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Donald Trump sollte mal diesen Immigranten aus Haiti kennenlernen

Die Äusserungen von Donald Trump über Haiti und afrikanische Länder (shithole“) könnte dazu führen, dass es zum „government shutdown“ kommt (bis Freitag Mitternacht Washington Uhrzeit muß eine Einigung gefunden werden), weil viele US-Demokraten derart entsetzt sind, dass sie ihre Zustimmung für eine temporäre Verlängerung der Schuldengrenze bzw. eine längerfristige Anhebung derselben aufgrund der Aussagen Trumps verweigern wollen..

Redaktion

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Hinweis der FMW-Redaktion: Die Äusserungen von Donald Trump über Haiti und afrikanische Länder (shithole“) könnte dazu führen, dass es zum „government shutdown“ kommt (bis Freitag Mitternacht Washington Uhrzeit muss eine Einigung gefunden werden), weil viele US-Demokraten derart entsetzt sind, dass sie ihre Zustimmung für eine temporäre Verlängerung der Schuldengrenze bzw. eine längerfristige Anhebung der US-Schuldenobergrenze verweigern wollen:

Hier eine sehr persönliche gehaltene, aber wie wir finden sehr lesenswerte Kolumne von Herbert Bauernebel in Sachen Haiti:

Er zögerte keine Sekunde.

“Ich muss los”, sagte der junge Mann plötzlich. “Was meinst du? Gehen? Wohin?”, antwortete ich leicht verwirrt.

Wir stehen am Flughafen in Port-au-Prince, Haiti, Mitte Januar 2010. Vier Tage davor hatte ein Erdstoß der Stärke 7.0 die Zweimillionen-Einwohnermetropole zerstört. In den Trümmerhalden rund um das Flugfeld verloren 230.000 Menschen ihr Leben.

Sie liegen noch halb verdeckt auf der Straße, in Massengräbern, verschüttet in vielstöckigen Gebäuden, die in Sekundenbruchteilen einstürzten wie Kartenhäuser.

Leon (Name geändert) ist 22 Jahre alt, er hat das Beben überlebt, als er im Computerladen, in dem er arbeitete, unter einen Holztisch hechtete und sich selbst aus dem Schutt des eingestürzten Gebäudes retten konnte. Er hatte für mich und meinen britischen Kollegen, James, die letzten Tag als Übersetzer gearbeitet, mit perfektem Englisch, bewundernswerter Hingabe und Professionalität.
Ein Entschluss in Sekundenbruchteilen

Dank ihm fühlten wir uns sicher, dank ihm, erhielten wir einen Einblick in das unglaubliche Leid nach dem Horrorbeben. Es war ihm nicht einmal anzumerken, dass seine Heimatstadt gerade in ein apokalyptisches “Killing Field” verwandelt worden war und viele seiner Familienmitglieder als vermisst galten.

Jetzt aber stehen wir am Rollfeld vor einer amerikanischen C-130-Transportmaschine, die für die Evakuierung von Erdbeben-Opfern gerade beladen wird. Die Destination: Ein Luftwaffen-Stützpunkt in Florida. Vor der Laderampe warten Haitianer geduldig auf den Einstieg in den riesigen Cargoraum.

Leon hat in Sekundenbruchteilen einen kaum vorstellbaren, spontanen Entschluss gefasst. Das Flugzeug, Florida. Die Chance, hier rauszukommen: Es würde sie so nie wieder geben.

“Ich muss da rein”, zeigte er auf den Flieger. Wir stehen fast wie festgefroren da, doch kapieren rasch: Todernst meint er es.

Es ist schon erstaunlich: Nur mit einem Rucksack am Rücken will er los, raus aus Haiti – schon davor das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, jetzt eine mit Verwendungsgestank überzogene Kraterlandschaft.
Er drückte uns die Hand – und ging los

Familie, Freunde, Heimat, sein ganzes Existenz bisher. Leon musste in wenigen Momenten beim Anblick des Flugzeuges alles abwägen, eine Entscheidung treffen – über eine dramatische Weggabelung in seinem Leben.

Beim Aufwachen noch hatte er keinerlei Ahnung, was dieser Tag bringen werde. Dass er im Bauch einer US-Militärmaschine nach Florida fliegen, in Amerika mit nichts als einem T-Shirt und Jeans am Leib vor einem Neubeginn stehen würde.

Es ist schwer begreifbar, vor allem wenn man im Wohlstand aufwächst: Die Verzweiflung, die Sehnsucht, die Courage von Flüchtlingen.

James und ich wissen, dass wir ihn nicht aufhalten können – und wollen.

Leon notiert auf einem Zettel unsere Handy-Nummern, damit er uns kontaktieren könne, sollte er doch abgewiesen werden.

Seine Hände zittern, als er die Ziffern zu Papier bringt.

Mir läuft die Gänsehaut auf, meine Augen werden feucht: Ich erlebe gerade den bewegendsten Moment meiner Journalistenlaufbahn.

Der junge Haitianer schüttelt noch kurz unsere Hände, dreht sich nach wenigen Schritten kurz um, den Daumen nach oben. Dann hält er mit entschlossenen Schritten auf die Menschenschlange zu.

