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Ein letzter Blick auf LinkedIn + Microsofts einfache Finanzierung

FMW-Redaktion

LinkedIn verschwindet nach der 26,2 Milliarden Dollar schweren Übernahme durch Microsoft Ende des Jahres vom Markt. Also werfen wir noch mal einen Blick auf die Zahlen, solange man die Firma noch als eigenständige Einheit identifizieren kann. Im letzten Quartal machte man 119 Millionen Dollar Verlust. Seit Jahresbeginn gewann man aber 36 Millionen neue Nutzer hinzu – man ist ja auch im Vergleich zu Xing eine wirkliche Weltmarke. Xing meldete auch jüngst Zahlen – man meldet im selben Zeitraum 882.00 neue User.

Der LinkedIn-Umsatz stieg im Jahresvergleich um 31% auf 933 Millionen Dollar – womit man das Desaster aus dem Vorjahr wegwischen kann, welches die Aktie einbrechen ließ. Die Wachstumsstory geht also weiter, nur eben jetzt nicht mehr eigenständig. Auch der Premium-Umsatz steigt an um 21% auf 151 Mio Dollar (die Grafik ganz unten zeigt die Zahlen im Detail). Microsoft holt sich also einen weiter aktiven Wachstumstreiber ins Haus. Das kann man verdammt gut gebrauchen. Kritikpunkt: Wird LinkedIn als Marke dadurch vielleicht geschwächt, wenn jeder sie nur noch als Untermarke von Microsoft wahrnimmt? Auf ganz lange Sicht gesehen könnte das ein Problem werden – aber wie gesagt, die Firma ist ja demnächst nicht mehr eigenständig, sondern verschwindet als Teil der großen Manövriermasse von Microsoft.

Der Unterschied von Xing und LinkedIn: Xing ist zwar wesentlich kleiner, dafür aber profitabel mit 6,4 Mio Gewinn im 2. Quartal. Aber das ist jetzt egal, denn LinkedIn geht auf im großen Microsoft-Hefeteig, wo man schon bald nicht mehr herauslesen kann, was Microsoft ist, und was mal LinkedIn war. Die Freigeister unter den bisherigen LinkedIn-Usern dürften „begeistert“ sein, wenn sie demnächst von den so hoch geschätzten Microsoft-Produkten berieselt werden – vielleicht müssen sie auch bald vermehrt Microsoft-Software einsetzen um LinkedIn weiter nutzen zu können. Man darf sich freuen…

Finanzierung der Übernahme

Microsoft kann sich zurücklehnen. Gerade bei den aktuellen Bedingungen war es ein Leichtes Bargeld in Form von Krediten aufzutreiben für die Übernahme von LinkedIn. Alle Welt jubelt über die Schulden- und Gelddruck-Orgien der Notenbanken. Da ist auch jede Menge Platz für Microsoft. Diese Woche hat man die fünftgrößte jemals getätigte Anleiheemission eines Unternehmens am Markt platziert im Volumen von 19,75 Milliarden Dollar. Für die Firma selbst war es die größte jemals getätigte Emission. Die Nachfrage der Investoren lag bei satten 50 Milliarden Dollar. Durch diesen Kaufdruck konnte man seine letztlichen Zinskosten senken und spart nach Schätzungen aus Bankkreisen ca. 40 Millionen Dollar an jährlichen Zinszahlunge im Vergleich zum Angebot, dass man ursprünglich machte. Da sieht man: Es ist ein phantastischer Markt für große Emittenten – Zeit für große Schulden und große Übernahmen bezahlt mit Schulden. Bald dürfte Bayer folgen mit seiner Übernahme von Monsanto!

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1 Kommentar

  1. Die rasant zunehmende Konzentration, die unterhalb der kartellrechtlichen Schwellen munter voranschreitet, befeuert durch die Geldschwemme der Notenbanken, führt zu einer sehr ungesunden Ballung von Macht in den Händen weniger Konzerne. Man vergleiche nur die Einkaufspassagen heute und vor zwanzig Jahren. Wer das nicht will, sollte sich nach Alternativen zu den Großen umsehen.

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