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Europa

DIW sieht „Silberstreif“ in der Konjunktur – wird schon werden? Wirklich?

Claudio Kummerfeld

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat aktuell sein Barometer für die deutsche Konjunktur für den Monat November veröffentlicht. Es steigt um anderthalb Punkte auf gut 91 Zähler. Nachdem die Wirtschaftsleistung im vergangenen Quartal noch  um 0,1 Prozent gestiegen war, dürfte es im laufenden Jahresschlussquartal um 0,1 Prozent nach oben gehen, so das DIW. Man ist vorsichtig optimistisch. Und das geht so. Zitat auszugsweise:

„Zuletzt gab es positivere Nachrichten aus der seit Längerem arg gebeutelten Industrie. Auch wenn die Industrieproduktion zum Jahresausklang noch einmal etwas schrumpfen dürfte, haben sich die Erwartungen aufgehellt und die Auftragslage verbessert“, erklärt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen die Gründe für die Entwicklung. Für das Schlussquartal zeichnet sich das erste Auftragsplus seit fast zwei Jahren ab.

Also die Auftragslage, die soll sich in der Industrie verbessert haben? Damit spricht dass DIW wohl auf die vor drei Wochen veröffentlichten Auftragseingänge für das Verarbeitende Gewerbe an. Wie wir immer wieder betonen, fokussieren sich die großen Medien wie auch die Wirtschaftsforscher all zu gerne auf die kurzfristigen Monatsvergleiche, in dem Fall auf die Veränderung von August zu September. Dort liegt ein immerhin saisonbereinigtes Plus von 1,3% vor (erwartet +0,1%). Aber im wichtigen Jahresvergleich (so betonen wir es) zum September 2018 gibt es für die jüngsten Auftragseingänge einen erneut dramatischen Rückgang von 5,4%! Im August war es im Jahresvergleich schon ein Rückgang von 6,5%. Also: Wenn man es so sehen will wie das DIW, dann hellt sich die Lage für die deutsche Konjunktur auf. Man kann es aber auch anders sehen, im längerfristigen stabileren Jahresvergleich. Glas halb voll, oder halb leer? Was denn nun? Gut, bei der Betrachtung des BIP und ob die deutsche Wirtschaft in die Rezession rutscht, achten die Volkswirte und „Experten“ auch in erster Linie auf die kurzfristigeren Vergleiche von Quartal zu Quartal. Also, darf man die Sichtweise des DIW teilen? Weiter führt das DIW aus Zitat:

„Da sich die Industrie allmählich stabilisiert, dürfte die Gefahr von Ansteckungseffekten auf andere Wirtschaftsbereiche geringer geworden sein“, so Simon Junker, Experte für die deutsche Wirtschaft. Die privaten Haushalte profitieren nämlich weiterhin von steigenden Einkommen: Sowohl die Beschäftigung als auch die Löhne steigen weiter, wenngleich mit geringerem Tempo als zuvor. Der Konsum wird weiter spürbar zulegen und damit die konsumnahen Bereiche, insbesondere die Dienstleister, ankurbeln. Auch die wirtschaftspolitischen Risiken haben zuletzt etwas nachgelassen, wenngleich die Unsicherheit über den Fortgang des Brexits und der weltweiten Handelskonflikte bestehen bleiben.

DIW Barometer für die deutsche Konjunktur

Arbeitsmarkt robust

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Tochter der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihr monatliches Arbeitsmarktbarometer veröffentlicht. Gegenüber dem Vormonat legte der Frühindikator um 0,5 auf 102,1 Punkte zu. Der Arbeitsmarkt läuft sowieso erstaunlich robust. Ändert sich das, wenn vielleicht im Frühjahr in vielen Industriebetrieben der Bezug von Kurzarbeitergeld ausläuft, und Entlassungen anstehen? Wir hatten dieses Thema bereits gestern angesprochen. Das IAB führt zur aktuell robusten Lagen aus, Zitat:

Die Einschätzungen der Arbeitsagenturen im Hinblick auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit hatten sich im Jahresverlauf eingetrübt. Zuletzt wurde mit 98,5 Punkten ein Wert klar unter der neutralen Marke von 100 Punkten gemessen. Im November ist die Arbeitslosigkeitskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers aber deutlich um 0,9 Punkte auf 99,4 Punkte gestiegen. Zwar steht auch dieser Wert noch für eine leicht ungünstige Entwicklung, größere Zunahmen der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit sind in den nächsten drei Monaten jedoch nicht zu erwarten. „Der Wirtschaftsabschwung führt insbesondere in der Industrie zu Problemen, aber Arbeitskräfte sind immer noch so knapp, dass der Arbeitsmarkt robust bleibt“, sagt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.

