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Dr. Jens Ehrhardt: Dax 2021 bei 16.000 Punkten, Deflation statt Inflation

Claudio Kummerfeld

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am

Laut Dr. Jens Ehrhardt wird der Dax weiter kräftig ansteigen

Dr. Jens Ehrhardt (hier mehr zu seiner Person) ist ein anerkannter Börsianer. Aber auch seine Meinung ist nur eine von vielen. Er betont in einem ganz aktuellen Videobeitrag, dass er auch im Tief des Börsencrash im März diesen Jahres seine Prognose bestätigt hatte. Der Dax werde nächstes Jahr bei 16.000 Punkten notieren.

Dax 16.000 Punkte laut Dr. Jens Erhardt

Und heute erneuert er diese Prognose. 16.000 Punkte für das nächste Jahr, das sei für den Dax sogar eher eine bescheidene Prognose. Bei Börsenkursen gehe es nun mal nicht um wirtschaftliche Realitäten, sondern um Angebot und Nachfrage im Handel, so seine Aussage. Die Notenbanken würden immer weiter Liquidität in die Märkte pumpen. Und irgendwo hin müsse all dieses neue Geld fließen. Es treibe die Börsenkurse an. Auch bei seiner letztjährigen Gold-Prognose von 2.000 Dollar hätte ihn so mancher schief angeguckt. Und jetzt sei sie eingetreten. Und warum der Dax derzeit noch so gut aussehe? Die Börsianer würden nun mal in den Kursen die realwirtschaftliche Entwicklung ein halbes Jahr vorwegnehmen! Und wie Dr. Jens Erhardt schon richtig sagt im Video… so weit entfernt sind die 16.000 Punkte von heutiger Sicht aus gar nicht mehr. Nur noch ein klein wenig zusätzliche Euphorie… der Sprung von 12.500 Punkten rauf auf 16.000 ist ja nicht mehr so groß?

Inflation?

Wo viele andere Kommentatoren wie Markus Krall etc eine Hyperinflation oder zumindest eine deutlich spürbare Inflation anrollen sehen, da spricht Dr. Jens Ehrhardt heute eher von Deflation. Er nennt dafür auch konkrete Gründe. Ob er Recht hat oder doch eher die Krall-Fraktion? Wir werden das wohl erst in gut einem Jahr genauer wissen. Erhardt meint, dass Inflation für die nächsten 1-2 Jahre gar kein Thema sei.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Hesterbär

    3. August 2020 15:52 at 15:52

    Jens Ehrhardt ist Fondsmanager. Es gab noch nie einen Fondsmanager klassischer Aktienfonds, der nicht zumindest mittelfristig bullisch ist und entsprechende Reden schwingt. Es ist auf die eigenen Interessen ausgerichtetes wertloses Geplapper.

    Man könnte auch einen Vorstandsvorsitzenden einer großen Lebensversicherung fragen, ob Lebensversicherungen in der Zukunft noch irgendeinen Sinn machen oder man könnte den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank nach den Zukunftsaussichten seines Instituts befragen oder einen Politiker, ob er seine Politik für gut hält.

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      Bernhard Zimmermann

      3. August 2020 17:04 at 17:04

      Ja, kann schon sein. Und Krall will sein Gold verkaufen. Darum redet der ständig von Crash und Inflation. Ich würde sagen Pari-Pari. Stehe auf Seiten Ehrhardts. Ich sehe die Inflation auch erst später. Jedenfalls nicht das nächste 1/2 Jahr. Wie auch, wir sind noch am Anfang der Corona-Krise. Für eine Inflation muss sich die Wirtschaft erst auf allen Ebenen nachhaltig erholen. Da reicht es nicht, wenn es ein paar „Kriegsgewinnler“ im IT-Bereich gibt.

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        Tom

        8. August 2020 14:02 at 14:02

        Moment mal, in Kralls wahrscheinlichsten Szenario warnt er eigentlich vor einer Inflation nach einem deflationärem Schock.

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      Columbo

      3. August 2020 17:16 at 17:16

      @Hesterbär

      Man könnte ebensogut den Vorstandsvorsitzenden eines großen Goldhandelsunternehmens fragen, wie sinnvoll Goldinvestments sind.
      „Es ist auf die eigenen Interessen ausgerichtetes wertloses Geplapper“.

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        Hesterbär

        3. August 2020 22:42 at 22:42

        Der Zwergpudel springt und springt und springt und wird einfach nicht größer.

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    Mario

    3. August 2020 16:11 at 16:11

    Die Börsianer würden nun mal in den Kursen die realwirtschaftliche Entwicklung ein halbes Jahr vorwegnehmen!…

    Also die übertreibung am ende 2019 hat die Realwirschaft von mitte 2020 gesehen…?!
    Was für eine jämerliche Abklärung für eine -12% BIP Wirtschaftleistung :-)

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    Kritisch on fire

    3. August 2020 17:00 at 17:00

    Schönen Tag!
    Ich finde ja die Diskrepanz der Meinungen von Dr. Krall und Dr. Erhardt einschließlich der hierorts verfassten Kommentare spannend. Wenn man Dr. Erhardt hinsichtlich der Entwicklung durch die Geldflutung der Notenbanken zuhört so ist er gar nicht so weit weg von den Vorraussagen Dr. Krall´s. Auch er sieht großes Gefahrenpotential aber natürlich in ferner Zukunft wogegen Dr. Krall das Crashszenario schon vor der Haustür sieht. Offensichtlich sind sich ja alle Ökonomen mit Verstand darüber einig, dass die Gelddruckorgien zu einem Desaster führen werden. Somit bleibt nur abzuwarten wer letztendlich Recht behält – Crash in absehbarer Zeit oder ferner Zukunft.
    Dass aber sowohl bei manchen Kommentatoren hier bei FMW aber auch von unseren Volksvertretern und deren Beratern die Meinung vertreten wird es würde sich alles zum Guten wenden und ein Börsencrash würde ob der Allmacht der Notenbanken niemals mehr passieren finde ich höchst bedenklich. Aber, wie gesagt die Uhr tickt und tickt und tickt!
    LG

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      Columbo

      3. August 2020 19:24 at 19:24

      @Kritisch on Fire

      Da hast du schon Recht. Auch Erhardt sagt , das derzeitige Szenario sei kein normales. Und Krall wiederum läßt sich in seinen Aussagen immer wieder Hintertürchen offen, indem er die Variantenvielfalt seines Szenarios betont.
      Die Naiven sind eher die, die blind einem einzigen Guru folgen, dessen Worte sie niemals in Zweifel ziehen. Dazu neigen naturgemäß eher Blogkommentatoren und andere Dilettanten.(Wobei ich mich selbst da gar nicht ausschließe).

  4. Avatar

    thinkSelf

    3. August 2020 19:51 at 19:51

    „Die Börsianer würden nun mal in den Kursen die realwirtschaftliche Entwicklung ein halbes Jahr vorwegnehmen!“
    Das ist der seit Jahrzehnten von Börsianern verbreitete Bullshit.

    Seine Einschätzung das in den nächsten ein bis zwei Jahren eher Deflation droht teile ich allerdings.

    Interessant fand ich übrigens die Aussage von Benjamin Deutsch das Russland inzwischen nur noch 54% seines Außenhandels auf Dollarbasis abwickelt. Vielleicht kommt es doch schneller zu einem massiven Dollarverfall (und da meine ich jetzt nicht 1,60€) als ich bisher angenommen habe.

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    Voll -Krall

    3. August 2020 21:35 at 21:35

    Wer hinter der Überzeugung von Herr Krall Firmeninteressen vermutet outet sich mit Null Menschenkenntnis. .Die Abneigung des Immernoch – Eurofans gegen Krall sowie seine oft verwirrenden Aussagen sind auffallend, leider nur negativ.Auch gegen @ Hesterbär lästert er oft.
    Hat für andere FMW Teilnehmer noch nie einen nützlichen Artikel geschrieben.

    • Avatar

      Carl

      4. August 2020 08:01 at 08:01

      @Voll-Krall Ich stimme Ihnen zu. Herr Krall bleibt seiner Linie treu und er bewirbt Gold nicht mehr, als er es auch schon vor der Übernahme des Geschäftsführer-Postens bei Degussa gemacht hatte. Das hat er auch gar nicht nötig und seine Zielrichtung ist weiß Gott nicht der Goldverkauf. Auch ich erinnere mich im Übrigen an keinen einzigen geistreichen Kommentar von Columbo, immerhin aber erkennt er sich inzwischen selbst als Dilettant.

  6. Avatar

    Columbo

    4. August 2020 09:05 at 09:05

    @Carl

    An geistreiche Kommentare Ihrerseits erinnere ich mich ebenfalls nicht. Sie stimmen einfach immer zu.

    @Voll-Krall

    Meine Aussagen verwirren Sie? Das verwundert mich nicht.

  7. Avatar

    Dreamtimer

    9. August 2020 10:04 at 10:04

    „Nur noch ein klein wenig zusätzliche Euphorie… der Sprung von 12.500 Punkten rauf auf 16.000 ist ja nicht mehr so groß?“

    Diese Projektionen gab es schon 2015, wo der DAX bei 12.400 sein damaliges Allzeithoch feierte, bevor er dann von „Griechenlandsorgen“ und danach von „Chinasorgen“ nach unten gedrückt wurde. Damals gab es freilich noch „Sorgen“. In der COVID-19 Zeit leben alle bekanntlioch sorgenfrei, zumindest an den Finanzmärkten. Nichts kann das Vertrauen in die FED erschüttern … Mir persönlich ist es trotzdem zu riskant, alles auf eine Karte zu setzen, wie bei einer Wette auf den Endsieg – same energy.

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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