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Dirk Müller und Clemens Fuest über Finanztransaktionssteuer: Eindeutige Meinungen!

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Dirk Müller und Clemens Fuest melden sich heute zu Wort, und das mit ganz klaren Worten! Wir berichteten gestern bereits über die finale Planung der Börsensteuer, die später mal eine größere Finanztransaktionssteuer werden soll. Auf Aktienkäufe (große Konzerne) sollen vom einfachen Aktienkäufer 0,2% Steuern entrichtet werden. Der Witz oder besser gesagt der Skandal daran ist: Derivate bleiben von Steuern befreit. Und Fonds, die ja eigentlich für die Altersvorsorge gedacht sind, könnten wohl wie der direkte Aktienkauf auch von der Steuer betroffen sein. Profis bleiben steuerfrei, der einfache deutsche Aktien-Michel darf zahlen.

Der Skandal geht weiter. Man hört nun auch von Angela Merkel, wie gut sie den Entwurf von Olaf Scholz findet, auch dass Derivate nicht mit Steuern belegt werden sollen. Merkel sagte laut SPON in der Sitzung der Unionsfraktion nach Angaben von Teilnehmern, Frankreich und Großbritannien hätten auch NUR eine Aktiensteuer. Man würde ansonsten ein neues Feld aufmachen, was man nicht wolle. Ähhhhh, bitte wie jetzt? Das soll eine Begründung sein, warum man Derivate steuerfrei lässt, aber Aktien besteuert? Weil man sonst ein „neues Feld“ aufmachen würde? Tut man das nicht immer, wenn man sich neue Steuerarten einfallen lässt?

Für Dirk Müller ist das die „Reine Bürgerverarsche“

Dirk Müller (Mr Dax) findet im folgenden aktuellen Video mehr als klare Worte zur Börsensteuer. Es sei die reine Bürgerverarsche. Er erwähnt auch seine damaligen Aussagen in einem Bundestags-Ausschuss zu dem Thema. Genau die Produkte, die man aus seiner Sicht hätte besteuern müssen, genau die würde der Staat nun nicht besteuern – dazu zählt Dirk Müller zum Beispiel den Hochfrequenzhandel. Die Politik tue nun genau das Gegenteil von dem, was Sinn mache. Die Börsensteuer werde ausschließlich den Kleinanleger treffen. Die Zocker die man nach der Finanzkrise an die Kandarre nehmen wollte, die kämen laut Dirk Müller gut davon. Fachlich sei das Werk von Olaf Scholz eine Katastrophe.

ifo-Chef Clemens Fuest mit aktuellem Kommentar

Clemens Fuest als Chef des wohl renommiertesten Wirtschaftsforschungsinstituts „ifo“ muss sich verständlicherweise auch als Nachfolger von Hans-Werner Sinn (hier ein aktuelles hochinteressantes Interview) etwas bedächtiger ausdrücken. Aber dennoch kritisiert auch er die geplante Steuer mehr als deutlich in einem aktuellen Kommentar. Die Finanztransaktionssteuer (hier auch ein guter Kommentar in der Welt) sei ein Schritt in die falsche Richtung. Die Worte von Clemens Fuest sind klar und deutlich. Nur, da wird sich wohl jeder Beobachter mit klarem Verstand fragen, warum macht Olaf Scholz das? War der Lobby-Einfluss seines Staatssekretärs (ehemals Derivate-Banker bei Goldman Sachs) zu groß? Hier im Wortlaut von Clemens Fuest:

„Diese Steuer ist ein Beispiel für eine Politik, die vorgibt, Probleme zu lösen, sie aber tatsächlich eher verschärft“, sagte er in München. „Viele Menschen denken, dass der Staat damit schädliche Spekulation bekämpfen könne und diejenigen bestrafe, die sich vor der Finanzkrise auf Kosten der Allgemeinheit bereichert haben. Tatsächlich braucht man andere Instrumente, um diese Ziele zu erreichen.“

Hauptursache für schädliche Spekulation und übermäßige Risikoneigung an den Finanzmärkten sei eine zu geringe Eigenkapitalausstattung von Banken. In der Finanzkrise mussten Banken letztlich mit staatlichen Geldern gerettet werden. „Das kann eine Steuer auf Finanztransaktionen nicht verhindern. Zielführender ist es, von den Banken deutlich höheres Eigenkapital zu verlangen. Viele Länder haben zusätzlich Abgaben auf Fremdkapitalfinanzierung von Banken eingeführt“, sagt Fuest.

