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Dip-Käufer befeuern Aktienmärkte: Trügerische Hoffnung?

Dip-Käufer befeuern Aktienmärkte: Trügerische Hoffnung?
Ein Trader an der New York Stock Exchange. Foto: Bloomberg

Nach einem turbulenten Wochenausklang meldeten sich die Aktienmärkte am Montag mit Nachdruck zurück: Der S&P 500 verzeichnete die stärkste Rally seit Mai. Getrieben von Dip-Käufern und wachsenden Erwartungen an baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed, entlädt sich die Kaufkraft in einem dynamischen Rebound. Doch ist dies der Beginn eines nachhaltigen Anstiegs– oder nur ein kurzes Aufbäumen im Spannungsfeld zwischen Inflation, Handelspolitik und Konjunktursorgen?

Aktienmärkte mit starkem Rebound

Die US-Aktienmärkte zeigten sich zu Wochenbeginn in beeindruckender Form. Ein verstärktes Interesse am „dip buying“ – also dem Kauf bei Kursrücksetzern – trieb die Kurse spürbar nach oben. Der S&P 500 verzeichnete mit einem Plus von 1,5 % die stärkste Rally seit Mai. Rund 85 % der im Index gelisteten Unternehmen schlossen im Plus, wobei nahezu alle Sektoren Zugewinne verbuchten. Besonders die zuletzt unter Druck geratenen Tech-Megacaps führten den Aufschwung an: Aktien von Nvidia und Meta legten jeweils mehr als 3,5 % zu. Auch der Russell 2000, der kleinere Unternehmen abbildet, stieg um 2,1 %.

Laut Michael Wilson von Morgan Stanley sollten Anleger die jüngsten Kursrückgänge zum Einstieg nutzen, da der Ausblick auf die Unternehmensgewinne im kommenden Jahr äußerst robust sei. David Kostin von Goldman Sachs ergänzte, dass viele Unternehmenslenker derzeit zuversichtlich seien, die Auswirkungen neuer Zölle auf die Margen begrenzen zu können. Dies wird durch aktuelle Zahlen untermauert: Die Gewinne im S&P 500 übertreffen im zweiten Quartal die Erwartungen deutlich. Der Anstieg liegt bei 9,1 %, dreimal so hoch wie die ursprüngliche Prognose und das stärkste Ergebnis seit 2021, wie Daten von Bloomberg Intelligence zeigen.

Aktienmärkte: Dip-Käufer treiben S&P 500 an - Fed-Zinssenkungen im Fokus
Dip-Käufer treiben den Rebound im S&P 500 an

„Diese Woche ist wirtschaftlich relativ ruhig, daher dürften die Anleger ihre Orientierung vor allem aus den laufenden Quartalsberichten sowie aus potenziellen Entwicklungen im Zoll- und Handelskonflikt ziehen“, sagte Chris Larkin von E*Trade (Morgan Stanley). Er wies zudem darauf hin, dass ein zentrales Thema nun sei, ob die Aktienmärkte Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche negativ bewerten oder ob diese als Signal für baldige Zinssenkungen durch die Fed gedeutet werden.

Der Dollar zeigte sich kaum verändert. Der Ölpreis gab nach, nachdem die Händler das jüngste Angebotspaket der OPEC+ analysierten und Ex-Präsident Donald Trump Sanktionen gegen Indien wegen russischer Ölkäufe ankündigte.

Richtungsweisende Handelswoche

„Diese Woche wird richtungsweisend sein: Es entwickelt sich ein Tauziehen zwischen der saisonal bedingten Zurückhaltung institutioneller Anleger und der Kaufbereitschaft privater Investoren bei Kursdellen“, kommentierte Mark Hackett von Nationwide. Aus seiner Sicht sprechen mögliche Zinssenkungen und starke Unternehmensgewinne für eine Fortsetzung der Rally bis zum Jahresende und darüber hinaus. Auch Jose Torres von Interactive Brokers zeigte sich optimistisch: „Die eingehenden Wirtschaftsdaten werden Hinweise auf die weitere Richtung geben, aber derzeit haben die Aktienmärkte eine klare Stimme abgegeben – die Anleger setzen auf weiteres Gewinnwachstum.“

Ein zusätzlicher Treiber für die Aktienmärkte sind die rekordhohen Aktienrückkäufe durch Unternehmen. Laut Birinyi Associates beliefen sich die im Juli angekündigten Rückkäufe auf 165,63 Milliarden Dollar – ein neuer Höchstwert. Seit Jahresbeginn wurden damit bereits Rückkäufe in Höhe von 926,1 Milliarden Dollar bekannt gegeben. „Corporate America bleibt einer der größten Käufer von US-Aktien, was trotz der unruhigen Nachrichtenlage rund um Zölle Vertrauen in das eigene Geschäft signalisiert“, so Jeffrey Yale Rubin von Birinyi. Demgegenüber verkaufen Unternehmensinsider ihre Aktien während der jüngsten Rally, was man als mögliches Warnsignal werten kann.

