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Europa

Eine warnende Stimme zur Euphorie um das neue Allzeithoch beim ifo Index

Markus Fugmann

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Marktkommentar von Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK, zum Ifo-Geschäftsklimaindex

Der Ifo-Index steigt abermals von 114,6 auf 115,1 Punkte – das sorgt für gute Stimmung. Doch in der restlichen Welt sieht das Bild anders aus: Das Umfeld bröckelt. So haben die globalen Einkaufsmanagerindikatoren seit Monaten den Rückwärtsgang eingelegt. Das spricht nicht für eine anhaltende spürbare Belebung der Weltkonjunktur – selbst die sonst so optimistisch klingende OECD wird vorsichtiger und rechnet im kommenden Jahr kaum noch mit einer Wachstumsbeschleunigung.

Dass der aktuelle Rückgang beim Preisanstieg nur temporär sein soll, ist nicht schlüssig. Wahrscheinlich hat auch die Inflation ihren Höhepunkt überschritten. Und dass die Entwicklung beim Ölpreis passend dazu vor allem mit den hohen Lagerbeständen begründet wird, verdrängt das Argument eines möglichen Konjunkturabschwungs. Aber wenn die Konjunktur stabil ist, warum fällt dann der Ölpreis?

Die Aktienmärkte werden durch die Ifo-Daten vorerst weiter gestützt, doch den Notenbanken, insbesondere der EZB, hilft das nicht weiter. Denn was nützt die Botschaft, dass die Wachstumslokomotive in der Eurozone weiter liefert, wenn auf der anderen Seite die Zweifel am globalen ökonomischen Umfeld wachsen und der Inflationsdruck nachlässt? Im weiteren Wochenverlauf könnte das Statistische Bundesamt den zweiten Rückgang in Folge bei der deutschen Teuerungsrate verkünden.

Nachdem sich die politischen Risiken im Jahresverlauf deutlich verringert haben, ist der Fokus jetzt wieder sehr deutlich auf den Makrodaten. Und das Bild ist unklarer als es im Vorfeld der Parlamentswahlen in den Niederlanden, Frankreich und dem Vereinigten Königreich je war. Die Welt wird ungemütlicher, auch wenn der Ifo-Index weiter Stabilität suggeriert.

Ergänzung von FMW:

Das ifo Institut spricht davon, dass die Stimmung in der deutschen Wirtschaft euphorisch „jubilant“ sei. Auffallend ist, dass sich die Stimmung im produzierenden Gewerbe laut ifo nur leicht verbessert hat, während der Einzelhandel (ergo: Dienstleistungen) deutlich optimistischer geworden sei – nun zeigen aber die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland wie auch der Eurozone von Markit, eigentlich das gegenteilige Bild: Herstellung brummt, Dienstleistung zeigt Bremsspuren (siehe dazu „Deutscher Einkaufsmanagerindex: Dämpfer – schwächster Wert seit Februar, Preisdruck läßt nach“).
Auffallend weiterhin, dass die Stimmung im deutschen Bausektor sich verschlechtert hat: „In construction the index fell. Contractors marginally scaled back their assessments of the current business situation and business expectations..“.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    gerd

    26. Juni 2017 11:25 at 11:25

    Wie FMW nur immer eine ebenfalls warnende Stimme ausfindig macht?
    Gibt es da ein Netzwerk der Negativdenker?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      26. Juni 2017 11:50 at 11:50

      @Gerd, Euphoriker gibt es ja genug, wie zeigen die andere Seite der Medaille, die sonst nicht gezeigt wird!

    • Avatar

      Wolfgang M.

      26. Juni 2017 13:55 at 13:55

      Ja Gerd, wenn man sich mal die letzten 100 Börsenkommentare im Schnelldurchlauf ansieht, wird der bearishe Grundton überdeutlich. Jede negative Konjunkturzahl, Unternehmensenttäuschung, Gewinnwarnung u.ä. wird gefeiert, jede positive fast ignoriert oder mit einem Fragezeichen versehen. (Unternehmensgewinne in D 2017, Dividendenausschüttung, Alo-Zahlen, Ifo u.s.w.). Auch wird alle paar Tage von einer Topbildung oder von einem Doppeltop gesprochen. „Wieso kapieren es die Aktienmärkte nicht endlich?“ Wenngleich eine Korrektur jederzeit drin ist – das erste Halbjahr war hier sowas von selektiver Wahrnehmung geprägt. Ist von mir jetzt keine böswillige Unterstellung, sondern ein Rückblick auf die letzten 1200 Dax-Punkte. Gruß

  2. Avatar

    leser

    26. Juni 2017 12:53 at 12:53

    Wenn man einen Konsumentenkredit über 10 TEURO aufnimmt und den in der Eckkneipe auf den Kopf haut, dürfte die Stimmung des Wirts auch „jubilant“ werden.

