Allgemein

"Überstraffung" Dollar fällt deutlich, Euro über Parität – Wette auf Wende der Fed

Dollar Fed Euro Wette

Der Dollar fällt, der Euro handelt zum Greenback wieder über der Parität – nun läuft eine Wette der Märkte, dass die US-Notenbank Fed wohl doch nicht die Zinsen weiter so stark anheben wird wie lange von ihr selbst behauptet. Bereits am Freitag hatte der Wall Street Journal-Journalist Nick Timiraos  – der als „mouthpiece“ der Fed oder auch als „Nikileaks“ bezeichnet wird – in einem Artikel angedeutet, dass die amerikanische Notenbank das Tempo der Zinsanhebungen deutlich verlangsamen werde. Wenige Minuten später bestätigte mit der Chefin der San Francisco-Fed, Mary Daly, auch ein Mitglied der Notenbank selbst die von Timiraos vorgebrachte Ansicht.

Dollar fällt: Wette auf Wende der Fed wegen schwächerer US-Wirtschaft

Gestern dann wurde der Case-Shiller-Hausmarktindex veröffentlicht – normalerweise ein Konjunkturzahl, die die Märkte nur peripher interessiert. Aber der darin gemeldete scharfe Rückgang der Immobilienpreise in allen 20 vom Index erfassten US-Großstädten (größter monatlicher Rückgang seit der Finanzkrise) machte klar, dass der US-Immobilienmarkt stark abkühlt, ergo auch die US-Konjunktur. In eine deutliche Abwärtsspirale der US-Wirtschaft hinein die Zinsen weiter stark anzuheben erscheint aber nicht wirklich sinnvoll – die Folge: der Dollar wurde abverkauft, die Renditen für US-Staatsanleihen fielen. Und die Aktienmärkte stiegen.

Nun wetten Investoren auf eine Wende der US-Notenbak Fed, wie Bloomberg berichtet:

Der Dollar-Index fiel auf ein Drei-Wochen-Tief: Händler wetten, dass die US-Notenbank Fed das Tempo ihrer Zinserhöhungen angesichts der Anzeichen einer Verlangsamung der weltgrößten Wirtschaft drosseln wird.

Der Bloomberg Dollar Spot Index fiel um bis zu 0,7 % und rutschte damit den zweiten Tag in Folge deutlich ab. Gleichzeitig fielen die Renditen für amerikanische Staatsanleihen – die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe liegt nur noch wenig über der Marke von vier Prozent. Händler gehen davon aus, dass die obere Grenze des Zielbereichs der Fed bei den Zinsen bei etwa 5 % liegen wird, verglichen mit noch fast 5,20 % in der vergangenen Woche.

Euro Dollar Fed

Euro zum ersten Mal seit über einem Monat wieder über der Parität, während der Dollar auf breiter Front nachgibt

Die Neubewertung kommt Währungen wie dem Euro und dem Pfund zugute, wobei die Gemeinschaftswährung zum ersten Mal seit dem 20. September wieder über die Parität zum US-Dollar gestiegen ist. Das Pfund Sterling sprang um bis zu 1 % auf 1,1588 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit dem 14. September.

Eine Reihe von US-Daten über das verarbeitende Gewerbe, die Immobilienpreise und das Verbrauchervertrauen blieben allesamt hinter den Schätzungen der Ökonomen zurück und unterstrichen den Tribut, den die Straffung der Fed fordert. In der Zwischenzeit haben Mitglieder der US-Notenbank vorsichtigere Töne angeschlagen: Mary Daly, Präsidentin der Fed von San Francisco, sagte letzte Woche, dass die politischen Entscheidungsträger mit der Planung einer Verringerung des Umfangs der Zinserhöhungen beginnen sollten.

„Die Marktteilnehmer stellen sich ernsthaft die Frage, wie lange die Fed das schnellere Tempo der Zinserhöhungen noch beibehalten wird“, schrieb MUFG-Währungsanalyst Lee Hardman in einer Notiz. „Das macht den US-Dollar kurzfristig anfällig für eine weitere Korrektur nach unten, insbesondere wenn die bevorstehende Verlangsamung des Zinserhöhungstempos von Fed-Sprechern bestätigt wird.“

Lesen Sie auch

„Überstraffung“

Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen fiel um bis zu 8 Basispunkte auf 4,02 % und lag damit unter dem Höchststand dieses Monats von 4,34 %. Der Euro notierte um 9:24 Uhr in London 0,6 % höher bei 1,0024 $.

Die Investorenwerden auch die anstehenden US-Daten im Auge behalten, darunter die Daten zu den Verkäufen neuer Eigenheime am späteren Mittwoch, einem der ersten Sektoren der Wirtschaft, der von den steigenden Kreditkosten betroffen sein wird.

„Die Märkte haben nicht viel Überzeugung und Treibstoff, um den hawkishen Trades der Fed hinterherzujagen, vor allem, wenn man Warnschüsse in Bezug auf die Ängste vor einer ‚Überstraffung‘ in den Immobiliendaten sieht“, so Viraj Patel, ein Senior-Stratege bei Vanda Research in London. „Wir sehen also, dass die 10-jährigen Renditen nach unten driften.“

Wird die Fed bei der Bekanntgabe ihrer Zins-Entscheidung am 02.November andeuten, nun das Tempo deutlich zu verlangsamen, auf die Schwächezeichen der US-Wirtschaft verweisend? Manches spricht dafür – zumal am 08.November die US-Zwischenwahlen anstehen..

FMW/Bloomberg



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage