Europa

Eine warnende Stimme zur Euphorie um das neue Allzeithoch beim ifo Index

Marktkommentar von Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK, zum Ifo-Geschäftsklimaindex

Der Ifo-Index steigt abermals von 114,6 auf 115,1 Punkte – das sorgt für gute Stimmung. Doch in der restlichen Welt sieht das Bild anders aus: Das Umfeld bröckelt. So haben die globalen Einkaufsmanagerindikatoren seit Monaten den Rückwärtsgang eingelegt. Das spricht nicht für eine anhaltende spürbare Belebung der Weltkonjunktur – selbst die sonst so optimistisch klingende OECD wird vorsichtiger und rechnet im kommenden Jahr kaum noch mit einer Wachstumsbeschleunigung.

Dass der aktuelle Rückgang beim Preisanstieg nur temporär sein soll, ist nicht schlüssig. Wahrscheinlich hat auch die Inflation ihren Höhepunkt überschritten. Und dass die Entwicklung beim Ölpreis passend dazu vor allem mit den hohen Lagerbeständen begründet wird, verdrängt das Argument eines möglichen Konjunkturabschwungs. Aber wenn die Konjunktur stabil ist, warum fällt dann der Ölpreis?

Die Aktienmärkte werden durch die Ifo-Daten vorerst weiter gestützt, doch den Notenbanken, insbesondere der EZB, hilft das nicht weiter. Denn was nützt die Botschaft, dass die Wachstumslokomotive in der Eurozone weiter liefert, wenn auf der anderen Seite die Zweifel am globalen ökonomischen Umfeld wachsen und der Inflationsdruck nachlässt? Im weiteren Wochenverlauf könnte das Statistische Bundesamt den zweiten Rückgang in Folge bei der deutschen Teuerungsrate verkünden.

Nachdem sich die politischen Risiken im Jahresverlauf deutlich verringert haben, ist der Fokus jetzt wieder sehr deutlich auf den Makrodaten. Und das Bild ist unklarer als es im Vorfeld der Parlamentswahlen in den Niederlanden, Frankreich und dem Vereinigten Königreich je war. Die Welt wird ungemütlicher, auch wenn der Ifo-Index weiter Stabilität suggeriert.

Ergänzung von FMW:

Das ifo Institut spricht davon, dass die Stimmung in der deutschen Wirtschaft euphorisch „jubilant“ sei. Auffallend ist, dass sich die Stimmung im produzierenden Gewerbe laut ifo nur leicht verbessert hat, während der Einzelhandel (ergo: Dienstleistungen) deutlich optimistischer geworden sei – nun zeigen aber die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland wie auch der Eurozone von Markit, eigentlich das gegenteilige Bild: Herstellung brummt, Dienstleistung zeigt Bremsspuren (siehe dazu „Deutscher Einkaufsmanagerindex: Dämpfer – schwächster Wert seit Februar, Preisdruck läßt nach“).
Auffallend weiterhin, dass die Stimmung im deutschen Bausektor sich verschlechtert hat: „In construction the index fell. Contractors marginally scaled back their assessments of the current business situation and business expectations..“.



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4 Kommentare

  1. Wie FMW nur immer eine ebenfalls warnende Stimme ausfindig macht?
    Gibt es da ein Netzwerk der Negativdenker?

    1. @Gerd, Euphoriker gibt es ja genug, wie zeigen die andere Seite der Medaille, die sonst nicht gezeigt wird!

    2. Ja Gerd, wenn man sich mal die letzten 100 Börsenkommentare im Schnelldurchlauf ansieht, wird der bearishe Grundton überdeutlich. Jede negative Konjunkturzahl, Unternehmensenttäuschung, Gewinnwarnung u.ä. wird gefeiert, jede positive fast ignoriert oder mit einem Fragezeichen versehen. (Unternehmensgewinne in D 2017, Dividendenausschüttung, Alo-Zahlen, Ifo u.s.w.). Auch wird alle paar Tage von einer Topbildung oder von einem Doppeltop gesprochen. „Wieso kapieren es die Aktienmärkte nicht endlich?“ Wenngleich eine Korrektur jederzeit drin ist – das erste Halbjahr war hier sowas von selektiver Wahrnehmung geprägt. Ist von mir jetzt keine böswillige Unterstellung, sondern ein Rückblick auf die letzten 1200 Dax-Punkte. Gruß

  2. Wenn man einen Konsumentenkredit über 10 TEURO aufnimmt und den in der Eckkneipe auf den Kopf haut, dürfte die Stimmung des Wirts auch „jubilant“ werden.

    Kann es sein, dass der Einzelhandel einen künstlich geschaffenen Boom erlebt (http://www.mmnews.de/index.php/politik/118052-100-mrd-2020), dem volkswirtschaftlich ein dicker Kater folgt?

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