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Ein Wunder? Gewerbeumsätze deutlich besser als im Frühjahr 2020

Qualmende Schornsteine

Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie sind im zweiten Lockdown, die Umsätze brechen dramatisch ein. Nur die Industrie glänzt. Millionen von Solo-Selbständigen sind beruflich und finanziell womöglich am Ende, oder kurz davor. Dennoch präsentiert das Statistische Bundesamt heute mehr als glänzende Zahlen für die Gerwerbeumsätze in Deutschland, basierend auf den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzämter. Warum es eine Verzerrung der Realität sein kann? Nun, viele Betriebe melden nur quartalsweise, und gerade kleine Selbständige mit wenigen Einnahmen reichen gar keine Umsatzsteuermeldungen ein, weil sie gar nicht umsatzsteuerpflichtig sind. Die staatlichen Statistiker definieren die „gewerbliche Wirtschaft“ mit den Branchen Industrie, Energie- und Wasserversorgung, Bau, Gastgewerbe sowie Handel und Dienstleistungen.“ Also so ziemlich alles.

Laut aktueller Aussage des Statistischen Bundesamts ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland im Dezember 2020 trotz erneutem Lockdown gegenüber dem Vormonat deutlich gestiegen, nämlich um 5,1 Prozent. Seit dem Tiefpunkt im April 2020 ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft kontinuierlich angestiegen und liegt im Dezember 2020 nun 6,6 Prozent höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Mit reichlich Sarkasmus könnte man nur anhand dieser Zahlen glatt sagen: Sämtliche Hilfs- und Stützungsmaßnahmen für Wirtschaft, Selbständige und Beschäftigte kann der Staat sofort einstellen, denn es läuft ja deutlich besser als Anfang 2020. Aber die Realität ist (abgesehen von der Industrie) eine andere. Man schaue nur welche Ladenketten jetzt schon platt sind, und wer im Bekanntenkreis finanziell und beruflich ruiniert ist, oder kurz davor steht.

Aber zurück zu den offiziellen Zahlen. Die Grafik zeigt die Gewerbeumsätze seit dem Jahr 2015. Für Februar 2020, dem letzten Monat vor Ausbruch der Coronakrise, sehen wir einen Indexwert von 132,5, und im Tief im April einen Wert von 109,3. Jetzt sehen wir für Dezember einen Wert von 141,3. Also, alles bestens? Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, hat aktuell auch noch einen Hinweis, warum es im Dezember so gut aussieht:

Grafik zeigt Gewerbeumsätze seit 2015



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5 Kommentare

  1. Da war wohl Winston Smiths´ Dokumentationsabteilung am Werk…
    Aus dem Ministerium der Wahrheit (Bundes-Mini-Wahr)
    Doppeldenk auf Neusprech.

  2. Wie immer das Spielen mit Zahlen ! Bin selbst Gewerbetreibender und es gehört keine
    Statistik dazu uns etwas Fiktives zu suggerieren und dies nicht zu erkennen.
    Man muß es erkennen wollen.
    Man kann auch die Augen verschließen und das macht die Mehrheit unserer Bevölkerung,
    in der naiven Annahme,dass es schon nicht so schlimm für sie persönlich kommt.
    Natürlich kann sich heute kein Mensch mehr vorstellen,was wirkliche Armut und Leben
    in einem kommunistischen Staat (Diktatur „verpackt“in Demokratie und Nachhaltigkeit)
    bedeutet.

  3. Man muss da nicht immer gleich ein reißerisches Riesending draus machen und sofort wieder Betrug, Statistikmanipulation und Verschwörung dahinter wittern. Umsatzsteueranmeldungen liegen den Finanzämtern nun einmal vor, daran gibt es nichts zu deuteln. Oft ist es besser, unaufgeregt und nüchtern die Zahlen und Fakten zu betrachten und zu analysieren.

    Der Lockdown trat erst in der zweiten Dezemberhälfte in Kraft und bezieht sich auf 12 potenzielle Öffnungstage. Einige Tage vor Inkrafttreten wurden zahlreiche Weihnachtseinkäufe entsprechend vorgezogen bzw. online und über den Versandhandel realisiert. Es heißt in der Veröffentlichung ja nicht, dass keine oder weniger Selbständige und Unternehmer in Schwierigkeiten gekommen sind, sondern nur, dass die Gesamtumsätze in der Summe hoch waren. Ein großer Onlineshop könnte also jederzeit die Umsatzrückgänge von hunderten oder tausenden kleiner Läden kompensiert haben. Ein einziger Porsche für 300.000 EUR kompensiert einen Umsatzrückgang von jeweils 600 EUR bei 500 Soloselbständigen. Der Absatz mobiler IT-Geräte wie Notebooks, Chromebooks oder Tablets explodiert bei gleichzeitig steigenden Preisen (Homeoffice, Homelearning). Paketdienste melden Rekordumsätze und -gewinne. Im Weihnachtsquartal musste die Post 23 Prozent mehr Pakete bewältigen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

    Sonstige Handwerker- und Dienstleistungen, die den Mindestabstand einhalten, sind weiterhin zulässig.
    Soloselbständige sind sehr oft Dienstleister, die keinen direkten Kundenkontakt benötigen. Betroffen sind hier eher ein paar wenige Branchen wie Friseure, Gesichtsbehandlung, Kosmetik, Nagelstudios, Maniküre, Massage, Tätowieren und Piercen.

    Zulässig bleiben auch für die geschlossenen Läden der Versandhandel und die Auslieferung bestellter Waren. Die Abholung bestellter Waren durch Kunden ist ebenfalls zulässig, wenn sie unter Beachtung von Schutzmaßnahmen vor Infektionen kontaktfrei erfolgen kann.

    Zahlreiche Steuerberater haben seit jeher eine Abgabefristverlängerung für ihre Kunden bei den Finanzämtern hinterlegt, nun nochmals zusehends vermehrt auch deswegen, weil sie sich nun auch noch um die Beantragung der Überbrückungshilfen kümmern müssen. Die endgültigen Zahlen liegen also erst im Februar oder März vor. Zudem handelt es sich um einen Frühindikator, der aus den monatlichen, noch unvollständig vorliegenden Umsatzsteuervoranmeldungen ermittelt wird … Der Frühindikator weist noch nicht die methodische Reife und Belastbarkeit amtlicher Statistiken auf und zählt daher zu den experimentellen Daten … Um die noch ausstehenden Umsatzmeldungen besser zu kompensieren, wurde zuletzt die Methodik des Frühindikators geändert. Jedoch kann es auch mit dieser methodischen Verbesserung zu merklichen Revisionen der vorläufigen Ergebnisse kommen.
    Dies alles wird durch das Statistische Bundesamt so auch offen und transparent kommuniziert.
    https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/01/PD21_037_52.html

    Die Umsatzzahlen sagen also lediglich aus, dass zahlenmäßig relativ wenige Profiteure der Corona-Situation die Umsatzeinbrüche von vielen Leidtragenden mehr als kompensiert haben.

  4. Ergänzung zur Dauerfristverlängerung:
    Mit einer Dauerfristverlängerung – dies beantragen ca.70 % der Voranmeldungspflichtigen (mit einem Umsatzanteil von über 80 %) – verlängert sich die Abgabefrist um einen Monat. Für Auswertungen zum aktuellen Berichtsmonat mit einer Aktualität von unter 30 Tagen nach Monatsende ist die Datenlage daher noch recht unvollständig. In der Regel liegen etwa 20 – 25 % des Umsatzes für den aktuellen Monat vor.
    https://www.destatis.de/DE/Service/EXDAT/Datensaetze/umsatzsteuervoranmeldungen.html

  5. @Michael
    Den Porsche 911 Turbo S Cabriolet mit angemessener Sonderausstattung und Alu(hut)schiebedach habe ich längst gekauft und neben den Goldbarren und Diamanten im Garten vergraben. Eine Bodenuntersuchung mittels Probebohrung hat zuvor ergeben, dass an dieser Stelle keine Zombies die Erdkruste durchbrechen werden.

    Kein staatsvertrackter Kommunist in nachhaltiger Verpackung, kein wohlstandsgepamperter linker Diktator wird jemals meinen Porsche unterm Apfelbaum finden. Höchstens noch ein Maulwurf mit Aluminium-Sonnenbrille, der sich mit offenen Augen durchs Leben wühlt. Der muss es nur erkennen wollen.

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