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Warum Experten die „Brutto für Netto“ Idee von Olaf Scholz gut finden

Schafft es Olaf Scholz mit seinem Modell einer abgabenfreien Einmalzahlung durch die Arbeitgeber die Lohn-Preis-Spirale zu bremsen? Experten finden diese Idee gar nicht mal so schlecht.

Euro-Geldscheine

Wie verhindert man eine Lohn-Preis-Spirale? Denn nun droht sie, die starke Anhebung von tarifgebundenen Gehältern aufgrund der hohen Inflation. Dann müsten die Arbeitgeber diese höheren Lohnkosten auf die Preise für ihre Kunden abwälzen, was die Inflation weiter anheizen würde. Bundeskanzler Olaf Scholz will laut Bild am Sonntag eine Einmalzahlung der Arbeitgeber durchsetzen. Angeblich will er diesen Vorschlag am 4. Juli gegenüber Arbeitgebern und Gewerkschaften unterbreiten. Damit will man wohl verhindern, dass die Gehälter dauerhaft zu stark angehoben werden? Ja, in der Tat – offenbar sollen die Gewerkschaften im Gegenzug bei Tarifrunden auf Teile ihrer Lohnforderungen verzichten.

Olaf Scholz mit Idee für Einmalzahlung – kann das die Gewerkschaften bremsen?

Der Anreiz: Diese Einmalzahlung der Arbeitgeber soll nicht mit Steuern oder Abgaben belegt werden. Also wäre diese Einmalzahlung von beispielsweise 500 Euro für den Arbeitnehmer „Brutto für Netto“. Die Idee dahinter ist wohl: Mit solchen Geldern sollen vor allem einkommensschwache Haushalte eine kleine Reserve haben um die anstehenden Betriebs- und Heizkostennachzahlungen stemmen zu können. Letztlich würde eine abgabenfreie Einmalzahlung bedeuten: Staat und die Sozialversicherungen verzichten auf Milliardenbeträge, und fungieren somit als Puffer zur Dämpfung der Lohn-Preis-Spirale – wenn sich die Gewerkschaften am 4. Juli tatsächlich darauf einlassen. Neben kritischen Stimmen aus der Opposition hört man heute auch bereits eine ablehnende Haltung bei den Gewerkschaften. So verbittet sich laut aktuellen Berichten die IG Metall eine Einmischung in die Tarifverhandlungen.

Experten sehen eine abgabenfreie Einmalzahlung positiv

Die Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben sich heute zu diesem Modell der abgabenfreien Einmalzahlung geäußert, wie sie Olaf Scholz nächste Woche vermutlich vorschlagen wird. Außergewöhnliche Situationen erfordern laut IW außergewöhnliche Maßnahmen. Steuer- und sozialabgabenfreie Einmalzahlungen wären in normalen Zeiten eine unangemessene Subvention. Doch die hohe Inflation, die insbesondere von den Energiepreisen getrieben wird, erfordere Kreativität – andernfalls drohe eine Lohn-Preis-Spirale, von der niemand etwas habe. Bei hohen Lohnabschlüssen müssten die Unternehmen gestiegene Personalkosten an die Verbraucher weitergeben, in der Folge würden die Preise weiter steigen.

Wahr ist laut IW aber auch, dass es ohne Lohnerhöhungen für viele Bürger eng wird, gerade wenn es im Winter ans Heizen geht. Der Ausweg von Bundeskanzler Scholz sei in einer solchen Situation vertretbar. Einmalzahlungen würden unmittelbar dabei helfen höhere Rechnungen zu begleichen, vermindern aber das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale, weil die Kosten der Unternehmen nicht dauerhaft steigen. Damit Unternehmen zu diesem Instrument greifen, braucht es laut IW einen Anreiz. Eine Steuer- und Abgabenfreiheit sei ein probates Mittel, sofern die Zahlung gleichzeitig für das Unternehmen steuerlich abzugsfähig ist. Bei den Arbeitnehmern komme so mehr im Portemonnaie an – brutto entspräche netto.

