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Ein oberflächlich schöner Rückgang der Schuldenlast in Europa

Die Schuldenlast wie auch die Defizite der EU-Mitgliedsstaaten sind in 2016 gegenüber 2015 rückläufig. Das ist die Headline-Botschaft der EU-Statistikbehörde Eurostat. Und in der Tat, es könnte schlimmer sein. Anders als in den…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Schuldenlast wie auch die Defizite der EU-Mitgliedsstaaten sind in 2016 gegenüber 2015 rückläufig. Das ist die Headline-Botschaft der EU-Statistikbehörde Eurostat. Und in der Tat, es könnte schlimmer sein. Anders als in den USA kann man in Europa davon reden, dass die (gesamte) Verschuldung zumindest nicht Jahr für Jahr immer weiter drastisch ausufert. So liegt im Jahr 2015 die durchschnittliche prozentuale Verschuldung in der Eurozone in Relation zum Bruttoinlandsprodukt bei 89,2% gegenüber 90,3% im Vorjahr.

Aber: Während die prozentualen Relationen einen Rückgang seit 2014 zeigen, steigt die reale Schuldenlast in echtem Geld stetig weiter an, Jahr für Jahr. Wie die erste Grafik es schön zeigt, waren es 2013 9,07 Billionen Euro, 2014 9,32, 2015 9,45 und 2016 9,58 Billionen Euro. Die tatsächlichen realen Schulden steigen also Jahr für Jahr weiter an. Warum aber sinken die prozentualen Kennzahlen? Ganz einfach.

Wie man in der Grafik ebenfalls sieht, steigt das Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone schneller als die Schuldenlast, womit die prozentuale Verschuldung in Relation zum BIP sinkt. Also handelt es sich nur um eine optisch nette Enschuldung, die aber tatsächlich in echtem Geld nicht stattfindet. Bei den Haushaltsdefiziten der Euro-Staaten hat sich nicht nur in Relation zum BIP, sondern auch in Euro wirklich etwas getan. Von 298 Milliarden Euro im Jahr 2013 ging das Defizit auf 166 Milliarden Euro im  Jahr 2016 zurück. Das Defizit in Relation zum BIP sank kräftig von 3,0% auf jetzt 1,5%.


Zum Vergrößern bitte anklicken.

Die folgende Grafik zeigt links die Prozent-Defizite der Euro-Staaten in Relation zum BIP, und rechts ihre Gesamtverschuldung in Relation zum BIP. Schaut man sich in diesem „Ranking“ mal die „High Performer“ an, findet man unter den TOP 7 jeweils die wichtigen Flächenstaaten Italien, Spanien und Frankreich. Das ist eher kein gutes Zeichen! Und Griechenland? Man führt bei der Verschuldung uneinholbar mit 179% in Relation zum BIP. Aber beim Defizit? Hallo? Da findet man Griechenland gar nicht mehr als Schuldensünder. Wo ist das Land denn abgeblieben? Dazu gleich in einem separaten Folgeartikel mehr!


Zum Vergrößern bitte anklicken.

Eurostat im Originalwortlaut:

Im Jahr 2016 verzeichneten Luxemburg (+1,6%), Malta (+1,0%), Schweden (+0,9%), Deutschland (+0,8%), Griechenland (+0,7%), die Tschechische Republik (+0,6%), Zypern und die Niederlande (je +0,4%) sowie Estland und Litauen (je +0,3%) einen öffentlichen Überschuss, während Bulgarien und Lettland einen ausgeglichenen Finanzierungssaldo auswiesen. Die niedrigsten öffentlichen Defizite in Prozent des BIP meldeten Irland (-0,6%), Kroatien (-0,8%) und Dänemark (-0,9%). Vier Mitgliedstaaten wiesen ein Defizit von 3% oder mehr des BIP auf: Spanien (-4,5%), Frankreich (-3,4%), Rumänien und das Vereinigte Königreich (je -3,0%). Am Ende des Jahres 2016 wurden die niedrigsten Verschuldungsquoten (öffentlicher Schuldenstand im Verhältnis zum BIP) in Estland (9,5%), Luxemburg (20,0%), Bulgarien (29,5%), der Tschechischen Republik (37,2%), Rumänien (37,6%) und Dänemark (37,8%) verzeichnet.

Sechzehn Mitgliedstaaten wiesen eine Verschuldungsquote von mehr als 60% des BIP auf. Die höchsten Verschuldungsquoten verzeichneten Griechenland (179,0%), Italien (132,6%), Portugal (130,4%), Zypern (107,8%) und Belgien (105,9%). Im Jahr 2016 beliefen sich die Staatsausgaben im Euroraum auf 47,7% des BIP und die Staatseinnahmen auf 46,2%. Die entsprechenden Zahlen für die EU28 lagen bei 46,6% bzw. 44,9%. Zwischen 2015 und 2016 haben sich die Ausgaben des Staates im Verhältnis zum BIP in beiden Gebieten verringert, während die Einnahmen des Staates im Verhältnis zum BIP im Euroraum zurückgegangen und in der EU28 stabil geblieben sind.

Daten + Grafiken: Eurostat

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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