgas verbessert, während sie sich im Bereich Diesel/Heizöl verschlechtert hat. Mit Blick auf die Zukunft argumentiert Andreas Steno Larsen, dass die Inbetriebnahme der Freeport LNG-Anlage im November den Inlandspreis für Erdgas (Henry Hub-Äquivalent) erhöhen dürfte. Der Schwerpunkt werde wahrscheinlich auf der Lösung der logistischen Probleme bei Diesel liegen.

FMW/Bloomberg/Andreas Steno Larsen/Erster Chart TradingView



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17 Kommentare

  1. Früher mussten die Tankschiffe, die China, Indien und den Rest Asiens mit Rohöl beliefern, wieder leer zurückfahren. Heute können Sie dann auf dem Rückweg den Diesel für Europa bunkern.
    Allerdings müssen die Russen dann ihre Flotte aufrüsten, die das Rohöl in die Länder bringt, wo es zu Diesel destilliert wird.
    Es ist genug da, nur eben teurer, weil das Rohöl, was sonst in deutschen Raffinerien verarbeitet wurde, nun erst nach Indien, Saudi-Arabien und China transportiert werden muss, und dann als Diesel zurück.
    Eine CO2 Schleuder der ersten Güte. Passt aber besser zu dem Frackinggas, Kohle, Braunkohle und Dreckschleudern als Schiffskraftwerke. Aber dafür werden dann die AKW doch im neuen Jahr abgestellt?
    Und, der Dieselpreis kommt immer näher an die Traumzahl der Grünen.
    Schöne neue grüne Welt.

    1. @Helmut, welchen glorreichen unterschwelligen und suggestiven Zusammenhang wollen Sie eigentlich konstruieren, indem Sie zum wiederholten Mal Frackinggas, Kohlekraft, LNG-Tanker, AKWs und Dieselpreis in einem Atemzug mit den Grünen nennen?

      Der ursprüngliche Plan von einem massiven Ausbau der Erneuerbaren mit modernen, H2-fähigen GuD-Kraftwerken als Brückentechnologie und spätere Backup-Struktur war und ist ein sehr guter. Im Gegensatz dazu haben Sie noch nicht im Ansatz eine brauch- und gangbare alternative Lösung benannt. Dass Putin diesen Plan auf grausamste und menschenverachtende Weise durchkreuzte, und nun die Nordstream-Pipelines nicht länger zur Verfügung stehen, können Sie doch nicht seriös den Grünen ankreiden.

      Nach dem völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine, den Vertragsbrüchen durch Gazprom und den daraus resultierenden Konsequenzen musste schnell gehandelt werden. Das wurde auch getan, selbst wenn natürlich die obligatorischen Nörgler im Nachhinein wie immer viele Verbesserungsvorschläge und Kritik zum Besten gaben. Schade, dass die heldenhaften Gedanken und Ideen dieser Menschen nie im Vorfeld schon den schlauen Kopf durchfluten.
      Sobald sich die Lage etwas entspannt hat und neue Lieferstrukturen und Produktionsprozesse etabliert sind, kann der ursprüngliche Plan weiter verfolgt werden. Zwei oder drei Jahre etwas intensivere Nutzung der Kohlekraftwerke machen das Kraut nun auch nicht fett. Man kann ja nebenbei bemerkt entsprechend Energie ohne nennenswerten Komfortverlust einsparen, statt immer weiter rauszuhauen wie gehabt, nur weils so schön billig war.

      Soweit ich weiß, laufen die AKWs ohnehin noch bis April 2023. Und indem Sie ständig das nicht minder gefährliche, ungelöste Atommüll-Problem gegen das Klima-Problem auszuspielen versuchen, offenbaren Sie Ihr ganzes ideologisches Potenzial eines festgefahrenen Populisten, der nicht im Geringsten an lösungsorientierten Prozessen mit entsprechenden Risikoabwägungen interessiert ist.
      Aber wenigstens wissen Sie schon im Vorfeld, was nicht das Beste für Deutschland ist.

