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Anleihen

Draghi verkündet den Sieg – vor der Schlacht

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Das war schon sehr siegessicher, wie sich Mario Draghi gestern auf der PK präsentiert hat: die Inflation werde in den nächsten Jahren (2016 +1,5%, 2017 1,8%) ansteigen, das Wachstum in der Eurozone zulegen. Damit hat der Römer die erhofften Effekte der Anleihekäufe der EZB praktisch im Vorfeld eingepreist – und den Sieg verkündet, bevor die Schlacht überhaupt begonnen hat: „unsere Geldpolitik hat funktioniert“ sagte er gestern Reportern auf Zypern.

Die Bundesbank ist sich da nicht ganz so sicher: ob das QE der EZB wirken werde, sei nicht einfach zu beantworten, so das Direktoriumsmitglied der Bundesbank Andreas Dombret gestern auf Bloomberg TV. Man habe keinerlei Erfahrung mit dieser quantitativen Lockerung, so der Bundesbanker. Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, schürt Zweifel: die Banken würden wohl eher nicht die Kreditvergabe erhöhen, ausserdem sei die Nachfrage nach Liquidität von Unternehmen und Konsumenten nach wie vor schwach. Krämer hält es daher für möglich, dass die EZB entweder länger als bis September 2016 Anleihen kaufen – oder das monatliche Volumen erhöhen muss.

Die Zweifler aber haben die Fakten auf ihrer Seite: die EZB hat die Einlagezinsen auf -0,2% gesenkt, den Banken über Tender Liquidität zugeführt, Covered Bonds und ABS gekauft – und die Wirkung ist verpufft. Warum sollte es diesmal anders sein?

Draghi aber glaubt fest an die Wirkung. Auch den Einwand, dass die EZB ihr geplantes Volumen gar nicht kaufen könne, ließ er nicht gelten. Solche Zweifel habe es auch bei der Fed und der Bank of England gegeben – und das hätte sich dann als Irrtum herausgestellt. Aber Draghis Vergleich hinkt: das Budget-Defizit der Eurozone beträgt nur etwas mehr als 2% – als die Fed mit ihrem QE begann, lag das Budget-Defizit in den USA bei 10%. Es gab also faktisch viel mehr Schulden zu kaufen in den USA, als derzeit in der Eurozone. Hinzu kommen die komplizierten Mechanismen und Begrenzungen in der Eurozone, etwa dass die Renditen der zu kaufenden Staatsanleihen nicht unter dem Einlagezins (derzeit -0,2%) liegen dürfen.

Draghi hat also die beste aller Welten an die Wand gemalt. Am Anleihemarkt der Eurozone glaubt man ihm: die Renditen der Staatsanleihen der Euro-Peripherie sind heute einmal mehr auf neue Allzeit-Tiefs gefallen: Spaniens 10-jährige im Tief auf 1,235%, die 10-jährige Italiens auf 1,280%. Die Märkte preisen also voller Optimismus ein Szenario ein, dessen Eintreffen nach Faktenlage eher unwahrscheinlich ist. Sollte es anders kommen, als es sich Herr Draghi erträumt, darf man gespannt sein, wie die Märkte den Optimismus wieder auspreisen..

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Anleihen

Goldpreis vs Anleiherenditen: Eindeutiger Langfristvergleich

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Gold-Barren

Der Goldpreis wird von vielen Faktoren beeinflusst. Da wäre zum Beispiel der US-Dollar, und natürlich das allgemeine Risk On/Risk Off-Szenario. Sind die Anleger bereit aufgrund diverser Faktoren mehr Risiko einzugehen, verkaufen sie Gold und kaufen Aktien, und umgekehrt. Je mehr die Notenbanken Geld drucken und je mehr die Staaten sich verschulden, desto wichtiger erscheint vielen Anlegern auf lange Sicht auch Gold als sicherer Fluchthafen vor Inflation, und der Goldpreis steigt.

Aber vor allem werden auch die Anleiherenditen als wichtiger Beeinflussungsfaktor für den Goldpreis herangezogen. Je mehr Rendite man für Staatsanleihen erhält, desto weniger attraktiv ist das zinslose Gold bei Anlegern. Schauen wir daher mal auf den folgenden Chart, ob man langfristig eine echte Verbindung zwischen Gold und Anleiherenditen erkennen kann. Hier sehen wir seit Anfang 2016 in blau den steigenden Goldpreis, der seitdem 69 Prozent zulegen konnte. Die in orange verlaufende Anleiherendite (für zehnjährige US-Staatsanleihen) ist seitdem um 46 Prozent gesunken (langfristig gesunkenes Zinsniveau). Man sieht eine klare negative Korrelation. Je tiefer die Anleiherenditen, desto besser für den Goldpreis. Das jüngste Ansteigen in der Rendite hat dem Goldpreis einige Schwierigkeiten bereitet, und seinen weiteren Anstieg erst einmal ausgebremst.

Chart zeigt Goldpreis gegen Anleiherenditen seit dem Jahr 2016

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Anleihen

Andre Stagge: Steigende US-Rendite, US-Wahl, Aktienmarkt – sein aktuelles Trading

Redaktion

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Der Experte Andre Stagge spekuliert aktuell auf die steigende Rendite für US-Staatsanleihen, und hat daher den Future für Staatsanleihen geshortet (Renditen und Kurse bewegen sich logischerweise immer exakt gegenläufig). Im folgenden brandaktuellen Video erklärt er die derzeitigen Zusammenhänge am Kapitalmarkt. Als da wäre die heutige Wichtigkeit der US-Wahl in Georgia und deren Folgewirkungen auf die US-Politik und die Kapitalmärkte. Auch geht es darum, dass steigende Aktienmärkte und steigende Anleiherenditen dauerhaft nicht parallel existieren können. Denn es ist, wie es ist. Deutlich höhere Renditen machen Anleihen attraktiver und sorgen eigentlich für einen Geldfluss raus aus Aktien.

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Anleihen

Hellmeyer, Halver, Leber und Co – optimistisch ins neues Jahr!

Claudio Kummerfeld

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Wie wird das Börsenjahr 2021 laufen, und wie werden einzelne Anlageklassen wie Aktien, Gold oder Anleihen performen? Dazu äußern sich im folgenden Video Folker Hellmeyer von Solvecon Investment, Robert Halver von der Baader Bank, Frank Fischer von Shareholder Management, Thomas Romig von Assenagon, Dr. Hendrik Leber von ACATIS und Johannes Hirsch von antea. Natürlich hat jeder der hier gezeigten Personen im Detail unterschiedliche Standpunkte. Aber wenn man das große Bild betrachtet, dann herrscht für den Aktienmarkt doch ein recht großer Optimismus. Klar, die Coronakrise scheint mit dem Impfungen ein Ende zu finden, und Joe Biden bringt Ruhe in die Kiste, nach vier chaotischen Trump-Jahren. Aber gelten „Experten“ mit ihren Jahresaussichten nicht oft als Kontra-Indikatoren? Aber gut, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Die Begründungen der Experten sind jedenfalls inhaltlich schlüssig und durchaus nachvollziehbar.

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