Folgen Sie uns

Allgemein

Ein aktuelles Beispiel aus Los Angeles: Wie Menschen, die „böse Spekulanten“ bekämpfen wollen, vom Wähler brutal abgestraft werden

Haben Sie schon mal was von der „Measure S“ gehört? Nein? Das hat wohl kaum irgendjemand in Europa oder in den USA. Aber in Süd-Kalifornien und vor allem in Los Angeles war es monatelang das…

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Haben Sie schon mal was von der „Measure S“ gehört? Nein? Das hat wohl kaum irgendjemand in Europa oder in den USA. Aber in Süd-Kalifornien und vor allem in Los Angeles war es monatelang das große Thema. „Gut gegen Böse“, so die vermeintlich einfache Frage, die dem Wähler im Rahmen eines Volksentscheids gestellt und jetzt eindeutig entschieden wurde.


Die Innenstadt von Los Angeles 2011. Foto: Joe Mabel/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Worum geht es? Vereinfacht gesagt ging es um folgenden Sachverhalt: Seit gut 10 Jahren herrscht in der Innenstadt von Los Angeles ein kräftiger Bau-Boom. Bis dahin war es eine Art Zombie-Innenstadt bestehend aus vielleicht 20 Hochhäusern und drum herum hunderten schlecht genutzten Parkplätzen und Parkhäusern. „Downtown LA“ war tot, nicht existent. Der alte Innenstadtkern nebenan stand fast komplett leer, die Häuser verfielen, viele Obdachlose siedelten sich in einer Randlage auf offener Straße an.

Dann aber nahm sich die Stadt des Problems „tote Innenstadt“ an. Seit gut und gerne 10 Jahren werden neue Wolkenkratzer gebaut, reihenweise Luxus-Apartment-Tower, aber auch viele fünf- bis siebenstöckige Mehrfamilienhäuser mit ganz normalen halbwegs bezahlbaren Wohnungen. Auch werden in fast allen neuen Wohnbauten anteilig Wohnungen für Niedriglohn-Bezieher errichtet. Straßen werden zurückgebaut, es gibt neue Fahrradwege und Straßenbahn-Linien, Fahrradt-Stationen uvm. Auch sind derzeit diverse einfache Wohngebäude für aktuell noch Obdachlose im Bau befindlich.

Hört sich eigentlich an wie ein schöner „grüner“ Städteplaner-Traum für eine Autostadt wie LA. Aber vielen Menschen geht das anscheinend viel zu schnell mit all den neuen Wohntürmen, und sie befürchten die weltweit berüchtigte „Gentrifizierung“. Und da scheiden sich hier die Geister. Denn Gentrifizierung bedeutet ja per Definition eine Verdrängung alt eingesessener Mieter durch neue Juppie-Hipster-Akademiker mit hohen Einkommen, die sich schicke Eigentumswohnungen einrichten, wo vorher normale Arbeiter zu kleinen Mieten wohnten. Habe ich das Wort „Gentrifizierung“ so richtig definiert? Aber die Innenstadt von Los Angeles war de facto leer, tot, nicht existent. Die meisten Grundstücke waren einfach leer, unbebaut, ungenutzt.

Aber dennoch gab es eine stetig wachsende Bewegung, die den Bauboom, das böse große Kapital, Preisexplosionen, Gestank durch mehr Verkehr etc stoppen wollte. Wie wollte man das erreichen? Man ersann die „Measure S“ (Maßnahme S). Die sollte im Baurecht der Stadt Los Angeles bewirken, dass neue Bauvorhaben eine Art zweijähriges Moratorium (Sperre) erhalten. Wenn nämlich auf einem Grundstück etwas gebaut werden soll, für das eine Nutzungsänderung des Grundstücks beantragt werden muss, hätte man erst mal zwei Jahre warten müssen, bevor es weitergegangen wäre. Ein Totschlag-Argument für Immobilienentwickler, die in der Regel mit Krediten arbeiten. Und man darf davon ausgehen, dass meistens Gewerbegrundstücke betroffen sind, auf denen jetzt Wohnungen entstehen sollen.

Ein theoretisches Beispiel, dass in der Praxis so zutreffen würde: Ein leeres Grundstück, auf dem vielleicht vor 50 Jahren mal ein Gewerbegebäude stand, und das seit 30 Jahren als halbleerer Parkplatz genutzt wird, wechselt den Besitzer. Der will dort 300 neue halbwegs bezahlbare Mietwohnungen bauen, wie es derzeit tatsächlich überall in Downtown LA geschieht. Das ginge aber nicht mehr, wenn die „Measure S“ beschlossen worden wäre. Denn dann hätte eine zweijährige Sperre gegolten. Denn vermutlich hätte im jahrzehntealten Verwendungsplan für das Grundstück „Gewerbenutzung“ gestanden. Da „Measure S“ die Änderung der Nutzung zwei Jahre ausgesetzt hätte, wäre das Grundstück zwei Jahre lang nicht für den Wohnungsbau nutzbar gewesen. Da hat neben dem normalen Steuerzahler, der dringend eine Wohnung sucht, auch kein einziger Obdachloser was davon, der bisher eh nicht auf dem eingezäunten Parkplatzgrundstück geschlafen hat.

Die Gegner von „Measure S“ (Bauindustrie, Bürgermeister, Immobilienentwickler, Finanzinvestoren) drückten es zum Beispiel so aus: Bei dieser Abstimmung sei es darum gegangen, ob die Stadt die besten Jahre hinter sich, oder erst noch vor sich hat. Und in der Tat wären viele oder sogar ein Großteil angedachter Projekte zum Erliegen gekommen. Dringend benötigter Wohnraum wäre nicht gebaut worden, weil die Nutzung von diversen Grundstücken vielleicht nicht für Wohnungen vorgesehen war, und laut „Measure S“ Änderungen bei den Nutzungsbedingungen zwei Jahre nicht möglich gewesen wären.

Das Gute: Gestern gab es nach übereinstimmenden Berichten eine böse Schlappe für die Befürworter von „Measure S“. Gerade mal 31% der Wähler stimmten dafür. Die Wähler erkannten in diesem Fall wohl, dass aus einer an sich guten Grundidee (steigende Mieten stoppen usw) letztlich genau das Gegenteil geworden wäre. Denn in einem Markt, wo ständig mehr Nachfrager (nach Wohnraum) dazu kommen, ist es doch irgendwie problematisch, wenn durch eine de facto Blockade von Neubauten keine neuen Wohnungen geschaffen werden.

Und wie schon vorher beschrieben: Den Einwohnern der Stadt wird klar gewesen sein, dass bei massig freien Flächen und toten Gewerbebauten nun wirklich keine Verdrängung von alteingesessenen Anwohnern vorliegt, weil es an vielen Neubau-Orten bislang gar keine Anwohner gab. Natürlich steigt durch den Bau teurer Luxus-Apartments und den Zuzug gut verdienender Mieter auch der Mietpreis umliegender Wohnungen tendenziell an – das mag durchaus sein. Aber wie vorhin beschrieben, werden jetzt schon bei Neubauten in Los Angeles (sogar vorbildlich für Deutschland) großteils mit Pflichtanteilen erschwingliche Wohneinheiten mitgebaut. Sogar zahlreiche einfache Unterkünfte werden hochgezogen für noch Obdachlose, und das in der Nähe ihrer jetzigen Aufenthaltsorte. Verdrängt wird also wirklich niemand. Die Neubauten für aktuell Obdachlose wären ebenso blockiert worden durch „Measure S“ wie der Neubau von Luxuswohnungen.

