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Draghi: „Wir machen mehr, weil es wirkt, nicht weil es gescheitert ist“

FMW-Redaktion

Ja, das ist ein Zitat von Mario Draghi von gestern. Weil es gestern in der allgemeinen Berichterstattung im Rahmen der EZB-Zinsentscheidung und QE-Ausweitung untergegangen ist, wollen wir dies noch einmal kurz ansprechen. Mit seinem Zitat
„Wir machen mehr, weil es wirkt, nicht weil es gescheitert ist“

unterstreicht Mario Draghi klipp und klar, dass er fest davon überzeugt ist, dass die Null-Zinsen ( + Minus-Zinsen für Banken) sowie das seit 10 Monaten stattfindende Anleihekaufprogramm (60 Mrd Euro im Monat) bereits wirken. Mit dem „wir machen mehr“ will er zum Ausdruck bringen, dass er gestern nur noch mal etwas nachlegen musste, dann explodiert die Inflation demnächst endgültig Richtung 2%, so wie es sich die EZB wünscht. Aber immer klarer wird, dass hier irgendeine Art Realitätsverlust vorliegt.

EZB Mario Draghi
Foto: EZB

Natürlich mag es passieren, dass über Nacht völlig überraschend ein Wunder geschieht, aber aktuell liegt die Eurozonen-Inflation bei 0,1%, und von da bis 2% sind es Welten. Dieser Chart zeigt die Inflation seit 2008 prognostiziert bis 2017. Der rote Pfeil zeigt die aktuelle Inflation an der Null-Linie an. Alles danach ist die Prognose der EZB, also bisher eine reine Annahme. Dass seine Maßnahmen bereits Wirkung zeigen, vor allem die jahrelangen Nullzinsen, kann man aus diesem Chart nicht erkennen. Im Gegenteil – in den letzten 3 Jahren ging die Inflation von 3% auf jetzt 0 zurück. Und dies ist der offizielle aktuellste Chart zur Inflation von der EZB selbst!

Inflation Eurozone
Eurozonen-Inflation seit 2008 bis prognostiziert 2017. Grafik: EZB

Draghi sagte auch, dass die Maßnahmen „wirken würden, sie seien eben nur noch nicht effektiv genug. Man müsse daher mehr tun“. Bundesbank-Chef Weidmann soll im EZB-Rat nicht mehr alleine dastehen mit seiner ablehnenden Haltung der ständig größer werdenden Geldschwemme, da die Wirkung offenbar verpufft. Banken und Versicherungen in der Eurozone kritisieren zunehmend, dass der gesamte Anleihemarkt nach und nach austrocknet, weil die EZB die Staatspapiere aufkauft. So kommen auch Unternehmen, die eigentlich aufgrund hohen Risikos hohen Zinsen zahlen müssten, über diesen indirekten Effekt an extrem niedrige Zinssätze für ihre Anleihen, und es findet somit eine Entkopplung vom echten Risiko einer einzelnen Anleihe statt.

Aber alles ist gut. Solange Mario Draghi glaubt, dass die Maßnahmen wirken, wirken sie auch!



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7 Kommentare

  1. Ende der monetären Draghi Diktatur?
    Eher nicht.
    Aber ein Anfang….

    Wird ein spannendes Jahr 2016 werden, das so manche(r) SuperheldIn in Europa politisch nicht überleben wird.

  2. Es gab Zeiten da wurden Personen wie Draghi,um andere Menschen vor ihnen zu schützen, in geschlossene Abteilungen von Nervenkliniken eingewiesen.Ich glaube in diesem Fall ist diese Aktion überfällig.

  3. Draghi: „Wir machen mehr, weil es wirkt, nicht weil es gescheitert ist.“

    Auch wenn ihn manche schon in der Nervenheil(?)anstalt sehen, so sind es doch meist mehr die Leser, die einer Fehlallokation unterlegen sind. Herr Draghi lügt nicht, aber er nutzt Neusprech: er hat NICHT gesagt, für was oder wen es wirkt – es ist somit eine sehr leere Aussage. Wenn man hingegen bedenkt, das man enorme Lücken und Brüche im System hat, die man mit Symptomarbeit und möglichst viel Kleister zuschmieren kann, dann wirkt es schon – zumindest vorbeugend vor dem (jetzigen) Zusammenbruch, auch wenn dieser letztendlich dennoch geschehen kann und wahrscheinlich auch wird.

    Vielleicht sollte man sich als Leser besser etwas mehr auf die Bedeutung der eigentlichen Aussage konzentrieren, um den Neusprech zu filtern.

    1. Sehe ich auch so.

  4. Die EZB hat den Einlagezins/deposit-rate für Banken noch negativer für ein
    Hinterlegen von Einlagen bei ihr festgesetzt von -0,2% auf – 0,3%.
    Was ich nicht ganz verstehe ,müssen die Banken ihre freien Kassenbestände bei
    der EZB hinterlegen und dafür Strafzinsen zahlen oder können sie ihre freien Finanzmittel
    nicht einfach im Haus behalten. Ist ein negativer Einlagezins rein akademischer Natur nur von symbolischer Bedeutung oder hat das praktische Auswirkungen.

    1. @klack,

      die EZB will ja gerade nicht, dass die Banken ihr Geld bei ihr parken (die Banken müssen das natürlich auch nicht), daher senkt sie ja den Einlagezins, um das noch kostspieliger zu machen. Aber die Banken wissen nicht wohin mit der Liquidität, die sie von der EZB geschenkt bekommen, nirgends gibt es mehr einigermaßen sichere Renditen. Faktisch will die EZB, dass die Banken mehr Risiken eingehen, indem sie etwa mehr Kredite vergeben oder in den Aktienarkt investieren..

      1. Dann ist es in der praktischen Auswirkung ja egal ,ob man -0,3% oder -0,4% Negativzins aufgebrummt bekommt ,das ist wie ein bisschen oder mehr schwanger oder tod ,man macht es einfach nicht. .Normalerweise müßte die Variierung eines Negativzinssatzes doch ein non-event am Aktienmarkt sein.
        Viel wichtiger ist doch das Vergrößern des Aufkaufprogramms von allen Assetklassen.

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