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Aktien

Dividenden: Die neuen Zinsen? Nicht so in der Coronakrise

Die Dividenden schrumpfen und es ist ein kleiner, aber erkennbarer Zinsanstieg bei Anleihen erkennbar. Nachhaltig?

Wolfgang Müller

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Wie sieht es eigentlich aus mit den Divideden in der Coronakrise? Dividenden sind für Aktien ein starkes Kaufargument gewesen – sie waren und sind vor allem ein Ersatz für die nicht mehr vorhandenen Zinsen.

Es war auch ein jahrelanges Werbeargument der Finanzbranche: die Werbung für Dividendenfonds (Aristokraten), die bei immer fallenden Zinsen scheinbar immer attraktiver wurden. Dabei ist der Vorteil dividendenstarker Titel schon Jahre nicht mehr gegeben, schließlich gab die Wachstumsstrategie von dividendenschwachen Titeln wie Amazon, Microsoft und Co (FAANG) schon lange den Ton an. Jetzt scheint sich ein kleiner weiterer Wandel zu vollziehen. Die Dividenden schrumpfen und es ist ein kleiner, aber erkennbarer Zinsanstieg bei Anleihen erkennbar. Nachhaltig?

Die Bazooka der Notenbanken

Die Pandemie um Covid-19 hat zu einer Geldflut ohnegleichen geführt. Zur Stützung der Konjunktur werden Billionen Dollar aufgewendet, die Zinsen extrem niedrig gehalten und erstmals sogar Anleihen von taumelnden Firmen gekauft. Aber wird das reichen, können die Notenbanken ohne Extremkonsequenzen auch für den Aufkauf von Firmenbonds genug Geld drucken? Trotz der Notenbank-Bazookas ist so etwas wie ein zarter Anstieg der Zinsen auf den Anleihemärkten zu verzeichnen.

Kürzungen der Dividenden

Die Coronakrise hinterlässt ihre Spuren. Auch wenn die Aktienkurse schon eine bessere Zukunft einrechnen, haben die Unternehmen mit der Gegenwart alle Hände voll zu tun – sprich Kosten reduzieren, restrukturieren und in vielen Fällen sogar auf Staatshilfe hoffen. Dass man damit eine großzügige Politik der Dividenden nicht mehr aufrechterhalten kann, ist leicht nachzuvollziehen.

Bei Europas Großkonzernen bedeutet dies: Ein Viertel der Unternehmen werden die Dividendenzahlung für dieses Jahr empfindlich kürzen oder ganz aussetzen. Für Deutschland sind dies die DAX-Konzerne Lufthansa, Adidas, MTU und die Deutsche Bank mit Aussetzung, Kürzungen sind bisher für Allianz, BMW, Continental, Covestro, Daimler, Deutsche Telekom und Infineon vorgesehen.

Anstieg der Zinsen bei einigen Firmenbonds

Bei der Aufnahme neuer Unternehmensanleihen müssen sich die Unternehmen anscheinend wieder etwas großzügiger verhalten. Bei der Flut an Neuemissionen seit März gibt es in Teilbereichen wieder etwas an Zinskupons, obwohl sich an der Zinssituation als Ganzes nicht viel geändert hat. Muss man den Investoren aufgrund der Rezession und der Emissionsflut etwas mehr Rendite bieten?

Bei Siemens sind es noch magere 0,25 Prozent (2 Jahre) beziehungsweise 0,375 Prozent (6 Jahre), bei Daimler allerdings schon zwei Prozent (6 Jahre). Heidelberg Cement bot schon 2,5 Prozent (4 Jahre) und Vw 3,375 Prozent (8 Jahre). Alles noch keine hohen Kupons, aber bis vor Kurzem konnte man sich noch als starker Konzern billigst verschulden. Werden Anleihen damit wieder attraktiver gegenüber Aktien? Vielleicht ein bisschen, denn die Zinskupons werden jährlich ausgezahlt, während man bei Aktien und den Dividenden jedes Jahr nicht so sicher sein kann.