Was oft gut gemeint ist, macht durch übertriebenen Aktionismus die Lage von Betroffenen manchmal sogar noch schlimmer. Da ist „Measure S“ nur ein gutes Beispiel aus den USA, das durch die Wähler mit klarer Mehrheit abgelehnt wurde. Der Bauboom kann weitergehen. Es werden auch weiter viele Luxusbauten hochgezogen, wie aber auch Wohnungen für Normalverdiener, Geringverdiener und Obdachlose. Das ist schon jetzt unter dem aktuellen Baurecht der Stadt Los Angeles der Fall. Von dem können sich viele deutsche Kommunen was abschneiden.

Die Befürworter von „Measure S“ verkaufen ihre Niederlage aktuell übrigens als Erfolg. „Die Koalition um LA zu bewahren“ (so nennt man sich) habe Geschichte geschrieben. Man habe durch den Wahlkampf nicht nur Korruption offengelegt, man habe auch einen Reformprozess angeschoben. Man habe eine große Bewegung aufgebaut und den Grundstein für Veränderungen gelegt. Durch diese Kampagne werde die Stadt ein besserer Ort werden. Naja… hätte man nicht einfach mal sagen können, dass man anerkennt, dass der Wähler das ganz anders sieht?

Aber ich gebe zu: Man kann die ganze vorher beschriebene Thematik auch aus einer ganz anderen Sichtweise betrachten. Man könnte auch sagen, dass die Spekulanten die Wähler mit einer großen Wahlkampagne getäuscht haben, dass nun die Preise für Immobilien und Wohnungsmieten weiter stark steigen werden, dass einfache Bürger in Randlagen verdrängt werden usw. So kann man es auch sehen. Ich sehe es aber so wie vorher beschrieben. Der einfache marktwirtschaftliche Mechanismus von Angebot und Nachfrage darf nämlich nicht außer Acht gelassen werden. Würde man nämlich durch so ein zweijähriges „Moratorium“ die Bautätigkeit fast zum Erliegen bringen, während stetig neue Bürger in die Stadt ziehen, passiert was? Das Angebot bleibt gleich, die Nachfrage steigt: An der Börse nennt man das „der Preis steigt“.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Gerd

    8. März 2017 17:46 at 17:46

    Die Ansicht vom Autor kann ich nachvollziehen, oder besser gesagt könnte ich, wenn da nicht im ersten Abschnitt eine Sachverhalt beschrieben würde, der sich mit den vielen darauffolgenden „beißt“:

    „…Bis dahin war es eine Art Zombie-Innenstadt…. „Downtown LA“ war tot, nicht existent. Der alte Innenstadtkern nebenan stand fast komplett leer, die Häuser verfielen,…“

    Also „…stand fast komplett leer, die Häuser verfielen…“
    Wieso muss dann neuer, zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

weiterlesen

Allgemein

Aktienmärkte und Wirtschaft 2020: Ein Jahr der Extreme

Wer es geschafft hat, die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2020 oder die der Aktienmärkte auch nur ein paar Wochen vorherzusagen, sollte Lotto spielen

Avatar

Veröffentlicht

am

Wer es geschafft hat, die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2020 oder die der Aktienmärkte auch nur ein paar Wochen vorherzusagen, sollte mal Lotto spielen, bei diesem Glück. Denn das Coronajahr wird in die Geschichte eingehen mit all seinen Anomalien, die es gewiss noch nicht allzu häufig in dieser Form gegeben hat. Wirtschaft, Finanzen und Aktienmärkte lieferten (und liefern?) Ausschläge ungeahnten Ausmaßes.

Aktienmärkte: Die saisonalen Muster – Fehlanzeige

Viele Börsianer versuchen aus den statistisch gehäuften, jahreszeitlich bedingten Mustern, Profit zu erzielen. Aber 2020?