Wir hörten dann nicht mehr von ihm.

Monate später kontaktiert er James und erzählt, dass er es geschafft hat und jetzt in Miami lebe. Er erlangte über die Jahre offenbar einen legalen Status, hat eine Freundin und arbeitet aus Logistikmanager für eine Autoverleihfirma.

Auf Facebook sehe ich Bilder eines erfolgreichen Lebens, zuletzt grinste er mit einer Wollmütze am Kopf vom Times Square. Und jedes mal denke ich an die dramatischen Momente vor acht Jahren in der Bebenhölle von Port-au-Prince.

Leon ist einer dieser Immigranten, die Donald Trump mal kennenlernen sollte, bevor dieser fassungslos ignorante Mann über “Sch…loch-Länder“ urteilt.
Von den Haitianern können sich viele was abschauen

Ich habe Haiti insgesamt dreimal besucht, stets anlässlich von Desastern (Beben, Cholera und Hurrikan). Klar, Haiti ist bitterarm und die Slums von Port-au-Prince keine Augenweide. Doch nirgends auf der Welt habe ich so herzliche Leute getroffen wie dort – trotz des harten Lebens.

Viele Amerikaner, inklusive dem Präsidenten, könnten sich einiges abschauen von diesen zähen, von unvorstellbaren Katastrophen geprüften Menschen – besonders solche, die sich schon als Patrioten sehen, wenn sie nach jeder Kalamität auf Facebook “God bless you” posten.

Nach dem Trumps “Sh…hole-Gate”-Eklat publizierte Leon ein dramatisches und professionell produziertes Video auf Facebook: “Präsident Trump, ich habe dieses Video zusammengestellt für meine Landsleute”, schrieb er: “Haiti ist kein Drecksloch, wir sind hart arbeitende Menschen, denen alle Chancen verwehrt bleiben”.

Das Posting hatte mich in mehrerer Hinsicht aufgewühlt: Die Bilder der Berge grotesk verrenkter und erstarrter Leichen, die wir vor den Massengräbern sahen, werde ich mein Leben lang nicht aus dem Kopf kriegen.

Wie aber auch die Erinnerungen an jenen Moment, als Leon mit einer blitzschnellen, spontanen Entscheidung die Chance auf ein neues Leben beim Schopf packte.

Und gleichzeitig verdreht es einem den Magen, wenn man an die widerlichen Bemerkungen im Oval Office denkt.

Herbert Bauernebel ist freier US-Korrespondent in New York seit 1999. Er leitet dazu das Info-Portal AmerikaReport.de mit Blogs, Analysen und News – von „Breaking News“ bis Politik-Aufregern, von Trends aus dem „Silicon Valley“ bis zur Wall Street.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    leser

    16. Januar 2018 18:05 at 18:05

    Statt Einzelbeispiele als Gegenargument zu verwenden und Political Correctnes zu bemühen, reicht es, einen Blick auf den Korruptionsindex (http://www.laenderdaten.de/indizes/cpi.aspx) zu werfen. Begleitend empfehle ich diese Lektüre, http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2018/01/es-gibt-viele-dreckslocher-auf-der-welt.html

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      leftutti

      16. Januar 2018 20:37 at 20:37

      @leser, in der empfohlenen Lektüre ist zu lesen: Als Obama das Wort „shit show“ für Libyen verwendete, haben aber die, die heute über Trump herfallen, sich nicht darüber aufgeregt und ihn einen Rassisten genannt.
      Tatsächlich war es doch so, dass er Cameron einen „beschissenen Auftritt, einen beschissenen Job, einen Saustall“ vorgeworfen hatte:
      http://www.epochtimes.de/politik/welt/obama-libyen-dank-cameron-und-sarkozy-eine-shit-show-a1313478.html
      Hier werden Tatsachen vollkommen verdreht, das kann bestenfalls als unseriöser und suggestiver Journalismus und Populismus in Reinkultur bezeichnet werden. Bei solchen Artikeln wird mir regelmäßig schlecht.

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    Mad Siraps

    16. Januar 2018 18:28 at 18:28

    One Of A Million

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    Michael

    16. Januar 2018 19:15 at 19:15

    Und was, lieber @leser, sagt die Wahrnehmung der Korruption bei der Führungselite, bei Amtsträgern und Politikern, also bei einem kleinen Prozent(Promille)satz der Gesamtbevölkerung über ein Land bzw. ein ganzes Volk aus? Richtig, gar nichts!
    Und wieso lenkt man jetzt andauernd von der unverschämten und beleidigenden Terminologie der Shithole countries ab, indem man die Korruption der herrschenden Elite, eines verschwindend geringen Anteils an der Gesamtbevölkerung, vorschiebt?
    Unabhängig davon können Sie vielleicht solche Äußerungen am Stammtisch unter Gleichgesinnten machen, aber nicht ein Präsident im amerikanischen Senat vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Und schon gar nicht in dem Bewusstsein, dass die eigene Politik, das eigene Land, die eigene Wirtschaft genau diese korrupten Machteliten schürt und fördert und dadurch in hohem Maße mitverantwortlich an den elenden und menschenunwürdigen Zuständen solcher Länder oder fast eines ganzen, rohstoffreichen Kontinentes mit enormen Gold- und Diamantenvorkommen ist.

