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Europa

Einzelhandel-Boom!? Doch keine Konjunkturflaute? Deutsche im Konsum-Fieber? Hier die Auflösung

Redaktion

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Auf den ersten Blick boomt der Einzelhandel in Deutschland. Es geht aufwärts! Ist die Konjunkturflaute also abgeblasen, oder gab es sie gar nicht? Sind die Deutschen wie wild am Konsumieren, weil sie keine Angst vor einem Jobverlust haben? Das könnte man denken, wenn man nicht genauer auf die Detailzahlen schaut.

Das Statistische Bundesamt hat heute die aktuellsten Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen in Deutschland für den Monat Mai veröffentlicht. Die Monatsvergleichszahlen sind aufgrund saisonaler Schwankungen uninteressant. Aber im Vergleich zu Mai 2018, da zeigt die Statistik ein sattes Plus von 4% bei den Einzelhandelsumsätzen. Also geht es kräftig bergauf? Nein, dem ist nicht so! Denn die Details der Statistiker verraten auch, dass der Mai 2019 mit 25 Verkaufstagen einen Verkaufstag mehr hatte als der Mai 2018. Ein Tag mehr sind +4,17% mehr Verkaufszeit. Also geht das Plus bei den Umsätzen wohl auf dieses Mehr an geöffneten Geschäften zurück.

Gleichzeitig sieht man, dass der Umsatz bei Lebensmitteln nur um 2,6% gestiegen ist. Berücksichtigt man den zusätzlichen Verkaufstag gegenüber dem Vorjahr, kann man sogar effektiv von einem Rückgang des Umsatzes bei Lebensmitteln sprechen? Der Umsatz bei Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten stieg real um 2,9%. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln setzte im Vergleich zum Mai 2018 real nur 0,1% mehr um. Also sieht die Statistik zum Einzelhandel gar nicht so rosig aus. Das größte Umsatzplus mit real 8,2% erzielte (ohhh Wunder) der Internet- und Versandhandel.

Einzelhandelsumsätze

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    leftutti

    2. Juli 2019 16:41 at 16:41

    Warum sollte der Umsatz an Lebensmitteln auch immer weiter steigen? Irgendwann ist jeder satt, nach einer Lohnerhöhung ändert man doch nicht seine Essgewohnheiten. Und Lebensmittel sind, wie ich finde, relativ unabhängig von der Anzahl der Verkaufstage. Das sieht man ja sehr gut vor verlängerten Wochenenden wie z.B. Pfingsten. Dann wird eben am Samstag etwas mehr eingekauft, damit es auch noch am Montag reicht. Bei unveränderten Essgewohnheiten kann also nur eine Preissteigerung zu höheren Umsätzen führen. Oder ein Bevölkerungszuwachs…

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      Shong09

      3. Juli 2019 12:53 at 12:53

      Das ist natürlich ncith richtig, wenn Sie mehr Gehalt bekommen, entscheiden Sie sich, sofern Sie noch nicht Millardär sind, sehr wahrscheinlich ab und zu für ein (vermeintlich) qualitativ besseres und teureres Produkt.
      Bzgl. der Unabhängigkeit des Verbrauchs von den geöffneten Tagen, das ist natürlich korrekt.
      Einen Bevölerkurngszuwachs hat es in D wohl gegeben, geisterte doch vor einigen Wochen durch die Medien, Bevölkerungsstand in D auf ATH. 20-50 Jährige werden zudem mehr essen als Kinder und Greise.

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        leftutti

        5. Juli 2019 20:51 at 20:51

        Hooh, hohh, langsam, ruhig, für alle verständlich, oh allwissender Shong09. Woher wissen Sie, was natürlich nicht oder natürlich schon richtig ist? Was qualifiziert Sie zu dem allgemeingültigen und ach so selbstbewussten Wissen, wie die Milliardäre und die Einkommensschichten darunter (wie weit darunter?) sich ernähren und welche Ausgaben dafür aufgewendet werden?

        Als klassischer Durchschnittsverdiener habe ich mich trotz der einen oder anderen Gehaltserhöhung nicht zu einer anderen Ernährungsweise hinreißen lassen. So halten es auch zahlreiche Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte, etwa 60 an der Zahl.