IW simuliert Szenario mit überschaubar weniger Steuereinnahmen

Die fiskalischen Kosten einer steuer- und abgabenfreien Einmalzahlung sind laut IW schwer zu beziffern, da Erfahrungswerte aus dem vergangenen „Corona-Bonus“ bisher vom Bundesfinanzministerium nicht veröffentlicht wurden. Die ausgezahlte Einmalzahlung und der Anteil derjenigen, die eine erhalten, seien daher mit großer Unsicherheit behaftet. Würden 75 Prozent der Arbeitnehmer im Schnitt 500 Euro erhalten, würde der Staat laut IW auf Steuereinnahmen von schätzungsweise fünf Milliarden Euro verzichten – bei der Sozialversicherung läge der Einnahmenverzicht ebenfalls bei rund fünf Milliarden Euro. Zudem werde durch die höheren Konsumausgaben über Energie- und Mehrwertsteuer Geld an den Staat zurückfließen. Insgesamt wären die Kosten für den Fiskus in etwa so hoch wie bei der Energiepreispauschale – und würden deutlich besser entlasten als der Tankrabatt.



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23 Kommentare

  1. Natürlich finden die „Experten“ vom IW so eine Lösung gut. Sie bedeutet ja gerade keine dauerhafte Lohnerhöhung. Die fürchten Unternehmen ja wie der Teufel das Weihwasser.

    Aber: Die gestiegenen Preise wären auch dann dauerhaft, wenn die Inflationsrate auf Null zurückginge. Ein Rückgang der Inflationsrate bedeutet ja nur, dass sich die Geschwindigkeit des Preisanstiegs abschwächt. Nur bei einer negativen Inflationsrate (also Deflation) würden Preise tatsächlich sinken. Damit böte die Einmalzahlung einen Ausgleich für dieses Jahr und nächstes Jahr gäbe es keinen mehr, obwohl die Preise weiterhin hoch wären. Das würde also bedeuten: dauerhafte Mehreinnahmen für die Unternehmen durch wenigstens gleich bleibende Preise bei konstanten Nominallöhnen. Umverteilung zu Lasten der Arbeitnehmer.

    1. Es gibt genügend Firmen die nicht Gewerkschaftlicht Organisiert sind,und klein oder Familien Betriebe da wird es nicht umgesetzt. Und somit kommt das mal wieder nur bei dehnen an die so oder so schon ein hohes Gehalt haben.

  2. Die sogenannten Experten, die nach 42Std./Woche und Rente mit 70 schreien, die im Leben sich noch nie krumm gemacht haben, von solchen Volldeppen gibt es immer mehr. Eine Einmalzahlung bringt nichts und ist überhaupt nicht nachhaltig. Krisengewinner sind nicht nur die Hersteller sondern auch der Staat, denn bei jede Preiserhöhung kassiert der Staat durch Mehreinnahmen von verschiedenen Steuern. Was die mit dem Geld der Steuerzahler machen ist nichr anderes als Veruntreuung.
    Wenn dem Bürger mehr Netto bleiben soll, müssen Lohnsteuer und andere Abgaben gesenkt werden.

  3. Nur damit keine Verwechslungen und Missverständnisse auftreten: Die arbeitgebernahe Lobby ‚Institut der Deutschen Wirtschaft‘ hält eine Einmalzahlung für „vertretbar“. Das IW, nicht das DIW mit dem FMW-Lieblingsfeind Marcel Fratzscher. Der Kommunistenschurke ist nämlich nicht so angemessen kreativ, eine steuer- und abgabenfreie Einmalzahlung für die Belegschaft anstelle einer dauerhaften Lohnanpassung gleichzeitig für das Unternehmen auch noch als steuerlich abzugsfähig zu deklarieren.

  4. Super Idee, aber wann kommt denn überhaupt mal die 1. Zahlung von 300.- € an, die wir versteuern müssen? Mein letztes Tanken war teurer als 1 Monat zuvor! Wir werden doch nur verarscht, aber mehr Lohn funktioniert auch nicht. Arbeite in einen Betrieb der Lebensmittel produziert, der ächzt auch an den gestiegenen Energie und Einkaufspreise und muss es an den Kunden weitergeben. Wie soll er noch höhere Löhne bezahlen?

