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Eine Runde Mitleid: Hedgefondsmanager bürgen mit Privatvermögen für ihre Firma

FMW-Redaktion

Schlimm schlimm, das Leben als Hedgefondsmanager. Oder soll man sagen, das Dahinvegetieren am Existenzminimum? Ein Beispiel dafür ist der Hedgefondsmanager John Paulson, der seit der Finanzkrise in den USA bekannt ist wie ein bunter Hund. Der Grund: er wettete erfolgreich auf einen Einbruch des Immoblienmarktes in den USA – und als das eintrat, wurde er ein noch deutlich reicherer Mann als zuvor. Er gilt in den USA als das Gesicht der Gewinner der Finanzkrise – eigentlich zu Unrecht. Denn es war nicht Paulsons Idee, dass der aufgeblasene Häusermarkt in den USA zusammen brechen werde – er hatte nur die richtigen Freunde und wurde daher zu einem Meeting eingeladen, auf dem die Vordenker referierten, was für ein Tsunami da kommen würde. Immerhin: er sprang dann auf, nicht zu seinem Schaden (aber vielleicht zum Schaden anderer).

Das alles hat dazu geführt, dass Paulson nach der Finanzkrise sehr viel Gelder zugeflossen sind. Man hielt ihn für einen Trading-Guru, einen Seher – und nur wenige wußten, dass er das in der Realität nicht war. Und die, die es wußten, sahen sich durch die weitere Entwicklung bestätigt: Paulson hatte im Grunde seit der Finanzkrise kein gutes Händchen mehr für die Märkte, die Verluste häuften sich, speziell in den letzten Monaten.

Nun aber ist bekannt geworden, dass der Milliardär mit seinem Privatvermögen zusätzlich bürgen mußte, damit seine Firma Paulson & Co. weitere Kredite von der HSBC Bank USA bekam. Und das geht schon seit fünf Jahren so – also ungefähr seit dem Zeitraum, in dem es für John Paulson nicht mehr wirklich gut läuft.

Seit dem Höhepunkt sind aus seinen Hedgefonds die Hälfte der Gelder abgezogen worden – seine Perfomance ist auf deutsch gesagt grottig. Und mit der Performance schwindet das Ansehen, mit dem Ansehen die investierten Gelder, und mit den Geldern die Kreditlinien. Hätte Paulson nicht so extrem tiefe Taschen durch seinen 15-Milliardengewinn in der Finanzkrise, hätte ihn das System schon längst ausgemendelt. Denn der Mißerfolg läßt die Gebühren immer weiter schrumpfen, die seine Hedgefonds verlangen können. Aus sich selbst heraus würden sich seine Hedgefonds daher kaum mehr tragen. Aber Paulson möchte seine Top-Leute behalten, dafür muß man gute Gehälter bieten – und dazu braucht es also Kredite, für die wiederum Paulson dann haftet.

Und seit die Märkte schwieriger geworden sind, ist Paulson da kein Einzelfall mehr in der amerikanischen Hedgefondsindustrie. Er ist nur das wohl bekannteste Gesicht derjenigen, die nun mit privaten Geldern bürgen, weil der Mißerfolg immer konstanter wird.

Wir bitten daher um eine Gedenkminute – und eine Runde Mitleid!



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