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Sichere Häfen und Fiskalrisiken Dollar im Aufwind nach Zoll-Schock: Trendwende oder Strohfeuer?

Dollar im Aufwind nach Zoll-Schock: Trendwende oder Strohfeuer?
US-Dollar-Banknoten in einer Wechselstube. Foto: Bloomberg

Der US-Dollar hat am Montag ins Plus gedreht, nachdem Donald Trump am Wochenende einen globalen Zoll von 15 % angekündigt und damit für Verunsicherung gesorgt hatte. Während Anleihen zulegten und Aktien unter Druck gerieten, zeigte sich die US-Währung fester. Doch ist diese Stärke nachhaltig – oder nur ein Strohfeuer im Schatten neuer Zölle?

Zölle stärken den US-Dollar

Der Dollar drehte am Montag ins Plus, nachdem Marktteilnehmer die möglichen Folgen neuer globaler Importzölle analysierten. Ein Bloomberg-Indikator für den Greenback schloss in New York 0,1 % höher, nachdem er im Tagesverlauf zeitweise um bis zu 0,3 % gefallen war. Gleichzeitig legten US-Staatsanleihen zu, wodurch die Renditen sanken. Laut einem Bloomberg-Bericht deutet die gleichzeitige Nachfrage nach Staatsanleihen und Dollar auf eine vorsichtige Positionierung institutioneller Investoren hin. Aktienmärkte gerieten hingegen angesichts der zunehmenden Unsicherheit unter Druck. Auch am Dienstag setzt sich die Tendenz fort: Der Dollarindex notiert aktuell 0,2 % höher.

Auslöser der Neubewertung war die handelspolitische Agenda des Weißen Hauses. Zwar hatte der Supreme Court in der Vorwoche zahlreiche von Trump eingeführte Zölle gekippt. Die Regierung kündigte jedoch an, diese durch eine neue globale Abgabe von 15 % zu ersetzen. Damit bleibt der protektionistische Kurs inhaltlich bestehen, auch wenn sich die rechtliche Ausgestaltung verändert. Für Unternehmen bedeutet das anhaltende Unsicherheit bei Lieferketten, Investitionsentscheidungen und Preisgestaltung. Für Devisenhändler erhöht sich das Risiko abrupt veränderter Kapitalströme.

Hugh Gimber, Global Market Strategist bei JP Morgan Asset Management, erklärte im Gespräch mit Bloomberg TV: „Wir sehen den neuen Pfad für den Dollar als abwärtsgerichtet und gehen davon aus, dass das vergangene Jahr lediglich der Beginn eines mehrjährigen Trends war.“ Die unmittelbaren wirtschaftlichen Effekte würden sich nicht sofort zeigen. „Es gibt nun deutlich mehr Faktoren, mit denen sich Unternehmen und Investoren auseinandersetzen müssen.“

Dollar beendet den Hanelstag leicht stärker

Sichere Häfen und Fiskalrisiken

Am Devisenmarkt zählten der japanische Yen und der Schweizer Franken am Montag zu den stärksten Währungen innerhalb der Gruppe der zehn führenden Industrieländer. Beide profitierten von Zuflüssen in als sicher geltende Anlagen. Neben den neuen Zöllen wirkten auch geopolitische Spannungen – insbesondere im Verhältnis zwischen den USA und dem Iran – stützend.

Elias Haddad, Global Head of Markets Strategy bei Brown Brothers Harriman, sieht im Urteil des Supreme Court strukturelle Implikationen: „Das Urteil zu den Zöllen bestätigt unsere strukturell negative Dollar-Einschätzung, da es die fiskalische Glaubwürdigkeit der USA weiter beeinträchtigen könnte.“ Zwar könnten alternative Maßnahmen den Rückgang der Zolleinnahmen teilweise kompensieren, insgesamt erhöhe sich jedoch die Unsicherheit über künftige Staatseinnahmen. Sinkende oder schwer kalkulierbare Einnahmen verschärfen bei hohen Defiziten die Tragfähigkeitsdebatte – ein Faktor, der mittelfristig auf dem Dollar lasten kann.

Bereits zuvor stand die US-Währung unter Druck. Fiskalpolitische Risiken und Erwartungen an geldpolitische Lockerungen durch die Federal Reserve belasteten. Mehrere andere große Zentralbanken haben ihren Zinssenkungszyklus beendet oder Zinserhöhungen signalisiert. Der Bloomberg-Dollarindex verlor in diesem Jahr mehr als 1 %, nachdem er im Vorjahr bereits rund 8 % eingebüßt hatte – der stärkste Jahresrückgang seit acht Jahren.

Geldpolitik und Wechselkursstrategie

Zusätzlich beobachten Marktteilnehmer die Haltung der US-Regierung zum Wechselkurs. Derek Halpenny, Leiter Global Markets Research bei MUFG Bank, betonte, es sei entscheidend, mögliche Positionsveränderungen der Administration im Blick zu behalten. Präsident Trump habe wiederholt signalisiert, einen schwächeren Dollar zu bevorzugen, um die Nachfrage nach US-Gütern zu stärken.

„Es besteht das Risiko, dass die Regierung diesen Ansatz nun expliziter verfolgt, nachdem sie bei ihrem reziproken Zollregime einen Rückschlag erlitten hat“, sagte Halpenny. Eine aktivere Einflussnahme auf den Wechselkurs – kombiniert mit neuen Zöllen – könnte die Volatilität am Devisenmarkt erhöhen und die Korrelation zwischen Handels- und Währungspolitik weiter verstärken.

Kurzfristig stabilisieren defensive Kapitalströme den Dollar. Mittel- bis langfristig bleiben jedoch Zölle, Fiskalrisiken und geldpolitische Divergenzen zentrale Belastungsfaktoren für die Leitwährung.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. wieso nehmt ihr nicht mal das Thema Kupfer unter die Lupe ( ich höre nur Silber+Industrie, Datacenter), dabei ist doch Kupfer die Weltweite Mangelware, Und Weltweit werden die Preise nach unten manipuliert, Kupfer müsste doch schon Längst über 15000 stehen.
    Genau so geht es doch mit dem Gaspreis im Ami Land…..Volles Schnee und Eiswetter, keiner braucht Anscheinend Gas, aber Alle brauchen massiv Strom…heizen die Amis etwa mit Strom ?

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