Devisen

Ein negatives Szenario für das britische Pfund ab Montag – heute noch mit 2. Absacker?

FMW-Redaktion

Hier ein Szenario, dass derzeit in der City of London bei vielen Tradern kursiert. Vielfach sind große Player heute absichtlich dem Markt ganz fern zu geblieben (anders als in Asien), weil es eher eine Art Roulette-Spiel gewesen wäre über Nacht dabei zu sein, egal ob in Aktien, Devisen oder sonstigen Anlageklassen.

Daher könnte man davon ausgehen, dass der großvolumige Abwärtsschub im britischen Pfund vs. US-Dollar (GBPUSD) runter von 1,50 um Mitternach auf 1,3250 um 6 Uhr heute früh „nur“ der Ausverkauf war, der nach so einem desaströsen Ereignis einfach kommen musste. Zunächst wurden brutal Stop Loss-Orders in den Orderbüchern abgepflückt – hinzu kamen noch Shorties, die so einen Absturz wie üblich kräftig anfeuern. Ab heute früh bei den Tiefstkursen setzten dann teilweise Eindeckungen der Shorties ein, sowie die Käufe von Tradern, die auf dem tiefen Niveau „Kaufkurse“ sehen. Was von 6 Uhr bis heute Mittag folgte, war eine Erholung um 700 Pips in 5 Stunden, nach dem vorigen Absturz von 1.750 Pips.

Jetzt aber kommt es drauf an. Kann GBPUSD sein Tief von 1,3250 von heute früh halten? Nach seinem Zwischenhoch von 11 Uhr heute Vormittag bei 1,3975 dümpelt man jetzt um die 1,37 herum, und nach der US-Eröffnung ist es möglich, dass mit der zusätzlichen Liquidität der Amerikaner ein neuer Abwärtsschub ausgelöst werden könnte.

Noch interessanter wird es übers Wochenende. Denn viele Trader halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Bank of England (BoE) den Leitzins senken könnte. Das könnte sie tun um die britische Wirtschaft anzufeuern. Denn die allermeisten Beobachter sind sich einig, dass das Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens demnächst wohl eine kräftige Abwärtsdelle erhalten könnte, auch Rezession genannt. Denn mal ehrlich, in der nun anstehenden Übergangsphase raus aus der EU, welches britische oder ausländische Unternehmen hat da Lust in UK eine Investition vorzunehmen? Geschweige denn Arbeitsplätze zu schaffen?

Goldman Sachs erwartet ein Absenken von 0,50 auf 0,25% im August. Andere Analysten erwarten dies viel früher. Wir erinnern an dieser Stelle an die Worte von BoE-Chef Carney, der letzten Monat noch vor einer Rezession durch den Brexit warnte. Da sagte er nämlich in diesem Fall könne er zu „jeder Zeit“ eine außerordentliche Sitzung bei der BoE einberufen. Also, Zinssenkung schon dieses Wochenende? Oder in den nächsten Tagen? In diesen verrückten Zeiten ist alles möglich – aber natürlich muss es nicht so kommen. Diese Zinssenkung, wenn sie denn kommt, könnte ab Montag einen weiteren kräftigen Rutsch im Pfund auslösen, so das Szenario. Nochmal: Es muss nicht so kommen, es muss auch keine Zinssenkung geben. Aber das Szenario kursiert so durch die City. Und es ist durchaus realistisch, nach dem Motto: „Uns als Notenbank ist die Stützung der Wirtschaft wichtiger als die Stützung unserer Währung“.

GBPUSD
GBPUSD seit gestern früh.

By the way… das Pfund erlebt heute seinen stärksten Tagesverlust aller Zeiten! Es fällt heute auf den tiefsten Stand seit 1985.

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