Das Jahr begann relativ stabil, am Ende des Januars hatten sich S&P 500 und Dax kaum bewegt, was nach der Statistik auf einen ruhigen Jahresverlauf hindeuten würde. Bis Ende Februar ging es aufwärts, dann kam Corona. Nach der fulminanten Aufholjagd von Ende März und durch den April hinweg hätte man doch erwarten können, dass ein „Sell in May, but remember to come back in September“ funktioniert, nur erreichten die US-Indizes just am 2. September ein Allzeithoch, um praktisch den ganzen Monat hindurch zu korrigieren. Im Wahljahr sollte es einen schwachen Monat Oktober geben, bis zur letzten Woche, in der eine Wahlrally einsetzt. Doch was haben wir in den letzten Tagen erlebt? Einen Einbruch des Dow Jones von 2000 Punkten und beim Dax von über 1000 Zählern. Nun steht nur noch die Jahresendrally im Schlussquartal, als eiegntlich sehr sicheres saisonales Muster der Aktienmärkte, zur Disposition.

Der Konjunkturverlauf – ohne historisches Vorbild

Die Pandemie um Covid-19 führte zu einem bisherigen Konjunkturverlauf, den wohl kein Ökonom auf der Rechnung hatte. Chinas Konjunktur stürzte im ersten Quartal um 6,8 Prozent in die Tiefe und erholte sich in Q2 bereits schon wieder um 4,9 Prozent. Im Westen erwischte es im zweiten Quartal Großbritannien am stärksten mit minus 20,4 Prozent, gefolgt von Spanien mit minus 18,5 Prozent, Deutschland kam mit minus 9,7 Prozent noch relativ glimpflich davon, so wie die USA mit minus 9,5 Prozent auf Quartalsbasis. Auf Jahressicht allerdings mit erschreckenden 31,4 Prozent und gestern kam die erste Schätzung für das dritte Quartal in den Staaten: Plus 33,1 Prozent im Jahresvergleich, was auf den ersten Blick wie nach einer totalen Erholung aussieht, aber es hätten über 45 Prozent Anstieg sein müssen, um diesen Quartalseinbruch zu egalisieren.

Im europäischen Verfahren gerechnet: Nach minus 9,5 Prozent (Q2), jetzt plus 7,4 Prozent.

Auf alle Fälle brachte 2020 bisher die schnellste und tiefste Kurzrezession aller Zeiten, mit einem Wirtschaftseinbruch, der fast überall einem unvollständigen V gleicht, eher einem spiegelverkehrten Wurzelzeichen, das eine Erholung um etwa 90 Prozent anzeigt. Jetzt erleben wir die zweite Coronawelle, die in manchen Ländern vermutlich eine Double-Dip-Recession im vierten Quartal des Jahres zur Folge haben wird. Wie reagiren nun die Aktienmärkte?

Die Entwicklungen der Aktienmärkte

Wenn es bisher eine so genannte V-förmige Erholung geben sollte, dann haben dies die Aktienmärkte vollzogen. Nach einem Absturz der Märkte ab dem 20. Februar, wie man ihn noch nie in einer solchen Geschwindigkeit beobachtet hat – es brauchte nur 16 Tage vom Allzeithoch bis in einen Bärenmarkt – stürzten S&P 500 und Dax innerhalb von nur 34 Tagen um 33,9 beziehungsweise 39,6 Prozent in die Tiefe: Beim US-Leitindex auf 2206 und beim Dax auf 8255 Punkte. Aber es folgte eine ebenso spektakulären Erholung innerhalb nur eines halben Jahres.

Der Dax brauchte nur gut zwei Monate, um bis Anfang Juni um 57 Prozent auf 12913 Punkte zu steigen und nur ein halbes Jahr um mit 13460 Punkten fast sein Allzeithoch von Ende Februar zu erreichen (13788 Punkte).

Was dem US-Leitindex S&P 500 am 2. September mit 3580 Punkten gelungen ist (Februar-ATH 3386 Punkte): Rekorde der Aktienmärkte inmitten des größten Wirtschaftseinbruchs seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie konnte so etwas zustande kommen?