Entsprechend blieb der Beschäftigungsausblick im November stabil: Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers liegt mit 104,8 Punkten unverändert klar im positiven Bereich. Infolge der schwachen Konjunktur liegt dieser Wert zwar deutlich unter den Höchstständen aus dem vergangenen Jahr, der Aufwärtstrend der Beschäftigung wird sich aber auch in den kommenden Monaten fortsetzen. „Ohne den starken Arbeitsmarkt wäre das Risiko wesentlich höher, dass Deutschland in eine Wirtschaftskrise rutscht“, erklärt Weber.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Prognosti

    27. November 2019 15:05 at 15:05

    Ganz einfach, China als Zugpferd der letzten Jahre wird schwächeln u.das werden alle andern u.vor allem die Exportländer merken. Ist das so schwierig zu verstehen ?

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Europa

ifo Index schwächer, erster Rückgang seit sechs Monaten

„Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten“

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für Oktober veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 92,7 (Prognose war 93,0; Vormonat August war 93,4) – der erste Rückgang nach fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,3 (Prognose war 89,9 ; Vormonat war 89,2)

– Erwartungen: 95,0 (Prognose war 96,5; Vormonat war 97,7)

Dazu ifo in einer Pressemitteilung:

„Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern hat sich eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober auf 92,7 Punkte gesunken, nach 93,2 Punkten[1] im September. Dies ist der erste Rückgang nach fünf Anstiegen in Folge. Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten. Ihre aktuelle Situation beurteilten sie hingegen etwas besser als im Vormonat. Angesichts steigender Infektionszahlen nehmen die Sorgen der deutschen Wirtschaft zu.

Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Geschäftsklimaindikator erstmals seit Juni 2019 wieder im positiven Bereich. Deutlich mehr Firmen waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Die Unternehmen konnten ihre Kapazitätsauslastung im letzten Quartal deutlich von 75,3 auf 79,8 Prozent steigern. Der zuletzt aufgekommene Optimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat aber einen merklichen Rückschlag erhalten.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima hingegen merklich verschlechtert. Die Dienstleister waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Lage. Zudem ist der Optimismus der Vormonate zur weiteren Geschäftsentwicklung wieder verschwunden.

Im Handel ist Geschäftsklimaindikator leicht gesunken. Während die Händler pessimistischer auf die kommenden Monate schauen, waren sie mit den laufenden Geschäften zufriedener.

Auch im Bauhauptgewerbe ist die Aufwärtsbewegung des Geschäftsklimas gestoppt. Die Unternehmen korrigierten ihre sehr guten Einschätzungen zur aktuellen Lage deutlich nach unten. Auch ihre Erwartungen fielen etwas pessimistischer aus.“

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Schwache Dienstleister, starkes Gewerbe

„Dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Oktober) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 54,5 (Prognose war 53,2; Vormonat war 54,7)

Verarbeitendes Gewerbe: 58,0 (Prognose war 55,1; Vormonat war 56,4)

Dienstleistung: 48,9 (Prognose war 49,2; Vormonat war 50,6)

Damit bestätigt sich der Trend der letzten Zeit: Dienstleistung leidet, Gewerbe bleibt robust (noch?)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 47,3 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 48,0)

(Hinweis: das ifo Institut hat soeben mitgeteilt, dass die ifo Umfrage erst am Montag veröffentlicht wird, im Videoausblick hatte ich gesagt, dass die Zahlen heute um 10Uhr veröffentlicht werden).

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt: „dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

„Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle erfreulicherweise ziemlich wacker, wie der Oktober-Flash zeigt.
Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen. Folglich sieht es zunehmend nach einer Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten aus. Das verarbeitende Gewerbe ist bisher weniger stark von den neuen Restriktionen betroffen als der Servicesektor und hat zudem enorm vom wieder
florierenden Welthandel profitiert. Da sich immer mehr Industrieunternehmen dem Wachstumsniveau von vor der CoronavirusPandemie nähern oder es sogar schon erreicht haben, wird ein dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger. So sind die Erwartungen der Hersteller im Oktober auch erstmals seit siebenMonaten wieder leicht gesunken. Dennoch, Sorgenkind Nummer eins bleibt der Dienstleistungssektor.”

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

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Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

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