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Donald Trump sollte mal diesen Immigranten aus Haiti kennenlernen

Hinweis der FMW-Redaktion: Die Äusserungen von Donald Trump über Haiti und afrikanische Länder (shithole“) könnte dazu führen, dass es zum „government shutdown“ kommt (bis Freitag Mitternacht Washington Uhrzeit muss eine Einigung gefunden werden), weil viele US-Demokraten derart entsetzt sind, dass sie ihre Zustimmung für eine temporäre Verlängerung der Schuldengrenze bzw. eine längerfristige Anhebung der US-Schuldenobergrenze verweigern wollen:

Hier eine sehr persönliche gehaltene, aber wie wir finden sehr lesenswerte Kolumne von Herbert Bauernebel in Sachen Haiti:

Er zögerte keine Sekunde.

“Ich muss los”, sagte der junge Mann plötzlich. “Was meinst du? Gehen? Wohin?”, antwortete ich leicht verwirrt.

Wir stehen am Flughafen in Port-au-Prince, Haiti, Mitte Januar 2010. Vier Tage davor hatte ein Erdstoß der Stärke 7.0 die Zweimillionen-Einwohnermetropole zerstört. In den Trümmerhalden rund um das Flugfeld verloren 230.000 Menschen ihr Leben.

Sie liegen noch halb verdeckt auf der Straße, in Massengräbern, verschüttet in vielstöckigen Gebäuden, die in Sekundenbruchteilen einstürzten wie Kartenhäuser.

Leon (Name geändert) ist 22 Jahre alt, er hat das Beben überlebt, als er im Computerladen, in dem er arbeitete, unter einen Holztisch hechtete und sich selbst aus dem Schutt des eingestürzten Gebäudes retten konnte. Er hatte für mich und meinen britischen Kollegen, James, die letzten Tag als Übersetzer gearbeitet, mit perfektem Englisch, bewundernswerter Hingabe und Professionalität.
Ein Entschluss in Sekundenbruchteilen

Dank ihm fühlten wir uns sicher, dank ihm, erhielten wir einen Einblick in das unglaubliche Leid nach dem Horrorbeben. Es war ihm nicht einmal anzumerken, dass seine Heimatstadt gerade in ein apokalyptisches “Killing Field” verwandelt worden war und viele seiner Familienmitglieder als vermisst galten.

Jetzt aber stehen wir am Rollfeld vor einer amerikanischen C-130-Transportmaschine, die für die Evakuierung von Erdbeben-Opfern gerade beladen wird. Die Destination: Ein Luftwaffen-Stützpunkt in Florida. Vor der Laderampe warten Haitianer geduldig auf den Einstieg in den riesigen Cargoraum.

Leon hat in Sekundenbruchteilen einen kaum vorstellbaren, spontanen Entschluss gefasst. Das Flugzeug, Florida. Die Chance, hier rauszukommen: Es würde sie so nie wieder geben.

“Ich muss da rein”, zeigte er auf den Flieger. Wir stehen fast wie festgefroren da, doch kapieren rasch: Todernst meint er es.

Es ist schon erstaunlich: Nur mit einem Rucksack am Rücken will er los, raus aus Haiti – schon davor das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, jetzt eine mit Verwendungsgestank überzogene Kraterlandschaft.
Er drückte uns die Hand – und ging los

Familie, Freunde, Heimat, sein ganzes Existenz bisher. Leon musste in wenigen Momenten beim Anblick des Flugzeuges alles abwägen, eine Entscheidung treffen – über eine dramatische Weggabelung in seinem Leben.

Beim Aufwachen noch hatte er keinerlei Ahnung, was dieser Tag bringen werde. Dass er im Bauch einer US-Militärmaschine nach Florida fliegen, in Amerika mit nichts als einem T-Shirt und Jeans am Leib vor einem Neubeginn stehen würde.

Es ist schwer begreifbar, vor allem wenn man im Wohlstand aufwächst: Die Verzweiflung, die Sehnsucht, die Courage von Flüchtlingen.

James und ich wissen, dass wir ihn nicht aufhalten können – und wollen.

Leon notiert auf einem Zettel unsere Handy-Nummern, damit er uns kontaktieren könne, sollte er doch abgewiesen werden.

Seine Hände zittern, als er die Ziffern zu Papier bringt.

Mir läuft die Gänsehaut auf, meine Augen werden feucht: Ich erlebe gerade den bewegendsten Moment meiner Journalistenlaufbahn.

Der junge Haitianer schüttelt noch kurz unsere Hände, dreht sich nach wenigen Schritten kurz um, den Daumen nach oben. Dann hält er mit entschlossenen Schritten auf die Menschenschlange zu.

