Allgemein

Endlich erhalten wir Antworten, warum einige Staaten funktionieren, und andere überhaupt nicht!

Halleluja, auf diese Info haben wir in der Tat eine Ewigkeit gewartet. Im Ernst, auch wir bei FMW fragen uns oft: Warum haben einige Staaten ein funktionierendes Verwaltungswesen, Schulen, Infrastruktur...

FMW-Redaktion

Halleluja, auf diese Info haben wir in der Tat eine Ewigkeit gewartet. Im Ernst, auch wir bei FMW fragen uns oft: Warum haben einige Staaten ein funktionierendes Verwaltungswesen, Schulen, Infrastruktur, Krankenversorgung, Wirtschaftswachstum etc, und gleichzeitig bekommen andere Länder es einfach nicht gebacken? Jetzt endlich (halb Ironie, halb ernst gemeint) erhellt uns der IWF mit einer Analyse, die durchaus interessant ist. Aber zuerst weist der IWF darauf hin, dass die Analyse nicht die Meinung des IWF selbst wiederspiegelt, sondern nur die Meinung der IWF-Mitarbeiter, die diese Analyse über die IFW-Webseite veröffentlicht haben!

Also, der IWF (nein, die Mitarbeiter Philippe Wingender, Vitor Gaspar und Laura Jaramillo) ist der Meinung, dass eine Gesellschaft beziehungsweise deren staatliche Ordnung erst ab einem bestimmten Volumen an Steuereinnahmen funktionieren und Wirtschaftswachstum generieren kann. Diese Steuerquote, also den Anteil an eingenommenen Steuern in Relation zum Bruttoinlandsprodukt, soll bei 12,75% liegen. Erst ab diesem Prozentsatz fange ein Staatswesen an zu funktionieren, so fassen wir die Aussagen mal in einfachen Worten sinngemäß zusammen. Anhand von Studien zu den Ländern China, Nigeria, Kolumbien und Spanien will man festgestellt haben, dass es dieses Mindestmaß an Steuern benötige.

Während Spanien diese Quote bereits 1983 überschritten habe, seien Kolumbien und China erst 2001 dort angelangt. Nigeria sei noch weit davon entfernt. Erst ab diesem Wert von 12,75% würden staatliche Einrichtungen wie Infrastruktur, sichere rechtliche Institutionen und Bildung entstehen und als Fundament für Wirtschaftswachstum dienen. Das IWF-Parnterinstitut „Weltbank“ führt Deutschland nur mit einer Steuerquote von 11,6%. Darin sind aber kommunale Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge nicht eingerechnet. Die OECD rechnet für Deutschland mit einer realen „Steuerquote“ von 36,9%.

Jetzt gibt es aber noch einen weiteren Haken an der Sache. Monaco zum Beispiel mit einer Steuerquote von irgendwo knapp über 0 hat sicherlich einen der höchsten Wohlstandswerte weltweit. Warum? Dazu braucht man keine Studie. Die dort lebenden Personen machen ihr Geld im Ausland, und bringen es nach Monaco einfach mit, wenn sie dorthin vor ihrer heimischen Steuer fliehen. Die für Monaco benötigte Infrastruktur wie Supermärkte, Lieferanten etc stellen weniger reiche umliegende Länder wie Italien und Frankreich zur Verfügung. Und verdammt nochmal, da gibt es ja noch ein paar Gegenbeispiele.

Was ist mit den Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Kuweit, den VAEs usw? Dort dürften die Steuerquoten  ebenfalls irgendwo knapp über der Null-Linie liegen. Sie haben, so meinen wir, den schlichten Vorteil, dass sie bei relativ geringer Bevölkerungszahl einen Rohstoff haben, der einfach gefördert und exportiert wird. Durch diese quasi Ersatz-Steuereinnahmen kann der Staat die Angebote wie Schulen und Krankenhäuser bereitstellen, um Wirtschaftswachstum, Lebensstandard usw zu gewährleisten. Afrikanische Öl-Förderländer mögen zwar auch Öl fördern, aber halt nicht so viel – auf der anderen Seite haben dort viele Länder deutlich mehr Menschen zu versorgen.

Während Donald Trump mit seiner nun anstehenden Politik die Steuern möglichst weit senken will um den Unternehmen möglichst viel Freiraum für neue Jobs und Wachstum zu geben, basiert der IWF-Ansatz auf einem Mindest-Sockel, der vorhanden sein muss, damit Staat und Volkswirtschaft funktionieren können. Die Fortentwicklung dieser Logik lautet wohl „je mehr Steuern, desto besser können staatliche Einrichtungen das Fundament für wirtschaftlichen Erfolg legen“. Da schielt der geneigte Befürworter dieser Denkweise sicher gerne nach Skandinavien. Das mag stimmen, aber die dortigen niedrigen Bevölkerungszahlen stehen einen oft enormen Rohstoffreichtum gegenüber, den der Staat auf die geringe Bevölkerungszahl umlegen kann (siehe Norwegen mit seinem gigantischen Staatsfonds).

Wer sich das sogenannte „IMF Working Paper“ genauer durchlesen will: Einfach hier klicken, es lohnt sich durchaus einen Blick drauf zu werfen.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

4 Kommentare

  1. Andersrum wird ein Schuh draus: In Skandinavien sind die hohen Steuereinnahmen auf einen seit vielen Jahren und Jahrzehnten sehr hohen und breiten gesellschaftlichen Konsens zwischen Bevölkerung, Sozialpartnern und Staat zurückzuführen, der u.a. jene hohen Steuereinnahmen zum ERGEBNIS hat (nicht etwa zur Voraussetzung). Und zwar übrigens schon zu Zeiten, in denen in Norwegen noch lange kein Öl gefördert wurde… (in Schweden und Dänemark gibt es sie praktisch nicht)

  2. Andersrum wird ein Schuh draus: In Skandinavien sind die hohen Steuereinnahmen auf einen seit vielen Jahren und Jahrzehnten sehr hohen und breiten gesellschaftlichen Konsens zwischen Bevölkerung, Sozialpartnern und Staat zurückzuführen, der u.a. jene hohen Steuereinnahmen zum ERGEBNIS hat (nicht etwa zur Voraussetzung). Und zwar übrigens schon zu Zeiten, in denen in Norwegen noch lange kein Öl gefördert wurde… (in Schweden und Dänemark gibt es praktisch keine Ölförderung)

  3. Ich habe die Vermutung dass in Skandinavien auch die Reichen Steuern zahlen müssen und nicht nur die Mindestverdiener ausgequetscht werden so wie bei uns.

  4. Jetzt wissen wir alle, warum Deutschland nicht funktioniert! Die Steuern sind einfach zu niedrig (laut Weltbank ja 11,6% wobei 12,75% sein müssen).

    Und damit disqualifiziert sich diese Analyse von selbst.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage