Devisen

Dollar und Ölpreis reagieren auf die Venezuela-Krise

Der Dollar steigt, und der Ölpreis fiel kurzzeitig in Folge der US-Angriffe auf Venezuela. Mehr Öl für den Weltmarkt in Aussicht?

Nicolas Maduro. Nicole Combeau/Bloomberg

Der Dollar-Index stieg von 98,08 Indexpunkten am Freitag Abend bis auf 98,44 Punkte heute früh (aktuell 98,23). Der WTI-Ölpreis ist von Freitag Abend bei 57,29 Dollar bis heute früh um 9:30 Uhr auf 56,31 Dollar gefallen, aktuell wieder erholt auf 57,47 Dollar. Beide Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit dem US-Angriff auf Venezuela und die Ergreifung von Machthaber Maduro.


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Dollar steigt – ein klein wenig „Flucht in den sicheren Hafen“

Wichtig sind die Aussagen von Venezuela´s Interimspräsidentin Delcy Rodríguez von heute früh, wo sie die USA zur Kooperation mit ihrem Land aufrief. Versöhnliche Töne – aus Angst, dass auch sie ins Fadenkreuz der USA geraten könnte? Der Dollar jedenfalls stieg heute früh an, weil er nunmal global die Fluchtwährung schlechthin ist, sozusagen in unsicheren Zeiten der letzte Zufluchtshafen für Anleger. Aber gewaltig groß war der Anstieg auch nicht – woran man ablesen kann, dass Anleger diesen Angriff als begrenztes Ereignis sehen, und nicht als Auftakt zu einem großen Krieg.

Grafik zeigt Verlauf von Dollar und Ölpreis

Ölpreis fällt zunächst

Und der Ölpreis? Der Rückgang ist wohl so zu erklären: Maduro ist weg. Venezuela´s Ölproduktion ist eh schon total im Keller. Wenn die USA nun einen Regimewechsel in Caracas erreichen oder eine den USA freundlich gesonnene Regierung installieren, könnte die Ölproduktion des Landes wieder kräftig hochgefahren werden, wenn die USA Sanktionen lockern und modernes Know How zur Ölförderung ins Land kommt. Dies könnte die Fördermenge und damit die Angebotsmenge am Weltmarkt kräftig erhöhen, was wiederum einen fallenden Ölpreis bringen würde.

So könnten die Gedankengänge vieler Händler heute Vormittag ausgesehen haben – denn die Börse handelt stets die Zukunft! Man muss auch bedenken, dass Venezuela die weltweit größten Ölvorkommen im Boden hat. Das Potenzial ist also gigantisch. Dass der Ölpreis nun wieder angestiegen ist, zeigt die Unklarheit der Lage. Denn groß einmarschieren in Venezuela tun die USA ja offenbar nicht. Über Nacht steht kein Regimewechsel an und auch keine echte demokratische Neuwahl. Wie Trump die Politik in Caracas nun lenken will – unklar.

Ölmarkt: Überangebot drückt Preise trotz Krise in Venezuela

Bloomberg berichtet heute wie folgt über die Vorgänge am Ölmarkt: Im Zuge der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte gaben die Ölpreise nach, während Investoren die Folgen für das weltweite Rohölangebot abwogen. Brent notierte nahe 60 Dollar je Barrel, nachdem der Preis zuvor zwischen Gewinnen und Verlusten geschwankt hatte, während West Texas Intermediate bei rund 57 Dollar lag. Trotz der Umwälzungen am Wochenende in Venezuela ist der Anteil des Opec-Produzenten am weltweiten Angebot gering, und der Markt kämpft bereits mit einem wachsenden Überangebot.

“Jegliche kurzfristige Produktionsunterbrechungen in Venezuela können problemlos durch Produktionssteigerungen an anderen Standorten ausgeglichen werden”, schrieb Neil Shearing, Chefvolkswirt bei Capital Economics. “Wir erwarten, dass das globale Angebotswachstum in den nächsten zwölf Monaten die Ölpreise in Richtung 50 Dollar drückt.”

Venezuela war einst eine Großmacht der Ölförderung, doch die Produktion des Landes ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten eingebrochen und macht nun weniger als 1% des weltweiten Angebots aus, das größtenteils nach China exportiert wird. Dem Markt droht in diesem Jahr ein großer Überschuss, da die Opec+ und andere Produzenten das Angebot ausweiten, während die Nachfrage nachlässt.

Am Sonntag hielt die Opec+ an ihren Plänen fest, die Angebotserhöhungen im ersten Quartal auszusetzen. Die von Saudi-Arabien und Russland angeführte Gruppe diskutierte während der zehnminütigen Videokonferenz nicht über Venezuela, so Delegierte. Es sei noch zu früh, um abzuschätzen, wie auf die sich entwickelnde Situation reagiert werden solle.

Trotz der US-Angriffe am Samstag blieben Venezuelas Ölinfrastruktur, einschließlich des Hafens José, der Raffinerie Amuay und der Hauptfördergebiete im Orinoco-Gürtel, unversehrt, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichteten. Dennoch hat der jüngste Druck der USA auf das Maduro-Regime, einschließlich der Beschlagnahme von Tankern, das Land gezwungen, mit der Schließung einiger Ölquellen zu beginnen.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Samstag, dass die Sanktionen gegen die Industrie des Landes bestehen bleiben werden, fügte jedoch hinzu, dass US-Unternehmen beim Wiederaufbau des Sektors und der Wiederbelebung der Produktion helfen werden, was wahrscheinlich ein langwieriger Prozess sein wird. Am Montag sagte er vor Reportern, dass Unternehmen “unbedingt” nach Venezuela wollten.

“US-Investitionen und echte Sanktionserleichterungen brauchen Zeit, und die Ölfässer kommen nicht über Nacht zurück”, sagte Haris Khurshid, Chief Investment Officer bei Karobaar Capital in Chicago. “Im Moment scheint es noch so, als würde der Überschuss den größten Einfluss haben und die geopolitischen Faktoren überwiegen, was die Preise niedrig hält.”

US-Außenminister Marco Rubio sagte am Sonntag, die USA würden den Hebel über das Öl nutzen, um weiteren Wandel in dem lateinamerikanischen Land zu erzwingen. Delcy Rodríguez, die amtierende Präsidentin von Venezuela, bat die USA um Zusammenarbeit mit ihrem Land und schlug damit nach ihrer anfänglichen Empörung über die Festnahme Maduros versöhnlichere Töne an.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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2 Kommentare

  1. Der Ölpreis könnte auch deswegen gesunken sein, weil der US-Dollar gestiegen ist.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    2016 hatten die US Fracker einen Break Eaven von um die 40 US-Dollar das Barrel….

    Ich kann mir kaum vorstellen …das das heute weniger wäre…schließlich ist auch die Inflation… an der dortigen Fracking Industrie… nicht vorbeigegangen…Ersatzteile, Kredite, Erschließungskosten etc…

    Wenn Trump die Ölpreise drückt…dann erweist er den Frackern einen Bärendienst…

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