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Donald Trump und die „Lügenpresse“

Donald Trump nutzt Twitter für seine politischen Botschaften - das ist ein Staatsstreich mit anderen Mitteln, die Öffentlichkeit aber bleibt ausgesperrt. Trump wird die US-Politik wohl mehr verändern wird als jeder Präsident vor ihm in den letzten Jahrzehnten..

FMW-Redaktion

Man kann ja (und sollte vielleicht auch) die etablierten Medien für ihre Berichterstattung kritisieren – wenn man verstehen will, was derzeit bei eben diesen etablierten Medien passiert, geht es vor allem um´s Geld. Kostenpflichtige Online-Angebote wie beim Spiegel mit Spiegel plus funktionieren nicht, Print sowieso nicht mehr kostendeckend, und das Hauptproblem ist, dass man versucht, in der Berichterstattung den kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen, um die Zielgruppe möglichst breit zu halten. Eines der grundsätzlichen Probleme der etablierten Presseorgane ist, dass ihnen nicht klar ist, was den Unterschied zwischen Print und Online-Berichterstattung ausmacht. Letztere muß schnell sein, gewissermaßen live die Realität abbilden, auch wenn man dabei Fehler macht (was aufgrund der Schnelligkeit nicht immer zu vermeiden ist!).

Nun gibt es seit Donald Trump gewissermaßen auch eine offizielle Stimme für die Medienkritiker, mithin für diejenigen, die stets das Wort „Lügenpresse“ im Mund führen. Auffallend ist jedoch, dass diejenigen, die dieses Wort benutzen, sich doch eigentlich eine autoritäre Gesellschaft wünschen, in der die Pressefreiheit keinen Platz mehr hat.

Und genau das ist das Thema auch bei Donald Trump! Gestern hat der „president-elect“ erkärt, warum er seine Botschaften nicht, wie bislang Usus in der Politik, durch Pressekonferenzen etc. an den Mann/Frau bringt, sondern eben mit Twitter-Kommentaren:

https://twitter.com/realDonaldTrump/status/805804034309427200

Das heißt übersetzt nichts anderes als: weil die Lügenpresse eben lügt, gehe ich eben den Weg über Twitter. Das alles ist schon deshalb hoch problematisch, weil sich Trump damit jeder Diskussion, jedem Einwand schlicht entzieht. So etwa mit dieser Serie von Tweets zum Thema Steuern für US-Unternehmen, die Jobs ins Ausland verlagern:

https://twitter.com/realDonaldTrump/status/805376548882776064

https://twitter.com/realDonaldTrump/status/805378393537658880

https://twitter.com/realDonaldTrump/status/805380553008680961

Trump will also eine Steuer von 35% einführen für Firmen, die Jobs ins Ausland verlagert haben und dann ihre dort produzierten Produkte/Dienstleistungen wieder in die USA importieren. Die Sache hat nur einen Haken: selbst wenn Trump Präsident ist ab dem 20.Januar 2017, kann er das schlicht nicht machen! Es ist gegen die US-Verfassung. Der US-Präsident kann zwar Zölle für Sektoren oder Produktgruppen verhängen (braucht dabei aber die Zustimmung des Kongresses), aber er kann eben nicht einzelne Firmen mit einer solchen Sondersteuer belegen. Hätte Trump das öffentlich vor der Presse gesagt, hätte man ihm genau das erwidern können – und Trump wären dann gezwungen gewesen, dazu etwas zu sagen, wie er das überhaupt umsetzen will.

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Donald Trump. Foto: Michael Vadon / Wikipedia (CC-BY-SA 4.0)

Im Grunde läuft die Twitter-Strategie Trumps darauf hinaus, die Öffentlichkeit auszusperren. Kritik und Diskussion: unmöglich. Das ist in jeder Hinsicht undemokratisch. Mithin also eine Art Staatsstreich – und wie jeder Staatsstreich ist die Informationspolitik das entscheidende Kriterium, um Macht durchzusetzen.

Wenn man sich, wie Trump, der Überprüfbarkeit der eigenen Aussagen entzieht – und genau das wirft Trump ja der Presse vor, seine Aussagen zu kritisieren durch Überprüfung – dann ist sogar der Weg in eine Social-Media-Diktatur nicht mehr weit. Fakt ist, dass Donald Trump die US-Politik wohl mehr verändern wird als jeder Präsident vor ihm in den letzten Jahrzehnten. Für die Demokratie selbst, für eine offene Rivalität von Meinungen und Lösungsansätzen für Probleme ist das eine Hiobsbotschaft.

Wenn Trump faktisch von „Lügenpresse“ spricht, meint er damit: ich will eine autoritäre Gesellschaft unter meiner Herrschaft! Vielleicht sollte Pegida Trump auf diesen neu-deutschen Begriff „Lügenpresse“ einmal hinweisen..



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11 Kommentare

  1. Und was hält die Presse davon ab die Twitter Aussagen von Trump zu kritisieren und zu überprüfen?
    Ich kann diesen Gedankengang von „Öffentlichkeit aussperren“ gerade nicht nachvollziehen.

    1. Twitter ist in dem Fall wie eine Einbahnstraße für Trump. Er schickt seine Meinungen die Straße rauf, Gegenverkehr gibts keinen. Auch wenn es, basierend auf seinen Tweets, Diskussionen gibt, muss er sich diesen noch lange nicht stellen.

      1. Ob seine Aussage auf Twitter oder in einem Printmedium erscheint, ist für die anschließende öffentliche Diskussion völlig unbedeutend. Sich persönlich dieser stellen muss er sich bei beiden nicht.

    2. Das sehe ich auch so! Und die Massenmedien würde ich auch nicht als Stellvertreter der Öffentlichkeit sehen, eher als Sprachrohr der Eliten, welche uns Ihre Meinung einimpfen wollen (man denke an den US – Wahlkampf). Wir haben doch mehr denn je die Möglichkeiten unsere Meinungen öffentlich zu machen, hiermit geschehen!

    3. In der Tat, ich kann es auch nicht nachvollziehen. Dass Donald Trump den zu großen Teilen gelenkten Medien zuvorkommen will, verwundert mich jetzt nicht wirklich.

  2. Ob er letztlich nicht die Gruppe von Produkten mit einem gesonderten Einfuhr-Steuersatz belegen kann, die von amerikanischen Unternehmen im Ausland gefertigt werden, weiß ich nicht.
    Ich denke aber, dass es auch jetzt schon unterschiedliche Steuersätze gibt für diese und jene Produktgruppen. Und für verschiedenen Länder.
    Und das ohne Missachtung der Verfassung.

    Mir fällt auf Anhieb übrigens kein deutsches Unternehmen ein, welches Produkte im Ausland fertigt, um damit Deutschland zu beliefern.
    Es gab wohl mal den Beetle/Käfer, der in Mexico für VW hergestellt wurde und von dem ein paar dann auch noch hierzulande gekauft wurden.

    Und ob Trump eine autoritäre Gesellschaft will unter seiner Herrschaft. Ja, das weiß ich erst recht nicht.
    Ob FMW das so genau weiß?

    1. Adidas z.B. produziert doch fast alles im Ausland. Will jetzt aber wohl wieder Schuhe in Deutschland fertigen, mit Robotern. Super! Und wer liefert die Roboter?

    2. Der Polo kommt aus Spanien, Audi TT und die Cabrios aus Ungarn, ich denke es gibt weniger deutsche Firmen die ausschließlich in D produzieren als andersrum.

      http://www.focus.de/finanzen/news/tid-7140/spielzeug_aid_70086.html

  3. solange die Tagesschau weiter korrupt und einseitig berichtet, werden Leute wie ich weiter von einer Lügenpresse ausgehen. Ob dies in Russland USA oder DE ist.. Medien sind nunmal nicht FREI und haben meist eine Agenda! Traurig aber Wahr und solange dies der Fall ist gehört dies angeprangert!! Trump hat vollkommen Recht auf die Medien zu schei**en.. sollen die sehen wo sie bleiben mit einer einseitigen Berichterstattung.. es ist nur eine Frage der Zeit bis neue Medien(soziale) diese Lücke ausfüllen!
    http://www.focus.de/politik/videos/tagesschau-berichtete-nicht-ueber-fall-maria-l-user-empoert-ueber-schweigen-der-ard_id_6301613.html

  4. Schleswig-Holsteiner

    Meiner Meinung nach sollte man mit Journalisten alles machen, nur nicht mit ihnen reden.

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