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Europa

DIW: „Rezession in Deutschland bleibt aus“

Redaktion

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Eine Rezession beziehungsweise einen richtigen Wirtschaftsabschwung soll es in Deutschland nicht geben, zumindest wenn es nach dem „Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung“ (DIW) aus Berlin geht. 2016 und 2017 gab es jeweils 2,2% Wirtschaftswachstum. In 2018 soll es letztlich bei 1,5% landen. In 2019 sollen es 1,6% sein, und 2020 1,8%. Diese neuen Aussichten stellen eine Abwärtskorrektur der Aussichten dar. So sagt das DIW aktuell Zitat:

Die Zeiten der Hochkonjunktur in Deutschland sind vorbei: Nach einer bis in das Frühjahr 2018 anhaltenden außerordentlich starken Entwicklung normalisiert sich die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft. Sie wird in diesem und in den kommenden beiden Jahren aber weiter spürbar wachsen und sich der Normalauslastung nähern. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) korrigiert seine Prognose für das Wachstum der hiesigen Wirtschaftsleistung nach unten: auf 1,5 Prozent für dieses Jahr (0,3 Prozentpunkte weniger im Vergleich zur Herbstprognose) und 1,6 Prozent für das kommende Jahr (0,1 Prozentpunkte weniger als im Herbst). „Obwohl das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal dieses Jahres sogar erstmals seit langer Zeit gesunken war, ist die Gefahr einer Rezession gering“, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Denn der Rückschlag im Sommer hatte seine Ursache vor allem in der Automobilindustrie.“ Wegen Problemen bei der Zertifizierung nach den neuen Abgas- und Verbrauchsnormen der EU konnten die Hersteller nicht so viele Autos wie gedacht absetzen und drosselten daraufhin ihre Produktion. Das setzte auch die Investitionen unter Druck. Die Produktionsausfälle dürften jedoch im Winter zumindest teilweise nachgeholt werden.

Das DIW sieht zwar auch Risiken wie den Brexit. Aber letztlich, so kann man die Worte des DIW interpretieren, hilft ein Mix aus verschiedenen Faktoren dabei das Wirtschaftswachstum in Deutschland am Laufen zu halten. Zitat:

Auch einige andere Aspekte sprechen für eine, wenn auch abgeschwächte, Fortsetzung des Aufwärtstrends der deutschen Wirtschaft – neben der brummenden Bauwirtschaft nicht zuletzt die stabile Arbeitsmarktlage: Die Beschäftigung steigt ungeachtet der Sonderentwicklungen weiter. „Das macht sich zunehmend in den Portemonnaies der ArbeitnehmerInnen bemerkbar: Die Löhne steigen auch nach Abzug der Inflation, die in den kommenden Jahren bei etwa zwei Prozent liegen dürfte, um voraussichtlich mehr als ein Prozent pro Jahr. Davon profitiert der private Konsum“, sagt Simon Junker, Experte für die deutsche Konjunktur. Einen merklichen Einkommensschub beschert den privaten Haushalten, dass der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung ab Jahresbeginn 2019 wieder hälftig von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zu tragen ist. Zudem zeigt sich der Staat großzügig – so sinkt der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung, Grund- und Kinderfreibeträge werden angehoben und die Mütterrente steigt.

Obwohl die Weltkonjunktur ihren Höhepunkt bereits im Frühjahr überschritten hat, wird wohl auch das Auslandsgeschäft weiter gut laufen – sofern die schwelenden Handelskonflikte, etwa zwischen den USA und China, die Brexit-Situation und der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien nicht eskalieren. Die Unternehmen investieren zwar zunehmend in Maschinen und Anlagen, die ganz große Investitionsoffensive bleibt auch angesichts der diversen Unsicherheiten aber aus.

