Folgen Sie uns

FMW

Donald Trump und die „Lügenpresse“

Donald Trump nutzt Twitter für seine politischen Botschaften – das ist ein Staatsstreich mit anderen Mitteln, die Öffentlichkeit aber bleibt ausgesperrt. Trump wird die US-Politik wohl mehr verändern wird als jeder Präsident vor ihm in den letzten Jahrzehnten..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Man kann ja (und sollte vielleicht auch) die etablierten Medien für ihre Berichterstattung kritisieren – wenn man verstehen will, was derzeit bei eben diesen etablierten Medien passiert, geht es vor allem um´s Geld. Kostenpflichtige Online-Angebote wie beim Spiegel mit Spiegel plus funktionieren nicht, Print sowieso nicht mehr kostendeckend, und das Hauptproblem ist, dass man versucht, in der Berichterstattung den kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen, um die Zielgruppe möglichst breit zu halten. Eines der grundsätzlichen Probleme der etablierten Presseorgane ist, dass ihnen nicht klar ist, was den Unterschied zwischen Print und Online-Berichterstattung ausmacht. Letztere muß schnell sein, gewissermaßen live die Realität abbilden, auch wenn man dabei Fehler macht (was aufgrund der Schnelligkeit nicht immer zu vermeiden ist!).

Nun gibt es seit Donald Trump gewissermaßen auch eine offizielle Stimme für die Medienkritiker, mithin für diejenigen, die stets das Wort „Lügenpresse“ im Mund führen. Auffallend ist jedoch, dass diejenigen, die dieses Wort benutzen, sich doch eigentlich eine autoritäre Gesellschaft wünschen, in der die Pressefreiheit keinen Platz mehr hat.

Und genau das ist das Thema auch bei Donald Trump! Gestern hat der „president-elect“ erkärt, warum er seine Botschaften nicht, wie bislang Usus in der Politik, durch Pressekonferenzen etc. an den Mann/Frau bringt, sondern eben mit Twitter-Kommentaren:

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Das heißt übersetzt nichts anderes als: weil die Lügenpresse eben lügt, gehe ich eben den Weg über Twitter. Das alles ist schon deshalb hoch problematisch, weil sich Trump damit jeder Diskussion, jedem Einwand schlicht entzieht. So etwa mit dieser Serie von Tweets zum Thema Steuern für US-Unternehmen, die Jobs ins Ausland verlagern:

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Trump will also eine Steuer von 35% einführen für Firmen, die Jobs ins Ausland verlagert haben und dann ihre dort produzierten Produkte/Dienstleistungen wieder in die USA importieren. Die Sache hat nur einen Haken: selbst wenn Trump Präsident ist ab dem 20.Januar 2017, kann er das schlicht nicht machen! Es ist gegen die US-Verfassung. Der US-Präsident kann zwar Zölle für Sektoren oder Produktgruppen verhängen (braucht dabei aber die Zustimmung des Kongresses), aber er kann eben nicht einzelne Firmen mit einer solchen Sondersteuer belegen. Hätte Trump das öffentlich vor der Presse gesagt, hätte man ihm genau das erwidern können – und Trump wären dann gezwungen gewesen, dazu etwas zu sagen, wie er das überhaupt umsetzen will.

donald-trump-4
Donald Trump. Foto: Michael Vadon / Wikipedia (CC-BY-SA 4.0)

Im Grunde läuft die Twitter-Strategie Trumps darauf hinaus, die Öffentlichkeit auszusperren. Kritik und Diskussion: unmöglich. Das ist in jeder Hinsicht undemokratisch. Mithin also eine Art Staatsstreich – und wie jeder Staatsstreich ist die Informationspolitik das entscheidende Kriterium, um Macht durchzusetzen.

Wenn man sich, wie Trump, der Überprüfbarkeit der eigenen Aussagen entzieht – und genau das wirft Trump ja der Presse vor, seine Aussagen zu kritisieren durch Überprüfung – dann ist sogar der Weg in eine Social-Media-Diktatur nicht mehr weit. Fakt ist, dass Donald Trump die US-Politik wohl mehr verändern wird als jeder Präsident vor ihm in den letzten Jahrzehnten. Für die Demokratie selbst, für eine offene Rivalität von Meinungen und Lösungsansätzen für Probleme ist das eine Hiobsbotschaft.

Wenn Trump faktisch von „Lügenpresse“ spricht, meint er damit: ich will eine autoritäre Gesellschaft unter meiner Herrschaft! Vielleicht sollte Pegida Trump auf diesen neu-deutschen Begriff „Lügenpresse“ einmal hinweisen..

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Thomas

    6. Dezember 2016 11:15 at 11:15

    Und was hält die Presse davon ab die Twitter Aussagen von Trump zu kritisieren und zu überprüfen?
    Ich kann diesen Gedankengang von „Öffentlichkeit aussperren“ gerade nicht nachvollziehen.

    • Avatar

      r00ky

      6. Dezember 2016 11:21 at 11:21

      Twitter ist in dem Fall wie eine Einbahnstraße für Trump. Er schickt seine Meinungen die Straße rauf, Gegenverkehr gibts keinen. Auch wenn es, basierend auf seinen Tweets, Diskussionen gibt, muss er sich diesen noch lange nicht stellen.

      • Avatar

        Thomas

        6. Dezember 2016 14:30 at 14:30

        Ob seine Aussage auf Twitter oder in einem Printmedium erscheint, ist für die anschließende öffentliche Diskussion völlig unbedeutend. Sich persönlich dieser stellen muss er sich bei beiden nicht.

    • Avatar

      Feldmaen

      6. Dezember 2016 11:33 at 11:33

      Das sehe ich auch so! Und die Massenmedien würde ich auch nicht als Stellvertreter der Öffentlichkeit sehen, eher als Sprachrohr der Eliten, welche uns Ihre Meinung einimpfen wollen (man denke an den US – Wahlkampf). Wir haben doch mehr denn je die Möglichkeiten unsere Meinungen öffentlich zu machen, hiermit geschehen!

      • Avatar

        Feldmaen

        6. Dezember 2016 11:34 at 11:34

        @Thomas

    • Avatar

      Walter Schmid

      6. Dezember 2016 11:39 at 11:39

      In der Tat, ich kann es auch nicht nachvollziehen. Dass Donald Trump den zu großen Teilen gelenkten Medien zuvorkommen will, verwundert mich jetzt nicht wirklich.

  2. Avatar

    gerd

    6. Dezember 2016 11:57 at 11:57

    Ob er letztlich nicht die Gruppe von Produkten mit einem gesonderten Einfuhr-Steuersatz belegen kann, die von amerikanischen Unternehmen im Ausland gefertigt werden, weiß ich nicht.
    Ich denke aber, dass es auch jetzt schon unterschiedliche Steuersätze gibt für diese und jene Produktgruppen. Und für verschiedenen Länder.
    Und das ohne Missachtung der Verfassung.

    Mir fällt auf Anhieb übrigens kein deutsches Unternehmen ein, welches Produkte im Ausland fertigt, um damit Deutschland zu beliefern.
    Es gab wohl mal den Beetle/Käfer, der in Mexico für VW hergestellt wurde und von dem ein paar dann auch noch hierzulande gekauft wurden.

    Und ob Trump eine autoritäre Gesellschaft will unter seiner Herrschaft. Ja, das weiß ich erst recht nicht.
    Ob FMW das so genau weiß?

    • Avatar

      Feldmaen

      6. Dezember 2016 12:17 at 12:17

      Adidas z.B. produziert doch fast alles im Ausland. Will jetzt aber wohl wieder Schuhe in Deutschland fertigen, mit Robotern. Super! Und wer liefert die Roboter?

    • Avatar

      simi

      6. Dezember 2016 12:19 at 12:19

      Der Polo kommt aus Spanien, Audi TT und die Cabrios aus Ungarn, ich denke es gibt weniger deutsche Firmen die ausschließlich in D produzieren als andersrum.

      http://www.focus.de/finanzen/news/tid-7140/spielzeug_aid_70086.html

  3. Avatar

    Nobbi

    6. Dezember 2016 12:22 at 12:22

    solange die Tagesschau weiter korrupt und einseitig berichtet, werden Leute wie ich weiter von einer Lügenpresse ausgehen. Ob dies in Russland USA oder DE ist.. Medien sind nunmal nicht FREI und haben meist eine Agenda! Traurig aber Wahr und solange dies der Fall ist gehört dies angeprangert!! Trump hat vollkommen Recht auf die Medien zu schei**en.. sollen die sehen wo sie bleiben mit einer einseitigen Berichterstattung.. es ist nur eine Frage der Zeit bis neue Medien(soziale) diese Lücke ausfüllen!
    http://www.focus.de/politik/videos/tagesschau-berichtete-nicht-ueber-fall-maria-l-user-empoert-ueber-schweigen-der-ard_id_6301613.html

  4. Avatar

    Schleswig-Holsteiner

    6. Dezember 2016 17:21 at 17:21

    Meiner Meinung nach sollte man mit Journalisten alles machen, nur nicht mit ihnen reden.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Bitcoin

Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Der Chart, der die Welt erklärt! Videoausblick

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte gestern am US-Feiertag erwartungsgemäß uninspiriert – auch heute ist durch den verkürzten Handel in den USA am Black Friday nicht viel zu erwarten. Aber übergeordnet gilt: es gibt einen Chart, der die ganze (Wirtschafts-)Welt erklärt: dieser Chart zeigt, dass seit den 1980er-Jahren die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft! Und dieser Trend explodiert seit der Finanzkrise geradezu, die Coronakrise wiederum bringt dann die nächste Eskalationsstufe in Sachen Schulden und Geld drucken. Die Notenbanken versuchen mit ihrem Liquiditäts-Exzess diese Verschuldungs-Spirale und damit die Wohlstandsillusion am laufen zu halten – die Aktienmärkte und die Anleihemärkte spiegeln diesen Exzess geradezu beispielhaft wider!

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Wichtige Botschaften! Videoausblick

Die Aktienmärkte heute aufgrund des US-Feiertags wohl eher ruhig. Aber es gibt heute dennoch sehr wichtige Botschaften für die Zukunft!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte dürften heute aufgrund des US-Feiertags Thanksgiving einen ruhigen Handelstag vor sich haben. Aber es gibt dennoch sehr wichtige Botschaften, die das größere Bild in den nächsten Tagen und Wochen prägen sollten: so dürfte die Fed Änderungen bei Anleihekäufen vornehmen (operation twist) und denkt bereits über Tapering (Reduzierung des Kaufvolumens) nach. China dagegen will bereits die Stimulus-Maßnahmen zurück fahren. Und Italien will von der EZB einen Schuldenerlass – das ist der Beginn von Forderungen, die ausufernden Schulden einfach zu streichen (aber wer hat dann den Schaden?). Kann der Dax ohne die US-Indizes heute Dynamik entwickeln? Ohne die Aktienmärkte der USA ist Europa aber wohl allein zu Haus – und langweilt sich..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage