Devisen

Draghi beruhigt die Deutschen

Man möchte nicht wirklich in der Haut von Mario Draghi stecken: die angelsächsisch dominierten Finanzmärkte fordern immer mehr von der Droge Liquidität und halten die EZB-Politik für viel zu zurückhaltend. Das ist die eine Seite, die an dem guten Mario zerrt. Und die andere Seite sind die Deutschen, denen das alles zu weit geht, und die – in Gestalt von Finanzminister Schäuble – der Meinung ist, dass die EZB jetzt aber endlich „fertig hat“.

Das ist natürlich nicht der Fall – denn die EZB fängt jetzt erst so richtig an. Kauf von ABS-Papieren und Covered Bonds mit der Folge der deutlichen Ausweitung der Bilanzsumme der Notenbank ist das eine. Das andere das unausgesprochene Ziel, den Euro deutlich tiefer zu drücken, um einerseits die Inflation anzukurbeln, und andererseits so die Exportchancen vor allem der Euro-Peripherie zu erhöhen. Und in Sachen Inflation sträuben sich den Deutschen ja bekanntermaßen die Nackenhaare – also muß Draghi, will er seine Ziele durchsetzen, Rücksicht auf die Deutschen nehmen. Oder zumindest so tun, als ob er das täte.

Deswegen hören sich die Aussagen Draghis in Mailand, wo er mit den EU-Finanzminstern zusammen gekommen ist, sehr nach Deutschen-Beschwichtigung an: entscheidend, so Draghi, seien Strukturreformen. Ohne die gäbe es kein wirkliches Wachstum. Das ist genau das, was die Deutschen hören wollen – und Draghi schmeichelt so den Ohren der Teutonen, um dann faktisch doch die Politik durchzusetzen, die er für richtig befindet.

Draghi ist schon ein Meister: er balanciert gegensätzliche Interessen aus, sein diplomatisches Geschick ist in hohem Maße ausgeprägt. Heute war wieder einmal Zeit für die deutschen Bedenkenträger. Wenn die beruhigt sind, wird das nächste „Zuckerl“ dann wieder den Finanzmärkten zugeworfen. Große Kunst, Mario!



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1 Kommentar

  1. Das Märchen von der Inflation hören wir schon zu lange. Wenn in den Südländern die Einkommen sinken, ist dort Deflation für die Menschen dort wünschenswert. Das ist ja das Prinzip des Rausdeflationierens aus den sehr realen Schulden. Rausinflationieren durch noch höhere Schulden der sowieso fast oder ganz bankrotten Schuldner ist Unfug. Einem (Fast-)Pleitier gibt außer der EZB niemand Kredit. Draghi hat es jetzt so vergeigt, wie man es nur vergeigen konnte. Im Gegensatz zu Goldman Sachs &.co. kann JEDER sehen, dass sich der laufende Konjunkturzyklus in Richtung FALLEND bewegt. Er hat seinen Höhepunkt überschritten. Auch und erst recht in den USA. Die nächste Rezession kommt innerhalb der nächsten 2 Jahre (in Deutschland früher), was dann, Zauberlehrling Draghi? Es war falsch die Verantwortungslosigkeit diverser Regierungen zum Anlass zu nehmen noch mehr Geld zu drucken. Die größte Börsenparty der „Geld-„Geschichte dürfte sich ihrem üblichen Ende nähern. Das wird kaum anders enden, als 1929. Dann noch mit Währungsabwertungen zu zocken und mit Sanktionen zu zündeln, ähnelt der Vorgeschichte des II Weltkrieges in höchst unangenehmer Weise. Es wird eine Revolution geben müssen, um den wahnsinnigen Weltenlenkern das Handwerk zu legen.

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