Unter dem Strich deutet viel darauf hin, dass sich das Tempo der deutschen Wirtschaft nach Jahren des überdurchschnittlichen Wachstums normalisiert. Das spiegelt sich auch in den öffentlichen Haushalten wider, die nach wie vor mit satten, über die Jahre aber rückläufigen Überschüssen abschließen werden: in diesem Jahr in Höhe von rund 56 Milliarden Euro, im Jahr 2020 dann noch in Höhe von 38 Milliarden Euro.

DIW Wirtschaftswachstum
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Europa

Europa in der Deflation? Ohhh nein – ein zweigeteilter Kontinent

Claudio Kummerfeld

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Geldscheine und Münzen

Europa ist in die Deflation gerutscht. Diese Aussage ist gar nicht so verkehrt, wenn man nur den Gesamtdurchschnitt betrachtet. In der Eurozone sind die Verbraucherpreise im August um 0,2 Prozent gesunken gegenüber August 2019, nach +0,4 Prozent im Juli, wie es heute Eurostat verkündet hat. Natürlich drückt die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland auf den Schnitt, das sollte man immer bedenken. Und nach europäischer Lesart sind wir hierzulande derzeit schon in der Deflation mit -0,1 Prozent (nach deutscher Rechenmethode 0,0 Prozent).

Deflation in Westeuropa, deutlich Inflation in Osteuropa

Aber am Schlimmsten hängen Zypern und Griechenland in der Deflation mit -2,9 Prozent und -2,3 Prozent. Auch große Länder wie Italien und Spanien hängen in der Deflation, insgesamt 14 Länder! Aber schaut man nicht nur auf die Eurozone, sondern auf ganz Europa, dann ergibt sich ein anderes Bild. Denn Osteuropa zeigt seit geraumer Zeit steigende Verbraucherpreise, so auch im August. Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien, Österreich, die Slowakei, Bulgarien und Litauen bilden nicht nur geografisch einen Block, sondern auch bei den Preisen. Sie steigen im August im Jahresvergleich mit Steigerungsraten zwischen +0,6 Prozent und +4,0 Prozent. Die folgende Grafik zeigt die geografische Aufteilung zwischen Inflation und Deflation (Osteuropa gegen Westeuropa) eindrucksvoll.

Die Details von Eurostat zeigen, dass im Gesamtschnitt der Eurozone die Verbraucherpreise für Energie nach dem Ölpreis-Schock aus dem Frühjahr immer noch 7,8 Prozent tiefer liegen als im August 2019 (Vormonat noch -8,4 Prozent). Die Nahrungsmittelpreise für Verbraucher steigen nur noch um 1,7 Prozent (Vormonat 2 Prozent). Die Verbraucherpreise für „Industriegüter ohne Energie“ fallen am deutlichsten von +1,6 Prozent auf -0,1 Prozent.

Grafik zeigt Deflation und Inflation in Europa

Tabelle zeigt detaillierte Inflationsdaten für August in Europa

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Europa

Autozulassungen in EU im August: Inzwischen erträgliches Minus im Jahresvergleich?

Claudio Kummerfeld

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Autos auf großem Parkplatz

Die Autozulassungen in der EU sind im August im Vergleich zu August 2019 um 18,9 Prozent gesunken, von 949.034 auf 769.525 PkW, so sagt es aktuell der europäische Automobilverband ACEA. Im wichtigeren Vergleich von Januar-August 2020 zu Januar-August 2019 sind es minus 32 Prozent. Vor allem Italien sticht im aktuellen August-Jahresvergleich hervor mit einem Minus von lediglich 0,4 Prozent (das sieht man auch bei den Rückgängen bei Fiat Chrysler von nur -6,6 Prozent). Im größeren Achtmonatsvergleich sind es bei Italien aber immer noch minus 38,9 Prozent. Deutschland liegt im August-Jahresvergleich bei minus 20 Prozent, im größeren Bild bei minus 28,8 Prozent.

Detailstatistik zu Autozulassungen in der EU im August

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Europa

Konjunktur: Die Erholung – und die Verlierer in Deutschland

Warum die Konjunktur sich stark erholt – aber die Verlierer-Branchen die Wirtschaft weiter belasten..

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Wie oft wurde in vielen Kreisen die Frage diskutiert, ob es nach dem historisch einmaligen Wirtschaftseinbruch eine V-, U-, oder W-förmige Wirtschaftserholung der Konjunktur geben werde. Jetzt meldet sich das Statistische Bundesamt noch deutlich vor Quartalsende zu Wort und spricht von einer V-förmigen Erholung, die aber eine seltsame Form annehmen wird, nämlich eine asymmetrische.

Konjunktur: Die Zeichen der Erholung

Unabhängig von der jetzigen Diskussion, musste eigentlich jedem klar sein, dass die Realwirtschaft auch im günstigsten Fall keine Erholung im Stile der Börsen hinlegen kann. Der Dax stürzte von Mitte Februar in knapp 30 Tagen bis zu seinem Tief am 18. März um fast 40 Prozent in die Tiefe (8255 Punkte), um bis zum 8.Juni binnen 80 Tagen um 56 Prozent zuzulegen (12913 Punkte). Wie soll dies eine Wirtschaft nach einem Lockdown nachvollziehen, mit zerlegten Lieferketten, wenn große Schiffe mit Grundstoffen schon Wochen zwischen den Kontinenten pendeln? Aktien hingegen sind schnell gekauft. Was brachte das Statistische Bundesamt aber dazu, die Prognosen für die Konjunktur zu veröffentlichen?

Inmitten des Quartals hat die Statistikbehörde die vorliegenden Daten aus Juli und August zusammengefasst und ist zum folgenden Ergebnis gelangt:

In fast allen Branchen ist ein V erkennbar, so der Leiter der Abteilung Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Behörde, Albert Braakmann.
Es dürfte aber ein asymmetrisches V werden – mit Branchengewinnern- und Verlierern.

Beispiele: Automobilindustrie, Anstieg der Auftragseingänge im Juli um 8,5 Prozent gg. Juni, noch ein Minus von 2,4 Prozent zum Februar
Maschinenbau: Plus 5,4 Prozent Juli zu Juni, aber noch ein Minus von 13,4 Prozent zum Februar.

Insgesamt ist eine Erholung des Einbruchs im Verarbeitenden Gewerbe von seinen 25 Prozent aus dem Frühjahr zu erkennen. Jedoch beträgt das Minus noch elf Prozent zu den Februarwerten. Weiter aufwärts ging es mit den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe, die sich ebenso schnell erholt haben und noch 8,3 Prozent unter dem Februar-Wert liegen. Ähnliches gilt für den Lkw-Maut-Fahrleistungsindex, der einen Hinweis auf die Industrieproduktion in Deutschland gibt. Dieser stieg im August auf Monatssicht um weitere 1,2 Prozent und liegt noch 3,5 Prozent unter Vorkrisenniveau. Wem ist der Lastwagenverkehr auf unseren Straßen noch nicht aufgefallen?

Der Einzelhandel zeigt ein gemischtes Bild. Zwar lag man im Juli insgesamt um 0,9 Prozent über dem Februar-Tief, mit einem deutlichen Plus von Möbeln und Haushaltsgeräten von 3,5 Prozent und weiterhin starken Zuwächsen im Onlinehandel. Auch kehrten die Konsumenten im Juli etwas mehr in die Fußgängerzonen zurück, wie Mobilitätsdaten von Mobiltelefonen aufzeigen. Jedoch fehlten den Kaufhäusern immer noch 16,4 Prozent Umsatz gegenüber den Vor-Corona-Zeiten.