      1. @leftutti
        leider ist von dem „massiven“ Ausbau bis zum heutigen Tage einfach 0 zu sehen. Wie auch Fugi schon öfter thematisiert hat: Die komplette Kette der alten Fossilen von der Exploration über die Verarbeitung bis zum Verbrauch solange massiv zu verteuern, bis sich die Alternativen von selbst ausbauen weil sie im Vergleich einen Ticken günstiger geworden sind, statt 10x teuer zu sein wie unter vorherigen Bedingungen bringt nun mal gewisse Verwerfungen mit sich. Der Krieg ist da nur ein Katalysator der es schneller zu Tage bringt.

        Eine mögliche Lösung wäre: sofort alle möglichen Energieresourcen die wir haben maximal auslasten, wie Atom usw. um unsere Wirtschaft nicht vor die Wand zu fahren. Gleichzeitig ein paar hundert Milliarden in Wasserstoffproduktion und Quadratkilometer große Solarfelder und Windparks investieren. Dazu 40 Gaskraftwerke um den mit erneuerbarem Strom gewonnen Wasserstoff Wind/Sonne unabhängig zu verstromen. Abhängig von Genemigungen, Planungs- und Baukapazitäten könnten wir dann vielleichtg in 10 Jahren unabhängig sein.

        1. @aladin, es sollte berücksichtigt werden, dass die Regierung erst seit etwa einem Jahr aktiv ist. Und in diesem Jahr wurde sie gebündelt mit derart vielen externen Krisen konfrontiert, wie es bei den Vorgängern in den ganzen 16 Jahren nicht im Ansatz der Fall war. Die waren nebenbei bemerkt ohnehin schon mit Corona heillos überfordert. Auch wenn es kein prominenter Teil in den Nachrichten ist, wird neben all den Schlagzeilen-Themen auch am Ausbau der Erneuerbaren, an Gesetzesänderungen und beschleunigten Verfahren gearbeitet. Das verkomplizierende und verzögernde Problem dabei im Gegensatz zu Diktaturen, Autokratien oder Präsidialdemokratien ist der Föderalismus (siehe z.B. Bayern). Hier kann nicht einfach im Bedarfsfall per Dekret von heute auf morgen entschieden werden.

          Mit Ausnahme der CO2-Abgabe sehe ich keine bewusst herbeigeführte, absichtliche Verteuerung der kompletten Kette fossiler Energien. Und diese Abgabe ist eine internationale Vereinbarung, keine rein deutsche.
          Nach meinem Ermessen sind die Regenerativen nur maximal die ersten 10 Jahre durch Subventionen und/oder andere Eingriffe wie die EEG-Umlage wettbewerbsfähig gemacht worden. Die längeren garantierten Einspeisevergütungen mögen für sehr alte Anlagen noch eine Zeit nachwirken, für aktuellere Modelle trifft das alles schon länger nicht mehr zu. Seither sind die Investitions- und Gestehungskosten auch ohne derartige Eingriffe massiv gesunken, etwa durch technologische Entwicklungen, verbesserte Produktionsprozesse und die deutlich erhöhten Absatzzahlen. Es gibt keine günstigere Art der Stromproduktion. Wie Sie hier auf 10x teurer kommen, müssten Sie bitte etwas genauer erläutern.
          https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html
          https://positionen.wienenergie.at/grafiken/stromgestehungskosten-in-der-eu/

          Dass der Betrieb der drei verbliebenen AKWs den Strompreis nicht senken kann, hat sich gezeigt. Und ob die Wiederinbetriebnahme der drei Ende 2021 abgeschalteten Kraftwerke – falls überhaupt möglich – alle anderen teuren Kraftwerke aus der Merit-Order verdrängen könnte, darf mehr als angezweifelt werden.
          Fracking von Gas würde viel zu lange dauern. Einmal abgesehen von den langen Verzögerungen durch massive Bürgerproteste, wären relevante Fördermengen erst in zehn Jahren zu erwarten. Erste kleinere Fördermengen wären im Idealfall frühestens in etwa drei Jahren zu erwarten.
          https://www.focus.de/finanzen/fracking-in-der-nordsee-deutschlands-gigantischer-gas-vorrat-und-warum-wir-ihn-so-schwer-anzapfen-koennen_id_107995284.html
          https://www.deutschlandfunk.de/energiekrise-fracking-in-deutschland-100.html
          Zudem ist diese Technik viel zu teuer und birgt nicht zu vernachlässigende Risiken.
          https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2022-05/fracking-erdgasfoerderung-klimaschutz-klimaziele?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.startpage.com%2F
          Eine konventionelle Förderung in der Nordsee bei Borkum ist dagegen ohnehin im Gespräch und nicht ausgeschlossen.