    Kann es sein, dass der Einzelhandel einen künstlich geschaffenen Boom erlebt (http://www.mmnews.de/index.php/politik/118052-100-mrd-2020), dem volkswirtschaftlich ein dicker Kater folgt?

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone dritten Monat in Deflation, BIP besser als erwartet

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in der Klemme

Soeben wurden als Vorabschätzung die Verbraucherpreise für die Eurozone für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Jahresvergleich sinken sie um 0,3 Prozent nach -0,3 Prozent und -0,2 Prozent in den beiden vorigen Monaten. Also sehen wir den dritten Monat in Folge Deflation! Das Minus der Energiepreise wird wieder größer mit -8,4 Prozent im Jahresvergleich. Die Verbraucherpreise für Lebensmittel können von +1,8 Prozent auf +2,0 Prozent sogar zulegen, aber die Energie zieht den Schnitt weiter runter. Der Schnitt wird auch durch die deutsche Mehrwertsteuersenkung (wirksam seit Juli) negativ beeinflusst.

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BIP für Eurozone weniger schlimm als gedacht

Zusammen mit den Verbraucherpreisen wurden vorhin auch frische Daten für das Eurozonen-Bruttoinlandsprodukt für das 3. Quartal veröffentlicht. Die Wirtschaftsleistung wächst im Quartalsvergleich um 12,7 Prozent (+9 Prozent erwartet). Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 4,3 Prozent (-7 Prozent erwartet). Also wie beim deutschen BIP – die Lage scheint etwas weniger schlimm zu sein als erwartet.

Grafik zeigt BIP in Eurozone

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Europa

Aktuell: BIP Deutschland besser – Lagarde hatte es „geleaked“

Markus Fugmann

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Das BIP in Deutschland (1.Veröffentlichung 3.Quartal) ist zum Vorquartal mit +8,2% besser ausgefallen wie erwartet (Prognose war +7,3%).

Zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt) sank das deutsche BIP um –4,2% (Prognose war -5,2%).

Damit wie in Frankreich die Erwartungen übertroffen – Christine Lagarde hatte das gestern auf der EZB-PK bereits „geleaked“..

Dazu schreibt Destatis:

„Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2020 gegenüber dem 2. Quartal 2020 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 8,2 % gestiegen. Das Wachstum war sowohl von höheren privaten Konsumausgaben, mehr Investitionen in Ausrüstungen als auch von stark gestiegenen Exporten getragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist die deutsche Wirtschaft damit nach dem historischen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im 2. Quartal 2020 infolge der einsetzenden Corona-Pandemie zwar deutlich gewachsen. Im Vergleich zum 4. Quartal 2019, dem Quartal vor der globalen Corona-Krise, lag das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP im 3. Quartal 2020 jedoch 4,2 % niedriger. „

Das BIP in Deutschland erholt sich zum Vorquartal

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Europa

Einzelhandelsumsätze in der Krise: Viele Gewinner, ein Verlierer

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum

Die Einzelhandelsumsätze haben in der Coronakrise nicht gelitten. Sie ziehen sogar deutlich an. Wenn man nachdenkt, kommt man schnell drauf. Die Menschen gehen deutlich seltener ins Restaurant, in Bars, auf Events etc. Folglich wird deutlich mehr zuhause gekocht. Folglich werden mehr Lebensmittel eingekauft als im Vorjahr. Diesen Effekt sieht man in den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts.

Im September lagen die gesamten Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahresmonat 6,5 Prozent höher. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland, war der Umsatz im September 2020 kalender- und saisonbereinigt real 2,8 Prozent höher. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte real 6,8 Prozent und nominal 9,6 Prozent mehr um als im September 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 7,0 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 4,9 Prozent mehr um.

Einzelhandelsumsätze bei Nicht-Lebensmitteln

Auch die Einzelhandelsumsätze außerhalb der Lebensmittel profitiert. Aber mit einer Ausnahme. Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände laufen gut mit +11 Prozent, der gesamte Online-Versandhandel läuft blendend mit +21 Prozent. Aber der Bereich Bekleidung und Schuhe verliert 7,3 Prozent an Umsatz. Waren- und Kaufhäuser verlieren 9,9 Prozent an Umsatz. Die Kombination dieser beiden Zahlen zeigt ganz klar, dass Karstadt und Co die Verlierer der Krise sind. Wenn Klamotten, dann werden sie in dieser Krise eher online gekauft.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im September

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