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Direkte Staatsfinanzierung: Dammbruch bei der Bank of England

 
 

Im Jahr 2008 brach in dem nordöstlich an Südafrika angrenzenden Nachbarstaat wegen Misswirtschaft und der pauschalen Enteignung und Vertreibung weißer Farmer eine Hyperinflation aus. Die Reserve Bank of Zimbabwe gab im Juli 2008 sogar Geldscheine mit einem Nennwert von 100 Milliarden Simbabwe-Dollar aus. Deren Kaufkraft reichte jedoch nicht einmal für eine Rolle Toilettenpapier. Abgewickelt wird die direkte Staatsfinanzierung in Großbritannien über ein eigenes Konto der britischen Regierung bei der Bank of England namens „Ways an Means Facility“, eine Art Überziehungskonto der britischen Regierung bei der Notenbank, dessen Belastung zuletzt nur 370 Millionen Pfund betrug. Während der Finanzkrise war das Konto im Jahr 2008 schon einmal in der Spitze mit 19,9 Milliarden Pfund belastet. Diese Summe dürfte sich nun in Lichtgeschwindigkeit vervielfachen.

Ob und wann die direkten und noch nicht bezifferbaren Folgekosten der Seuche dank dieses „Zauberkontos“ bei der Bank of England bezahlt sind, ist bislang weder definiert noch absehbar. Was passiert zum Beispiel, wenn die Corona-Krise durch eine Pleitewelle von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten immer neue Kosten für Großbritannien erzeugt? Werden diese Kosten dann alle über das unlimitierte Corono-Konto bei der Bank of England bezahlt?

Fazit und Ausblick

Natürlich ist die Lage in Großbritannien nicht vergleichbar mit der in Simbabwe (ehem. Rhodesien). Gleichwohl war in der Währungsgeschichte der Auslöser für eine beschleunigte Geldentwertung stets die unlimitierte Geldemission aus der Notenpresse zur Staatsfinanzierung oder mittels Helikoptergeld im Gießkannenprinzip an alle Wirtschaftssubjekte. Es ist doch klar, dass in dem Moment, wo die Geldmenge im Vergleich zum Angebot an Gütern, Waren und Dienstleistungen überproportional ansteigt und auch ausgegeben wird, die Anbieter ihre Preise nach oben anpassen.

Die Explosion der Preise bei Schutzmasken ist nur ein singuläres Beispiel für diesen simplen marktwirtschaftlichen Mechanismus, bei dem zu der explodierenden Nachfrage auch noch Lieferengpässe (Knappheitsteuerung) dazukommt. Wenn also in Folge der Corona-Krise die bereits vorher überschuldete Weltwirtschaft unter dem Vorwand der Seuchenbekämpfung mit Geld aus den digitalen Notenpressen geflutet wird, dann steigen in Zukunft die Preise – zumindest der knappen Güter sowie die der Vermögenswerte wie Aktien, Immobilien, Anleihen und Rohstoffe. Diese Vermögenspreise haben wiederum Auswirkungen u. a. auf Transportkosten, Mieten und die Kosten für die Altersvorsorge.

Wenn dann in der nächsten logischen Ausbaustufe der desperaten Geldpolitik auch noch das bereits auf Ebene des Internationalen Währungsfonds (IWF) diskutierte Schwundgeld ins Spiel kommt, um die Deflation endgültig durch eine sich beschleunigende Geldumlaufgeschwindigkeit auszumerzen, dann erwarten unsere Nachfolgegeneration monetäre Verhältnisse wie im ehemaligen Rhodesien.

Bank of England jetzt mit direkter Staatsfinanzierung
Die Zentrale der Bank of England in London. Foto: Diliff / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)



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4 Kommentare

  1. Pfund juckt es nicht im geringsten….

  2. Verrückte Welt!
    Ich nehme an, das ist nicht das letzte Tabu, das gebrochen wird.

  3. Die Reserve Bank of Zimbabwe gab im Juli 2008 sogar Geldscheine mit einem Nennwert von 100 Milliarden Simbabwe-Dollar aus. Deren Kaufkraft reichte jedoch nicht einmal für eine Rolle Toilettenpapier. Muss sie auch nicht, man kann die Geldscheine doch direkt und unmittelbar verwenden 😂😂

    Offensichtlich scheint nun auch der hemmungslose selbstzerstörerische Marktliberalismus und Kapitalismus mit seinem Latein am Ende (welch Wunder). Versuchen wir es doch mit einer sozialen Marktwirtschaft, bis jemandem Besseres einfällt.

  4. Pingback: das-bewegt-die-welt.de

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