Konjunkturdaten

Eine Detailsicht auf die „sensationellen“ US-Arbeitsmarktdaten

Am 5. August direkt nach Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten schrieben wir, dass für den Monat Juli die neu geschaffenen Arbeitsstellen sich auf breiter Front verteilen, auf viele Sektoren. Das ist grundsätzlich auch...

FMW-Redaktion

Am 5. August direkt nach Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten schrieben wir, dass für den Monat Juli die neu geschaffenen Arbeitsstellen sich auf breiter Front verteilen, auf viele Sektoren. Das ist grundsätzlich auch richtig – nur möchten wir an dieser Stelle mal wieder ein bisschen tiefer eintauchen in die Detaildaten. Man kann sich grundsätzlich fragen, warum so viele Amerikaner Bernie Sanders und vor allem Trump hinterherlaufen oder hinterhergelaufen sind, da beide doch so gar nicht in das normale Parteiensystem der USA passen.

Es herrscht, wenn man nach normalen ökonomischen Expertenmaßstäben geht, mit 4,9% Arbeitslosenquote in den USA fast schon Vollbeschäftigung. Warum also strömen oder strömten viele Menschen zu den beiden, wo doch eigentlich jeder glücklich sein müsste Arbeit zu haben? Nun, anhand des aktuellsten Monats Juli kann man sagen, ja, z.B. im Baugewerbe wurden in den USA doch 14.000 Stellen geschaffen, in der Produktion auch 9.000. Der Öl- und Minensektor verlor aber 7.000 Jobs. Im Großen und Ganzen betrachtet brachte der gesamte produzierende Sektor im Juli gerade mal netto 16.000 neue Stellen hervor, von insgesamt 217.000 neu geschaffenen Arbeitsstellen in der Privatwirtschaft. Die anderen 201.000 neuen Arbeitsplätze wurden bei den Dienstleistungen geschaffen. Wie immer ganz vorne mit dabei die Bereiche Gesundheitswesen (+48.000), Einzelhandel (+14.000) sowie Hotel und Gastronomie (+45.000), wo die Stundenlöhne teilweise nur halb so hoch sind wie in anderen Bereichen (hier Details).

Also selbst in vermeintlich glänzenden Zeiten kann das produzierende Gewerbe, das dem Arbeitnehmer per Saldo immer deutlich mehr Geld aufs Konto bringt, nur minimal neue Arbeitsplätze generieren. Ehemals hochbezahlte Ölarbeiter oder Maschinenbauer kellnern jetzt für die Hälfte ihres vorigen Gehalts, und welch Wunder, sitzen wohl bei Trumps Auftritt im Publikum, und wohl eher nicht bei Hillary Clinton. Aber die hat ja letzte Woche das größe Konjunkturprogramm der Nachkriegsgeschichte angekündigt. 10,4 Millionen neue „hochwertige und gut bezahlte“ Arbeitsplätze sollen entstehen, so Clinton. Dann wird wieder alles gut in den USA. Wir schrieben letzte Woche überschnell das Geld für dieses Programm könne ja nur aus neuen Schulden kommen. Hillary Clinton will aber, wie sie später verkündete, das Programm durch höhere Steuern für Besserverdiener finanzieren.

A: Bekommt sie höhere Steuern überhaupt durch den Kongress? B: Das würde den Konsum deutlich abwürgen, der das zentrale Standbein der US-Volkswirtschaft darstellt. Aber was schauen wir denn in die Zukunft… wenn Hillary Clinton gewinnt, will sie ja in wenigen Monaten dieses Programm auflegen, dann wissen wir spätestens in einem Jahr die Resultate. Sie muss sofort nach der Wahl die Steuern kräftig raufdrücken – vermeintlich für die Reichen. Dann muss man noch schnell deren Steuerflucht in Ausland verhindern, die höheren Steuern kassieren, und los geht´s mit dem Aufschwung. Wir sind auch keine Hellseher. Wir sind gespannt auf die Umsetzung dieses Versprechens von 10,4 Millionen neuer hochwertiger Arbeitsplätze. Anders als Obama wird ihr das ganz sicher gelingen…

BLS1
Grafik: US BLS



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2 Kommentare

  1. …Hauptsache, die Kühe fliegen, alles andere darf abstürzen…

  2. Sehr spannende Grafik. Vielen Dank für den Bericht :)
    Ich habe die Seite des BLS bereits ein wenig durchforstet, konnte jedoch bisher noch nicht den Link finden, aus dem Sie die Grafik der monatlichen Veränderungen entnommen haben.
    Wenn Sie den Link dazu noch nachreichen könnten, wäre das spitze :)
    Ansonsten weiter so!
    Beste Grüße

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