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Dollar mit schlechtestem Januar seit 2008 – Wachstum der Eurozone in 2016 stärker als in USA

Der Greenback unter Druck - die US-Wirtschaft erstmals seit 2008 mit weniger Wachstum als die Eurozone. Alte Gewißheiten brechen auf..

FMW-Redaktion

Der Dollar dürfte den schwächsten Jahresstart seit dem Jahr 2008 absolvieren – das zeichnet sich ab, wenn heute keine große Bewegung zugunsten des US-Dollar mehr kommen sollte. Bislang verlor der Dollar-Index 1,9% im Januar:


(Dollar-Index)

Und das trotz der Annahme der (Aktien-)Märkte, dass die Inflation in den USA anziehen werde und die Fed daher gezwungen sei, die Zinsen schneller anzuheben. Bis zum Jahresbeginn haussierte daher der Dollar im Gleichlauf mit den US-Aktienmärkten. Seit aber bei Trump das Thema Einwanderung und Protektionismus die Agenda dominieren in den ersten Amtstagen, ist der Greenback tendentiell schwächer geworden. Je protektionistischer der US-Präsident agiert, umso positiver für US-Staatsanleihen (deren Renditen fallen), den Yen, Gold – und den Euro. Letzterer wird zusätzlich gestützt durch die Inflationsdaten aus der Eurozone, so etwa durch Daten heute aus Frankreich (Verbraucherpreise +1,6% zum Vorjahresmonat, Prognose war nur +1,2%) und Spanien (Verbraucherpreise +3,0% zum Vorjahrsmonat, Prognose war +2,3%).

Die Inflation zieht also an in der Eurozone – und das wird durch das Wachstum der Wirtschaft begleitet: die Eurozone wuchs in 2016 um +1,7%, die Wirtschaft der USA dagegen um nur 1,6% im Vorjahr. Das ist das erste Mal seit dem Krisenjahr 2008, dass also die Eurozone stärker wächst als der große Bruder jenseits des Atlantiks! Fundamental würde das die derzeitige relative Stärke des Euro zum US-Dollar begründen, auch wenn die EZB weiter an ihrer expanisven Geldpolitik festhalten wird. Morgen wird sich zeigen, ob die Fed die Märkte auf die nächste Zinsanhebung vorbereiten wird – frühester Termin wäre wohl der März. Sollte die Notenbank jedoch in diese Richtung keine Andeutung machen, weil sie bislang noch zu wenig Informationen über den fiskalischen Kurs der Trump-Regierung hat, dürfte das den Greenback weiter unter Druck bringen.

Die entscheidende Frage für den Dollar wird sein, ob sich der Fokus der Trump-Regierung bald auf die im Wahlkampf versprochenen Senkungen der Steuern sowie der Investitionen in die Infrastruktur der USA richten wird – letzteres würde die Dollar-Nachfrage in den USA steigern. Der Protektionismus dagegen scheint den Dollar – anders als die Märkte lange angenommen hatten – eher zu schwächen. Mithin dürften vor allem Kapitalflüsse in die USA abnehmen, je stärker sich die USA abschotten.

Trotz der Verluste seit Jahresbeginn könnte der Dollar aber ein Comeback erleben, wenn etwa die Fed morgen sich hawkish äussert im Statement, oder der Fokus der US-Politik sich verschiebt in den nächsten Wochen. Charttechnisch sieht es jedoch danach derzeit nicht aus..



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1 Kommentar

  1. Die Spanische Inflation ist wahrscheinlich durch den recht kalten Januar so stark gestiegen

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