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Dow Jones Industrial Average – ein Relikt der Vergangenheit

Warum der Dow Jones ein Relikt der Vergangenheit ist, das nicht mehr in unsere Zeit passt!

Der weltweit bekannte US-Index, Dow Jones Average, kurz immer nur als Dow bezeichnet, versucht sich zu modernisieren. Unter anderem mit der Herausnahme des ältesten Mitglieds, des Ölriesen Exxon, der schon seit 92 Jahre Teil des Index war. Ziel ist es also, den Anteil an modernen Unternehmen zu erhöhen – aber die Aufnahme des Softwarekonzerns Salesforce zeigt bereits am ersten Tag ein großes Problem. Und dies hängt mit der Konstruktion des Index zusammen.

Dow Jones: Der Umbau zur Moderne

Um die Merkwürdigkeit des Aufbaus des Dow Jones zu verstehen, nämlich nach nominalem Aktienwert und nicht nach Marktkapitalisierung wie bei allen anderen Indizes zu bewerten, braucht man sich nur das Verhältnis der Dow-Mitglieder JP Morgan und Travelers zu betrachten. Die größte US-Bank JP Morgan kostete am Mittwoch zu Börsenschluss etwa 99 Dollar, das Versicherungsunternehmen Travelers gute 113 Dollar. Damit betrug das Gewicht der Bank circa 2,4 Prozent, das des Versicherers aber 2,8 Prozent. Travelers ist also vor dem Bankriesen positioniert, und das obwohl der Umsatz von Travelers im Jahr 2019 nicht einmal ein Drittel im Vergleich zu JP Morgan beträgt. Skurriler könnte eine Börsenliga eigentlich nicht aufgestellt sein.

Zurück zum Umbau: Aufgrund des Aktiensplits von Apple im Verhältnis vier zu eins verändert sich das Gewicht der teuersten Firma der Welt im Index von 12 auf 3 Prozent, wegen der Reduktion des Nominalwertes von etwa 500 auf 125 Dollar. Um ein Absacken des Anteils der Tech-Unternehmen um 9 Prozent zu verhindern, nimmt man im Index gleich mehrere Veränderungen vor. Der Ölkonzern Exxon, der Pharmariese Pfizer und der Rüstungskonzern Raytheon, alle gerade noch 60, bzw. 40 Dollar nominal wert, verlassen den Dow Jones. Hineinkommen werden die Software-Firma Salesforce, die Biotech-Firma Amgen und der Industrie – und Mischkonzern Honeywell. Der Umbau soll vor Börsenöffnung am 31. August in Kraft treten.

Und es wird schon wieder skurril: Denn der Börsenkurs des 1999 gegründeten Unternehmens Salesforce von 276 Dollar, bei einer Marktkapitalisierung von fast 200 Milliarden Dollar (nach ganz hervorragenden Quartalszahlen), bringt aufgrund des hohen Aktienkurses den Neuling gleich auf die vierte Stelle im Dow Jones – noch vor Microsoft mit seiner achtmal so hohen Marktkapitalisierung.

Optisch teure Unternehmen kommen nicht in den Index

Dass diese Merkwürdigkeit des Index bereits Jahrzehnte Bestand hat, sieht man bereits an einem Beispiel. Die astronomisch teure, weil nie gesplittete Aktie von Warren Buffett, Berkshire Hathaway, konnte und kann niemals mit dieser Methodik in den Index aufgenommen werden. 320.000 Dollar – das wäre der Index. So ist es auch derzeit nicht möglich, Amazon in den Dow Jones aufzunehmen, mit seinem Aktienwert von 3400 Dollar, auch hier käme man gleich auf 70 Prozent Indexgewicht. Oder auch die Internet-Ikone Google (Alphabet) mit ihrem Aktienwert von über 1600 Dollar. Es gäbe sicher noch viele Beispiele aus der Vergangenheit, aber man sieht, dass die Entwicklung des Dow Jones in den letzten Jahrzehnten gewiss nicht der Entwicklung des Gewichts von Aktienwerten in den USA entsprochen hat.

Fazit

Wie lange will man an dieser altertümlichen Konstruktion noch festhalten?

Bisher fehlte im ehrwürdigen Dow Jones Average immer die 320.000 Dollar schwere Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Kann man vielleicht noch verstehen. Aber ohne Amazon, ohne Google beziehungsweise Alphabet oder Facebook die Wirtschaft eines Landes abbilden, die man mit dem Synonym Dow Jones häufig mit der Wall Street verbindet? Wobei wir wieder beim S&P 500 wären, der die Marktkapitalisierung der Unternehmen abbildet (was in einer Bubble auch recht fragwürdig ist), auf den nicht weniger als 11 Billionen schwere Indexfonds ausgerichtet sind. Was hat Warren Buffett seiner Frau empfohlen, nachdem er schon seit Jahren postuliert, dass es keinem gelingen wird, auf Dauer die Performance des Leitindex zu schlagen? Richtig, die Umschichtung ihres Vermögens in einen ETF auf den S&P 500..

Die Konstruktion des Dow Jones macht in der heutigen Zeit keinen Sinn mehr



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