          Ob Quadratkilometer große Solarfelder und Windparks in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland möglich und sinnvoll sind, vermag ich auf die Schnelle nicht zu beurteilen. Möglich wäre ja auch eine dezentralere Verteilung, gerade in Anbetracht fehlender Fernleitungen von Nord nach Süd. Abgesehen davon gehe ich mit dem zweiten Teil Ihrer Vorschläge d’accord 😊

          1. @leftutti
            oh, der jetzigen Regierung würde ich das auch nicht allein anlasten. Eher den Regierungen der letzten 20 Jahre. Und da waren leider alle Parteien beteiligt, außer einer Afd, die ich eh nicht unbedingt brauche. Mit unserer Demokratie und damit verknüpften Bürokratie habe ich genug Erfahrung um der Meinung zu sein, das es erst substanzielle Einigungen und Fortschritte geben wird, wenn es höchste Zeit ist. Wir werden sehen.
            Da ein so tiefgreifender Umbau unseres Landes mit dem Umstellen auf Regenerativ alleine von der Masse der erforderlichen Anlagen seine Zeit braucht, sollte man das in der Politik bedenken, anstatt nur in 4 Jahres Plänen zu agieren. Da sehe ich alle Partein mit drin.

            Wie sie vielleicht überlesen haben, habe ich das Fracking (bewusst ;) ) außen vor gelassen. Wie bei Allem gibt es Nebenwirkungen, die auch ich nicht in meinem Vorgarten möchte. Die Niederlande steigen nicht umsonst aus der Gasproduktion aus und was man aus den Usa über Fracking hört, ist nicht besser.
            Genau wie bei Atomkraft. Aus der Umgebung von Neckarwestheim bin ich gerne wieder weg gezogen, deshalb würde ich auch (abgesehen von der zweifelhaften Wirtschaftlichkeit) keinen Neubau wollen. Interessant wäre auch die Gasproduktion vor Griechenland.
            Die Probleme sind mir bewusst, das änder aber nichts daran, das wir absehbar (2-4 Jahre) alles dringend benötigen, was möglich ist. Deshalb halte ich den Weiterbetrieb der aktuellen Akw für notwendig. Der Strompreis hat sich wieder halbiert, das zeigt mir, dass es im Gegenteil einen massiven Einfluss hat.
            Bei ihrem Link von Wien Energie sieh man auf den ersten Blick: Kosten für Atom bei „neuen Kraftwerken“. Unsere Anlagen sind aber abgeschrieben und noch nicht bei der geplanten Lebensdauer angekommen, somit sind die aktuellen Produktionskosten um etliches Niedriger. Über die Gesamtkosten, die schon entstanden sind, brauchen wir nicht zu diskutieren, die sind extrem und sprechen neben den Risiken gegen einen Neubau von Akw.

            Was mich stört ist die Doppelmoral und die Beschlüsse nicht zu Ende zu denken. „Wir verteuern und schalten ab, und dann wird es sich schon von selbst regeln.“
            Doppelmoral im Sinne von wem man welches Gas/Öl kauft (Diktaturen, Fracking, usw.) oder eben lieber schmutzigste Altanlagen weiter betreiben, hauptsache die Akw abschalten. Genauso den Bürger auffordern nicht mehr so viel zu duschen weil jeder m3 Gas zählt, aber die Gaskraftwerke massiv laufen lassen statt die Akw. Wir verstromen doppelt so viel Gas in diesem Jahr wie in den Jahren zuvor. (smard.de)
            Zu Ende Denken im Bezug auf genauso viel Energie auf den Aufbau von Alternativen richten, wie auf das Abschalten. Man hat den Eindruck es wird immer nur eine Hälfte der Agenda 2030 umgesetzt.
            Warum hat man nicht schon vor Jahren die CO2 Steuer auf alle voll regenerativen Treibstoffe abgeschafft? Egal ob „schlechter“ Wirkungsgard oder nicht, mit alternativen Treibstoffen könnten wir innerhalb von ein paar Jahren (3-5 Jahre) unseren gesamten Verkehr CO2 neutral machen. Wie lange dauert der Austausch der Auto/Lkw Flotte noch? Abgesehen davon wäre das eine Alternative zB für die Arabischen Staaten, um sie mit ins Boot zu holen.
            Genauso haben wir seit Jahren die höchsten Stromkosten der Welt. (Die Agenda 2010 wurde mit dem Argument der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands durchgedrückt.) Warum hat man sich auf die CO2 Steuer dann eingelassen? Die Verteuerung geschieht auf allen Ebenen, auf denen Deutschland zumindest mitredet oder wo sogar ohne Deutschland nichts passieren würde (im Bezug auf die EU). Die massive Verteuerung von Krediten an Firmen mit Bezug zu Fossilen Energien hat alle Investitionen einbrechen lassen. Egal ob Öl/Gas Exploration oder Raffineriekapazitäten. Das hat sich die Ezb auf die Fahne geschrieben und beides verknappt das Angebot und treibt die Preise nachhaltig. Die Liste ließe sich sicher noch eine Weile fortsetzen.

            Ja, wie bei jeder Technologie sinkt mit der Zeit der Preis. Leider wurde unsere Solarindustrie mutwillig zerstört und die Windanlagenproduktion zumindest vertrieben.
            Das Problem ist: Die Gestehungskosten sind zu kurz gedacht, der Strompreis repräsentiert mehr den Systempreis.
            Mittags fällt der Preis für Strom immer wieder massiv, teilweise ins Negative, weil wir den ganzen Solarstrom nicht weg bekommen. Also muss man entweder Solar- oder konventionelle Kraftwerke abregeln was sie noch teurer macht oder unsere Nachbarn für die Abnahme von Strom locken/bezahlen. Wir zahlen jedenfalls doppelt und haben nichts von den billigen Gestehungskosten, weil die Systemkosten steigen. Wenn Erneuerbare fehlen steigt der Preis teils extrem, weil er irgendwo her gezaubert werden muss.

            Zumindest brauchen wir ein technisch stabiles Stromsystem, solange wir Industrien in unserem Land haben wollen, die rund um die Uhr produzieren oder die mit eigenen Messgeräten die Qualität des gelieferten Stromes überwachen, weil ihre Maschinen zur Hochtechnologie zählen. Ach ja, Strom ist bisher nur ein Drittel der benötigten Energie.
            Deshalb komme ich ganz schnell auf Quadratkilometer. Apropos, ist das Verbot von Tierhaltung (zB Schafe) unter Solarparks schon abgeschafft worden? :D :D
            Ein Freund von mir überlegt sich gerade, ob er eine PV/Batterie Anlage für 10-15t Euro auf sein kleines Eigenheim bauen lassen will. Bei einem Strompreis von unter 30 cent rechnet sich die Investition über die Lebensdauer leider erst in den letzten paar Jahren und das kann sich durch technische Probleme bei mehr als 10 Jahren Laufzeit schnell ändern. Bei aktuellen Vertragspreisen von 50-60 cent für 2 Jahren sieht es vermutlich besser aus.

          2. @aladin, Sie führen viele nachvollziehbare und berechtigte Argumente an, mit denen ich jederzeit konform gehe.
            In drei konkreten Punkten muss ich allerdings widersprechen oder zumindest Zweifel anmelden:

            1.)
            Deshalb halte ich den Weiterbetrieb der aktuellen Akw für notwendig. Der Strompreis hat sich wieder halbiert, das zeigt mir, dass es im Gegenteil einen massiven Einfluss hat.
            Der Strompreis hat sich halbiert, weil sich der Gaspreis an den Börsen massiv verringert hat. Hier besteht allerdings keinerlei ursächlicher Zusammenhang zu dem Weiterbetrieb der AKWs. Diese laufen schon das ganze Jahr mit derselben Leistung und sind nicht in der Lage, Gaskraftwerke aus der Merit-Order zu verdrängen, um den Strompreis zu beeinflussen. Ganz im Gegenteil war sogar Isar 2 wegen Wartungsarbeiten vom Netz, während der Gas- und somit Strompreis gefallen ist.