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      leser

      16. Januar 2018 19:38 at 19:38

      Der Korruptionswahrnehmungsindex wird gemeinhin als Korruptionsindex bezeichnet, https://de.wikipedia.org/wiki/Korruptionswahrnehmungsindex. Ein Index, der die wirkliche Korruption misst, ist mir nicht bekannt; die Datenerhebung dürfte aus naheliegenden Gründen schwer möglich sein.

      Wenn man sich das untere Drittel der Länder im Index anschaut, dann ist m.E. der Zusammenhang mit der – zugegebenermaßen nicht diplomatentauglichen Bezeichnung – evident.

      Zu den Ursachen ist dem verlinkten Artikel einiges gesagt. Dort heiß es beispielsweise:

      „Libyen ist ein Drecksloch geworden, weil die NATO das Land in die Steinzeit gebombt hat, um auf Wunsch der Gutmenschen das Land zu „demokratisieren“ und einen „bösen Diktator“ zu entfernen.

      Sogar Obama hat nach dem Krieg gesagt, Libyen wäre eine „shit show“ und die europäischen Alliierten hätten darin versagt, das Land unter Kontrolle zu bringen.“

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    rote_pille

    16. Januar 2018 22:32 at 22:32

    Oh mein Gott, wer diese Nachricht glaubt ist selbst schuld. So degeneriert sind nicht mal die Demokraten.

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    Gerd

    16. Januar 2018 23:12 at 23:12

    Warum jetzt noch dieser Artikel?
    Und das, wo die Aussagen von „Leon“ m. E. vollkommen am Thema vorbei gehen.
    Liege ich falsch mit der Annahme, dass Trump sich mit seiner angeblichen Beschimpfung, ausschließlich auf die Staatengebilde, auf das Land bezog?
    Wieso sollte Trump dann mal bitteschön diesen Haitianer kennenlernen (der es übrigens vorzieht in Miami zu bleiben)? Oder hat Trump die Menschen als Faulenzer tituliert, die nicht „hart arbeiten“?

    Mich wundert zudem, dass FMW in Kauf nimmt, eine Unterlassungsklage an den Hals zu bekommen, wo doch in den anderen Publikationen stets „nur“ von „Dreckslöchern“ berichtet wird. Schlimmstenfalls mal in der einen oder anderen auch von Drecksloch-Ländern. Hier lese ich heute jedoch zum wiederholten Mal einen Ausdruck, der wahrlich beleidigend ist. Selbst wenn er nicht Buchstabe für Buchstabe ausgeschrieben wurde. Jemandem öffentlich nachzusagen, dass jener sowas behauptet hätte ist rufschädigend, wenn sich rausstellt, dass er es nicht tat.
    Ich unterstelle mal dem Mainstream, dass dort genüsslich der unsägliche Begriff verwendet worden wäre – falls die Übersetzung aus dem amerikanischen Sprachkontext das denn zulassen würde.

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      Michael

      17. Januar 2018 21:05 at 21:05

      @Gerd, wenn ich Ihre Aussage richtig interpretiere ( angebliche Beschimpfung ), hat Trump vermutlich gar nicht den Begriff „shithole countries“ verwendet. Man wiegelt ja inzwischen auch schon ab, er habe ja „nur“ shithouse countries gesagt. Also Scheißhausländer, was doch schon wesentlich besser, salonfähiger, staatsmännischer und deutlich weniger beleidigend klingt, als die ursprüngliche Beleidigung.

      Dass er sich allerdings lediglich auf das „Staatengebilde“, das Land (Regierung, Behörden, wirtschaftliche Machthaber, was auch immer) bezogen hat, damit liegen Sie tatsächlich vollkommen falsch und im Land der Träume, Märchen, Spekulation und Suggestion. Was liefert an folgender Aussage Anlass zu Interpretierungen: „Why are we having all these people from shithole [oder shithouse, Anm. des Kommentators] countries come here?“
      Warum sind all diese Menschen aus Sch…ländern zu uns gekommen, warum müssen die noch immer zu uns kommen, warum müssen wir die hier bei uns noch immer haben/dulden. Mir wären Immigranten aus Norwegen viel lieber.
      Hierin eine reine Kritik an den Regierungen und Mächtigen der jeweiligen Länder herauszulesen, fällt sehr schwer.

      Unterlassungsklage? Die FMW zitiert doch nur eine deutlich als solche gekennzeichnete Kolumne eines freien Journalisten, das sollte doch wohl noch erlaubt sein, bis man irgendwann von alternativer Seite die Pressefreiheit wieder abschafft.

      Ich frage mich daneben ohnehin, warum in greatest und biggest shithole country of the world Gespräche des Präsidenten mit Senatoren nicht offiziell dokumentiert werden, sodass solche wahnwitzigen Diskussionen überhaupt aufflammen können?! Sicher geht es dabei um die nationale Sicherheit ;)
      Oder könnte das stabile Genie nicht einfach eindeutige, klare und unmissverständliche Worte verwenden, die jede Diskussion von vornherein obsolet machen?

      Unabhängig davon, wenn jemand zu mir sagen würde, ich entstamme einem Scheißloch, Scheißhaus oder Drecksloch, würde ich in jeder dieser Interpretationen eine Beleidigung sehen und eine entsprechende Beleidigungsklage anstrengen, auch wenn mir am Ende eine Unterlassungsklage durch die üblichen Rechts- und Sinnverdreher drohen würde.

      • Avatar

        Lars

        18. Januar 2018 01:37 at 01:37

        @Michael, die Mühe hätten Sie sich sparen können, denn @Gerd hat vollkommen recht. Nach Rücksprache mit einem Dutzend akkreditierter, langjähriger und erfahrener Dolmetscher steht unmissverständlich fest, was Mr. Trump mit seinem staatsmännischen und schwer zu übersetzenden Satz eigentlich kommunizieren wollte. Nachfolgend die korrekte Übersetzung, gewisse Ausdrücke und Interpretationen der offiziellen Sprache aus dem Weißen Haus nenne ich nicht mein Eigen:
        Im Sinne und der Tradition seit Entstehung der großartigen amerikanischen Nation laden wir weiterhin Menschen andersartiger Abstammung und aus fremdartigen Kulturen ein, unser einmaliges Land mit ihrer Vielfalt, Kraft und Kreativität zu bereichern, wie wir es seit fast 250 Jahren kontinuierlich praktiziert haben.
        So, wie wir den amerikanischen Ureinwohnern nach anfänglichen Plänkeleien und kleineren Missverständnissen in fairen und ehrlichen Verträgen die einmalige Möglichkeit geboten haben, anfänglich als unbewohnbar geltende Wüstengebiete ihr Eigen zu nennen und bewirtschaften zu dürfen, vorausgesetzt der notwendigen Neutralisierung ihres ungehemmten Bevölkerungswachtums.
        So, wie wir einer Unzahl von primitiven Menschen aus dem westafrikanischen Kontinent die Möglichkeit geboten haben, über zahlreiche Generationen hinweg Arbeit zu finden und in gehobene Positionen des Chefgärtners, Chefkochs oder Chefbutlers aufzusteigen, vorausgesetzt der notwendigen Neutralisierung ihres ungehemmten Bevölkerungswachtums.
        Die Erfüllung des großen amerikanische Traums also, den sich viele wahre Amerikaner niemals erfüllen konnten.
        So, wie es in unserer großartigen Verfassung mit den 500 Zusatzartikeln theoretisch fast ausnahmslos geregelt ist.
        Leider muss ich mich als Philanthrop immer wieder bestürzt und entsetzt fragen, wie und warum korrupte Scheißhausregierungen in Zwergenstaaten wie Haiti, El Salvador und Afrika ;) über dunkle Mittelsmänner wieder und wieder verbrecherische und menschenfeindliche Allianzen mit den größten Scheiß- und Arschlöchern aus der Führungsebene unserer und anderer globaler Dreckskonzerne schmieden können.
        „Why are we having all these people from shithole countries come here?“
        Warum kommen die alle zu uns? Warum bekämpfen wir nicht die Ursachen im eigenen Land, die dazu führen?

  6. Avatar

    leftutti

    17. Januar 2018 18:29 at 18:29

    Für alle, die es noch nicht gesehen haben, hier ein cooles, amüsantes und ironisches Video zu den Entgleisungen des Genies:
    https://www.youtube.com/watch?v=XCz66YlNbPQ

  7. Avatar

    per

    18. Januar 2018 11:36 at 11:36

    Kein Wort über Bush und Clintons Stiftung zu Haiti und wie sie die Millionen selber einsteckten,wie sie die bezahlten Gelder von Menschen der Erde einfach klauten. Dieser Artikel ist gefakt bzw. garantiert von gewissen auserwählten gesetzt. Ekelhaft

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Staatsverschuldung auf Rekordhoch gestiegen – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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am

Deutschland-Flagge

Es ist kein Wunder. Im Zuge der Coronakrise explodiert die deutsche Staatsverschuldung, wie in anderen Ländern auch. Heute hat das Statistische Bundesamt Details zum Stichtag 30. Juni 2020 veröffentlicht. Die Schulden der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen einschließlich aller Extrahaushalte) gegenüber nicht-öffentlichen Einrichtungen lag Ende Juni bei 2,1089 Billionen Euro. Dies ist ein Rekordhoch bei der Staatsverschuldung nach dem vorigen Hoch bei 2,0683 Billionen Euro Ende 2012.

Staatsverschuldung wächst um 210 Milliarden Euro in sechs Monaten

Interessanter als der Langfristvergleich ist aber eher das aktuelle Bild. Wie sieht die Veränderung von Dezember 2019 zu Juni 2020 aus, also genau in der Zeit, wo die Staatsverschuldung durch die Coronakrise angefacht wurde? Es war ein Anstieg von 210,1 Milliarden Euro oder +11,1 Prozent! Die Statistiker sagen zu dem Anstieg Zitat: „Der Anstieg ist im Wesentlichen dadurch begründet, dass die öffentlichen Haushalte finanzielle Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise aufnahmen„.

Interessant: Die Sozialversicherung konnte laut heutiger Veröffentlichung der Statistiker ihren Schuldenstand gegenüber dem Jahresende 2019 um rund 5 Millionen Euro (-8,8 %) auf 52 Millionen Euro reduzieren. Frage: Wie hat man das geschafft bei derart vielen neuen Arbeitslosen und folglich deutlich weniger Einnahmen? Die Staatsverschuldung auf den drei Ebenen Bund, Länder und Gemeinden wird von den Statistikern im Detail erläutert. Hier im Wortlaut:

Schulden des Bundes wachsen um 163 Milliarden Euro

Mit Ausnahme der Sozialversicherung waren am Ende des 1. Halbjahres 2020 alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts stärker verschuldet als zum Jahresende 2019. Am stärksten stieg in diesem Zeitraum die Verschuldung des Bundes, und zwar um 13,7 % beziehungsweise 163,0 Milliarden Euro auf 1 351,5 Milliarden Euro.

Schulden der Länder steigen um 46,1 Milliarden Euro

Die Länder waren zum Ende des 1. Halbjahres 2020 mit 624,9 Milliarden Euro verschuldet, dies entspricht einem Anstieg um 8,0 % beziehungsweise 46,1 Milliarden Euro gegenüber dem Jahresende 2019. Die Verschuldung ist in allen Ländern gestiegen, prozentual stieg sie in Sachsen (+89,6 %), Bayern (+30,6 %) und Bremen (+20,4 %) am stärksten. Die Länder mit dem höchsten absoluten Zuwachs waren Nordrhein-Westfalen (+17,0 Milliarden Euro), Bremen (+6,1 Milliarden Euro) und Niedersachsen (+4,1 Milliarden Euro).

Auch bei den meisten Ländern stand die höhere Verschuldung größtenteils im Zusammenhang mit der Corona-Krise. In Bremen ist der Anstieg vor allem auf Schuldenaufnahmen für die Bereitstellung von Barsicherheiten für Derivat-Geschäfte zurückzuführen.

Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände nehmen um 1,1 Milliarden Euro zu

Der Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände erhöhte sich im 1. Halbjahr 2020 gegenüber dem Jahresende 2019 um 0,8 % beziehungsweise 1,1 Milliarden Euro auf 132,4 Milliarden Euro. Hier war die Entwicklung unterschiedlich: Die Schulden stiegen vor allem in Gemeinden und Gemeindeverbänden in Schleswig-Holstein (+5,4 %), Hessen (+4,2 %) und Niedersachsen (+2,2 %). Dagegen sanken die Schulden insbesondere im Saarland (‑14,4 %), Sachsen (‑7,3 %) und Thüringen (-4,7 %).

Der Rückgang in den saarländischen Gemeinden und Gemeindeverbänden ist zum großen Teil dadurch begründet, dass im 1. Halbjahr 2020 das vom Land verwaltete „Sondervermögen Saarlandpakt“ 300,0 Millionen Euro der Kassenkredite der Gemeinden und Gemeindeverbände übernommen hat.

Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle den gestrigen hochinteressanten Artikel von Wolfgang Müller mit dem Titel „Coronakrise: Wie viel Reserven hat der deutsche Staat noch?“

Grafik zeigt aktuelle Staatsverschuldung nach Bundesländern

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Spiegel-Kolumnist fordert „Kapitalismus-Reform jetzt“ – eine Gegenrede

Claudio Kummerfeld

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Geld ist das Symbol von Kapitalismus

Thomas Fricke ist als regelmäßiger Kolumnist auf Spiegel Online einem bundesweiten Publikum bekannt. Und wenn man seine vor drei Tagen veröffentlichte Kolumne mit dem Titel „Kapitalismus-Reform jetzt!“ genau durchliest, dann wird einem klar: Thomas Fricke ist kein knallharter Kommunist, Sozialist oder Gegner des marktwirtschaftlichen Modells. Genau so wenig, wie ich ein knallharter Marktliberaler bin. Zum Beispiel wäre ich gegen die Privatisierung von Wasserwerken. Öffentliche Daseinsvorsorge von wichtigen Kernaufgaben wie der Wasserversorgung haben in privater Hand nichts zu suchen. So möchte ich es nur mal an diesem Beispiel festmachen, dass der totale Wahn des freien Marktes nicht meine Sache ist. Dennoch fühle ich mich genötigt auf den Artikel von Thomas Fricke eine Gegenrede zu schreiben, weil ich mit vielen (nicht allen) seiner Aussagen so nicht einverstanden bin.