Gleichzeitig mahnen einige Strategen zur Vorsicht. Zwar übertreffen die Gewinne im S&P 500 die Erwartungen, doch angesichts der Nähe zu Allzeithochs stellt sich laut Gina Martin Adams und Wendy Soong von Bloomberg Intelligence die Frage, wie viel Potenzial der Aufschwung noch hat. „Die Stimmung in den Führungsetagen ist auf einem Achtjahreshoch, doch die Prognosen zeigen mehr Zurückhaltung – es bestehen Sorgen über Zölle und steigende Kosten“, betonen sie. „Das Marktverhalten spiegelt diese Spannung wider: Enttäuschungen – ob bei großen oder kleinen Unternehmen – werden hart bestraft, während positive Überraschungen nur verhalten honoriert werden.“

Hoffnung auf Zinssenkungen

Nach dem jüngsten Rückzug aus risikobehafteten Anlagen kehren die Anleger nun in Erwartung einer Zinssenkung der Fed an die Aktienmärkte zurück. Die Wahrscheinlichkeit für eine Senkung im September liegt laut Fed Funds Futures bei rund 85 %. Noch vor Veröffentlichung der schwachen Arbeitsmarktdaten am Freitag lag diese Wahrscheinlichkeit bei lediglich 40 %. David Lefkowitz von UBS Global Wealth Management kommentierte: „Sollte die Fed im September mit Zinssenkungen beginnen, wäre dies unterstützend für die Aktienmärkte. In Kombination mit unserer positiven Einschätzung zu den Unternehmensgewinnen erwarten wir weiteres Aufwärtspotenzial für US-Aktien in den nächsten zwölf Monaten.“

Auch die Analysten Manish Kabra und Charles de Boissezon von Societe Generale sehen in den erwarteten Zinssenkungen einen Impuls für steigende Kurse. „Zinssenkungen der Fed werden den Index formen“, erklärten sie. Ein gradueller Kurs sei dabei förderlich, während aggressive Maßnahmen die aktuelle Überbewertung der Aktienmärkte noch begünstigen könnten.

Trotz des positiven Sentiments bestehen weiterhin Unsicherheiten, insbesondere mit Blick auf den Arbeitsmarkt und die Handelspolitik. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht zeigt zwar keine Rezession an, lässt jedoch laut Robert Ruggirello von Brave Eagle Wealth Management erkennen, dass Unternehmen zögern, neue Mitarbeiter einzustellen oder Personal zu halten – zu groß ist die politische Unsicherheit. „Die Abschwächung am Arbeitsmarkt erleichtert der Fed eine Zinssenkung. Gleichzeitig zeigt sie, wie Zollpolitik Unsicherheit schafft und die Beschäftigungspläne kleiner Unternehmen belastet.“

Zölle weiter im Fokus

Im Fokus stehen dabei erneut Zölle. Ex-Präsident Trump kündigte an, die Zölle auf indische Exporte deutlich zu erhöhen – eine Reaktion auf Indiens Importe russischen Öls, die von Neu-Delhi als ungerechtfertigt kritisiert wird. Parallel dazu rechnet die EU laut Insidern mit Exekutivmaßnahmen Trumps, mit denen unter anderem niedrigere Autozölle formalisiert und bestimmte Industrieprodukte von Abgaben befreit werden könnten.

„Unser Basisszenario bleibt, dass sich die US-Zölle langfristig bei rund 15 % einpendeln. Das wäre der höchste Wert seit den 1930er Jahren, aber wir erwarten dennoch keine Rezession oder ein Ende des Aktienbullenmarkts“, sagte Ulrike Hoffmann-Burchardi von UBS Global Wealth Management. „Kurzfristig könnten die Unsicherheiten jedoch zurückkehren – die bisherigen Handelsabkommen sind bislang nur Handschlag-Deals, bei denen im Detail noch vieles offen ist.“

Der jüngste Aufschwung an den Aktienmärkten unterstreicht, wie sensibel Anleger derzeit auf Gewinnentwicklungen und Zinserwartungen reagieren. Trotz der Herausforderungen zeigen sich die Märkte – insbesondere der S&P 500 – robust und setzen ihre Rally mit Rückenwind aus Unternehmensgewinnen und erwarteten geldpolitischen Lockerungen fort.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Bisher setzen die Bullen weiterhin auf ein Einknicken der Notenbanken….

    Die Märkte sind euphorisch…von einem Dip kann man hier nicht mehr sprechen…

    Bisher waren das nicht mehr als ein paar Gewinnmitnahmen…noch nicht mal eine Korrektur…

    Außerdem ist „TACO“ wieder in aller Munde…

    Man glaubt nicht mehr daran, das Trump es wirklich ernst meint, mit seinen Zöllen…

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