Konjunkturdaten

Donald Trump und statistische Zahlen – eine ganz besondere Beziehung

Über Trumps „Sachverhaltsquetsche“ bei seinen Aussagen über die US-Wirtschaft

Es kann einem nicht verborgen bleiben. Bei fast jedem Fernsehauftritt lobt der US-Präsident Trump die Errungenschaften der jetzigen US-Regierung und damit sich selbst. Dabei benutzt er häufig Vergleiche mit der Vorgängerregierung und er wendet dabei ein paar statistische Kniffe an, die zwar nicht korrekt sind, ihm aber gut für seine Protzerei gefallen.

 

Trump befindet sich bereits im Wahlkampf

Bei einer Rede vor wenigen Tagen in einer Kleinstadt in Ohio, mitten im Rostgürtel, schwärmte er von den jüngsten Wachstumszahlen.

3,1% sei die Wirtschaft auf Jahressicht gewachsen, sein Handelsministerium spricht von 2,9%, weil der Präsident einen unüblichen Quartalsvergleich (Q4 – 2017 zu Q4 2018) gewählt hatte. Er hatte zwar im Wahlkampf von 4% Wachstum gesprochen und jetzt gerade die Zahl erreicht, die Barrack Obama 2015 vermelden konnte. Also in einer Phase, wo es den USA nach seinen Aussagen so schlecht gegangen sei. Kein Wort darüber, dass er dieses Niveau nur mit einer schuldenfinanzierten Steuerreform erreicht hat. Es seien Traumzahlen aus der Wirtschaft zu konstatieren, zweimal so hohes Wachstum als unter Obama.

 

Weitere trumpsche Wunschzahlen

Stolz verwies der Präsident auf die Armutsziffern in den USA, die auf 2,3% gefallen seien, in seiner Regierungszeit, sein Statistikamt kommt zwar auf 12,3%, aber was soll’s. Hier rechnet Trump mit den Ausgaben der Verbraucher und nicht mit den Einkommen, die sein Amt zugrunde legt. Wobei jeder weiß, dass US-Verbraucher gerne mit Kreditkarten shoppen gehen.

Laut Statistikamt betragen die Verbindlichkeiten der US-Bürger in diesem Bereich astronomische 13,5 Billionen Dollar. Auch der Abbau der Arbeitslosigkeit sei unter seiner Regierung einmalig in der Geschichte. Das Dumme daran ist nur, dass es unter Obama 2015 220000 monatlich neu geschaffene Stellen gab, im letzten Jahr unter Trump aber gerade einmal 200 000.

Dass es nicht viel besser gelaufen sei, ja das müsse man der Fed anlasten, mit ihren unnötigen Zinsanhebungen.

Deshalb hatte sich der Präsident im März für die Nominierung von Stephen Moore in das Entscheidungsgremium der Notenbank stark gemacht. Dessen Artikel im Wall Street Journal „Die Fed ist eine Bedrohung für das Wachstum“ hatte ihm sichtlich imponiert.

 

Fazit

Es ist jetzt schon abzusehen, dass der amtierende Präsident in den entscheidenden Wahlkampfwochen nicht davor zurückschrecken wird, „Sachverhaltsquetsche“ zu betreiben. Um im strahlenden Licht zu erscheinen, als einer, der „America great again“ gemacht hat. Dabei frage ich mich jetzt schon: falls es zu einem zyklischen Wirtschaftsabschwung bis dahin kommen sollte, welchen Schuldigen er hierfür präsentieren wird?

Einen Verdacht habe ich bereits..

 



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1 Kommentar

  1. 1886 sagte Abraham Lincoln:
    Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.
    Zu dieser Erkenntnis scheinen Trump und viele andere Mächtige auf dieser Welt (noch) nicht gekommen zu sein und sie überschätzen die Dummheit und Leichtgläubigkeit der Massen. Wird eine bestimmte Grenze überschritten, geht der Schuss nach hinten los.
    Gleichermaßen betrifft das auch die Börsen, wobei hier die Marktteilnehmer ganz besonders leichtgläubig sind, kann man ihnen doch die Aussicht auf unbegrenztes Wirtschaftswachstum und immerfort steigende Aktienkurse immer wieder aufs Neue verkaufen. Aber selbst hier dämmert es dem einen oder anderen dann doch, wenn auch sehr spät und erst nach vielen Jahren, dass alles seine Grenzen hat. :-)

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