Gleich vorweg erstmal eine Zustimmung zu den Aussagen von Thomas Fricke. Manchmal werden marktwirtschaftliche Erfolgsgeschichten geschrieben, nachdem ein großer staatlicher Anschub geleistet wurde. So basiert (mein Beispiel) zum Beispiel der Erfolg des Silicon Valley zu guten Teilen auf den enormen Forschungsgeldern, welche die US-Regierung zum Start des Kalten Kriegs in die Bereiche Raketentechnik, Mikroelektronik etc steckte (mehr dazu hier und hier). Es nützt aber nichts einfach nur eine große Masse an Geld zu geben. Bei den Geldempfängern muss der Drang da sein zu forschen, etwas erschaffen zu wollen, voranzukommen, innovativ zu sein. Ist dies nicht der Fall, dann läuft es so, wie Daniel Stelter es gerade erst eindrucksvoll am Beispiel Berlin beschrieben hat (hier nachzulesen). Leicht vereinfacht ausgedrückt: Der mit Abstand größte Empfänger im deutschen Länderfinanzausgleich, die Stadt Berlin, saugt vor allem von Bayern und Baden-Württemberg immer mehr Geld ab. Je schlechter man wirtschaftet, desto mehr Finanzhilfen erhält man. Man braucht selbst nicht innovativ zu sein. Man kann sich in jeder Menge sozialistischer Experimente und Träumereien ergehen – kein Problem, denn zahlen tut jemand anders. Aber gut, ich schweife ab. Zurück zur Kolumne von Thomas Fricke.

Der böse Kapitalismus ist schuld?

Kommen wir nun zu einer These von Thomas Fricke, die gleich in der Headline-Aussage unter dem Titel der Kolumne zu finden ist, die da lautet „Märkte scheitern gerade in solchen Krisen“. Gemeint ist wohl die derzeitige Coronakrise. Dazu muss man sagen: Dass der Kapitalismus in so einer Zeit scheitert – das ist einfach eine unfaire Betrachtungsweise. Denn in einer Zeit, wo der Staat dem Markt verbietet tätig zu sein (Geschäfte müssen zwangsweise schließen, Flugzeuge dürfen nicht fliegen etc), wie soll der Teilnehmer am freien Markt da seinen Lebensunterhalt verdienen können? Der Kapitalismus war wochenlang zu großen Teilen abgeschaltet, und es war den Menschen (aus guten Gründen) nicht erlaubt an der allgemeinen Wertschöpfung teilzunehmen, die ihren Lebensunterhalt sichert. Deswegen git es derzeit diese Probleme! Das soll kein Vorwurf gegen die Regierung sein. Aber zu behaupten, dass die Märkte (also der Kapitalismus) gerade in diesen Zeiten scheitern, ist absurd. Hier Thomas Fricke auszugsweise im Zitat: „Wenn Regierungen wie Notenbanker in Corona-, Finanz- und anderen Großkrisen eingreifen, tun sie das, weil eben jene Marktkräfte nicht funktionieren, nach denen solche Krisen theoretisch entweder gar nicht vorkommen dürften – oder sich alles von selbst regulieren müsste. Tut es eben nicht.“

Die völlig falsche Sichtweise auf die Schere zwischen Arm und Reich

Auch ist ein wichtiger Themenblock von Thomas Fricke die immer weiter wachsende Ungleichheit bei den Vermögen. Der einfache Spruch lautet (ich formuliere mal frei heraus): Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Das ist ungerecht, und daran ist der böse Kapitalismus schuld. Richtig? Nein, eben nicht. So schreibt Thomas Fricke, dass wenn seit just den Neunzigerjahren Reich und Arm so drastisch auseinandergedriftet sind, dann nicht, weil zu viel interveniert wurde, sondern weil Marktkräfte zu immer stärkerer Konzentration von Vermögen beitragen – wer viel hat, bekommt auch umso leichter mehr davon“. Da macht es sich Thomas Fricke nun mal viel zu einfach, so möchte ich es sagen. Er übersieht völlig den Grund, warum denn Arm und Reich gerade in den letzten Jahren immer mehr auseinander gedriftet sind. Es gibt zwei betroffene große Asset-Blöcke, nämlich Aktien und Immobilien. Ihre Preise steigen seit Jahren immer weiter an, und mehren in der Tat den Reichtum der Reichen immer weiter, während die Armen davon nichts haben. Im Gegenteil, die Armen dürfen die Lasten ständig steigender Wohnungsmieten tragen, und haben immer weniger zum Leben übrig.

Was hat denn dazu geführt, dass Preise für Aktien und Immobilien trotz Finanzkrise und Coronakrise (vereinfacht gesagt) eigentlich nur steigen, steigen, und steigen? Die Notenbanken haben, um alle Krisen und Probleme aus der Welt zu schaffen, die Zinsen jahrelang immer weiter gesenkt, und letztlich abgeschafft. Damit haben die kleinen Leute, die nur das Sparbuch nutzen, Jahr für Jahr dank Inflation reale Wertverluste. Das große Geld strömt seit Jahren von zinslosen Anleihen in den Aktien- und Immobilienmarkt. Dazu kommt noch, dass die Notenbanken mit ihren Anleihekaufprogrammen in Billionenhöhe die großen institutionellen Anleger teilweise vom Anleihemarkt verdrängen. Auch diese Anleger stürmen in Aktien und Immobilien. Keine Zinsen mehr, also kauft man Aktien und Immobilien auf der Suche nach Rendite. Und dieser Trend läuft seit Jahren, und wurde zuletzt durch die Notenbank-Orgien im aktuellen Jahr 2020 nur noch weiter angefacht!