        Sicher haben Sie repräsentative Statistiken zur Hand, die belegen, was natürlich richtig ist. Auch wenn 20-50-Jährige demografisch eher abnehmen…

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          Shong09

          8. Juli 2019 11:49 at 11:49

          Nun, da hilft Ihnen schon die Mikroökonomie weiter, die in diesem Fall auch mal richtig liegen dürfte. Das es nicht auf jeden zutrifft, da haben Sie recht, aber es kommt auf die Gesamtheit an. Logisches Nachdenken hilft auch. Wenn Sie schon ausreichend essen, werden die meisten wohl nicht mit Völlerei anfangen, aber bessere Qualität zu einem teureren Preis einkaufen, dass tun einige.
          Sehr schön, dass Sie mich versuchen zu diskreditieren, weil ich den Kopf benutze. Ist in unserer Gesellschaft doch in, wäre auch zu anstrengend, selber den Apparat zu benutzen. Hätte ich von Ihnen eigl. nicht erwartet. Da enttäuschen Sie mich

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            leftutti

            8. Juli 2019 13:58 at 13:58

            Was ich damit eigentlich meinte, basierte schon auch auf dem Einsatz des Denkapparates. Einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von etwa 1900,- EUR stehen Reallohnsteigerungen von 0,6 bis 0,9% in den letzten Jahren gegenüber, also etwa 14,- EUR p.m. Diese recht geringen inflationsbereinigten Lohnsteigerungen sind trotz ganz veritabler Nominallohnanstiege zu einem großen Teil auf die Preissteigerungen bei Energie (Strom, Sprit, Heizen), Versicherungen, Handwerk, Dienstleistungen und Mieten zurückzuführen.

            Wie im Artikel beschrieben, hat vor allem der Internet- und Versandhandel starke Steigerungsraten zu verzeichnen. Man gibt also das bisschen Mehreinkommen eher für andere Dinge aus. Da 14,- EUR p.m. ja ohnehin nicht gerade zu Konsumorgien einladen, dürfte für Lebensmittel nicht mehr allzu viel übrig bleiben. Unter Umständen haben Sie recht bei den höheren Einkommensklassen, denen vielleicht 100,- EUR und mehr p.m. beschert werden. Wobei hier die Qualität ohnehin schon sehr gehoben sein dürfte und man die Gehaltserhöhung vermutlich mit einer zusätzlichen Flasche 1980er Cabernet Sauvignon feiert ;)

            Grundsätzlich bin ich jedoch der Ansicht, dass ein neues iPhone oder Auto, ein längerer oder etwas luxuröserer Urlaub oder einfach die pure Shopping-Lust den Wunsch nach hochwertigen (Bio?)Lebensmitteln oder Rib-Eye-Steak deutlich überflügeln.

            Sie sehen also, es stecken schon auch Überlegungen hinter meinen Kommentaren, deutlich mehr als die Absicht, Sie zu diskreditieren. Und ist nicht der Satz „das ist natürlich nicht richtig“ auch bereits eine Diskreditierung?

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            Shong09

            9. Juli 2019 10:34 at 10:34

            Bei den 14€ im Monat wird natürlich kaum einer seinen Konsum in erheblichem Umfang ändern, weder bzgl. der Ernährung noch bzgl. mehr Elektro. Aber einerseits wandern bei diesen 14€ vlt 1-3€ plus der ursprünglich ausgegebene Betrag in gehobenere Güter, andererseits besteht die Bevölkerung eben durchaus aus diversen AN und Selbstständigen, die um einiges höhrere Lohnerhöhungen haben.Zudem ist auch nur die Reallohnentwicklung nach Verbrauchsgüterpreisinflation geringfügig positiv. Die Daten für die Vermögenspreisinflation gibts dann auf Seite des Flossbach von Storch Instituts.

            Das „natürlich“ wurde von mir gebraucht, weil es, in meinen Augen, doch ganz offensichtlich ist, dass sowohl die Theorie in diesen Punkten etwas anderes aussagt, als auch die Logik, wenn man es durchdenkt.
            Es gibt eben mehr als die von Ihnen im Eingangspost genannten 2 Variabeln, welche sich durchaus ändern und zu einem höheren Umsatz der Branche führen.