Wir hörten dann nicht mehr von ihm.

Monate später kontaktiert er James und erzählt, dass er es geschafft hat und jetzt in Miami lebe. Er erlangte über die Jahre offenbar einen legalen Status, hat eine Freundin und arbeitet aus Logistikmanager für eine Autoverleihfirma.

Auf Facebook sehe ich Bilder eines erfolgreichen Lebens, zuletzt grinste er mit einer Wollmütze am Kopf vom Times Square. Und jedes mal denke ich an die dramatischen Momente vor acht Jahren in der Bebenhölle von Port-au-Prince.

Leon ist einer dieser Immigranten, die Donald Trump mal kennenlernen sollte, bevor dieser fassungslos ignorante Mann über “Sch…loch-Länder“ urteilt.
Von den Haitianern können sich viele was abschauen

Ich habe Haiti insgesamt dreimal besucht, stets anlässlich von Desastern (Beben, Cholera und Hurrikan). Klar, Haiti ist bitterarm und die Slums von Port-au-Prince keine Augenweide. Doch nirgends auf der Welt habe ich so herzliche Leute getroffen wie dort – trotz des harten Lebens.

Viele Amerikaner, inklusive dem Präsidenten, könnten sich einiges abschauen von diesen zähen, von unvorstellbaren Katastrophen geprüften Menschen – besonders solche, die sich schon als Patrioten sehen, wenn sie nach jeder Kalamität auf Facebook “God bless you” posten.

Nach dem Trumps “Sh…hole-Gate”-Eklat publizierte Leon ein dramatisches und professionell produziertes Video auf Facebook: “Präsident Trump, ich habe dieses Video zusammengestellt für meine Landsleute”, schrieb er: “Haiti ist kein Drecksloch, wir sind hart arbeitende Menschen, denen alle Chancen verwehrt bleiben”.

Das Posting hatte mich in mehrerer Hinsicht aufgewühlt: Die Bilder der Berge grotesk verrenkter und erstarrter Leichen, die wir vor den Massengräbern sahen, werde ich mein Leben lang nicht aus dem Kopf kriegen.

Wie aber auch die Erinnerungen an jenen Moment, als Leon mit einer blitzschnellen, spontanen Entscheidung die Chance auf ein neues Leben beim Schopf packte.

Und gleichzeitig verdreht es einem den Magen, wenn man an die widerlichen Bemerkungen im Oval Office denkt.

Herbert Bauernebel ist freier US-Korrespondent in New York seit 1999. Er leitet dazu das Info-Portal AmerikaReport.de mit Blogs, Analysen und News – von „Breaking News“ bis Politik-Aufregern, von Trends aus dem „Silicon Valley“ bis zur Wall Street.



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13 Kommentare

  1. Statt Einzelbeispiele als Gegenargument zu verwenden und Political Correctnes zu bemühen, reicht es, einen Blick auf den Korruptionsindex (http://www.laenderdaten.de/indizes/cpi.aspx) zu werfen. Begleitend empfehle ich diese Lektüre, http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2018/01/es-gibt-viele-dreckslocher-auf-der-welt.html

    1. @leser, in der empfohlenen Lektüre ist zu lesen: Als Obama das Wort „shit show“ für Libyen verwendete, haben aber die, die heute über Trump herfallen, sich nicht darüber aufgeregt und ihn einen Rassisten genannt.
      Tatsächlich war es doch so, dass er Cameron einen „beschissenen Auftritt, einen beschissenen Job, einen Saustall“ vorgeworfen hatte:
      http://www.epochtimes.de/politik/welt/obama-libyen-dank-cameron-und-sarkozy-eine-shit-show-a1313478.html
      Hier werden Tatsachen vollkommen verdreht, das kann bestenfalls als unseriöser und suggestiver Journalismus und Populismus in Reinkultur bezeichnet werden. Bei solchen Artikeln wird mir regelmäßig schlecht.

  2. One Of A Million

  3. Und was, lieber @leser, sagt die Wahrnehmung der Korruption bei der Führungselite, bei Amtsträgern und Politikern, also bei einem kleinen Prozent(Promille)satz der Gesamtbevölkerung über ein Land bzw. ein ganzes Volk aus? Richtig, gar nichts!
    Und wieso lenkt man jetzt andauernd von der unverschämten und beleidigenden Terminologie der Shithole countries ab, indem man die Korruption der herrschenden Elite, eines verschwindend geringen Anteils an der Gesamtbevölkerung, vorschiebt?
    Unabhängig davon können Sie vielleicht solche Äußerungen am Stammtisch unter Gleichgesinnten machen, aber nicht ein Präsident im amerikanischen Senat vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Und schon gar nicht in dem Bewusstsein, dass die eigene Politik, das eigene Land, die eigene Wirtschaft genau diese korrupten Machteliten schürt und fördert und dadurch in hohem Maße mitverantwortlich an den elenden und menschenunwürdigen Zuständen solcher Länder oder fast eines ganzen, rohstoffreichen Kontinentes mit enormen Gold- und Diamantenvorkommen ist.

    1. Der Korruptionswahrnehmungsindex wird gemeinhin als Korruptionsindex bezeichnet, https://de.wikipedia.org/wiki/Korruptionswahrnehmungsindex. Ein Index, der die wirkliche Korruption misst, ist mir nicht bekannt; die Datenerhebung dürfte aus naheliegenden Gründen schwer möglich sein.

      Wenn man sich das untere Drittel der Länder im Index anschaut, dann ist m.E. der Zusammenhang mit der – zugegebenermaßen nicht diplomatentauglichen Bezeichnung – evident.

      Zu den Ursachen ist dem verlinkten Artikel einiges gesagt. Dort heiß es beispielsweise:

      „Libyen ist ein Drecksloch geworden, weil die NATO das Land in die Steinzeit gebombt hat, um auf Wunsch der Gutmenschen das Land zu „demokratisieren“ und einen „bösen Diktator“ zu entfernen.

      Sogar Obama hat nach dem Krieg gesagt, Libyen wäre eine „shit show“ und die europäischen Alliierten hätten darin versagt, das Land unter Kontrolle zu bringen.“

      1. Aber jetzt bitte nicht auch noch shit-show mit shithole gleichsetzen. Sonst wird es lächerlich realitätsverzerrend:
        http://context.reverso.net/%C3%BCbersetzung/englisch-deutsch/your+shit+show

  4. Oh mein Gott, wer diese Nachricht glaubt ist selbst schuld. So degeneriert sind nicht mal die Demokraten.

  5. Warum jetzt noch dieser Artikel?
    Und das, wo die Aussagen von „Leon“ m. E. vollkommen am Thema vorbei gehen.
    Liege ich falsch mit der Annahme, dass Trump sich mit seiner angeblichen Beschimpfung, ausschließlich auf die Staatengebilde, auf das Land bezog?
    Wieso sollte Trump dann mal bitteschön diesen Haitianer kennenlernen (der es übrigens vorzieht in Miami zu bleiben)? Oder hat Trump die Menschen als Faulenzer tituliert, die nicht „hart arbeiten“?

    Mich wundert zudem, dass FMW in Kauf nimmt, eine Unterlassungsklage an den Hals zu bekommen, wo doch in den anderen Publikationen stets „nur“ von „Dreckslöchern“ berichtet wird. Schlimmstenfalls mal in der einen oder anderen auch von Drecksloch-Ländern. Hier lese ich heute jedoch zum wiederholten Mal einen Ausdruck, der wahrlich beleidigend ist. Selbst wenn er nicht Buchstabe für Buchstabe ausgeschrieben wurde. Jemandem öffentlich nachzusagen, dass jener sowas behauptet hätte ist rufschädigend, wenn sich rausstellt, dass er es nicht tat.
    Ich unterstelle mal dem Mainstream, dass dort genüsslich der unsägliche Begriff verwendet worden wäre – falls die Übersetzung aus dem amerikanischen Sprachkontext das denn zulassen würde.

    1. @Gerd, wenn ich Ihre Aussage richtig interpretiere ( angebliche Beschimpfung ), hat Trump vermutlich gar nicht den Begriff „shithole countries“ verwendet. Man wiegelt ja inzwischen auch schon ab, er habe ja „nur“ shithouse countries gesagt. Also Scheißhausländer, was doch schon wesentlich besser, salonfähiger, staatsmännischer und deutlich weniger beleidigend klingt, als die ursprüngliche Beleidigung.

      Dass er sich allerdings lediglich auf das „Staatengebilde“, das Land (Regierung, Behörden, wirtschaftliche Machthaber, was auch immer) bezogen hat, damit liegen Sie tatsächlich vollkommen falsch und im Land der Träume, Märchen, Spekulation und Suggestion. Was liefert an folgender Aussage Anlass zu Interpretierungen: „Why are we having all these people from shithole [oder shithouse, Anm. des Kommentators] countries come here?“
      Warum sind all diese Menschen aus Sch…ländern zu uns gekommen, warum müssen die noch immer zu uns kommen, warum müssen wir die hier bei uns noch immer haben/dulden. Mir wären Immigranten aus Norwegen viel lieber.
      Hierin eine reine Kritik an den Regierungen und Mächtigen der jeweiligen Länder herauszulesen, fällt sehr schwer.

      Unterlassungsklage? Die FMW zitiert doch nur eine deutlich als solche gekennzeichnete Kolumne eines freien Journalisten, das sollte doch wohl noch erlaubt sein, bis man irgendwann von alternativer Seite die Pressefreiheit wieder abschafft.

      Ich frage mich daneben ohnehin, warum in greatest und biggest shithole country of the world Gespräche des Präsidenten mit Senatoren nicht offiziell dokumentiert werden, sodass solche wahnwitzigen Diskussionen überhaupt aufflammen können?! Sicher geht es dabei um die nationale Sicherheit ;)
      Oder könnte das stabile Genie nicht einfach eindeutige, klare und unmissverständliche Worte verwenden, die jede Diskussion von vornherein obsolet machen?

      Unabhängig davon, wenn jemand zu mir sagen würde, ich entstamme einem Scheißloch, Scheißhaus oder Drecksloch, würde ich in jeder dieser Interpretationen eine Beleidigung sehen und eine entsprechende Beleidigungsklage anstrengen, auch wenn mir am Ende eine Unterlassungsklage durch die üblichen Rechts- und Sinnverdreher drohen würde.

      1. @Michael, die Mühe hätten Sie sich sparen können, denn @Gerd hat vollkommen recht. Nach Rücksprache mit einem Dutzend akkreditierter, langjähriger und erfahrener Dolmetscher steht unmissverständlich fest, was Mr. Trump mit seinem staatsmännischen und schwer zu übersetzenden Satz eigentlich kommunizieren wollte. Nachfolgend die korrekte Übersetzung, gewisse Ausdrücke und Interpretationen der offiziellen Sprache aus dem Weißen Haus nenne ich nicht mein Eigen:
        Im Sinne und der Tradition seit Entstehung der großartigen amerikanischen Nation laden wir weiterhin Menschen andersartiger Abstammung und aus fremdartigen Kulturen ein, unser einmaliges Land mit ihrer Vielfalt, Kraft und Kreativität zu bereichern, wie wir es seit fast 250 Jahren kontinuierlich praktiziert haben.
        So, wie wir den amerikanischen Ureinwohnern nach anfänglichen Plänkeleien und kleineren Missverständnissen in fairen und ehrlichen Verträgen die einmalige Möglichkeit geboten haben, anfänglich als unbewohnbar geltende Wüstengebiete ihr Eigen zu nennen und bewirtschaften zu dürfen, vorausgesetzt der notwendigen Neutralisierung ihres ungehemmten Bevölkerungswachtums.
        So, wie wir einer Unzahl von primitiven Menschen aus dem westafrikanischen Kontinent die Möglichkeit geboten haben, über zahlreiche Generationen hinweg Arbeit zu finden und in gehobene Positionen des Chefgärtners, Chefkochs oder Chefbutlers aufzusteigen, vorausgesetzt der notwendigen Neutralisierung ihres ungehemmten Bevölkerungswachtums.
        Die Erfüllung des großen amerikanische Traums also, den sich viele wahre Amerikaner niemals erfüllen konnten.
        So, wie es in unserer großartigen Verfassung mit den 500 Zusatzartikeln theoretisch fast ausnahmslos geregelt ist.
        Leider muss ich mich als Philanthrop immer wieder bestürzt und entsetzt fragen, wie und warum korrupte Scheißhausregierungen in Zwergenstaaten wie Haiti, El Salvador und Afrika ;) über dunkle Mittelsmänner wieder und wieder verbrecherische und menschenfeindliche Allianzen mit den größten Scheiß- und Arschlöchern aus der Führungsebene unserer und anderer globaler Dreckskonzerne schmieden können.
        „Why are we having all these people from shithole countries come here?“
        Warum kommen die alle zu uns? Warum bekämpfen wir nicht die Ursachen im eigenen Land, die dazu führen?

  6. Für alle, die es noch nicht gesehen haben, hier ein cooles, amüsantes und ironisches Video zu den Entgleisungen des Genies:
    https://www.youtube.com/watch?v=XCz66YlNbPQ

  7. Kein Wort über Bush und Clintons Stiftung zu Haiti und wie sie die Millionen selber einsteckten,wie sie die bezahlten Gelder von Menschen der Erde einfach klauten. Dieser Artikel ist gefakt bzw. garantiert von gewissen auserwählten gesetzt. Ekelhaft

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