Die neue Steuer erfasse wichtige Spekulationsinstrumente nicht, beispielsweise Derivate. Außerdem verringere sie die Umsätze am Markt, so dass es für einzelne Spekulanten leichter wird, die Preise zu beeinflussen. „Deshalb kann eine Finanztransaktionssteuer unerwünschte, spekulativ bedingte Preisausschläge sogar verstärken.“
Auch das Argument, dass bestimmte Finanzdienstleistungen nicht von der Mehrwertsteuer erfasst werden, spreche nicht dafür, eine Transaktionssteuer einzuführen. „Es ist seit Jahren bekannt, dass man zur Lösung dieses Problems eine Steuer auf Teile der Wertschöpfung im Finanzsektor erheben muss, im einfachsten Fall die Lohnsummen und Boni bei Finanzdienstleistern. In Dänemark beispielsweise existiert eine solche Steuer“, sagt Fuest.

Irreführend sei die Behauptung, der Weltwährungsfonds (IWF) unterstütze eine Finanztransaktionssteuer. In einer ausführlichen Stellungnahme habe der IWF bereits im Jahr 2010 dargelegt, dass eine Finanztransaktionssteuer das falsche Instrument ist, um den Finanzsektor zur Beteiligung an den Kosten der Finanzkrise heranzuziehen. „Der IWF hat von einer Finanztransaktionssteuer abgeraten und unter anderem eine Steuer auf Löhne und Gewinne der Finanzunternehmen vorgeschlagen, die sogenannte Finanzaktivitätssteuer.“

Scholz und Merkel - Dirk Müller und Clemens Fuest kritisieren Börsensteuer
Olaf Scholz und Angela Merkel. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 – Ausschnitt aus Originalfoto

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Torsten

    11. Dezember 2019 18:01 at 18:01

    Olaf AUFWACHEN ! Hier gebe ich Herrn Müller mal 100% recht!

    Bei Herrn Merz hätte ich das verstanden.

  2. Avatar

    Jürgen Dickmann

    11. Dezember 2019 19:06 at 19:06

    Die Politiker greifen den Bürgern in die Tasche um den Spekulanten die Yacht zu finanzieren, schade daß wir den Politikern ihre Altersversorgung nicht streitig machen können. Sie hättens verdient!

  3. Avatar

    Übelkeit

    11. Dezember 2019 21:19 at 21:19

    Wenn man den Hochfrequenzhandel besteuern würde müssten die Akteure ihr Kapital abziehen. Der Markt würde wohl um 99,9% zurücksetzen. 😉

    Wer wählt noch diese von Lobbyisten verseuchten Politiker?

    Die SPD sollte sich lieber wieder der kanzlerfrage widmen. Damit sind sie ein halbes Jahr beschäftigt und richten zumindest keinen Schaden an.

    Derivate besteuern!
    Hochfrequenzhandel besteuern!
    Trenbankensystem wieder einführen!

    Mit ist schon wieder schlecht!

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      Michael

      11. Dezember 2019 22:39 at 22:39

      @Übelkeit, Wer wählt noch diese von Lobbyisten verseuchten Politiker? Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung natürlich, wer sonst.
      Gegenfrage. Wer versteht denn eigentlich, was Hochfrequenzhandel, Derivate und Trennbankensystem sind? Wer hat die Zeit, die Lust oder auch das Potenzial, sich mit diesem winzigen Spezialgebiet zu befassen, wenn er mit Beruf, Hausbau, Familie, ein paar kleinen Hobbies, sozialem Engagement, ein wenig Freizeit oder Arbeitslosigkeit, Altersarmut und Existenzfragen vollbeschäftigt ist?

      Ich versuche es seit einigen Jahren so nebenbei hier und auf anderen Plattformen und erhalte nicht einmal Antworten auf einfache und naive Fragen von all den zahlreichen Spezialisten. Vielleicht sollten die Finanzmarktwelt-Profis einfach einmal aus Ihrer sehr beschränkten Nerd-Blase herausblicken auf die reale Welt. Ganz im Sinne der Philosophie der Finanzmarktwelt: Ziel ist, nicht nur den an den Finanzmärkten Interessierten Orientierung zu geben, das Geschehen einzuordnen und verständlich zu erklären. Zu finden unter:
      https://finanzmarktwelt.de/philosophie-der-finanzmarktwelt/

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        Petkov

        4. Januar 2020 11:37 at 11:37

        Michael, du bist in der Tat ein Phänomen! Du machst ja oft genug deutlich, dass du dein Börsenwissen aus den Gletscherbächern der Sahara geschöpft hast. Aber es ist vollkommen okay, solange du den Fachkundigen keine Teilschuld an deinen Unzulänglichkeiten subtil überträgst.

        Du fragst dich, wie in aller Welt die armen, besorgten Arbeitslosen in DE erfahren sollen, was ein Derivat ist. Ohhhh, mir kommen die Tränen. Die armen Arbeitslosen! Abgesichert und versorgt, wie in kaum einem anderen Land der Welt… Mit kostenlosem Zugang zu Bibliotheken und allen notwendigen Informationen… Mit vollen Bäuchen und mit jeder Menge Zeit, ihren Horizont zu erweitern.

        Willst du dich jetzt aller Ernstes beschweren, dass dir die Foristen auf FMW in ihrer Boshaftigkeit noch nicht die Finanzwelt in einer FÜR DICH nachvollziehbaren Art und Weise strukturiert, kurz, knapp und vor allem kostenlos erklärt haben? Wie lange brauchen sie eigentlich noch, um aus dir einen Multimillionär zu machen, während du sie in deinen Postings regelmäßig piesackst oder sogar beleidigst? Wie können die Börsenexperten hier überhaupt ruhig einschlafen, ohne dir ein Vermögensaufbaukonzept passend zu deiner egozentrisch-pseudoökologisch-kommunistischen Weltanschauung präsentiert zu haben?

        Mal im Ernst: du weißt sehr genau, dass viele erfolgreiche Börsianer hier langjährige, unvorstellbar fleißige Selbstdidakten sind. Und dass die Börsenroutinen bei denen durchaus „nebenbei“ laufen. Und dass manche von denen Hobbys haben, die normalerweise komplexe eigenständige Berufe sind? Dein Beruf lässt dir keine Zeit zur Erlangung von Finanzmarktverständnis? Ich verstehe! Schließlich sind die eigentlichen Berufe der besagten Experten quasi nicht ernst zu nehmen: Ärzte, Physiker und ähnliches Gesindel. „Nerds“ wie du sagst! Nicht zu vergleichen mit deiner Majestät dem Photoshop-Klicker, der auch noch ein Häusl in der Metropole Obermickringen gebaut hat und es auch noch mit Herzblut verwaltet. Und dann musst du auch noch regelmäßig Zeit für Kaffeekränzchen ähhhhh ich meine für soziale Engagements einplanen… Respekt! Achso, und die Börse verstehen und besser nutzen willst du auch. Aber das sollen andere für dich regeln und die Schritt für Schritt eine Anleitung schreiben. Am besten auf einem Bierdeckel, is‘ klar…

        Ups, eigentlich wollte ich dir lediglich frohes Neues wünschen! Bleib gesund und mach dir keine Sorgen: wir bleiben in Kontakt!

