Gold

Goldpreis fällt um 100 USD Doppelschlag aus China und den USA lässt Gold einbrechen

Goldbarren. Grafik: In-future - Freepik.com

Der Goldpreis ist am Freitagnachmittag unter die Marke von 2.300 USD gefallen, nachdem starke Arbeitsmarktdaten die Hoffnungen auf frühere Zinssenkungen der Fed zunichtegemacht haben. Infolgedessen stiegen US-Renditen und der Dollar, womit Gold unter Druck geriet. Der Kurseinbruch nahm seinen Anfang aber schon früher am Tag, als die Meldung, dass China seine Gold-Käufe pausiert, die Anleger zu Gewinnmitnahmen motivierte. Damit war der Doppelschlag besiegelt. Die Rekordjagd, die den Goldpreis am 20. Mai bis auf 2.450 USD geführt hat, könnte hiermit ein jähes Ende gefunden haben. Die rote Tageskerze von gestern – der Goldpreis sackte um rund 100 US-Dollar ab – lässt jedenfalls nichts Gutes erahnen.

Goldpreis bricht ein

Der Goldpreis sank im Zuge der schlechten Nachrichten letztlich unter die Marke von 2.300 USD je Unze und fiel damit so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr, so berichtet Bloomberg. Die überraschend starken US-Arbeitsmarktdaten zerstörten die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed in der Lage sein wird, die Zinsen bald zu senken.

Die Renditen von Staatsanleihen und der Dollar stiegen stark an, nachdem der Beschäftigungsbericht der US-Regierung für Mai ein deutlich über den Erwartungen liegendes Beschäftigungswachstum und hohe Löhne ausgewiesen hatte. Der Preis je Unze Gold brach zeitweise um bis zu 3,7 % ein, so stark wie seit August 2021 nicht mehr, während Silber sogar um 7 % nachgab. Auch andere Basismetalle verzeichneten weitere Rückgänge. Der nachfolgende XAUUSD-Chart zeigt den Verlauf von Gold und der 10-jährigen US-Rendite.

Gold: Goldpreis bricht nach China-Meldung und US-Arbeitsmarktdaten ein
Gold versus 10-jähriger US-Rendite

„Starke Arbeitsmarktdaten machten einen Großteil der Zinssenkungserwartungen, die sich in der vergangenen Woche aufgebaut hatten, zunichte“, sagte Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank AS. „Dieser Bericht hat endgültig die Tür für eine frühere Senkung der Zinsen geschlossen, da das Lohnwachstum anhält und die Beschäftigung robust bleibt“. Weitere Experten-Aussagen zu den heißen Arbeitsmarktdaten und möglichen Zinssenkungen der Fed in dem kurzen Video:

Keine schnelle Zinswende der Fed

Die Fed-Mitglieder haben zuletzt erklärt, sie bräuchten mehr Beweise dafür, dass sich die Inflation in Richtung des 2 %-Ziels der Zentralbank bewegt, bevor sie die Zinsen senken. Währenddessen suchen die Anleger nach Hinweisen auf eine weiche Landung der Wirtschaft, die Zinssenkungen in den USA rechtfertigen würden. Niedrigere Kreditkosten wirken sich normalerweise positiv auf das zinslose Gold aus – und umgekehrt.

Nachdem der Goldpreis auf einen Rekordwert von rund 2.450 USD je Unze gestiegen war, wurde er angesichts der Ungewissheit über den Zinspfad der Fed in einer recht engen Spanne gehandelt. Swap-Händler rechnen nun nicht mehr in vollem Umfang mit einer Zinssenkung vor Dezember.

Bei den NE-Metallen fiel Kupfer um 3,9 % auf den niedrigsten Stand seit dem 2. Mai, und Zink verzeichnete den stärksten Rückgang innerhalb eines Tages seit Oktober 2022.

China pausiert Gold-Kaufrausch

Der Goldpreis wurde bereits am Freitagmorgen niedriger gehandelt, als Daten zeigten, dass die chinesische Zentralbank im vergangenen Monat kein Gold kaufte und damit einen massiven Kaufrausch beendete, der sich über 18 Monate erstreckte und zum Anstieg des Edelmetalls beitrug. Die People’s Bank of China hatte ihre Reserven seit November 2022 aufgestockt und damit eine Flut von Käufen durch die globalen Zentralbanken vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen angeführt.

„Mein erster Gedanke ist, dass China – einer der Haupttreiber der Goldrallye im vergangenen Jahr – noch lange nicht mit dem Gold-Kauf fertig ist“, so Hansen. Die Pause zeigt nur, dass sie sich vor der Aussicht scheuen, rekordhohe Goldpreise zu zahlen.

Die Nachfrage der PBOC nach Goldbarren kommt daher, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt versucht, ihre Reserven zu diversifizieren und sich vor einer Währungsabwertung zu schützen. Nach Angaben des World Gold Council erreichten die Käufe der öffentlichen Institutionen weltweit im ersten Quartal ein Rekordniveau, wobei China der größte Käufer war.

Chinas nachlassender Gold-Appetit

Es hatte Anzeichen dafür gegeben, dass sich die chinesische Nachfrage abkühlt, da die höheren Goldpreise ihren Tribut forderten. Im April kaufte die PBOC nur 60.000 Feinunzen, gegenüber 160.000 Unzen im März und 390.000 Unzen im Februar. Die Einfuhren des Landes gingen im April gegenüber dem Vormonat um 30 % zurück.

Das Risiko für Goldbullen besteht darin, dass Chinas unersättlicher Appetit auf Gold das Edelmetall anfällig für mögliche Nachfrageverschiebungen macht.

Die jüngste Preisreaktion „sieht ein wenig technisch aus“, sagte Nicholas Frappell, globaler Leiter der institutionellen Märkte bei ABC Refinery in Sydney. „Es wäre überraschend, wenn die Ankündigung etwas anderes als eine Pause im allgemeinen Trend der anhaltenden Nachfrage des öffentlichen Sektors darstellen würde.“

Spot-Gold wurde um 16:08 Uhr in New York mit 2.288,53 USD je Unze gehandelt und lag damit 3,7 % unter dem vorherigen Schlusskurs. Der S&P/TSX Composite Gold Index sank sogar um 6,2 %. Silber, Platin und Palladium gaben allesamt nach, wobei Silber den stärksten Rückgang innerhalb eines Tages seit Februar 2021 verzeichnete.

FMW/Bloomberg



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14 Kommentare

  1. Das unter den Papiergoldspekulanten Unruhe herrscht, ist verständlich, wenn sie auf dem falsche Fuß erwischt wurden, zumal wenn sie sich das Geld dafür geliehen haben.
    Die auf dem richtigen Fuß standen, können sich freuen.
    Aber was interessiert das einen physischen Goldanleger? Wenn ich z.
    B. genau gerade jetzt mir doch ein Elektroauto kaufen wollte, dann würde ich 3, 4, oder vieleicht auch 10% weniger für die Unzen bekommen, die ich dann in Girogeld umtauschen müsste. Nach fasst 100% steuerfreien Kapitalertrag seit Anfang 2019, oder seit 2000 etwa 800% auf *alle Unzen* und dann auf die paar Unzen, die ich dann nur mir 95 oder auch nur mit 90% Kapitalertrag seit 2019 verkaufen würde(!?)
    Für den physischen Goldanleger ist das vollkommen unerheblich.
    Selbst bei einem normalen Verkauf gehen etwa 4% verloren, die dem Händler zustehen.
    Wie ich schon mehrfach geschrieben habe, habe ich auch schon über 30% Kursverfall mitgemacht. Danach hatte sich der Preis etwa verdoppelt.
    Ich sehe die ganze Sache sehr entspannt.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. Nachkaufkurse für die, die den Anstieg verpasst haben.
      Stärke Wirtschaft.. Na klar.. Deswegen steigt die Arbeitslosenzahl und das BIP fällt. Lach mich kaputt..

    2. Ihre Meinung trifft genau zu, jedoch kann ein Margin Call die Spekulation kurzzeitig beenden, bei denen, die Gold auf Kredit gekauft haben. Die Goldkapitalisten gehen gestärkt in die nächste Zeit.

      1. Hallo connectore,
        oder anders gesagt: Die physischen Horter gehen nicht geschwächt in die nächste Runde.
        Natürlich kann es auch noch erst einige Prozent nach unten gehen.
        Aber selbst wenn sich der Goldpreis halbieren würde, dann wären das seit 2000 immerhin noch etwa 400% steuerfreien Kapitalertrag.
        In der Zeit hat sich der DAX netto, einschließlich Dividenden, geade mal verdoppelt.
        Kein physischer Horter wird weltweit Montag bei der Bank um einen Kredit bitten, weil er sich verspekuliert hat.
        Was ist also für physische Horter passiert?
        Nichts!
        Nur heiße Luft.
        Ich bin echt gespannt, was sich die BRICS für ihr Treffen „ausgedacht“ haben.
        Entweder auch nur heiße Luft, oder ein Erdbeben.
        Bin mal gespannt.

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

        1. Wenn man den SP 500 nimmt mit 500 Aktien hat der seit 1970 um +5500 % zugelegt und da ein Kursindex fehlen die Dividenden + Zinseszins, also all incl dann weit über + 10 000 % Gesamtrendite seit 1970. Da hängt Gold und Silber weit hinterher und hier müssen noch jährlich die Verwahrkosten abgezogen werden sollte man nicht vergessen…..

  2. Tut nix zur Sache

    …komisch, wenn es am Aktienmarkt so laufen würde hätte man doch die Fanfaren rausgeholt und „buy the Dip“ geträllert. Gold darf nicht den Ruf als Spielverderber verlieren. Es lebe der ewige Aufschwung am Aktienmarkt! Immer rauf und niemals runter. Das Kartenhaus wird zur Not mit „KI-Kleber“ zementiert. Wenn’s noch preiswerter wird, Kauf ich halt für s gleiche Geld noch mehr Gold!

  3. die chinesen haben sich bisher sehr bedeckt zu ihren ankäufen gehalten. und nun posaunt man eine pause mit getöse hinaus. interessant nicht?
    ein schelm, der sich was dabei denken könnte…..
    will da jemand niederere kurse haben um die „pause“ zu beenden? zudem hat man den westlichen longs (die gier war ja auch hier richtig greifbar) richtig eine reingehauen indem man auf die zu erwartend weiterhin dreist geschönten arbeitsmarktdaten für ein sich gegenseitig verstärkendes timing abgewartet hat. win-win nennt man das aus sicht der brics.

    1. @ost
      die PBoC veröffentlicht jeden Monat eine Statistik zu ihren Gold – und Devisenvorräten. Da wird weder was herauposaunt noch sich bedeckt gehalten. Man muss halt nur die Veröffentlichung dazu lesen.

      1. die veröffentlichungen sind natürlich retrospektiv.

        sollte ich unpräzise gewesen sein. „bedeckt“ im sinne eines klaren (startegischen) ausblicks. das öffentlichkeitswirksame läuten der pausenglocke ist doch eher ungewöhnlich, nicht?

        1. @ost
          das macht die pboc grundsätzlich nicht. Es gibt die monatlichen Berichte.

      2. Die PBoC tätigt, wie die anderen Zentralbanken auch, neben den offiziellen Statistiken, verdeckte Käufe und Verkäufe. Das sind richtig große Zocker am Werk. China möchte unabhängiger vom USD werden, aber nicht um jeden Preis. Diese Strategie ist kein großes Geheimnis.

  4. GOLDILOCK gilt nur für Gold

    Niedrigere Zinskosten sollen sich positiv auf den Goldpreis auswirken?? Und wie negativ haben sich die stark gestiegenen Zinsen der letzten Jahre auf Gold ausgewirkt? ? Alles nur Tradergeschwafel, bitte den 10Jahreschart von Gold anschauen, da fühlt sich der kleine Rücksetzer wie eine 5 Sekunden-Schwäche eines Marathonläufers an. Eine starke Wirtschaft würde den Metallen und Rohstoffen sogar helfen, aber länger höhere Zinsen werden die Rezessionsmöglichkeit noch verstärken und wieder für Gold sprechen.
    Fazit: Gold ist die beste Langfristanlage und kurzfristige Ausschläge werden nur von Tradern bewertet und zwar blödsinnig.

    1. Wenn an der Börse Panik aufkommt fallen auch Gold und Silber. Siehe 2008 beim Bankencrash oder im März 2020. Im März 2020 ist SIlber sogar auf 12 Dollar abgesoffen und heftiger wie Aktien gefallen. Minen ebenfalls abgestürzt. Gold ist zwar stabiler aber fällt auch.

  5. Das war dann wohl ein sogenannter „Doppelwumms“ und – schwupps-die-wupp – sogleich macht’s für den Goldpreis „rumms“. Tja, so was kann schon mal passieren.

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