Devisen

Dollar massiv unter Druck – Debasement und Yen

Der Debasement Trade treibt Anleger aus dem Dollar und rein in Gold und Silber. Jetzt kommt weiterer Abwertungsdruck aus Japan hinzu.

Dollar-Scheine. Foto: Prakash Singh/Bloomberg

Debasement drückt seit Tagen gegen den Dollar. Die Flucht aus Fiat-Währungen trifft derzeit die globale Leitwährung. Explodierende Staatsschulden, drohende Geldentwertung, Trump-Chaos. Ein perfekter Sturm. Und jetzt kommt auch noch eine mögliche Intervention von Japan und USA für den Yen (und damit gegen den Dollar) hinzu.

Dollar fällt – mögliche Intervention für Yen

Die Aussicht auf eine gemeinsame Intervention der USA und Japans zugunsten des Yen am Devisenmarkt ist der jüngste Schlag für eine Leitwährung, die bereits an mehreren Fronten unter Druck steht, so Bloomberg News. Weiter wird berichtet: Der Dollar gab heute gegenüber den meisten wichtigen Währungen nach, während der Yen zulegte und Gold ein Rekordhoch erreichte. Anleger diskutierten, wie sich eine gemeinsame Intervention zur Unterstützung Japans auf die Stimmung gegenüber dem Dollar auswirken könnte. Die US-Währung verzeichnete gerade ihre schlechteste Woche seit Mai, nachdem unberechenbare politische Entscheidungen in Washington für Verunsicherung an den Finanzmärkten gesorgt hatten.

Für viele Beobachter eröffnen die Anzeichen einer US-Unterstützung für den Yen die Debatte über eine potenzielle koordinierte Währungsintervention, um den Dollar gegenüber wichtigen Handelspartnern abzuwerten. Die Überlegung dahinter ist, dass ein solcher Pakt amerikanischen Exporteuren helfen würde, mit Ländern wie China und Japan zu konkurrieren, auch wenn dies Fragen über den langfristigen Wert der Weltreservewährung aufwirft.


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In den USA legt das Finanzministerium die Währungspolitik fest und würde eine Intervention genehmigen, die dann in der Regel von der Federal Reserve als deren Agent ausgeführt wird. “Wenn die New York Fed beschließt mitzuwirken, würde dies die Yen-Rally verstärken — und das nicht nur aus symbolischen Gründen”, sagte Gareth Berry, Stratege bei Macquarie. “Japan hat viele Dollar, die es verkaufen kann, aber die New York Fed verfügt über unbegrenzte Mengen. Zudem würde es als Zeichen gedeutet, dass Trump generell einen schwächeren Dollar wünscht.”

Der Bloomberg Dollar Spot Index ist seit Anfang letzten Jahres um mehr als 9 % gefallen. Risiken rund um die Unabhängigkeit der Federal Reserve und die Erwartung, dass der Nachfolger des Vorsitzenden Jerome Powell von Präsident Donald Trump dazu gedrängt wird, die Zinsen schnell zu senken, haben die US-Währung ebenso belastet wie ein wachsendes Haushaltsdefizit, Sorgen über fiskalische Zügellosigkeit und eine zunehmende politische Polarisierung.

Kursentwicklung des Dollar-Index seit dem Jahr 2021

Die Diskussion um ein mögliches Währungsabkommen flammte am Freitag erneut auf, als Händler berichteten, dass die Federal Reserve Bank of New York Finanzinstitute kontaktiert habe, um sich nach dem Yen-Wechselkurs zu erkundigen. Die Wall Street wertete diese Anfragen als mögliche Vorbereitung dafür, dass Japan mit Hilfe der USA interveniert.

Koordinierte Interventionen zur Stützung des Yen sind selten. Ein Fall ereignete sich 1998, ein anderer war das Plaza-Abkommen von 1985, eine Vereinbarung zwischen den USA, Frankreich, Japan, Großbritannien und der damaligen Bundesrepublik Deutschland zur Schwächung des Dollar. Anfang letzten Jahres debattierten Analysten über die Wahrscheinlichkeit eines sogenannten “Mar-a-Lago-Abkommens”, ausgelöst durch ein Forschungspapier von Stephen Miran, Ökonom der Trump-Administration und derzeitiges Mitglied des Federal Reserve Board, über eine gezielte Schwächung des Dollars.

“Wenn das US-Finanzministerium anfängt, Anrufe zu tätigen, ist das normalerweise ein Zeichen dafür, dass es sich hier nicht mehr um eine normale Devisenmarktgeschichte handelt”, sagte Anthony Doyle, Chef-Anlagestratege bei Pinnacle Investment Management. “Das Potenzial für koordinierte Maßnahmen begrenzt das Aufwärtspotenzial von Dollar-Yen und macht Long-Positionen im Dollar fragiler.”

Der Yen legte heute im asiatischen Handel um mehr als 1% zu, während der Bloomberg Dollar Spot Index um 0,4% fiel und damit den Rückgang der Vorwoche um 1,6% ausweitete. Dies geschah, nachdem Trump zunächst Zölle auf Europa angedroht hatte, um seinen Anspruch auf Grönland durchzusetzen, diese dann aber überraschend wieder zurückgenommen hatte. Am Samstag drohte er Kanada mit Zöllen in Höhe von 100%, sollte das Land ein Handelsabkommen mit China abschließen.

Was Bloomberg-Strategen sagen: Der Ausverkauf des Dollar wird sich beschleunigen, da ausländische Investoren ihre Währungsabsicherungsquoten erhöhen und der Abwertungstrend des Yen durch Maßnahmen des öffentlichen Sektors gestoppt wurde.
Mark Cudmore, Markets Live Executive Editor

Gold stieg am Montag erstmals auf über 5.000 Dollar pro Unze. Edelmetalle befinden sich mitten in einer Rekordrally, da erhöhte geopolitische Risiken dem sogenannten “Debasement Trade”, bei dem sich Anleger von Fiat-Währungen zurückziehen, neuen Schwung verliehen haben.

Es gibt jedoch weiterhin Debatten darüber, ob die Trump-Administration tatsächlich einen schwächeren Dollar wünscht. Finanzminister Bessent sagte letztes Jahr, dass die USA weiterhin eine Politik des “starken Dollar” verfolgen, und wies Bedenken über den Status des Greenback als wichtigste Weltwährung zurück. “Der Preis des Dollars hat nichts mit einer Politik des starken Dollars zu tun”, sagte Bessent damals gegenüber Bloomberg TV.

Für Daniel Baeza, Senior Vice President bei Frontclear, könnte jedes Zeichen koordinierter Maßnahmen die Stimmung gegenüber dem Greenback belasten. “Das wichtigere Signal ist die politische Koordinierung”, sagte er. “Wenn die Märkte die Koordinierung als Bereitschaft interpretieren, eine lockerere globale Dollar-Politik zu tolerieren, insbesondere zusammen mit einer taubenhaften Reaktion der Fed, könnte dies den kurzfristigen Abwärtsdruck auf den Dollar verstärken.”

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Es muß hierbei primär um den langfristigen Wert des US-Dollar als Weltreservewährung gehen, damit dieser nicht übermäßig in Frage gestellt wird.

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