  5. Tja wenn man sich die Gehälter der Chefs sich ansieht, Frage ich mich warum es an den Verbraucher weitergeben wird? Vielleicht sollte es ehr eine gesetzliche Grenze geben, zum maximalgehalt. Die nicht vorsieht das einige aus den oberen Etagen mit Millionen nach Hause gehen während die Angestellten vom Mindestlohn leben.

    Das wäre doch mal ein Anfang.

  6. Die wird wie die Corona Förderung nicht bei jedem ankommen. Einkommensteuersenkung käme bei jedem an.

    1. @Kai

      Wirklich? Auch bei denen, die keine Einkommensteuer bezahlen? Also die es am allernötigsten hätten.

  7. Ich hoffe, dass, was ich hier lese nur ein Hirngespinst ist und nicht wirklich durchgeführt wird. Die reale Inflation liegt bei 20-30%. Alle Kosten steigen momentan merklich. Die Gewerkschaft sollte mindestens 10% fordern und auch durchsetzen. Genau so ein Blödsinn ist der Grund, warum unsere Spezialisten nicht beim Staat arbeiten wollen, sondern zu den Unternehmen gehen. – Den Gewinnern in der Krise seit mehreren Jahren.

  8. Ich hätte eine viel bessere Idee. Die genau den gleichen Effekt hat. Der Staat reduziert einfach Mal die Abgabelast um 5% gesamt. Ach Mist schon habe ich die Links grünen Taschenspielertricks enttarnt. Den das würde ja wirklich den arbeiteten Menschen helfen. In ein Land mit den höchsten Abgaben der OECD Ländern.

  9. Hans Joachim Schneemann

    Ich empfehle der Politik alles was möglich ist in die Armee zu investieren. Denn wenn es so weitergeht wird das VOLK irgendwann Wach werden,ich möchte dann nicht in eurer Haut stecken. Volksverarsche seit den 1980 könnte sich dann entladen. Viel Glück

  10. Gehen Rentner wiedermal leer aus ?

  11. Es gehen zu viele Menschen leer aus, leider wie immer.

  12. Vorschlag,da wir Rentner wieder einmal nichts bekommen,schlage ich vor uns Rentner nach Afrika den Löwen zum Frass vor zu werfen.Dann spart der Staat die Renten u.kann das Geld ins Ausland verschenken oder den Bundestag vergrössern.Bei den Löwen geht es wenigstens schnell,besser als in Deutschland dahin zu vegetieren.Danke an die Regierung wie der Rentner Wert geschätzt wird.

    1. @ Just

      Im Grunde genommen ein pragmatischer und guter Vorschlag ;-)

      Leider ist dies aber aus ideologischen Gründen nicht durchführbar.
      Durch den Verzehr von zu vielen wohlgenährten deutschen Rentnern würde die Regierung das Tierwohl der Löwen (diese würden sich überfressen und selber Fettleibig werden) gefährdet sehen ;-)

  13. Ja, meine Stimme haben Sie!

    Der Rentner wird wertgeschätzt, da es das größte Wählerklientel ist.

    Da geht ziemlich viel an der Realität vorbei….

    Ihr habts net leicht, vor allem die Jahrgänge ab den 50 ern……

  14. Unsere Regierung die denken nur an sich selbst, aber wir sind sowieso Arbeitslos wegen unsere Umwelt und die Reden von E Autos und noch was Die Welt geht sowie so unter weil das schon immer war. Deutschland will Die Welt Retten ich lach mich tot…

  15. Eine Einmalzahlung in Höhe von 500€ bringt rein gar nix bei den stark gestiegenen. Preise. Wir geben im Monat 150 Euro für 3 Personem mehr aus als sonst (da ist das Heizöl und der Sprit noch nicht berücksichtigt).
    Sa kommen wir mit 500 Euro nicht weit!

    1. Liebe Lisa,

      das ist der eigentliche Punkt. So wird das wird auch quer durch die Arbeitnehmerschaft gesehen. In den ganzen Foren, in denen sich tendenziell eher die Studierte Gesellschaft austauscht, kommt genau dieser Realitätsbezug zu kurz. Normalen Öltank volltanken (5500L): 8.000 Euro.