Notenbankbilanzen und Zinsniveau

Wer geglaubt hatte, dass das Jahr 2019 mit seinen über 100 Zinssenkungen durch die Notenbanken dieser Welt der Höhepunkt gewesen sein müsste, den belehrte spätestens der März 2020 eines Besseren. Die Federal Reserve folgte vielen westlichen Notenbanken und senkte die US-Leitzinsen auf 0 bis 0,25 Prozent. Begleitet von Anleihekäufen, die die Fed-Bilanz innerhalb von wenigen Monaten von vier auf 7,18 Billionen Dollar explodieren ließ. Die Europäische Zentralbank war vor Kurzem bei 6,74 Billionen Euro angelangt, zusammen mit der Bank of Japan erreicht man bereits über 20 Billionen Dollar. Die Bilanzsummen der Notenbanken marschieren in ungeahnte Höhen: In Japan auf 136 Prozent zum BIP, in Europa auf 66 Prozent und in den USA auf 37 Prozent.

Dies hat laut JP Morgan folgendes zur Folge (Stand Mitte Oktober):

Weltweit gibt es 17 Billionen Dollar an Anleihen, die keine oder sogar Minuszinsen abwerfen. Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern. Der Anlagenotstand für Kapitalsammelstellen (wie Staats- und Pensionsfonds) hat im Herbst des Jahres 2020 eine bisher noch nicht gesehene Dimension erreicht – und das erklärt die Kurse der Aktienmärkte.

Jetzt stehen die US-Wahlen an und der Sieger muss aus faktischen Gründen angesichts von über 11 Millionen Arbeitslosen und 50 Millionen Lebensmittelmarkenbeziehern in den USA zwangsläufig ein fünftes Rettungspaket auflegen. Außerdem ergab eine Umfrage im Sommer, dass 40 Prozent der Amerikaner keine 400 Dollar an Reserven besitzen, um sich zum Beispiel ein defektes Haushaltsgerät ersetzen zu können. Man kann sich immer nur wundern, wie die US-Regierung hier das Bild einer gesunden US-Wirtschaft zeichnen kann.

Bei einer weiteren Verschuldung stellt sich irgendwann die Frage: Wann wird sich dies bei den Kapitalmarktzinsen bemerkbar machen? In jeder Volkswirtschaft gibt es das Phänomen des Bruchs mit der Linearität, plötzliche Ausbrüche aus einer stabilen Entwicklung, davor sind auch die Vereinigten Staaten nicht gefeit.

Die Forschung für einen Impfstoff

Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurde mit solcher Intensität an einem Impfstoff gegen ein Virus geforscht – Sars-CoV-2. 160 bis 200 Projekte gibt es derzeit weltweit, einige Vakzine befinden sich bereits in der klinischen Phase 3 und die großen Staaten haben vorsorglich schon drei Milliarden Impfdosen bestellt, ohne zu wissen, welches Mittel sich überhaupt durchsetzen und welchen Effekt es überhaupt haben wird. Die Aktien von Moderna, CureVac oder Biontech explodieren an den Börsen um mehrere 100 Prozent, weil viele Investoren einen Milliardenmarkt wittern. Viele Projekte werden im Sande verkaufen, viele Millionen versickern, weil keiner weiß, was sich durchsetzt – und vor allen Dingen wann?

Die Entwicklung der Pandemie

Viele führende Virologen warnen, dass die Welt noch bis Ende des Jahres 2021 mit dem Virus leben müsse oder vielleicht sogar auf Dauer. Was bedeutet dies konkret? Derzeit gibt es weltweit über 45 Millionen bestätigte Infektionen, was angesichts von 7,6 Milliarden Menschen nur ein gutes halbes Prozent der Weltbevölkerung ausmachen würde. Aber sind das überhaupt realistische Zahlen? Wurden aus bestimmten Metropolen der Welt – New York, Neu-Dehli, Sao Paulo, Mexiko City – nicht schon Antikörpertests ausgewertet, die auf eine 20 bis 50 prozentige Durchseuchung von Teilen der Bevölkerung hinweisen?

