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Einkaufsmanagerindizes: Rückgang der Industrie erfasst Dienstleistungssektor

Wolfgang Müller

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am

Der Einbruch der Frühindikatoren im Bereich der Industrie in Gestalt der Einkaufsmanagerindizes Verarbeitendes Gewerbe vollzieht sich bereits seit Monaten und manche Regionen ist bereits in den Rezessionsbereich abgerutscht. Lange Zeit wurden die Volkswirtschaften durch einen sehr stabilen Dienstleistungsbereich und sehr ausgabefreudige Konsumenten hochgehalten. Aber damit scheint es jetzt vorbei zu sein, wie neueste Zahlen andeuten.

Supermarktregale - Einkaufsmanagerindizes bei Dienstleistungen schwach
Supermarktregale als Symbol für den Dienstleistungssektor. Foto: unsplash / Hanson Lu

Der tiefe Fall der Industrieindikatoren

In vielen Regionen gilt die Rezession im industriellen Bereich als ausgemachte Sache. Während man in China mit allerlei Stimuli noch um die Marke von 50 Punkten im Einkaufsmanagerindex, also der Schwelle zur Schrumpfung kämpft (aktuell 49,8), ist dieser insbesondere in den klassischen Exportnationen tief in diesen Bereich eingetaucht. Südkorea 48,0, aber noch viel deutlicher in Deutschland mit 41,7 Punkten – der Automobilindustrie sei Dank. Aber die eigentliche Überraschung kam vor wenigen Tagen aus den USA als der ISM Einkaufsmanagerindex für die Industrie auf 47,8 Punkte eingebrochen war. Die Industrie hat in der 20 Billionen-Dollar-Ökonomie zwar noch nur noch einen Anteil von 17 % am Bruttoinlandsprodukt, die Gewinne der Firmen machen jedoch zwei Drittel an den Aktienmärkten aus. Umso gespannter wartete man auf die Veröffentlichung der Indizes aus dem Dienstleistungssektor, denen angesichts der Talfahrt der Industrie eine besondere konjunkturelle Bedeutung zukommt.

Der aktuelle Zahlenreigen der Einkaufsmanagerindizes

Am gestrigen Donnerstag wurden Zahlen aus Asien, Europa und den USA gemeldet und diese fielen im Servicesektor schlecht aus, mehr noch, es gab auch schon manchen Rutsch an oder sogar unter die Wachstumsschwelle. Skurrilerweise überraschte ausgerechnet das konjunkturelle Sorgenkind Italien mit einem Anstieg. Hier ein paar Daten zu den gemeldeten Einkaufsmanagerindizes (EMI):

EMI Dienstleistungen

Japan: 52,8 Punkte – Vormonat 53,3

Australien: 52,4 Punkte – 49,1

Spanien: 53,3 Punkte – 54,3

Italien: 51,4 Punkte – 50,6 gesamt: 50,6

Frankreich: 51,1 Punkte – 54,4 gesamt: 50,8

Deutschland: 51,4 Punkte – 54,8 gesamt: 48,5

Großbritannien: 49,5 Punkte- 50,6 gesamt: 49,3

Europa: 51,6 Punkte – 53,5 gesamt: 50,1

USA: 52,6 Punkte- 55,3

Der Trend ist auch im Servicesektor insgesamt klar abwärts gerichtet und auch im Gesamtindex befinden sich viele Regionen bereits ganz knapp an der entscheidenden Marke, die eine Schrumpfung signalisiert.

Spannung vor den US-Zahlen

Das Hauptaugenmerk am Tag der Bekanntgabe der Service-Indizes lag eindeutig auf dem ISM in den USA. Dieser sollte es richten und die Rezessionsängste nach dem ISM Verarbeitendes Gewerbe vertreiben – aber wie oben dargelegt, enttäuschte der Frühindikator mit einem Fall auf 52,6 Punkte. Rasch gingen die Aktienindizes in die Knie, aber….!

Claudio Kummerfeld hat am gestrigen Tag die seltsame Reaktion der US-Märkte beschrieben. Zunächst ein Einbruch des Dow Jones um 300 Punkte, als Erstreaktion auf den starken Rückgang des Service-Sektors und kurz darauf der Swing um 350 Punkte. Warum? Natürlich war es wieder einmal der reflexartige Turnarond aufgrund der erwachten Zinssenkungshoffnungen. Ich möchte hier eigentlich nicht schon wieder meine alte Platte vom wichtigsten Faktor an den Aktienbörsen zum Besten geben (außerhalb der Rezessionsphase) – die Bedeutung des monetären Faktors. Aber es kam wieder einmal zu diesem „einprogrammierten“ Verhalten, welches in der jetzigen Lage der niedrigen Anleihezinsen sogar nochmal etwas extremer ist als in früheren Zeiten. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die Fed für Ende Oktober ist von 75 ist auf 93 Prozent gestiegen, für die Dezember-Sitzung bereits auf 57 Prozent.

Die US-Notenbank hat im Vergleich zur Europäischen Zentralbank noch einen Spielraum nach unten, was auch dem US-Konsumenten (temporär) zugute kommen dürfte. Man vergleiche nur die Höhe der Hypothekenzinsen in den USA und Europa.

Nach den fallenden Indikatoren sollten die Forderungen nach konjunkturpolitischen Stimuli lauter werden, insbesondere in Europa und Deutschland. Nach endlosen Diskussionen um die schwarze Null im deutschen Haushalt. Interessant ist auch die plötzliche Diskussion um die Wirkungslosigkeit von negativen Zinsen. Dazu auch eine kleine Anekdote zu unserem Finanzminister Olaf Scholz, welche auch Markus Koch immer wieder zum Besten gibt: Der Minister hasst das Schuldenmachen, aber noch mehr hasst er Minuszinsen (am Geldmarkt, nicht am Anleihemarkt!). Hat er in verschiedenen Interviews nicht immer betont, dass er keine Aktien oder Fonds besitzt und sein ganzes Geld auf Geldkonten parkt! Aus dieser Sicht ist seine Abneigung gegen Minuszinsen durchaus verständlich.

Honi soit qui mal y pense!

Fazit

Der Dienstleistungssektor, die große Stütze für viele Volkswirtschaften, scheint brüchig zu werden. Das Überschwappen aus dem schwächelnden Produktionsbereich nimmt Gestalt an. Noch sind die Arbeitsmärkte sehr solide, aber auch mit ersten Anzeichen der Schwäche. Damit wären wir bei dem für heute um 14:30 Uhr erwarteten Arbeitsmarktbericht in den USA. Gibt es eine Enttäuschung mit einer Zahl unter 100 000 Stellen und einer grünen Ampel für Jerome Powell (und seine Begründung zur Zinssenkung) oder eine Überraschung nach oben, dem Arbeitsmarktbericht des Dienstleisters ADP vom Mittwoch folgend?

Der Monat Oktober jedenfalls hat bereits in den ersten drei Tagen seinen Ruf als „Volatilitätskönig“ unter Beweis gestellt. Und es könnte so weitergehen mit den noch folgenden Terminen, insbesondere dem so erwarteten Entscheidungstreffen am 10. und 11. Oktober in Washington. Was wird sich Donald Trump gedacht haben, als sein Lieblingsindex Dow Jones in nicht einmal 72 Stunden um 1100 Punkte in die Tiefe gerutscht war?

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Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

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Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

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Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

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Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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