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DIW: Warum die Abschaltung letzter AKW keine Versorgungslücke reißt

Beispielbild für ein Atomkraftwerk

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat mit seinem Präsidenten Prof. Marcel Fratzscher eine Führungsfigur, die recht umstritten ist. Meiner Meinung nach bezeichnete die FAZ ihn im Jahr 2017 zurecht als Claquer (Beifallklatscher) der SPD. Schulden machen und Gelddrucken ohne Ende – das ist doch total super, so möchte ich mal seine Geisteshaltung in wenigen Worten vereinfacht ausgedrückt zusammenfassen. Und eine deutlich höhere Inflation ist seiner Meinung nach sogar etwas richtig Gutes im Sinne der Klimarettung. Man kann ihn und damit das DIW also durchaus kritisch betrachten. Und ja, wir bei FMW begleiten Herrn Fratzscher bereits seit Jahren mit einer kritischen Berichterstattung – so sagte er zum Beispiel letztes Jahr im Herbst, dass es eigentlich gar keine Zombieunternehmen gebe – denn diejenigen, die über Zombies reden, könnten wohl kaum 3 solcher Unternehmen benennen.

DIW sieht keinerlei Probleme durch Abschaltung der letzten 6 deutschen AKW bis Ende 2022

Und wo man schon lange vermuten könnte, dass Professor Fratzscher auf einen Job bei EZB, Bundesbank oder in der neuen Bundesregierung schielt, da kommt heute eine Veröffentlichung des DIW an die Öffentlichkeit, die wie gemacht zu sein scheint für die Energiewende, wie die in Kürze mit-regierenden Grünen sie sich vorstellen. Deutschlands verbliebene sechs Kernkraftwerke gehen in diesem und nächstem Jahr vom Netz. Eine DIW-Studie habe die energiewirtschaftlichen Folgen untersucht. Und siehe da, das Resultat? Die Energieversorgung bleibt laut DIW auch nach der Abschaltung der AKW sicher.

Wenn die letzten sechs Kernkraftwerke bis Ende 2022 vom Netz gehen, habe dies keine nennenswerten Auswirkungen auf die Stromkapazitäten insgesamt, die Lichter in Deutschland werden nicht ausgehen – so sagt es DIW-Studienautorin Claudia Kemfert. Im Gegenteil – die Abschaltung der AKW ebne den Übergang zum überfälligen Ausbau der erneuerbaren Energien. Kernenergie sei von Anfang an unwirtschaftlich und geprägt gewesen von nicht kalkulierbaren Risiken. Frage: Was hat dieser letzte Satz mit einer möglichen Versorgungslücke zu tun?

Die Begründung, warum wir alle ruhig schlafen können

In einem speziellen Strommarktmodell beleuchteten die WissenschaftlerInnen des DIW laut Aussage der heutigen Meldung, wie sich die Abschaltung dieser sechs Kraftwerke auf die Stromflüsse und den Energiemix auswirkt. Die Kernkraftwerke Brokdorf, Grohnde und Grundremmingen C (gehen Ende 2021 vom Netz) sowie Neckarwestheim 2, Isar 2 und Emsland (gehen Ende 2022 vom Netz) haben demnach zusammen eine Nettoleistung von acht Gigawatt. Damit seien im vergangenen Jahr 11,3 Prozent des Stroms in Deutschland erzeugt worden.

Das DIW kommt zu dem Schluss, dass der Rückgang der Kernkraft übergangsweise zu einem höheren Einsatz von fossilen Energien sowie Importen führt, was die CO2-Emissionen kurzfristig ansteigen lasse. Diese dürften aber durch den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien rasch zurückgeführt werden. Um den Netzbetrieb stabil zu halten, müsste das „Engpassmanagement“ zudem leicht angepasst werden, das heißt Kraftwerkseinspeisungen müssten regional gesenkt oder erhöht werden. Dies sei aber problemlos möglich, weil die dafür zusätzlich benötigte elektrische Energie noch im üblichen Schwankungsbereich der vergangenen Jahre liege.

Auch mittelfristig bleibt die Versorgungssicherheit laut DIW gewährleistet, wenn das deutsche Stromsystem auf erneuerbare Energien in Verbindung mit Speichern und gesteigerter Flexibilität umsteigt. Dabei sei es wichtig, dass an einer Einbindung in das europäische Stromsystem festgehalten werde, um Schwankungen auszugleichen.



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3 Kommentare

  1. Die Abschaltung reißt keine Versorgungslücke sondern verschärft „nur“ die schon vorhandene – so wär’s fair und ehrlich mitgeteilt worden. Aber das tut man in diesem Bericht nicht, stattdessen liest es sich als würden wir vor grüner Energie bald platzen – gemessen an den realen Tatsachen. Die nächste Dekade dürfte eine der düsteren überhaupt für unser Land werden weil alles was irgendwie mit Energie zu tun hat konkurenzlos teuer werden wird. Den Rest den man ohne Energiefressenden hightech bewerkstelligen kann können andere auch, nur viel viel billiger.

  2. „Auch mittelfristig bleibt die Versorgungssicherheit laut DIW gewährleistet, wenn das deutsche Stromsystem auf erneuerbare Energien in Verbindung mit Speichern und gesteigerter Flexibilität umsteigt.“

    Davon wird schon lange gefaselt ohne das was passiert. Aufgrund der zahlreichen und vor allem ausreichenden imaginären Stromspeichermöglichkeiten, muss man sich da überhaupt keine Gedanken machen.

    Nur beim Plan kräftig Gas zu verstromen, da tut sich was ;-)

    „Dabei sei es wichtig, dass an einer Einbindung in das europäische Stromsystem festgehalten werde, um Schwankungen auszugleichen.“

    Na hoffentlich kappen uns die Franzosen, die Polen, die Tschechen, die Finnen usw. nicht die Leitungen ;-)

    Das werden die aber natürlich nicht machen. Einige Staaten werden sich aber sicherlich über den neuen Erpressungsbaustein gegenüber Deutschland freuen. Da wird der große Hund bald an die kurze Leine genommen :-)

    Fazit: Deutschland wird ziemlich Abhängig vom Wohlwollen des Auslands. Wir sind bald auf Stromimporte, Gasimporte, Steinkohleimporte… (wer es nicht weiß, wir betreiben auch noch Steinkohlekraftwerke mit ausländischer Steinkohle, bsp. Datteln 4 usw.) abhängig.

    So geht Energiewende heute ;-)

  3. Haha, die Polen und Tschechen schiebern die Netze an der Grenze nach D ab wenn das Netz zu kollabieren droht, und wir sitzen im Dunkeln. Ich weiss nur nicht, ob die denn auch Schieber in den Netzen nach Süden haben, oder evtl. Visegard dort eine Insel bilden kann. Wenn es hier zum Blackout kommt, dann sehr wahrscheinlich auch im Rest von West und Südeuropa, außer man schafft es rechtzeitig schnell genug Last abzuwerfen und kontrolliert abzuschalten. Ist aber sehr schwierig und dauert auch umso länger anzuwerfen, je mehr abgeschaltet wurde. Wenn einmal mehrere Länder in der EU betroffen sind, wird es hier kritisch, denn die Nahversorgung bricht für Millionen Menschen zusammen und das wieder Hochfahren des Netzes dürfte mehrere Wochen dauern laut Fachkräften, welche zu Gast bei Tichys Einblick in einer Diskussionsrunde waren

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