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          Michael

          4. Januar 2020 14:43 at 14:43

          @Petkov, herzlichen Dank für die sehr persönlichen und freundlichen Neujahrsgrüße, die ich hiermit natürlich gerne zurückgebe! Wie Sie ganz richtig bemerken, gehöre ich zu den 30% derer, die ein Einfamilienhaus ihr Eigen nennen. Allerdings nicht in Obermickringen, sondern in einer der angesagtesten und mittlerweile auch teuersten Regionen Deutschlands. Und dieses Haus ist übrigens weder geerbt, noch aus Erbschaft oder Lottogewinn finanziert.

          Was mein Börsenwissen betrifft, mache ich oft genug deutlich, dass ich seit jeher nur in den Devisenmärkten aktiv bin, dort allerdings recht erfolgreich mit einer positiven Trefferquote von über 90%. Dies in Kombination mit dem, inzwischen hypothekenfreien, Eigenheim ist mein persönliches Vermögensaufbaukonzept, und in dieser Konstellation sicher nicht das schlechteste. Dafür brauche ich noch nicht einmal Ärzte und Astronomen oder Atomphysiker.

          Dass Sie sich aus den von mir genannten Begriffen „Beruf, Hausbau, Familie, Hobbys, sozialem Engagement, ein wenig Freizeit oder Arbeitslosigkeit, Altersarmut und Existenzfragen“ genau die Arbeitslosen herauspicken, die ja vollgefressen und übersättigt alle Zeit der Welt hätten, sich in kostenlosen Büchereien zu Börsenprofis heranzubilden, dabei natürlich geflissentlich meine Aussage ignorieren, dass einige zwar Zeit und auch Lust, aber vielleicht gar nicht das Potenzial dazu haben, nennt man glaube ich Framing.

          Dass Sie mir im gleichen Atemzug willkürlich unterstellen, ich würde mich über andere beschweren, weil diese mir kein Vermögensaufbaukonzept und Börsenverständnis liefern, und ich diesen Menschen sogar noch eine Teilschuld an meinen „Unzulänglichkeiten“ zuschriebe, nennt man wohl Propaganda. Laut Duden auch Agitation. Oder ist es lediglich Sinnverdrehung, Verwirrung oder Ignoranz? Haben Sie schon einmal in Erwägung gezogen, dass ich mit meinen zwei oder drei Fragen in 6 Jahren FMW-Zugehörigkeit vielleicht einfach einmal einen sachlichen Meinungsaustausch oder Themenwechsel in der Kommentarfunktion anregen wollte, der über monatelange Polemik und persönlichen Kleinkrieg zwischen Bären und Bullen hinausgeht? Dass ich einfach andere, neue Themen anstoßen wollte, als das ständige Augurentum, ob die Aktienmärkte nun bald fallen oder weiter steigen werden? Haben Sie denn auch registriert, dass es neben unfreundlichen, manchmal etwas abschätzig und überheblich wirkenden Personen wie Ihnen auch nette Menschen gibt, die gerne, freiwillig, kompetent, sachlich und tatsächlich sogar kostenlos geantwortet und wertvolle Tipps und Quellen, nicht nur für mich, zur Verfügung gestellt haben?

          Nichtsdestotrotz freue ich mich, dass Sie offensichtlich zumindest bemüht sind, so löbliche gute Neujahrs-Vorsätze wie Höflichkeit, Konzilianz, Toleranz, menschenwürdiges Sozialverhalten und Anstand auch in die Tat umzusetzen. Ganz im Ernst: Nur zwei bis drei persönliche Beleidigungen in einem so langen Text ist wirklich ein enormer Fortschritt für Sie.

        • Avatar

          Johannes

          4. Januar 2020 16:29 at 16:29

          @Petkov, das ist irgendwie interessant: … während du sie in deinen Postings regelmäßig piesackst oder sogar beleidigst. Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie in den letzten 2 bis 3 Jahren auch nur einen sachdienlichen Kommentar zu Börsen, Märkten, Wirtschaft oder auch Politik und Gesellschaft geschrieben haben. Dafür umso mehr polemische und sehr persönliche Anfeindungen, zudem auch häufig deutlich unter der Gürtellinie. Natürlich kann ich mich irren, und Sie posten zur Entkräftung ein paar Links zu Kommentaren, die sich mit sachlichen Themen befassen und nicht auf Ihre paar persönlichen Lieblingsfeinde hier abzielen.

  4. Avatar

    md

    5. Januar 2020 15:47 at 15:47

    @johannes, ich kann mich auch nicht erinnern ob sie:

    Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie in den letzten 2 bis 3 Jahren auch nur einen sachdienlichen Kommentar zu Börsen, Märkten, Wirtschaft oder auch Politik und Gesellschaft geschrieben haben.

    oder haben sie ?

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Exporte der deutschen Industrie mit mauen Aussichten

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Viele deutsche Exporte laufen über den Hamburger Hafen

Kurzzeitig sah es in den letzten Monaten so aus, als würde die deutsche Konjunktur gerade eben so an der Rezession vorbei schrammen. Die Industrie ist längst in einer heftigen Rezession, aber Bau und Dienstleistungen haben das aufgefangen, sodass die gesamte Wirtschaftsleistung derzeit glatt bei 0,0% liegt. Auch die Exporte schienen sich ganz vorsichtig zu erholen. Aber gerade erst letzte Woche meldet das Institut ZEW schwache Exporterwartungen. Und heute folgt das ifo-Institut mit seinem Index für die Exporterwartungen. Der Chart zeigt die Entwicklung der Erwartungen seit 2014. Der Index ist für den Monat Februar von +0,8 auf -0,7 Indexpunkte gefallen, was man am Endes des Chart sehen kann. Die ifo Exporterwartungen basieren auf 2.300 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Sie können angeben, ob sie für die nächsten drei Monate die Exporte erwarten mit „zunehmen“, „gleich bleiben“ oder „abnehmen“. Aus allen Antworten wird dann dieser Index errechnet. Hier noch einige Detailaussagen von ifo im Wortlaut:

Die Entwicklungen rund um das Corona-Virus lassen kurzfristig kaum auf Besserung hoffen. Die Autobranche befürchtet einen verstärkten Rückgang ihrer Exporte in den kommenden Monaten. Auch in der Chemischen Industrie ist die Skepsis zurück, nach einem zuletzt leicht optimistischen Ausblick. Im Maschinenbau gehen die Unternehmen ebenfalls tendenziell von einem leicht rückläufigen Auslandsgeschäft aus. Lichtblicke in diesem Monat waren die Hersteller von Nahrungs- und Genussmitteln sowie die Getränkehersteller. Sie erwarten deutliche Zuwächse bei ihren Exporten in den kommenden Monaten.

ifo-Chart für die Erwartungen der Exporte

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Hochglanz-Staatsüberschuss 50 Milliarden Euro mit zwei Schönheitsfehlern

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Deutschland-Flagge vor Bundestag - 50 Milliarden Euro Staatsüberschuss

Der deutsche Staatsüberschuss für das Jahr 2019 betrug 49,8 Milliarden Euro nach 62,4 Milliarden Euro in 2018. Die Einnahmen des Staates lagen bei 1.608,6 Milliarden Euro, und die Ausgaben bei 1.558,8 Milliarden Euro. Jede Menge tolle Hochglanzzahlen kann das Statistische Bundesamt heute präsentieren. Zum achten Mal in Folge gab es einen Staatsüberschuss in Deutschland! Die Überschussquote in Relation zum Bruttoinlandsprodukt lag im letzten Jahr bei +1,4 % nach 1,9% in 2018. Davon können andere Staaten in der Eurozone nur träumen!

Die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen profitierten damit weiterhin insbesondere von einer günstigen Beschäftigungsentwicklung, so die Statistiker. Alle staatlichen Ebenen trugen laut dem Bericht zum deutschen Staatsüberschuss bei. Der Bund hatte mit 20,1 Milliarden Euro den höchsten Überschuss. Die Länder erzielten ein Plus von 13,6 Milliarden Euro, die Sozialversicherungen schlossen das Jahr mit einem positiven Saldo von 9,9 Milliarden Euro ab, und die Kommunen erzielten einen Überschuss von 6,2 Milliarden Euro, so die Statistiker. Auch sonstige Details geben Anlass zum Jubeln. Hier im Wortlaut vom Statistischen Bundesamt:

Auf der Einnahmeseite stiegen vor allem die Sozialbeiträge überdurchschnittlich um 4,4 % auf 597,8 Milliarden Euro. Die weiterhin gute Beschäftigung trug maßgeblich zu dieser Entwicklung und den weiter steigenden Lohnsteuerzahlungen bei (+4,1 %). Die Steuereinnahmen des Staates insgesamt stiegen um 3,1 % auf 825,8 Milliarden Euro. Auf der Ausgabenseite prägten überdurchschnittliche Steigerungen bei den Bruttoinvestitionen (+8,8 %) und Vorleistungen (+6,1 %) die Entwicklung. Der deutliche Anstieg der Bruttoinvestitionen ist vor allem auf höhere staatliche Bauinvestitionen zurückzuführen.

Zwei Schönheitsfehler bei den Hochglanzzahlen zum Staatsüberschuss

Ja, im großen Bild kann man kaum zufriedener sein. Und dann müssen wir von FMW noch kommen und selbst hier noch rum nörgeln? Erstens kann man anmerken, dass laut den Statistikern in 2019 die staatlichen Ausgaben mit 4,6% stärker gestiegen sind als die Einnahmen, die um 3,6% stiegen. Das wird vor allem dann ein Problem, wenn in einer Rezession oder in einem normalen Abschwung die Einnahmen rückläufig sind, und aufgrund höherer Arbeitslosigkeit die Ausgaben noch schneller steigen als ohnehin schon. Auch komisch ist: Vor allem sinkende Sozialausgaben müssten doch die Ausgaben insgesamt runterziehen in einer so prächtigen Lage einer fast erreichten Vollbeschäftigung. Aber nein, die Gesamtausgaben steigen, und wie gesagt… sogar noch schneller als die Einnahmen. Das ist nicht gut!

Und zweitens möchten wir auch als Schönheitsfehler benennen, dass der deutsche Staatsüberschuss vor allem deswegen für Olaf Scholz und seine Beamten im Finanzministerium so einfach zu erzielen war, weil die Zinskosten für die Staatsschuld quasi entfallen. Denn die EZB hat die Zinsen abgeschafft, und Deutschland verdient sogar Geld, wenn man neue Schulden aufnimmt. Leichter war der Schuldenabbau für einen Finanzminister noch nie! So sagen die Statistiker heute, dass wegen des „weiterhin sehr niedrigen Zinsniveaus und eines gesunkenen Schuldenstandes“ die Zinsausgaben erneut zurückgegangen sind, nämlich um 13,2%.

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Goldpreis fällt um 52 Dollar in nur 24 Stunden – was ist da los?

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Gold Barren Beispielfoto

Der Goldpreis legte tagelang eine phantastische Rally hin. Die Gründe waren bekannt. Das Negativzinsumfeld scheint sich auszuweiten, was Gold attraktiver macht. Dazu eskalierte die Angst um das Coronavirus. Die Aktienkurse sackten vor allem gestern übel in den Keller, weshalb der Goldpreis von Freitag auf gestern früh kräftig ansteigen konnte. In der Spitze notierte der Goldpreis gestern früh bei 1.689 Dollar. Heute früh notiert er 52 Dollar tiefer bei 1.637 Dollar. Was ist da passiert?

Goldpreis mit deutlichem Einbruch innerhalb von 24 Stunden

Nun, der erste Grund ist relativ schnell zu finden. Es ist die einfache simple Marktlogik. Gold war zu schnell so stark gestiegen. Von 1.575 Dollar am 14. Februar bis gestern auf 1.689 Dollar – ja, das war wohl zu schnell, zu viel. Da musste es eine technische Reaktion nach unten geben, wo viele Trader Gewinne mitgenommen haben. Aber gleich so ein massiver Absturz? Das Portal Zerohedge hat dazu gestern Abend eine Theorie veröffentlicht. Sie kann zwar nicht bewiesen werden, aber man kann der Annahme durchaus folgen. Um kurz nach 20 Uhr deutscher Zeit gestern Abend (siehe großer roter Abwärtsbalken mittig im folgenden Chart) ist der Goldpreis sehr schnell von 1.671 auf 1.651 Dollar gefallen.