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    Columbo

    8. Juli 2019 16:33 at 16:33

    @Leftutti
    „Das ist natürlich nicht richtig….“
    Mit dem kleinen arroganten Wort „natürlich“ wird einem eigentlich gesagt, daß man weit und breit der einzige Depp ist, der falsch liegt. Selbst die „Natur“ weiß es besser. Ich weiß auch nicht, warum manche diese Arroganz in der Diskussion brauchen…

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      leftutti

      8. Juli 2019 18:11 at 18:11

      @Columbo, seit der lächerlichen, hirn- und haltlosen Schizo-Attacke vor einiger Zeit scheint es in gewissen Kreisen Mode zu werden, fast jedem meiner Kommentare sofort eine Diskreditierung oder einen persönlichen Angriff zu unterstellen. Obwohl man genau das mehr oder minder subtil bis ganz offensichtlich selbst zelebriert, unterstellt man es gerne in verquerer und grotesker Logik den Andersdenkenden. Vermutlich müssen fehlende Substanz und Manieren durch Aggression und Arroganz ausgeglichen werden.

      Ich beobachte diese Strategien auch auf vielen anderen Foren zu ganz anderen Themen, bei denen ich oft nur stiller Leser bin. Verblüffend ist dort auch die Ähnlichkeit der Wortwahl. Sobald ich etwas von „Oberlehrer, Mainstream, Lügen, Lücken, linksgrün, Gutmensch, politisch korrekt“ oder von irgendwelchen Keulen lese, weiß ich schon, dass mir in Kürze ein großes Gähnen ins Gesicht gezaubert und gleich wieder das Murmeltier grüßen wird ;)

      Obwohl ich Foristen gegenüber nie persönlich beleidigende Ausdrucksweisen verwende, sieht man sich dennoch sofort in der Opferrolle und beginnt, Umgangsformen und Manieren ganz schnell beiseite zu legen. Dabei sollte es schon einen Unterschied machen, ob ein paar kleine ironische Sticheleien wie „oh allwissender…“ benutzt werden oder ob man jemandem unterstellt, bei einem gerechtfertigten Kommentar den Denkapparat nicht zu benutzen oder mal wieder natürlich falsch zu liegen.
      Siehe auch hier:
      https://finanzmarktwelt.de/neue-horror-bilder-von-trumps-chaos-grenze-131972/#comment-58542
      Ich schreibe ganz böse und voller Aggression von einem inhaltlich „verdrehten Sprüchlein“ und erhalte als nette Antwort: „Sie brauchen mich nicht anzusprechen … persönliches Angreifen … typisch grünlinks … selbstverliebte, politisch absolut korrekte Kommentare“.

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    Harry von Hattnix und Kriegtnix

    9. Juli 2019 06:49 at 06:49

    Sehr geehrter @ leftutti Ich lese immer gerne ihre Kommentare,selbstverständlich auch alle anderen.Ich amüsiere mich immer über viele Antworten der sogenannten Informierten Besserwisser.Ich glaube fast das diese Leute anfangen zu frieren und Kreislaufprobleme bekommen wenn jemand von ihrem Denken abweicht,weil ihre Linie und ihr Denken für sie die einzige Wahrheit ist.Von Respekt gegenüber anderen Meinungen oder sich einer Diskussion auf hohem Niveau zu stellen ist bei der eventuellen Einbahnstraßen Einstellung wohl schlecht möglich.Be cruel to be kind. Gruß Harry von Hattnix und Kriegtnix

  4. Avatar

    leftutti

    9. Juli 2019 15:04 at 15:04

    Fassen wir also zusammen:
    – Zusätzliche Verkaufstage sind bei dieser Warengruppe nicht oder kaum relevant
    – Es gab einen Bevölkerungszuwachs
    – Es kommt auf die Gesamtheit an, nicht auf Einzelne

    Die von mir genannten Nettoeinkommen und Einkommenszuwächse sind ein Durchschnittswert, der die Gesamtheit aller AN umfasst, inkl. der oberen Einkommensschichten mit höheren Zuwächsen.

    Die realen Umsatzsteigerungen bei der genannten Warengruppe sind traditionell seit langem eher gering oder waren lange sogar fallend bis stagnierend:

    https://einzelhandel.de/index.php?option=com_attachments&task=download&id=9593
    (siehe Seite 23, Nr. 472 und 4711-02)

    https://www.bvlh.net/daten-fakten/detail.html?
    tx_fpfakten_faktenpi1%5Bcid%5D=1281&tx_fpfakten_faktenpi1%5Baction%5D=show&tx_fpfakten_faktenpi1%5Bcontroller%5D=Fakten&cHash=a11840b936a7e900dd6ef09b0cb6ef37
    (hier natürlich die realen/in konstanten Preisen betrachten)

    Das nominale Umsatzwachstum der Branche dürfte in erster Linie aus Preiserhöhungen resultieren:
    https://www.bvr.de/Presse/Alle_Meldungen/Anhaltendes_Umsatzwachstum_im_Lebensmitteleinzelhandel
    https://www.zdf.de/nachrichten/heute/preise-treiben-handel-an-lebensmittel-umsatz-auf-rekordhoehe-100.html

    Lassen wir also mal die Theorie und die „Logik, wenn man nachdenkt“ beiseite. Die Zahlen und Fakten stützen doch irgendwo auch meine These, oder?

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Europa

Europa in der Deflation? Ohhh nein – ein zweigeteilter Kontinent

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Geldscheine und Münzen

Europa ist in die Deflation gerutscht. Diese Aussage ist gar nicht so verkehrt, wenn man nur den Gesamtdurchschnitt betrachtet. In der Eurozone sind die Verbraucherpreise im August um 0,2 Prozent gesunken gegenüber August 2019, nach +0,4 Prozent im Juli, wie es heute Eurostat verkündet hat. Natürlich drückt die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland auf den Schnitt, das sollte man immer bedenken. Und nach europäischer Lesart sind wir hierzulande derzeit schon in der Deflation mit -0,1 Prozent (nach deutscher Rechenmethode 0,0 Prozent).

Deflation in Westeuropa, deutlich Inflation in Osteuropa

Aber am Schlimmsten hängen Zypern und Griechenland in der Deflation mit -2,9 Prozent und -2,3 Prozent. Auch große Länder wie Italien und Spanien hängen in der Deflation, insgesamt 14 Länder! Aber schaut man nicht nur auf die Eurozone, sondern auf ganz Europa, dann ergibt sich ein anderes Bild. Denn Osteuropa zeigt seit geraumer Zeit steigende Verbraucherpreise, so auch im August. Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien, Österreich, die Slowakei, Bulgarien und Litauen bilden nicht nur geografisch einen Block, sondern auch bei den Preisen. Sie steigen im August im Jahresvergleich mit Steigerungsraten zwischen +0,6 Prozent und +4,0 Prozent. Die folgende Grafik zeigt die geografische Aufteilung zwischen Inflation und Deflation (Osteuropa gegen Westeuropa) eindrucksvoll.

Die Details von Eurostat zeigen, dass im Gesamtschnitt der Eurozone die Verbraucherpreise für Energie nach dem Ölpreis-Schock aus dem Frühjahr immer noch 7,8 Prozent tiefer liegen als im August 2019 (Vormonat noch -8,4 Prozent). Die Nahrungsmittelpreise für Verbraucher steigen nur noch um 1,7 Prozent (Vormonat 2 Prozent). Die Verbraucherpreise für „Industriegüter ohne Energie“ fallen am deutlichsten von +1,6 Prozent auf -0,1 Prozent.

Grafik zeigt Deflation und Inflation in Europa

Tabelle zeigt detaillierte Inflationsdaten für August in Europa

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Europa

Autozulassungen in EU im August: Inzwischen erträgliches Minus im Jahresvergleich?