Würde der Kapitalismus unbeeinflusst durch die Notenbanken einen freien Marktzins bilden können, dann wäre der Zins wohl so hoch, dass die kleinen Sparer real einen jährlichen Zinsgewinn erzielen würden. Geldanlagen in Anleihen wären attraktiv, und große Institutionelle wären nicht in Aktien oder Immobilien geflohen. Und noch etwas. Bei einem viel höheren Zinsniveau (das derzeit planwirtschaftlich von Notenbanken verzerrt wird), wäre es für die großen Konzerne vor allem in den USA unattraktiv, in obszönem Ausmaß Kredite aufzunehmen, um damit eigene Aktien an der Börse zurückzukaufen. Diese Aktienrückkäufe sind seit Jahren auch ein Grund für die massiv steigenden Aktienkurse der großen Konzerne. In einem echten, freien, nicht von Notenbanken und Politik beeinflussten Markt wäre diese Vermögenspreisblase bei Aktien und Immobilien in dieser Form wohl nicht entstanden, und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wäre zwar da, aber nicht so schlimm wie heute. Thomas Fricke verdreht in seiner Kolumne diese Mechanismen völlig.

Besserer Staat, nicht mehr Staat

Relativ hilflos stehe ich der Aussage von Thomas Fricke gegenüber, dass Menschen in ehemaligen Industriehochburgen AfD, Trump und Brexit gewählt hätten, weil es dort an zu wenig Staatseinfluss gegeben hätte. Bei der Argumentation komme ich kaum noch mit. Das Phänomen Donald Trump hatte ich jüngst in einem eigenen Artikel besprochen mit dem Titel „Donald Trump ist nicht das Problem, sondern das Resultat eines Problems“. Die meisten „Medienprofis“ glauben doch tatsächlich, dass das Problem weg ist, wenn Trump und AfD weg sind. Dass die Leute vor allem Trump gewählt haben wegen dem großen jahrzehntelangen Versagen seiner Vorgänger (egal ob Demokrat oder Republikaner), möchte man am besten ganz ignorieren. Nicht noch mehr politische Bevormundung und Staatseingriff braucht es, sondern schlicht und einfach nur gute Politik!

Thomas Fricke sagt, dass erst wenn wir im Land wieder überall Glasfaser haben, würde es sich lohnen, in entlegenere Regionen zu investieren, was es bisher nicht tut. Da mag er recht haben. Aber: Wenn man um Deutschland rundherum schaut, laufen Netzabdeckung, Digitalisierung (vereinfacht gesagt) überall deutlich besser als bei uns – das wird nicht an zu wenig Staat in Deutschland liegen, sondern eher an schlechter beziehungsweise inkompetenter Politik in Deutschland!

Der böse Kapitalismus und die Finanzkrise

Thomas Fricke schreibt: „Wenn es 2008 zur größten Finanzkrise seit Jahrzehnten kam, dann ja nicht deshalb, weil Staaten zu viel eingegriffen haben, sondern weil sich Finanzmarktakteure in ein irres System aus gegenseitiger Verschuldung auf weitgehend freien Märkten verlaufen hatten – und weil dem zu wenig staatliche Grenzen gesetzt wurden. Eine Krise, die bis heute nachwirkt, etwa in Form von Nullzinsen.“ Das ist natürlich die aller leichteste aller Übungen, nämlich sinngemäß zu sagen: Leute, schaut auf die Finanzkrise 2008, die Marktwirtschaft hat hier ihre häßliche Fratze gezeigt. Aber so einfach ist es nun mal nicht. Drei große Akteure haben (das ist meine Meinung) zu gleichen Teilen zur Finanzkrise 2008 beigetragen. Als da wäre US-Regierung und US-Notenbank. Die unausgesprochene Staatsraison der Amerikaner lautete schon lange vor der Finanzkrise, dass jeder Amerikaner (weil man ja die größte, reichste und mächtigste Nation der Welt sei) das Recht habe in seinem eigenen Haus zu leben.

Deswegen schufen Regierung und Notenbank absichtlich ein Umfeld von immer weiter sinkenden Zinsen und Deregulierung am Hypothekenmarkt. Genau so aber waren die Konsumenten schuld, die oft (aber nicht immer) sehenden Auges in die Katastrophe schlitterten, weil sie Häuser kauften, die sich sich gar nicht leisten konnten. Und drittens waren es die Banken, die unbedingt Geld verdienen wollten durch hochverzinste Immobiliendarlehen. Egal wie, es mussten Kredite verkauft werden. Diese toxische Kombination schuf die Immobilienkrise in den USA, und nicht ein simples Scheitern des Kapitalismus. An der Finanzkrise haben ALLE Institutionen und Personengruppen in den USA „mitgewirkt“. Der Kapitalismus war Teil des Problems, aber nicht das alleinige Problem. Diese Krise zeigte, dass der Kapitalismus in der Tat einen gesetzlichen Rahmen benötigt, der auch überwacht werden muss. Aber der gesetzliche Rahmen sollte nicht zum Erstickungstod des Marktes führen.