In Ländern wie den USA, Brasilien, Spanien, Belgien u.a. werden offiziell Infektionsraten von 2,5 bis 3 Prozent der Bevölkerung gemeldet, aber der Chef der US-Seuchenbehörde CDC der USA, Redfield, hat sich in diesem Jahr geäußert, dass man mit einer Dunkelziffer von Faktor 10 bei den Infektionen rechnen könne. Die USA haben bereits über neun Millionen Coronainfizierte bei einer Bevölkerung von gut 330 Millionen. Wie viele Menschen werden bis Ende 2021 schon mit dem Virus infiziert worden sein? Selbst der deutsche Virologe, Professor Streeck, rechnet mit einer gewaltigen Durchseuchung bis dahin. Es sei auch bis jetzt nicht klar, welche Immunität ein Impfstoff zur Folge haben wird? Wie viele Menschen werden sich überhaupt impfen lassen (müssen)? Fragen über Fragen.

Aber bei Fortführung der Gedankengänge über die Infektion der Menschheit mit Covid-19 schleicht sich ein unangenehmes Gefühl ein: Deutschland hat im Vergleich zur Bevölkerungszahl eine sehr niedrige Infektionsrate (0.59 Prozent), auch wenn man eine Dunkelziffer mit einbezieht, die aber aufgrund unserer Maßnahmen nicht allzu hoch sein dürfte. Was aber nicht anderes heißt, dass für unser Land noch ein weiter Weg in Sachen Corona bevorsteht – außer der Impfstoff kommt rechtzeitig und mit hoher Wirksamkeit.

Ausblick

Doch zurück zur Wirtschaft und zur Börse. Was bedeutet die aktuelle Gemengelage für das Jahresende der Aktienmärkte? Der Ausgang der Wahlen, die Börsenentwicklung, die Pandemie? In Summa „not predictable“. Doch wird auf eines Verlass sein: Das Gelddrucken geht weiter – so hat Madame Lagarde erst gestern die weiteren Notenbankkäufe der EZB bestätigt: bis mindestens Mitte 2021 wolle man alles tun und den ganzen Instrumentenkasten nutzen, um die Erholung der Wirtschaft zu fördern.

Auch die Bundesregierung hat eine große Summe an Ausfallszahlungen für den Monat des Lockdowns, November, angekündigt, um die wirtschaftlichen Folgen des verordneten Stillstands (Lockdown light) abzumildern.

Die Geldflut wird nicht verebben. Und wenn man den Chart zwischen Notenbankbilanz und Entwicklung der Aktienmärkte (S&P 500) betrachtet, so könnte man eigentlich auf eine bestimmte Jahresendprognose kommen.

Und was die Pandemie und die mögliche Wirkung der gerade angekündigten Lockdown-Maßnahmen betrifft, so empfiehlt sich ein Blick auf Israels Infektionszahlen, dem Land, welches bereits vor einigen Wochen solche verhängt hat..

Aktienmärkte und Wirtschaft im Coronajahr 2020

weiterlesen

Aktien

Dax mit Crash? Mögliche Ausweitung der EZB-Maßnahmen, Ideen zu SAP und Allianz

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Gibt es im Dax einen neuen Crash? Diese Frage bespricht Manuel Koch im folgenden Video mit einer Expertin. Auch Thema seines Videos sind die ganz frisch verkündeten neuen Rettungsgelder für die Wirtschaft, damit der anstehende kleine Lockdown im November verkraftet werden kann. Wichtig ist auch die heute angedeutete Ausweitung der EZB-Maßnahmen im Dezember.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Die Aktien der Allianz seien eine Short-Chance per Stop-Sell-Order. Die Aktien von SAP seien ein Kauf per Stop-Buy-Order. Beide Ideen werden ausführlich begründet.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen