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Dollar aktuell zu teuer – auch für die USA

„Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem“ sagte Nixons Finanzminister John Connally 1971, nachdem der Dollar vom Gold abgekoppelt wurde

Hannes Zipfel

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„Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem“ sagte Nixons Finanzminister John Connally 1971, nachdem der Dollar vom Gold abgekoppelt wurde und in den Keller ging. Heute ist die Stärke des Dollars das Problem.

U.S. Dollar Stärke verursacht diverse Probleme

Trotz des Handelskriegs und der Wachstumsabkühlung auch in den USA ist der U.S. Dollar bärenstark gegenüber den Währungen der Handelspartner. Gegenüber Euro beträgt die Kaufkraftparität aktuell ca. 1,38 EUR/US$. Der offizielle Wechselkurs steht aktuell aber bei 1,097 EUR/US$. Damit ist der Dollar gegenüber Euro um ca. 20 Prozent zu teuer – volkswirtschaftlich eine gigantische Dimension.

Die Ursachen für die Dollarstärke sind vielfältig. Zum einen bietet der Dollar als einzige Hauptwährung überhaupt noch eine wahrnehmbare positive Verzinsung. Dies lockt Devisenspekulanten an, sogenannte Carry-Trader, die sich niedrigverzinste Währungen leihen und dann mit hohem Kredithebel auf das eigene Kapital die höheren Zinsen im U.S. Dollar nutzen. Dabei treibt die spekulative Nachfrage zusätzlich den Kurs der Zielwährung nach oben.

Ein weiteres Problem ist die in den Schwellenländern um sich greifende Schuldenkrise. Diese erzeugt steigender Risikoaversion und führt zu Fluchtbewegungen aus den Schwellenländer-Währungen in den vermeintlich sicheren Hafen Dollar.

Diese Flucht-Dollars werden aber zur Refinanzierung der Schulden in den Emerging-Markets eigentlich dringend benötigt, sodass dort akute Dollarknappheit entsteht, die zu einer Dollar-Panik auszuufern droht, welche aktuell in Argentinien bereits zu beobachten ist.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel (BIZ) hatte bereits vor über einem Jahr vor diesem gefährlichen Problem gewarnt. Seit 2007 hatten sich die in U.S. Dollar denominierten Verbindlichkeiten der Emerging Markets auf 3,7 Billionen Dollar verdoppelt. Die Wachstumsrate lag dabei im vergangenen Jahr bei 9 Prozent.

Doch auch im Heimatland des Dollars bring die Stärke der Weltleitwährung Probleme mit sich. Für Touristen und Unternehmen gleichermaßen sind die USA teuer geworden. Ob Arbeitskräfte, Dienstleistungen, Konsum- oder Investitionsgüter: Made in Amerika wird trotz Steuerreform immer teurer. Diese Entwicklung konterkariert auch die Bemühungen des U.S. Präsidenten Donald Trump, Arbeitsplätze und Produktion in die USA zurück zu verlagern, weshalb der Handelskrieg bislang auch nicht die gewünschten Effekte erzielt. Das dürfte auch erklären, warum Trump mit heftigen Twitter-Tiraden die Fed unter Druck setzt, etwas gegen die Dollar-Stärke zu unternehmen.

Handelsgewichteter U.S. Dollar Index:

Lösung nach Schweizer Modell?

Eigentlich ist das U.S. Finanzministerium für Währungsangelegenheiten und damit den Außenwert des Dollars zuständig. Doch wenn man in der Praxis den mächtigen Kräften des Devisenmarktes etwas entgegensetzen möchte, braucht man enorme Feuerkraft: Der globale Devisenhandel weist ein tägliches Handelsvolumen von im Schnitt ca. 6 Billionen US Dollar auf (ca. 5,45 Billionen Euro). Davon entfallen ca. 40 Prozent auf Transaktionen, bei denen der Dollar involviert ist. Der Devisenmarkt ist damit der größte Finanzmarkt der Welt. Um hier nachhaltig Einfluss zu nehmen, braucht es schon das Geldschöpfungsprivileg der Notenbanken (digitale Notenpresse).

Die Schwächung der eigenen Währung ist für eine Zentralbank theoretisch kein Problem, da sie anders als bei der Unterstützung der eigenen Währung keine Fremdwährungsreserven benötigt, sondern in beliebiger Höhe das eigene Geld produzieren und andere Währungen mit dem „frisch gedruckten“ Geld aufkaufen kann. Durch ein dauerhaft signifikant erhöhtes Angebot der eigenen Währung am Markt wird deren Wert gemindert.

Da der Devisenmarkt zudem sehr zinssensibel ist, kann man auch über Zinsdifferenzen zu anderen Devisen die eigene Währung schwächen. Aus diesem Grund hat z. B. die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins von 2,75 Prozent im Jahr 2007 um 350 Basispunkte auf aktuell minus 0,75 Prozent gesenkt. Damit eröffnete sie für Spekulanten einen attraktiven Carry-Trade, bei dem sich die Marktakteure Schweizer Franken leihen und z. B. US Dollar kaufen. Da der Dollar immer noch eine positive Verzinsung in Höhe von 2,25 Prozent aufweist bedeutet dieser Carry-Trade einen Zinsgewinn von 300 Basispunkten.

Damit sind die Schweizer Weltmeister in Sachen Währungsmanipulation. Durch ihre kombinierte Politik aus Dauerinterventionen am Devisenmarkt plus Negativzinsen ist es ihnen gelungen, den Aufwertungsdruck des Franken gegenüber Euro deutlich zu mindern und den Franken gegenüber U.S. Dollar sogar abzuwerten. Mit den erworbenen Fremdwährungen kauft die SNB rund um die Welt Aktien, Anleihen und sogar Gold und ist dadurch in den letzten Jahren zu einem der größten Multi-Asset-Funds der Welt mutiert.

Doch die Schweizer sind bei weitem nicht die einzigen, die mittels Zentralbank den Außenwert ihrer Währung herabsetzen. Auch große Vertreter der Zunft, wie z. B. die Bank of Japan, die EZB oder die Peoples Bank of China betreiben direkt oder indirekt Währungsmanagement. Damit wird aber auch schon die Nebenwirkung dieser Lösung klar: Wenn jetzt auch noch die Fed beginnt, den eigenen Währungskurs durch massive Zinssenkungen und Geldmengenausweitung zu manipulieren, beschleunigt sich der globale Abwertungswettlauf in einer Art Todesspirale und führt vollends zu einem globalen Währungskrieg.

Fazit

Die Dollar-Stärke verursacht diverse Probleme: Auf Ebene der Schwellenländer kommt es zu einer Rückkopplung und Verschärfung der Schuldenkrise und zusätzlich zu einer Währungskrise. Der US-Arbeitsmarkt wird teurer und die Auslandsgewinne der U.S. Konzernen sinken. Für Touristen werden die USA zur Luxusdestination.

Solange niemand aktiv den Dollar durch geeignete Maßnahmen abwertet, verschärfen sich sowohl der Aufwärtsdruck als auch die daraus resultierenden Probleme weiter. Der Druck auf die Fed steigt, die Zinsen zu senken und den Dollarwert durch quantitative Maßnahmen (Geldmengenausweitung) herabzusetzen. Tut sie dies nicht, eskaliert die globale Schuldenkrise weiter. Selbst eine Lösung im Handelskrieg würde hier nicht helfen, weil dieser erstens nicht Ursache der Dollar-Schuldenkrise ist und zweitens eine Lösung im Handelskrieg sogar den USA kurzfristig nützen und damit den Dollar noch weiter stärken würde.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    2. September 2019 14:22 at 14:22

    Aus der Sicht eines Schweizers klingt es gerade zu Sureal das es Dollarstärke gibt, da der Dollar seit 50 Jahren gegen den Franken abwertet. Er war einst 4.50 und jetzt nicht mal mehr 1….auch vor 15 Jahren waren es noch 1.7

    Korrigieren muss ich meines Wissens hat die SNB kein Gold gekauft die Bestände sind seit Jahren konstant bei 1094 Tonnen.

    Anzumerken ist den auch das die SNB neben den tiefstem Zinsen pro Kopf die höchste notenbank Bilanz hat ob dieses Experiment gut gehen wird oder ob der Franken dereinst vom Euro mit in den Abgrund gerissen wird muss sich zeigen, die SNB als Notenbank organisiert wäre zu mindest Konkurs wenn Ihre Euro Devisenreserven wertlos werden….

    Aber kann eine Notenbank Konkurs gehen?!?

  2. Avatar

    Beobachter

    2. September 2019 15:00 at 15:00

    @ Bretton Wood, keine Angst, das Risiko ist ,dass die Notenbank bei einem Riesen Anlagevolumen u.sehr kleinem Eigenkapital absichern muss, u.keine Baisse ausstehen kann.Das heisst wenn eines ihrer Anlageprodukte sei es Euro oder Aktien oder Bonds eine grössere Korrektur macht ,werden diese Absicherungen die Baisse verstärken. Dies gilt übrigens auch für alle andern gehebelten Anleger.
    Darum hat man im Dez. 2018 an einer kritischen Marke auch auf Teufel komm raus die Baisse stoppen müssen.Eine Baisse ausstehen kann nur wer fast kein FK hat u.bereit ist 30 bis 50% zu verlieren.
    Wegen den sehr kurzen Baissen der letzten Jahre hat das bis jetzt oft gut geklappt u.wird von vielen Gurus
    auch empfohlen.Wie wir aus einem heutigen Beitrag sehen ,hat es in den 70 er Jahren auch schon andere
    Zeiten gegeben.

  3. Avatar

    tm

    2. September 2019 15:11 at 15:11

    Schon amüsant, wie nun über die Dollarstärke geschrirben wird, wo doch seit vielen, vielen Jahren in den einschlägigen Foren das Ende, der totale Kolalps des USD prognostiziert wird.

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

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Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

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Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

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