Anstieg der Renditen bei Staatsanleihen: Konkurrenz für Dividenden?

Auch wenn die europäische Zentralbank immer wieder betont, durch ihre Aufkäufe von Staatsanleihen die Inflationsrate in Richtung des Inflationsziels von 2 Prozent bewegen zu wollen, ist es vorrangiges Ziel die Zinsen so zu senken, dass die Staaten ihre Schulden in der Coronakrise bezahlen können. (Die verpönte Staatsfinanzierung zum Erhalt der Eurozone). Was wir aber derzeit erkennen, ist eine Explosion der Staatsschulden infolge der Coronakrise und eine ausgeweitete Übernahme dieser Schulden durch die Notenbanken.

Dennoch ist allein auf Sicht von drei Wochen die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen von minus 0,56 Prozent auf minus 0,28 Prozent gestiegen.

In den USA im gleichen Zeitraum die 10-jährige US-Treasury von 0,60 Prozent auf 0,894 Prozent. Obwohl die Notenbanken ganz stark am Markt als Käufer auftraten. Treten Anleiherenditen wieder an die Stelle von Dividenden?

Fazit

Es ist natürlich nur ein kleiner Anstieg der Zinsen – und müsste sich erst einmal verstetigen. Aber er erinnert an den Jahrzehnte alten Wettstreit um Rendite zwischen Aktien (mit ihren Dividenden) und Anleihen. Die Notenbanken werden zwangsläufig auf Jahre hinaus die Zinsen zum Schutz der Staaten tief halten müssen – und auch versuchen die Kapitalmarktzinsen unten zu halten. Ob ihnen dies bei steigender Inflation und der großen Schuldenlast weiter gelingt? In den letzten Jahrzehnten waren stets steigende Renditen am Anleihemarkt mit ein Hauptgrund für Korrekturen am Aktienmarkt. Wie erwähnt, die Notenbanken werden alles versuchen, um einen substanziellen Anstieg der Zinsen zu verhindern. Was bei den Leitzinsen einfacher sein dürfte, als bei den Zinsen am Kapitalmarkt. Die Notenbanken können nicht alles aufkaufen.

In der Coronakrise werden deutlich weniger Dividenden ausbezahlt

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    8. Juni 2020 18:32 at 18:32

    Weshalb sollen Notenbanken nicht alles aufkaufen können? Sicher nicht direkt, aber jedermann weiss doch, dass dies nur eine juristische Farce ist indem die Strohmannfunktion durch die Banken wahrgenommen wird. Was soll sonst die Liquiditätsformel bedeuten in der die Banken Gelder aus heisser Luft zur Weitergabe via Anleihen und anschliessender Absicherung mit wiederum genau dieser Anleihe bei den Notenbanken für neues Geld – sogar mit Bonusprozenten bei Rückzahlungen.

  2. Avatar

    Prognosti

    8. Juni 2020 19:14 at 19:14

    Guter Artikel, ich habe schon öfter geschrieben,dass TINA wackelt. Es gibt weniger oder keine Dividende u.wenn die Kurse ausgereizt sind nur noch sehr hohe Kursrisiken.

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Aktien

Indiz für die jüngste Zocker-Orgie in US-Aktien und Bitcoin – man schaue auf die Such-Trends

Claudio Kummerfeld

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Bunte Kurstafel

Markus Fugmann hatte die letzten Tage darüber berichtet, so auch heute früh (siehe hier). Vor allem über einen gigantischen großen Zocker-Blog auf Reddit (siehe hier) formiert sich quasi täglich neu eine gigantische Crowd aus gierigen Jung-Zockern, um sich auf einzelne US-Aktien zu stürzen. Besonders interessant waren die letzten Tage kräftige Kursanstiege Aktien wie „Gamestop“, bei denen es hohe Short-Volumina gab. Profi-Spekulanten wie Hedgefonds hatten große Wetten auf fallende Kurse aufgebaut. Steigt der Aktienkurs nun aber kräftig, kann der Verlust dieser Profis ins Unendliche steigen.

Und die Banken und Broker, die solchen Hedgefonds oft Kredite für ihre Spekulationen gewähren, könnten kalte Füße kriegen und mehr Sicherheiten verlangen – oder die Short-Positionen zwangsweise schließen, wodurch der Aufwärtssog der Aktien noch mehr verstärkt wird. Auf genau diese Bewegung hofften die Zocker wohl bei Gamestop und anderen Aktien. Man schaue in der folgenden Grafik, wie die Beliebtheit für den Google-Suchbegriff „Short Squeeze“ in den USA in den letzten fünf Jahren aussah. Erst in den letzten Tagen explodierte die Beliebtheit dieses Suchbegriffs extrem. Mit Short Squeeze bezeichnen Börsianer einen stark steigenden Aktienkurs, der durch das Schließen von Short-Positionen verursacht wird. Der Wert 100 in der Grafik steht für die höchste Beliebtheit des jeweiligen Suchbegriffs.

Im folgenden Chart sehen wie in den Google Trends für die letzten fünf Jahre die weltweite Beliebtheit des Suchbegriffs „Bitcoin“. Man sieht, dass bei der ersten großen Hausse Ende 2017 die maximale Beliebtheit von 100 Punkten erreicht wurde, und Anfang diesen Jahres nur ein Wert von 69 – jetzt nur noch 42 Punkte. Die Gier der Internet-Gemeinde nach dem Thema war damals also wohl noch größer als heute. Offenbar scheint sich ganz aktuell die „Meute“ auf die kleinen US-Aktien zu stürzen – weil die wohl von einer Meute Klein-Zocker leichter kräftig im Kurs zu bewegen sind?

Chart zeigt Beliebtheit der Suche nach Bitcoin

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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SAP in der Krise: Ist das eine Chance für uns? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war ganz harte Kost, die der europäische Software-Riese SAP am 26. Oktober für seine Aktionäre hatte. Die Cloud-Sparte blieb überraschend deutlich hinter den Erwartungen zurück. Einzelne Anwendungen wie die Software Concur (Verwaltung und Organisation von Geschäftsreisen) floppten völlig. Und noch mehr: Die Walldorfer kassierten auch gleich die Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre, wie wir aus dem Quartalsbericht entnehmen mussten.

So kam es wie es kommen musste. Die Aktie des DAX-Schwergewichts kollabierte an jenem Tag binnen weniger Sekunden und verlor 20 % ihres ursprünglichen Marktwertes. Per saldo sank die SAP-Aktie von über 140 Euro unter 100 Euro ab. Milliarden Euro waren plötzlich durch den Schornstein.

Ungefähr im gleichen Zeitraum meldete die US-Konkurrenz bestes Zahlenwerk. Oracle und Salesforce nutzten die Dollarschwäche des vergangenen Jahres und griffen den deutschen Software-Riesen in seinem europäischen Heimatmarkt an. Die Analysten hängten wie üblich ihr Mäntelchen in den Wind und urteilten vernichtend über das Software-Unternehmen. Der Tenor: Eine Wachstumsgeschichte geht zu Ende. SAP bringt es nicht mehr.

In der Tat befindet sich die Walldorfer Software-Schmiede in einer veritablen Krise. So wird der Umsatz 2021 kaum noch wachsen, der Gewinn wird großer Wahrscheinlichkeit sogar rückläufig sein.

Das sind die Stärken der SAP

Aber gemach! SAP ist unverändert ein großartiges Unternehmen, dessen Software-Anwendungen weltweit in rund 25 Branchen genutzt werden. Bei Großunternehmen sind die Deutschen immer noch das Maß aller Dinge. 9 von 10 Playern nutzen mindestens eine kleine SAP-Anwendung. Die Kundenkartei der Walldorfer liest sich imposant. Dort finden Sie typische Traditionsunternehmen wie Chevron, Ford oder AT&T. Aber auch die…..

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