Claudio Kummerfeld

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am

Autos auf großem Parkplatz

Die Autozulassungen in der EU sind im August im Vergleich zu August 2019 um 18,9 Prozent gesunken, von 949.034 auf 769.525 PkW, so sagt es aktuell der europäische Automobilverband ACEA. Im wichtigeren Vergleich von Januar-August 2020 zu Januar-August 2019 sind es minus 32 Prozent. Vor allem Italien sticht im aktuellen August-Jahresvergleich hervor mit einem Minus von lediglich 0,4 Prozent (das sieht man auch bei den Rückgängen bei Fiat Chrysler von nur -6,6 Prozent). Im größeren Achtmonatsvergleich sind es bei Italien aber immer noch minus 38,9 Prozent. Deutschland liegt im August-Jahresvergleich bei minus 20 Prozent, im größeren Bild bei minus 28,8 Prozent.

Detailstatistik zu Autozulassungen in der EU im August

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Europa

Konjunktur: Die Erholung – und die Verlierer in Deutschland

Warum die Konjunktur sich stark erholt – aber die Verlierer-Branchen die Wirtschaft weiter belasten..

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Wie oft wurde in vielen Kreisen die Frage diskutiert, ob es nach dem historisch einmaligen Wirtschaftseinbruch eine V-, U-, oder W-förmige Wirtschaftserholung der Konjunktur geben werde. Jetzt meldet sich das Statistische Bundesamt noch deutlich vor Quartalsende zu Wort und spricht von einer V-förmigen Erholung, die aber eine seltsame Form annehmen wird, nämlich eine asymmetrische.

Konjunktur: Die Zeichen der Erholung

Unabhängig von der jetzigen Diskussion, musste eigentlich jedem klar sein, dass die Realwirtschaft auch im günstigsten Fall keine Erholung im Stile der Börsen hinlegen kann. Der Dax stürzte von Mitte Februar in knapp 30 Tagen bis zu seinem Tief am 18. März um fast 40 Prozent in die Tiefe (8255 Punkte), um bis zum 8.Juni binnen 80 Tagen um 56 Prozent zuzulegen (12913 Punkte). Wie soll dies eine Wirtschaft nach einem Lockdown nachvollziehen, mit zerlegten Lieferketten, wenn große Schiffe mit Grundstoffen schon Wochen zwischen den Kontinenten pendeln? Aktien hingegen sind schnell gekauft. Was brachte das Statistische Bundesamt aber dazu, die Prognosen für die Konjunktur zu veröffentlichen?

Inmitten des Quartals hat die Statistikbehörde die vorliegenden Daten aus Juli und August zusammengefasst und ist zum folgenden Ergebnis gelangt:

In fast allen Branchen ist ein V erkennbar, so der Leiter der Abteilung Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Behörde, Albert Braakmann.
Es dürfte aber ein asymmetrisches V werden – mit Branchengewinnern- und Verlierern.

Beispiele: Automobilindustrie, Anstieg der Auftragseingänge im Juli um 8,5 Prozent gg. Juni, noch ein Minus von 2,4 Prozent zum Februar
Maschinenbau: Plus 5,4 Prozent Juli zu Juni, aber noch ein Minus von 13,4 Prozent zum Februar.

Insgesamt ist eine Erholung des Einbruchs im Verarbeitenden Gewerbe von seinen 25 Prozent aus dem Frühjahr zu erkennen. Jedoch beträgt das Minus noch elf Prozent zu den Februarwerten. Weiter aufwärts ging es mit den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe, die sich ebenso schnell erholt haben und noch 8,3 Prozent unter dem Februar-Wert liegen. Ähnliches gilt für den Lkw-Maut-Fahrleistungsindex, der einen Hinweis auf die Industrieproduktion in Deutschland gibt. Dieser stieg im August auf Monatssicht um weitere 1,2 Prozent und liegt noch 3,5 Prozent unter Vorkrisenniveau. Wem ist der Lastwagenverkehr auf unseren Straßen noch nicht aufgefallen?

Der Einzelhandel zeigt ein gemischtes Bild. Zwar lag man im Juli insgesamt um 0,9 Prozent über dem Februar-Tief, mit einem deutlichen Plus von Möbeln und Haushaltsgeräten von 3,5 Prozent und weiterhin starken Zuwächsen im Onlinehandel. Auch kehrten die Konsumenten im Juli etwas mehr in die Fußgängerzonen zurück, wie Mobilitätsdaten von Mobiltelefonen aufzeigen. Jedoch fehlten den Kaufhäusern immer noch 16,4 Prozent Umsatz gegenüber den Vor-Corona-Zeiten.

