Märkte

Ein Nachruf auf die OPEC

Von Claudio Kummerfeld

Die OPEC hatte gestern auf ihrem Meeting nichts, aber auch wirklich gar nichts Konkretes mitzuteilen, und der Markt hat dementsprechend auch keine Reaktion auf dieses Non-Event gezeigt. Genau so inhaltslos war das vorangegangene OPEC-Treffen vor einem halben Jahr, wo auf der PK eigentlich im Kern nur mitgeteilt wurde, dass sich die OPEC-Mitglieder für die Gastfreundschaft der Stadt Wien bedanken. Hätte die OPEC ein gemeinsames Ziel, hätte man auch eine gemeinsame Erklärung abgeben können. Aber man ist in zwei große Lager gespalten – die armen Förderländer, die wenig Fördermenge und höhere Preise wollen, und die reichen Golfstaaten, die liebend gerne mehr Menge und niedrige Preise sähen. Daher kann man gar kein gemeinsames Statement abgeben. Wie das am 30. November bei der nächsten Sitzung werden soll? Man wird sehen.

Ob die OPEC noch Beachtung am Markt findet? Schauen wir uns diesen Chart einmal an – er zeigt die gestrige Entwicklung von WTI-Öl. Als vor der PK durchsickerte es sei zu keiner Einfrierung der Fördermenge gekommen, fiel der Preis um sensationelle (Satire) 70 Cents auf 48 Dollar. Eher schon traurig ist, dass kurz darauf die Lagerbestände für US-Öl, die leicht zurückgingen, den Markt deutlich mehr beeindruckten und zu einer kräftigeren Bewegung veranlassten als das angeblich noch so mächtige Kartell OPEC.

OPEC

Der Kernpunkt ist dies: Die OPEC verkündete kein Ergebnis, weil die OPEC gar keine Inhalte anzubieten hat, keine Strategie, keine Zielsetzung. OPEC-Offizielle berichteten gestern die Atmosphäre beim Treffen sei sehr gut gewesen, und man sei sich im Allgemeinen einig gewesen, dass der Markt nun dabei sei sich auszubalancieren. Natürlich gibt es für die Öffentlichkeit solche warmen Worte. Aber entscheidend dürfte für die nächsten Monate sein: Wird der erst jüngst neu eingesetzte saudische Ölminister die selbe Strategie wie sein Vorgänger fahren? Durch höhe Fördermengen die Fracker in den USA kaputtmachen? Wird er, wie es sein Vorgänger ankündigte, in den nächsten Monaten wirklich die Fördermenge Saudi-Arabiens kräftig ausweiten um die Angebotsmenge über der wohl kräftig steigenden Nachfragemenge zu halten? Die Frage ist wohl deutlich wichtiger als eine vermeintlich wichtige Erklärung der OPEC, die ja ausblieb.

Und so war es dann gestern auch der neue saudische Ölminister, der abseits der OPEC-PK ganz alleine für sein Land gegenüber Pressevertretern sagte man habe erstmal nicht vor den Markt übermäßig zu fluten. Man werde sehr behutsam vorgehen und sicherstellen, „dass wir den Markt nicht schockieren“. Komisch. Einerseits nicht fluten, andererseits vorsichtig vorgehen um keinen Schock auszulösen? Hört sich an, als würden die Saudis nur kurzfristig still halten, um vielleicht in einem halben Jahr auf einmal zu sagen „ach nein, wir haben es uns anders überlegt“. Nur so eine Vermutung unsererseits, aber wir sind ja nur unwissende Außenstehende!

Es wäre eigentlich sinnvoller, wenn sich diese Gruppe namens OPEC in zwei getrennte Organisationen aufspaltet, einmal die Golfstaaten und dann der Rest der armen Förderländer. Als Ersatz für die OPEC fungieren inzwischen, so sieht es in der Realität aus, die Ölminister der einzelnen OPEC-Mitglieder, die sich alle paar Tage, Wochen oder Monate einzeln gegenüber Pressevertretern zu Wort melden, ob ihr Land gerade mehr oder weniger fördert usw. Das bestimmt den Ölpreis, und nicht dieses zwei Mal im Jahr stattfindende Treffen – so sieht es zumindest derzeit aus! Noch vor 2 Jahren war das OPEC-Meeting in Wien alle 6 Monate eine Art virtuelle Pilgerstätte, wo man als Marktteilnehmer erfuhr, was man danach zu tun hatte (Long oder Short). Wichtiger sind derzeit wie gesagt all die Statements der einzelnen Staaten, die US-Lagerbestände, Naturkatastrophen usw.



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