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Dilemma für die Fed: Wirtschaft mau, Inflation zieht an

FMW-Redaktion

Die amerikanische Notenbank Fed gerät zunehmend in eine schwierige Situation: während man den Zustand der US-Konjunktur bestenfalls als „mau“ bezeichnen kann, zieht die Inflation deutlich an. Das zeigten einmal mehr die heute veröffentlichten US-Erzeugerpreise. Diese zogen mit 0,1% an, statt wie erwartet um 0,2% zu fallen. Entscheidend aber ist, dass die Erzeugerpreise in der Kernrate – also ohne die Bereiche Nahrungsmittel und Energie – um 0,4% gestiegen sind und damit deutlich stärker als die erwarteten +0,1%. Damit setzt sich der seit November andauernde Trend steigender Preise (auch bei den Verbraucherpreisen!) vor allem in der Kernrate in den USA fort. Es ist der Dienstleistungssektor, in dem der Löwenanteil der Preissteigerungen geschieht – im dem deutlich kleineren, auf Rezessionsniveau befindlichen Produktionssektor dagegen zeigt sich diese Tendenz nicht.

Weil aber der Dienstleistungssektor die US-Wirtschaft klar dominiert, kommt die Fed in eine schwierige Situation: heute Nacht hatte sich der Chef der Boston Fed, Eric Rosengren, für eine abwartende Haltung der Notenbank ausgeprochen. Man müsse beobachten, wie sich die weitere Entwicklung der US-Konjunktur darstelle, könne aber andererseits nicht auf jede Zuckung der Aktienmärkte reagieren, weil diese nicht wirklich die Lage der US-Wirtschaft reflektierten. Offenkundig ist die Fed zunehmend unsicher, wie robust die US-Konjunktur wirklich ist – die heute Abend um 20.00Uhr anstehende Veröffentlichung des FOMC-Protokolls dürfte hier weiteren Aufschluß geben.

Die US-Aktienmärkte feiern schon einmal die Hofnfung auf ausbleibende Zinssenkungen – aber wenn der Trend zu höherer Inflation in der Kernrate anhält, dürfte der Fed nichts anderes übrig bleiben als den Zinsanhebungszyklus fortzusetzen – selbst wenn die US-Konjunktur schwach bleibt. Denn sollte der Ölpreis irgendwann doch einmal anziehen, könnte die Lage aus Sicht der Fed schnell aus dem Ruder laufen und die Notenbank dann zu schnellen Schritten zwingen – was sie grundsätzlich nicht will, weil ihr Ziel langsame, stetige Anhebungen sind.

Dabei gelten die Erzeugerpreise als Frühindikatoren für die weitere Preisentwicklung, weil gestiegene Kosten dann mit leichter Verzögerung im Handel ankommen. Die „Fed-wird-die-Zinsen-nicht-anheben-Party“ steht also vor diesem Hintergrund eher auf tönernen Füßen..



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