Das Statistische Bundesamt verweist weiter auf die steigenden Frühindikatoren. Den Ifo-Konsumklimaindex mit seine vier Anstiegen in Folge und den ZEW-Index. Das Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung sieht zwar noch eine aktuell negative Lage der Konjunktur, man hob den Konjunkturindikator für den Ausblick aber überraschend deutlich um 5,9 Punkte auf 77,4 Zähler an. Es ist der stärkste Anstieg seit 20 Jahren.
Von Corona gänzlich unbeeindruckt zeigt sich das Baugewerbe. Im ersten Halbjahr des Jahres lagen die Baugenehmigungen um 5,6 Prozent über denen des Vorjahres. Allerdings schwächten sich diese Zahlen zuletzt etwas ab

Die Zeichen der Stagnation und die zurückgebliebenen Branchen

Die Statistiker des Bundesamtes sehen aber auch die Verlierer der Pandemie mit ihren Beschränkungen. Das Gastgewerbe meldete zwar ein Plus von 21,9 Prozent von Juli gegenüber dem Juni. Dies ist aber immer noch ein Rückgang von 28,7 Prozent gegenüber dem Februar.
Noch recht desolat sieht es im Übernachtungsgewerbe bei Hotels und Pensionen aus. Der Anstieg von 54,8 Prozent von Juli auf Juni sieht zwar recht imposant aus, jedoch bedeutet dies immer noch ein Minus von 22,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der Halbjahresbilanz fehlen ganze 42,2 Prozent zum Vorjahr. Es blieben vor allem die Touristen aus dem Ausland aus.

Das größte Sorgenkind ist die Luftfahrtindustrie. Hier können die Statistiker nicht einmal den Ansatz eines Vˋs erkennen. Nach den schwachen Zuwächsen der Fluggastzahlen könnte man eher von einem L-Szenario sprechen.
Leicht abwärts ging es im August auch mit dem GfK-Konsumklimaindex. Die Kurzarbeit sowie die Arbeitlosigkeit hinterlassen ihre Spuren, nach drei Monaten Anstieg.

Als großes Damoklesschwert hängt eine mögliche Pleitewelle von vielen kleinen Unternehmen im Raum. Über das Thema Aussetzung der Insolvenzantragsverpflichtung mit all ihren Konsequenzen wurde hier schon ausführlich diskutiert.

Alles in allem kommt das Statistische Bundesamt zu dem Ergebnis: Die Konjunktur produziert ein V, aber ein asymmetrisches. Fraglich ist, wie sich die Abflachung auf der rechten Seite bis zum Jahresende hinziehen wird.

Fazit

Es war zweifelsohne der schnellste Einbruch in der Börsengeschichte und auch die schnellste Erholung nach dem Katastrophenmonat April und dem Katastrophenquartal Q2 – 2020, den wir erleben durften. Allerdings wie sollte es auch anders sein, wenn eine Wirtschaft per Anordnung stillgelegt wird und sich in diesem Jahr circa vier Milliarden Menschen weltweit zeitweilig in häuslicher Quarantäne befunden haben? Die anschließende Erholung der Konjunktur muss aus mathematischen und faktischen Gründen sehr steil nach oben gehen, die Frage ist nur wie weit?

Die angesprochenen Verlierer-Branchen werden eine hundertprozentige Erholung der Konjunktur verhindern, so dass es trotz allen Optimismus kein konjunkturelles V geben kann, sondern ein Gebilde wie ein spiegelverkehrtes Wurzelzeichen, wie Professor Sinn es schon im Mai prognostiziert hat. Eine rasche Erholung bis zu einer gewissen Schwelle und dann eine quälend lange Phase der Oszillation um eine Linie, immer geprägt von den Bremsern und Treibern: Covid-19, Impfstoffentwicklung und monetäre Stimuli. Dies könnte auch die Entwicklung der Börsen beschreiben, der DAX hat es schon eine Zeitlang vorgemacht. Aber irgendwie ist das auch die Botschaft des Statistikinstituts..

Die Konjunktur in Deutschland - Gewinner und Verlierer

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