Was uns bevorsteht

Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht im Kapitalismus, und auch nicht in einem heraufziehenden Kommunismus. Sondern in einer Art schleichender Lawine, welche unzählige sozialistische Ideen über uns bringt, eine immer größere Staatswirtschaft, einen immer größeren Apparat der Sozialindustrie, mit immer mehr Steuern und Abgaben, Beschränkungen und Verordnungen. Wichtig ist nur, dass man gerade im Zuge der Coronakrise gerade diejenigen Kräfte ausbremsen sollte, die jetzt ihre große Chance sehen, auf die sie so lange gewartet haben. Endlich Abkehr vom Markt, endlich Verstaatlichungen, mehr Regulierung (siehe Mietpreisdeckel in Berlin uvm). Solche Auswüchse wie in Berlin dürften erst der Anfang sein, wenn im Zuge der Coronakrise der Ruf nach mehr Staatswirtschaft immer lauter wird.

Vor allem nach der nächsten Bundestagswahl dürfte in der Post-Corona-Zeit der Drang hin zu mehr Staatswirtschaft zunehmen. Was die dann neu formierte Regierungskoalition (raten sie mal welche das sein wird) vor hat, lässt sich natürlich schwer erahnen. Aber für jeden der denkt, ihn persönlich würde eine zunehmende Staatswirtschaft und zunehmende staatliche Restriktionen nicht betreffen, der schaue mal ins grün regierte Ländle. In Baden-Württemberg wurde nämlich beschlossen, dass das Landesnaturschutzgesetz geändert wird. Dabei geht es um die Gestaltung von Vorgärten auf Privatgrundstücken – Schottergärten auf Privatgrundstücken werden verboten. Tja, Sie als Hausbesitzer dürfen dann nicht mehr selbst bestimmen, ob sie Steine oder Rasen vor ihrem Haus auslegen. Das ist nur ein winziger, kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bevorstehen dürfte.

Es ist zu befürchten, dass uns in Sachen Sozialindustrie und Umweltregulierung ein neuer gigantischer Bürokratieapparat bevorsteht, der jede Menge neue Vorschriften und Einschränkungen mit sich bringt. Dieser Apparat bedeutet viele schöne neues Jobs für die jeweilige Klientel. Und man wird viele dieser neuen Ämter, Jobs und Regulierungen mit der Headline versehen: „Der Kapitalismus konnte es eben nicht, deswegen muss es jetzt der Staat richten. Corona, Finanzkrise, Armut, Ungleichheit – der Kapitalismus hat hier gezeigt, dass der Staat hier viel stärker eingreifen muss, also machen wir das jetzt“. So wird das Motto wohl lauten.

Thomas Fricke wünscht sich unter anderem, dass (Zitat) „Politiker dazu beitragen, dass bei drohenden wirtschaftlichen Umbrüchen in den betreffenden Regionen viel früher neue Perspektiven geschaffen werden – und viel systematischer schon dafür gesorgt wird, neue Firmen anzulocken, die am besten zu den Leuten und Ressourcen vor Ort passen“. Dazu kann man als mahnendes Negativbeispiel die ostdeutschen Kohlereviere erwähnen, wo tausende Jobs verloren gehen. Wohl aus Angst, dass die AfD dort wegen solchen Job-Verlusten mehr Zulauf bekommt (meine persönliche Vermutung), hatte man schon letztes Jahr schnell eine Idee. Es mussten sofort Job-Versprechen her für die neuen Arbeitslosen. Und siehe da: Von Kohleabbau direkt hinüber in die Staatswirtschaft. So sollen von 8.000 Kumpel, die ihren Jobs verlieren, für 5.000 von ihnen neue Jobs bei Behörden geschaffen werden, genau in den Regionen wo die Jobs verloren gehen. Neue Staatsjobs schaffen, wofür genau? Mal sehen? Irgendwas fällt uns da schon ein? Wie produktiv werden diese neuen Behörden sein?

Klar ist nur: Die privaten Arbeitnehmer in Deutschland müssen diese zusätzlichen Behördenjobs dann zukünftig dauerhaft auch finanzieren, mit ihrem Steueraufkommen. Es gilt, so meine bescheidene Meinung, dem Drang nach immer mehr Staat, höheren Steuern und immer mehr Regulierung Einhalt zu gebieten. Nur fällt das dank Corona ziemlich schwer, weil es sich so wunderbar leicht aussprechen lässt, dass der böse Kapitalismus das Problem sei. Nicht mehr Staat und mehr Regulierung, sondern bessere Politik und intelligentere Regulierung, das sollte das Ziel sein! Die Aufforderung von Thomas Fricke zur Reform des Kapitalismus dürfte von all zu vielen Menschen als Unterstützung ihres Wunsches angesehen werden, den freien Markt zu bekämpfen und immer weiter abzuschaffen, anstatt ihn zu reformieren.

Übrigens: Wer mehr Staat will, mehr Schulden, mehr Staatswirtschaft, der scheint bei Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, genau an der richtigen Adresse zu sein (hier unser letzter Bericht zu seiner Person). Er ist bekannt als regierungsfreundlicher Kommentator in volkswirtschaftlichen Fragen. Siehe folgender aktueller Tweet:

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Allgemein

Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

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Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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