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Dieselpreis in USA eilt von Rekord zu Rekord – Vorbote für Deutschland?

Diesel tanken an der Tankstelle

Der Dieselpreis in den USA geht durch die Decke. Den vierten Tag in Folge sieht man jetzt neue Rekordstände. Aktuell liegt der Verkaufspreis an den Tankstellen bei 5,32 Dollar pro Gallone. Diese offizielle Grafik der US-Energiebehörde geht nur bis 25. April, wo der Preis für Diesel bei 5,16 Dollar pro Gallone notierte. Noch zum Jahresende 2021 waren es 3,61 Dollar, und Ende 2020 nur 2,55 Dollar. Im vorigen Rekordhoch aus Sommer 2008 notierte der Dieselpreis an Tankstellen in den USA bei 4,71 Dollar. In der Grafik sehen wir den Preisverlauf seit dem Jahr 1994. Nur mal zum Vergleich: Rechnet man die aktuellen deutschen Tankstellenpreise für Diesel um, kommt man auf 8,11 Dollar pro Gallone – inklusive hoher deutscher Steuern.

Grafik zeigt Dieselpreis in den USA seit dem Jahr 1994

Der Energie-Experte Stephen Stapczynski sagt zu den derzeitigen Rekordanstiegen im US-Dieselpreis, dass die globale Treibstoffknappheit die amerikanischen Landwirte, LkW-Fahrer und so gut wie jeden Teil der US-Wirtschaft trifft. Die Vorräte an Diesel seien auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten gesunken.

Spüren die USA hier eine Verknappung, die zurückzuführen ist auf das Öl-Embargo der USA gegen Russland, das man am 8. März ziemlich schnell nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs umgesetzt hatte? Die USA haben bislang zwar im Vergleich zum Gesamtverbrauch eher wenig Brennstoffe aus Russland importiert, aber diese fehlenden Mengen könnten derzeit zur Verknappung bei Diesel beitragen, und den Dieselpreis weiter hochtreiben. Laut US-Energiebehörde EIA machten die Importe von Öl aus Russland nur 8 Prozent aller US-Ölimporte aus. Ist dieser Anstieg bei Diesel in den USA ein Vorbote für noch weiter steigende Preise hierzulande? Schließlich ist der Ölmarkt ein globaler Markt. Je nach Angebot und Nachfrage und entsprechenden Preisveränderungen könnten Produzenten ihre Lieferungen global umlenken.

Dies sah man zum Beispiel beim Thema Gas. Als die europäischen Gaspreise in den letzten Monaten stark gestiegen waren, war es für US-Gasproduzenten plötzlich viel lukrativer nach Europa zu verkaufen statt wie vorgesehen nach Asien. Und so wurden sogar Gastanker – in voller Fahrt Richtung Asien – umgelenkt nach Europa, weil die Kunden dort höhere Preise zahlten. Bei Benzin und Diesel sollten ähnliche Mechanismen gelten. Dort wo es keine langfristigen Verpflichtungen gibt, könnten Lieferungen umgeleitet werden, und Länder oder ganze Regionen erhalten zu wenig Brennstoff, was dort wiederum die Preise steigen lässt. Daher wird eine Steigerung im Dieselpreis in den USA vielleicht kein isoliertes Ereignis bleiben.



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