            2.)
            Wir verstromen doppelt so viel Gas in diesem Jahr wie in den Jahren zuvor. (smard.de)
            smard.de bietet leider keine Balkendiagramme und ist auch sonst etwas unübersichtlich. Mit etwas Mühe lassen sich aber auch dort die Zusammenhänge von Atom- und Gaskraftwerken visualisieren. Selbst mit viel gutem Willen und noch mehr Phantasie lässt sich dort eine Steigerung, geschweige denn eine Verdoppelung nicht ansatzweise nachvollziehen. Ganz im Gegenteil hat sich die Gasverstromung trotz Halbierung der Atomkraft tendenziell eher leicht reduziert:
            https://www.smard.de/page/home/marktdaten/78?marketDataAttributes=%7B%22resolution%22:%22month%22,%22from%22:1572562800000,%22to%22:1667257199999,%22moduleIds%22:%5B1001224,1004071%5D,%22selectedCategory%22:null,%22activeChart%22:true,%22style%22:%22color%22,%22categoriesModuleOrder%22:%7B%7D,%22region%22:%22DE%22%7D

            Etwas besser ersichtlich wird das in Balkendiagrammen, die auf den gleichen Quellen basieren:
            https://www.energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&c=DE&chartColumnSorting=default&interval=year&year=-1&stacking=stacked_absolute&timeslider=1&legendItems=001000000100000000000
            Eine Verdoppelung der Gasverstromung wegen Reduzierung der Atomkraft ist bestenfalls von 2015 bis 2020 konstruierbar, nicht jedoch für 2021 und noch viel weniger für das aktuelle Jahr 2022.

            3.)
            Ein Freund von mir überlegt sich gerade, ob er eine PV/Batterie Anlage für 10-15t Euro auf sein kleines Eigenheim bauen lassen will. Bei einem Strompreis von unter 30 cent rechnet sich die Investition über die Lebensdauer leider erst in den letzten paar Jahren.
            Das hängt natürlich in hohem Maße davon ab, wann die Anlage angefragt wurde und wie hoch der Eigenverbrauch ist. Wenn ein Haus den ganzen Tag nicht genutzt wird, weil alle Bewohner auswärts arbeiten, wird es natürlich knapp. Und bitte nicht vergessen: Derzeit zocken die Anbieter in ihren Angeboten natürlich wieder ab, was das Zeug hält. Freie Märkte nennt man das, wenn ich mich recht entsinne.
            Ich kümmere mich persönlich auf Bitte einiger Freunde und Verwandter seit Frühjahr um mehrere Angebote, und jedes einzelne davon hätte sich zum damaligen Zeitpunkt bei einem Endverbraucherpreis von 30 Cent/kWh nach spätestens 10 bis 12 Jahren amortisiert. Momentan kann ich von aktuellen Angeboten nur abraten, obwohl sich die Endverbraucherpreise von 30 Cent/kWh verdoppelt haben. Die freien Märkte melden sich kaum mehr auf Anfragen kleiner Eigenheimbesitzer, und wenn, dann mit derart unverschämten Mondpreisen, die ihnen hoffentlich irgendwann auf die Füße fallen.

      2. Kann man drehen und wenden wie man will. Erst das Neue aufbauen (z.Bsp. Propeller/Solarzellen UND SPEICHER) und dann das Alte (Kohle/Öl/Atomkraft/Gas) abbauen. Das weiß man in wirklich jedem Privatunternehmen, da alle die, die das nicht beherzigen, während der Umstellung pleite gehen.
        Zur Zeit und die nächsten Jahre wirds eher schlimmer als besser. In keinem der drei relevanten Eckpunkte geht’s voran:
        – Energiesicherheit? Überall wird über Brownout und Blackout diskutiert.
        – Bezahlbarkeit? Preise für Energie sind schon letztes Jahr weltweit Spitze gewesen.
        – Nachhaltigkeit? Die Bilanz für Deutschland verschlechtert sich zusehens.
        Warum glauben Sie, machen hier in D zunehmend Unternehmen dicht machen oder wandern ab?
        Nicht unbedingt weil heute die Preise so hoch sind, sondern weil die Unternehmen nicht daran glauben, das die Situation besser wird.

  2. Hallo Leftutti,
    wenn ich Ihnen im Einzelnen darauf antworten würde, dann würde das hier den Rahmen sprengen.
    Nur soviel: Wenn ich am 8 Dezember 2021, das genau so beschrieben hätte, was heute in Deutschland abläuft, hätte man mich für komplett irre gehalten.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Hallo Helmut, Sie schreiben pro Tag 10 bis 15 Kommentare, die meisten davon in ständiger Wiederholungsschleife. Reduzieren Sie doch einfach die Anzahl und antworten Sie lieber länger und ausführlich und fundiert-nachvollziehbar im Einzelnen auf Beiträge in einem Diskurs, statt immer wieder so nichts sagende Kommentare wie diesen zu verfassen.

      1. @Leftutti, der Torero hat eine Schreibwut mit Wiederholungszwängen, vermutlich weil er den ganzen Tag nichts mehr mit sich anzufangen weiß.
        Solange keine Banken crashen, Menschen nicht in ihren Wohnungen erfrieren, der Euro nicht untergeht oder Chinesen oder Russen nicht endlich in den bösen Westen einmarschieren, langweilt er sich halt und haut tagaus tagein irgendwas in die Tasten. Ich möcht nicht wissen, in wievielen Foren er sonst noch herumgeistert.
        Ehrlich gesagt, ich lese seinen und anderen Kommentar-Käse immer weniger.
        Dafür umso mehr die FMW Artikel und die Fugmann-Videos.

        1. @Columbo, sowieso, einige FMW-Artikel und -Videos gehören selbstverständlich zur täglichen Lektüre, neben möglichst breit gestreuten Nachrichtenseiten, beruflichen Fachartikeln und vielen Büchern in der Freizeit. Grundsätzlich lese ich lieber, da mir Videos zu langsam sind. Ich habe es einmal ausprobiert und war mit einem Video-Transskript um ein Vielfaches schneller durch. Nur Fugi besitzt die nötige Rasanz, um nicht müde oder ungeduldig zu werden 😀

          Mit den Kommentaren geht es mir ähnlich wie dir. Es gibt hier ein paar Spezialisten, die immer wieder nur das Gleiche verzapfen, manchmal alibimäßig verpackt in etwas andere Worte. Was sollte es für einen Sinn ergeben, seine Zeit dafür zu verschwenden? Zum Glück beherrsche ich die Technik des Querlesens sehr gut. So sehe ich in wenigen Sekunden, ob es sich lohnt, sich näher damit zu befassen oder gar darauf einzugehen.
          Wie du sicher bemerkt haben wirst, habe ich meine Kommentar-Aktivitäten seit längerem deutlich zurückgefahren. An „Spitzentagen“ sind es vielleicht mal drei, im etwas längerfristigen Durchschnitt maximal fünf pro Woche. Wozu auch? Zu vielen Themen ist alles bereits mehrfach durchgekaut worden, zudem werden in den meisten Fällen ohnehin keine belastbaren Belege oder Quellen geliefert. Auf reine Behauptungen zu antworten, ist ein Kampf gegen Windmühlen (ein amüsanter Vergleich, da dieser in der Realität genau von anderen geführt wird) 😂

          Grundsätzlich teile ich sehr gerne Informationen, auch aus unserem beruflichen wissenschaftlichen Netzwerk, zu denen viele Leser ansonsten so ohne weiteres keinen Zugang hätten. Inzwischen hege ich allerdings so meine Zweifel, ob das hier die adäquate Plattform mit entsprechendem Interesse dafür ist. Meine Kernthemen kommen im Zusammenhang mit der Energiekrise natürlich immer wieder mal zur Sprache, doch leider in den meisten Fällen nicht mit Schwerpunkt auf inhaltlicher und fachlicher Ebene, sondern vielmehr als fundmentale politische Grundsatzdebatte mit Fokus auf faktenfreiem Hass und emotionaler Ablehnung. Ich erinnere mit Grausen und gleichzeitiger Belustigung nur mal an die Kampfbegriffe Sekten, Religion und Jünger.

          Auf das eine oder andere Späßchen und Gespräch mit dir will ich natürlich ebenso wenig verzichten, wie auf den täglichen Konsum von Fugis Videos und Artikeln. Auch wenn wir bei so manchem Thema anderer Ansicht sind, funktioniert das doch auf einer sehr menschlichen und letztendlich konstruktiven Ebene. Ein kleiner wertvoller Schatz, der leider immer mehr im anonymen und emotionalen Universum des Internets verloren geht.