      500 Euro sind viel Geld, wenn man sie erarbeiten muss, aber nichts, wenn es darum geht, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

      Zum Thema „Duschen“: ein befreundeter Einzelhändler in Berlin hat mir vor ein paar Wochen folgendes geschrieben: „Bei mir sind Heizung und Warmwasser abgestellt. Im Herbst gehe ich weg. Kanaren.“

      So sieht das aus.

      Die Welt sieht eben ganz anders aus, wenn man im Haus von Papa aufgewachsen ist, immer zwei Autos vor der Tür, auf Kosten der Allgemeinheit studiert hat, und auch das Glück hatte einen entsprechenden Job zu bekommen und Opa und Omas immer noch hübsch zugebuttert haben. Daran ist nichts falsch, außer, dass man es nicht für die Allgemeinheit als Normalzustand annehmen darf.

  16. Letztens habe ich erfahren, dass ein IG-Metall Azubi nach der Lehre 1800€ Netto (STK 1) bekommt. Ich bin damals trotz Gewerkschaft mit ~1200€ Netto gestartet – 2014.

    Zum eigentlichen Thema:
    500€ und dafür weniger mehr an Lohn – das ist am Ende eine Verlust für den Arbeitnehmer aufs Jahr gesehen.

    Halte ich nichts von

  17. Kruzifix, reine verarsche. Preise hoch, Löhne stop, wer leidet? Unschuldige Arbeiter. Gewinner, die Unternehmer und Politik. Zweiklassengeselschaft, noch mehr Reichtum und noch mehr Armut, dazu muß man nicht studieren oder einen Titel tragen 😂. Nur idioten studieren und lassen sich etwas eintrichtern. Siehe BGM K. Lauterbacchino/Mafiosi als Beispiel. Es muss endlich einen Arschloch geben der dieser Misere stinkefinger zeigt. Stopp die Ausbeutung. Runter mit der V. D. L., runter mit der Ampel, runter mit der Gretaklima, runter mit Biontec, runter mit Biden, Trudeu, Scholz, Putin, runter mit EAuto und ausbeutung des Litiums sowie wasservorräte, kindesmisbrauch beim abbau von Litiums, runter mit dem wohlstand von reichen, ha jo, es gibt noch ne menge Beispiele wo das Gleichgewicht nicht stimmt. Who, bill fuzzigates und seine corona konsorten, alles gehört abgeschafft, also, was brauchen wir? Kein Krieg, das ist nur eine farse was gerade abläuft, augenschmiererei. Wir brauchen eine neue REVOLUTION, wir müssen die Macrons, Scholzs, Putins, Von der Layens und ahnliche stoppen, den die kleine Gruppe kann und darf in einer Demokratie nicht über die Mehrheit entscheiden, dazu haben sie kein Recht. Bums. Aus. Danke

    1. Kann Ihre Reaktion verstehen.Nur was Sie genannt haben ist unsere Weltenbühne und diese „netten“Politiker(marionetten) bringen es ihre Kapitalgebern (Steuersklaven)immer „dem Zeitgeist
      passend“ bei,indem sie diesen nicht „mitgestalten“sondern dem Volk best möglich „beipulen“.
      Einzig und allein das Aufblasen der Geldmenge hat diese Folgen und wohl jedem gezeigt,wer hier
      der Sklave ist-wie so oft in unserer Geschichte,nur ist dies aktuell um so schmerzlicher für jeden,
      da er aufgeklärter ist.
      Die jetzige „Brutto für Netto Zahlung“ ist wieder so ein populistisches Gespinst.Was ist mit Rentnern
      Kleinselbstständigen und Arbeitnehmern,die nicht organisiert sind.Wenn diese Personengruppen leer ausgehen,
      ist so etwas mit Gleichheit vor dem Grundgesetz vereinbar ? Das ist natürlich nur rein hypothetisch – was
      momentan gemacht wird ist von der Intelligenz eher etwas für die geschlossene Anstalt…………..

  18. Sry aber bla bla bla … die Regierung soll zuerst die Familien unterstützen… vor einigen Jahren hat die Regierung noch….. Kinder Kinder benötigen wir geschriebene
    ! Weg mit dem Elternbeitrag für Kindergarten und zwar bundesweit und sehr schnell !

    Danke

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