Das Statistische Bundesamt verweist weiter auf die steigenden Frühindikatoren. Den Ifo-Konsumklimaindex mit seine vier Anstiegen in Folge und den ZEW-Index. Das Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung sieht zwar noch eine aktuell negative Lage der Konjunktur, man hob den Konjunkturindikator für den Ausblick aber überraschend deutlich um 5,9 Punkte auf 77,4 Zähler an. Es ist der stärkste Anstieg seit 20 Jahren.
Von Corona gänzlich unbeeindruckt zeigt sich das Baugewerbe. Im ersten Halbjahr des Jahres lagen die Baugenehmigungen um 5,6 Prozent über denen des Vorjahres. Allerdings schwächten sich diese Zahlen zuletzt etwas ab

Die Zeichen der Stagnation und die zurückgebliebenen Branchen

Die Statistiker des Bundesamtes sehen aber auch die Verlierer der Pandemie mit ihren Beschränkungen. Das Gastgewerbe meldete zwar ein Plus von 21,9 Prozent von Juli gegenüber dem Juni. Dies ist aber immer noch ein Rückgang von 28,7 Prozent gegenüber dem Februar.
Noch recht desolat sieht es im Übernachtungsgewerbe bei Hotels und Pensionen aus. Der Anstieg von 54,8 Prozent von Juli auf Juni sieht zwar recht imposant aus, jedoch bedeutet dies immer noch ein Minus von 22,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der Halbjahresbilanz fehlen ganze 42,2 Prozent zum Vorjahr. Es blieben vor allem die Touristen aus dem Ausland aus.

Das größte Sorgenkind ist die Luftfahrtindustrie. Hier können die Statistiker nicht einmal den Ansatz eines Vˋs erkennen. Nach den schwachen Zuwächsen der Fluggastzahlen könnte man eher von einem L-Szenario sprechen.
Leicht abwärts ging es im August auch mit dem GfK-Konsumklimaindex. Die Kurzarbeit sowie die Arbeitlosigkeit hinterlassen ihre Spuren, nach drei Monaten Anstieg.

Als großes Damoklesschwert hängt eine mögliche Pleitewelle von vielen kleinen Unternehmen im Raum. Über das Thema Aussetzung der Insolvenzantragsverpflichtung mit all ihren Konsequenzen wurde hier schon ausführlich diskutiert.

Alles in allem kommt das Statistische Bundesamt zu dem Ergebnis: Die Konjunktur produziert ein V, aber ein asymmetrisches. Fraglich ist, wie sich die Abflachung auf der rechten Seite bis zum Jahresende hinziehen wird.

Fazit

Es war zweifelsohne der schnellste Einbruch in der Börsengeschichte und auch die schnellste Erholung nach dem Katastrophenmonat April und dem Katastrophenquartal Q2 – 2020, den wir erleben durften. Allerdings wie sollte es auch anders sein, wenn eine Wirtschaft per Anordnung stillgelegt wird und sich in diesem Jahr circa vier Milliarden Menschen weltweit zeitweilig in häuslicher Quarantäne befunden haben? Die anschließende Erholung der Konjunktur muss aus mathematischen und faktischen Gründen sehr steil nach oben gehen, die Frage ist nur wie weit?

Die angesprochenen Verlierer-Branchen werden eine hundertprozentige Erholung der Konjunktur verhindern, so dass es trotz allen Optimismus kein konjunkturelles V geben kann, sondern ein Gebilde wie ein spiegelverkehrtes Wurzelzeichen, wie Professor Sinn es schon im Mai prognostiziert hat. Eine rasche Erholung bis zu einer gewissen Schwelle und dann eine quälend lange Phase der Oszillation um eine Linie, immer geprägt von den Bremsern und Treibern: Covid-19, Impfstoffentwicklung und monetäre Stimuli. Dies könnte auch die Entwicklung der Börsen beschreiben, der DAX hat es schon eine Zeitlang vorgemacht. Aber irgendwie ist das auch die Botschaft des Statistikinstituts..

Die Konjunktur in Deutschland - Gewinner und Verlierer

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