Laut ZeroHedge wurden zu dem Zeitpunkt Gold-Futures für einen Nominalwert von 3 Milliarden Dollar verkauft – und das zu einer Zeit, wo Broker in den USA ihre Margin Calls an Kunden ausgeben. Damit ist gemeint, dass Spekulanten, die auf Kredit zum Beispiel Aktienpositionen halten, bei plötzlichen Verlusten von ihren Brokern Forderungen zu höheren Sicherheitsleistungen erhalten, weil die Broker die Positionen ansonsten zwangsweise liquidieren. Da könnte was dran sein, denn die Kursverluste bei Aktien vor allem in den USA waren gestern extrem heftig. Mussten zum Beispiel große Hedgefonds massiv Gewinne in Gold in Cash umwandeln (daher Gold-Futures glattstellen), um damit ihre gehebelten Long-Positionen in Aktien aufrecht erhalten zu können? Gut möglich, dass genau das der Auslöser des größten Abwärts-Candle-Balken im Gold-Chart war.

Goldpreis Verlauf seit gestern früh um 9 Uhr

Wie geht es weiter, und was sagen die Analysten?

Es ist durchaus vorstellbar, dass der Anstieg im Goldpreis der letzten Tage nun weitergehen kann, nachdem gestern jede Menge heiße Luft aus dem Ballon entweichen konnte? Was sagen die Analysten dazu? Zum Beispiel Naeem Aslam von Avatrade meint, dass man beim jüngsten starken Anstieg im Goldpreis keine große Stärke in der Preisaktion sehen konnte. Tatsächlich könne man auf einem täglichen Zeitrahmen sehen, dass das Kerzendiagramm eine rückläufige Kerze bildet. Was bedeuten würde, dass das Momentum überhaupt nicht vorhanden war und der gestrige Schlusskurs bei Gold sehr nahe am Eröffnungspreis lag. Der Goldpreis sei zu schnell gestiegen. Dies sei kein gutes Zeichen. Daher sehe man heute keine Aufwärtsbewegung. Er halte es für wahrscheinlich, dass der Goldpreis ein wenig zurückgehen oder sich konsolidieren werde, bevor das Aufwärtsmomentum wieder zunehme.

Laut Ipek Ozkardeskaya von Swissquote sei es schwer zu sagen, ob und in welchem Umfang sich der tatsächliche Aktienausverkauf vertiefen werde. Sobald die Anleger (nach dem gestrigen brutalen Absturz) das Licht am Ende des Tunnels in den Aktienindizes sehen, könne es daher zu einem starken Ausverkauf bis zum Niveau von 1.600 Dollar im Goldpreis und darunter kommen, da die spekulativen Positionen in Gold ein Rekordhoch erreicht hätten, welches abgewickelt werden könnte. Also, so möchten wir zum Abschluss fragen: Ist die spekulative Übertreibungsblase komplett zerstört worden mit dem starken Absturz im Goldpreis in den letzten 24 Stunden? Kann der Goldpreis nun wieder „in Ruhe“ weiter ansteigen? Es dürfte auch davon abhängen, wie die Aktienmärkte nach ihrem gestrigen Schock reagieren. Kommt heute eine technische Reaktion nach oben? Das könnte Gold schwächen, weil das Edelmetall als der „sichere“ Gegenpart zum „riskanten“ Aktienmarkt gilt (Risk Off Risk On Game). Gold könnte aber auch eine eigenständige Reaktion nach oben zeigen, weil -52 Dollar binnen 24 Stunden doch sehr viel sind.

Goldpreis in US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage

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