          1. @Leftutti

            „…Auf das eine oder andere Späßchen und Gespräch mit dir will ich natürlich ebenso wenig verzichten…“

            Genauso meinerseits: Das soll und wird so bleiben😁.

    2. Recht haste. Er übertreibt und verdreht wieder ohne Scham je nach Bedarf. Kennen wir von den Medien. Der soll seiner Religion weiter frönen. Ich erinnere nur an Habeck den Lügner und Baerbock die Hochstaplerin.und wie sie vor den Wahlen von der „Friedenspartei“ gesprochen hat.

      1. Hallo Ottonorma,
        ohne Ausnahme haben Ideologien immer dazu geführt, dass Menschen am Anfang das Paradies auf Erden versprochen wird, dann belogen werden, dann kommt Schlange stehen, und dann kommt Mangel, Hunger u. Gewalt. Und alles soll mit dem Geld der Anderen bezahlt werden, die im Gegensatz zu den Ideologen, ihr Leben lang gearbeitet haben.
        Natürlich muss dann im Endstadium auch die Presse mitspielen und die Justiz.
        Auch den Volksgerichtshof gab es nur, weil auch Richter und Staatsanwälte der Ideologie verfallen waren, und die Presse auf Linie gebracht wurde.
        Wer 1935 ein Buch darüber geschrieben hätte, wie Deutschland 1945 aussieht, und was für Verbrechen un diesen 10 Jahren noch begangen werden, wäre für vollkommen irre gehalten worden.
        Vielleicht erlebe ich es ja noch, was bis 2032 aus Deutschland wird.

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  3. Ein Thema für den anstehenden G20-Gipfel in Indonesien, an dem hoffentlich auch Staatspräsident Dr. Wladimir Wladimirowitsch Putin teilnimmt. Die Forderung von Kiew, Russland solle aus der G20 ausgeschlossen werden, ist abwegig.

  4. Halll Leftutti,
    ich äußere Meine Meinung zu zu den Themen die hier von der Redaktion gebracht werden.
    Ich habe mich z. B. noch nie zu Aktien geäußert, weil ich nicht genug Wissen von Aktien habe. Aber ich möchte behaupten, dass ich mich mit Gold und dem Umfeld von Gold gut auskenne. Auch mit Gas und mit der Gasversorgung.
    Postwendet wird vom Columbo dann ein Blödsinn über Gold geschrieben, dass ich das nicht so stehen lassen kann. Wenn die Beiträge von Columbo wenigstens Substanz hätten, wie Zahlen, Fakten, andere Presseberichte….
    Nichts davon, nur substanzloses Gelaber.
    Die Härte ist dann noch Helix52.
    Da zweifel ich sogar an seinem Verstand.
    Ich hatte es auch für wichtig gehalten, dass die Menschen sich auf den kommenden Winter vorbereiten. Es kostet ja nicht viel und kann ja verbraucht werden, wenn alles Schlimme nicht eintritt. Richtigerweise schließen Menschen eine Feuerversicherung ab, obwohl es sehr, sehr unwahrscheinlich ist, dass ihr Haus abbrennt.
    Und die Versicherungsprämie ist verloren.
    Aber wir werden sehen was nun in den nächsten Monaten passiert und wieviel Jahre das tiefe Tal den Menschen in Deutschland zu schaffen macht.
    Ich hoffe nur das die Demokratie das aushält.
    Nach Versprechen von Ideologen, kommen immer Lügen, dann Schlange stehen und dann Gewalt.
    Wir sind aktuell noch in dem Stadium der Lügen.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  5. https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/oel-embargo-diesel-preise-101.html?utm_campaign=Sahra%20Wagenknecht&utm_medium=email&utm_source=Revue%20newsletter

    https://de.wikipedia.org/wiki/Platts_(Unternehmen)?utm_campaign=Sahra%20Wagenknecht&utm_medium=email&utm_source=Revue%20newsletter

    Dieselknappheit ist der naechste Abzockefake mit dem wir hier konfrontiert werden. Siehe link Tagesschau oben.

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